Pilpul, (‚ genaueste Untersuchung‘ von hebräisch pilpel ‚Pfeffer‘ bzw. ‚Pfefferung‘) bezeichnet Methoden des Talmudstudiums, die durch logische Analyse und genaue Ausdifferenzierung aller denkbaren Aspekte und dafür und dagegen sprechender Gesichtspunkte die möglichen Auslegungen einer Stelle und Thematik zu klären versuchen. Der Begriff wird auch polemisch im Sinne von „Spitzfindigkeit“, „Haarspalterei“ oder „Rabulistik“ benutzt.
Geschichte Wenn auch das pilpulistische Verfahren bereits dem antiken und spätantiken Judentum bekannt war und für genügend Diskussionsstoff sorgte – in talmudischer Zeit hauptsächlich in Babylonien zur Verbindung mündlicher und schriftlicher Tora angewandt –, so setzt man den historischen Beginn des Pilpul doch ins Frühmittelalter und sieht verschiedene Tosafistenschulen als deren Urheber an, insbesondere Rabbenu Tam, Jakob ben Meïr, der im 12. Jahrhundert in Frankreich lebte.
Spätestens seit der Vertreibung der Juden aus Frankreich (1394) und vermittelt über verschiedene Gelehrtenhochburgen in Deutschland (Regensburg, Nürnberg) verbreitete sich dieses Verfahren in ganz Europa und war im 15. Jahrhundert in allgemeiner Übung.
Die deutschen Rabbiner Israel Bruna und Jakob Weil z. B. waren ebenso Anhänger der Pilpul-Methode wie Jakob Pollak, der eine Talmud-Schule in Krakau leitete.
Zu ihren prominentesten Gegnern gehörte z. B. R. Jesaja Horovitz (um 1555–1625), der Verfasser von schene luchot ha-berit. In Deutschland wurde die Pilpul-Methode in der Folge von den meisten führenden Rabbinern abgelehnt, fand jedoch über Jahrhunderte hinweg in Deutschland sowie besonders in Polen begeisterte Anhänger, diente zur Klärung teilweise schwierigster, ihre Schwierigkeiten aber dadurch auch selbst hervorbringender und erhaltender halachischer Fragen, zur Aktualisierung der Tradition und nicht zuletzt zur auch pädagogisch wertvollen Schärfung des Verstandes.
Wesentlicher Kritikpunkt bleibt, dass die Methode immer neue Schwierigkeiten erzeugt oder zumindest erzeugen kann und damit in der Gefahr ist, in rabbinischen Schulen zum Selbstzweck zu werden.
Literarische Verarbeitung Zu einer gewissen literarischen Berühmtheit kam die Pilpul-Methode durch die Ausgestaltung der Figur des amerikanischen Ostküsten-Rabbiners David Small in den Kriminalromanen von Harry Kemelman sowie jüngst auch in Joann Sfars Comic Die Katze des Rabbiners, die ihren Besitzer in die aberwitzigsten Dispute verwickelt, aus denen dann niemand mehr herausfinden kann.
Weitere Beispiele R. Jisrael Lipschütz (1782–1861) verfasste einen Mischna-Kommentar Tif'eret Jisrael (zuerst erschienen mit der 6-bändigen Mischna in Hannover, Danzig, Königsberg 1830–1850): praktische Halacha im Anschluss an den Schulchan Aruch in zwei Abteilungen: Erklärung des Wortsinns (Peschat) sowie andererseits aber auch einen Kommentar in der Art des Pilpul, die Lipschütz selbst (in Anlehnung an ) Jachin und Boas nennt. Naphtali Zwi Juda Berlin, Oberhaupt der Jeschiwa von Waloschyn und Mitglied der Chibbat-Zion-Bewegung: War ein Gegner des Pilpul in der Nachfolge des Wilnaer Gaon. Isaak Jakob Reines (1839–1915), Talmudgelehrter, russischer Rabbiner, Mitbegründer des Misrachi: Er war ebenfalls ein erklärter Gegner des Pilpul.
Ein Textbeispiel
Literatur
Kategorie:Talmud Kategorie:Halacha Kategorie:Jüdische Literatur