Dieser Artikel beschreibt die Figuren in der Ilias, einem der ältesten Werke der griechischen und europäischen Literatur.

Menschen Achaier In Homers Epen steht die Bezeichnung Achaier, neben Danaer und Argiver, allgemein für die Griechen, die gegen Troja kämpften.

Achilleus mini|Achilleus opfert Zeus auf diesem Bild in der Ilias Ambrosiana, die um 500 in Konstantinopel entstand; heute in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand.Biblioteca Ambrosiana; Codex F. 205 Inf. Achilleus ist der stärkste griechische Kämpfer. Mit dem Ablehnen des Versöhnungsangebotes durch die von Agamemnon geschickte Gesandtschaft im neunten Buch der Ilias zieht sich Achilleus das Unverständnis seiner griechischen Gefährten zu und isoliert sich von ihnen.Ilias 9,696–711. Dieser Konflikt wird erst im neunzehnten Buch beigelegt.Ilias 19,74–75. In Schlachten zeigt sich der beste griechische KämpferIlias 2,768–773. eher grausam als zum Beispiel Aias und Hektor.Vgl. Wolf-Hartmut Friedrich: Verwundung und Tod in der Ilias. Homerische Darstellungsweisen. Dritte Folge Nr. 38, Göttingen 1956 S. 60. Sonst hat er eher einen milden Charakter.Ilias 1,334–336; 9,196–204; 11,599; 21,100–102.Vgl. Friedrich Eichhorn: Homers Ilias. Ihr allgemeines Werden unter der Hand des Dichters und ihre endgültige Gestalt. Horn 1971, S. 44–45. 76. Sein Tod wird ihm zwar verkündet, dass er aber an der Achillesferse getötet werden soll, wird nicht erwähnt.Vgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 28. Generell akzeptiert er Agamemnons Führungsanspruch, da er ihm ermöglicht, Beute zu machen.Vgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 104. Der Urenkel des Zeus, Enkel des Aiakos und Sohn von Thetis und PeleusIlias 1,1; 1,348–361; 1,413; 21,182–189. führt ein Kontingent von 50 Schiffen und die Myrmidonen als Kämpfer aus Phthia nach Troja.Ilias 1,148–171; 1,179–180; 2,681–694. Achilleus’ Sohn Neoptolemos tritt in der Ilias nicht aktiv auf und wird nur erwähnt.Ilias 19,326–327.Sein späteres Erscheinen im Troischen Krieg wird unter anderem in Sophokles’ Philoktetes dargelegt. Nach Nestor spricht Achilleus am häufigsten und ausschweifendsten.Vgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 119–120.

Agamemnon Agamemnon ist der Anführer der Griechen, er vertreibt den Apollonpriester Chryes aus der Gemeinschaft.Ilias 1,22–25. Daraus entwickelt sich ein Konflikt mit Achilleus und mit dem Volk, welcher sich erst im neunzehnten Buch löst. Obwohl er der mächtigste König ist,Ilias 2,204–206.Vgl. Isokrates or. Panathenaicus 81–82. ist es ihm nicht gestattet, über die anderen Fürsten zu gebieten, da diese ihm freiwillig folgtenVgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 103–104.  – er muss sie sich sogar gewogen halten.Ilias 4,356–363. Dabei ist er häufig verunsichert.Vgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 117–118. Der Herrscher über das Gebiet um Argos und Mykene führt das größte und beste Kontingent mit 100 Schiffen nach Ilios.Ilias 1,24–32; 2,207–208; 2,569–580; 9,149–156. In der Ilias ist Agamemnon Enkel des Pelops, Sohn des Atreus, Neffe des Thyestes,Ilias 1,7; 2,105. Ehemann von Klytaimnestra und Vater von Orestes, Chrysothemis, Laodike und Iphianassa.Ilias 9,141–148. Elektra und Iphigenie, die bei Euripides im gleichen Wortlaut als Agamemnons Töchter erwähnt werden,Vgl. Euripides Orestes, 23. werden in der Ilias nicht genannt – ob ein sprachlicher Zusammenhang zwischen Iphianassa und Iphigenie besteht, ist ungeklärt. Ob dem Iliasdichter die Opferung der Iphigenie in Aulis vor der Fahrt nach Ilios bekannt war, ist dabei umstrittenVgl. Wolfgang Kullmann: Die Töchter Agamemnons in der Ilias. In: Gymnasium, Band 72, Heidelberg 1965, S. 200–203 (= Kullmann (1992), S. 64–66). – der Kypriendichter und Sophokles sehen.Vgl. Kypria, Fragment 14 (Bethe) und Sophokles, Elektra, 153–163.

Der große Aias mini|Diese Skulptur des großen Aias vom Aphaiatempel auf Ägina, die zwischen 505 und 500 v.u.Z entstand, befindet sich in der Glyptothek in München. Aias der Telamonier, auch „Aias der Große“, ist ein großer Held der Griechen. Schwierig war es für den Autor der Ilias, den zweitstärksten Mann der AchaierIlias 2,768–770. sich zwar präsentieren, dennoch aber die Troer bis zu den Schiffen gelangen zu lassen. Diese verteidigt er in einer Art Aristie.Vgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 147–148. Der Sohn des Telamon führt zwölf Schiffe aus Salamis nach Ilios.Ilias 2,527–529; 2,557–558. In späteren Texten ist Telamon ein Sohn des Aiakos, und damit der große Aias Vetter von Achilleus.Pindar, Isthmien 6, 19–21.

Der kleine Aias mini|Ölbildnis des kleinen Aias von Henri Serrur aus dem Jahre 1820, welches sich im Musée des Beaux-Arts in Lille befindet. Aias der Lokrer, auch „Aias der Kleine“, ist der Sohn des Oïleus und der Eriopis ist zwar ein schneller, aber kein großer und starker Kämpfer. So tritt der Führer der Lokrer und Anführer von 40 Schiffen hinter seinem Namensvetter zurück.Ilias 2,527–535; 13,694–697.

Diomedes Diomedes ist der jüngste der Könige, aber so stark,Der Verfasser geht sogar so weit, ihn als besten der Achaier zu nennen, vgl. Ilias 5,414–415. dass er von den Troern noch mehr als Achilleus gefürchtet wird und sogar fast Aias, den stärksten Achaier nach Achilleus, im Wettkampf besiegen kann, bevor der Kampf beendet wird, um Aias’ Leben zu retten.Ilias 23,811–825. Auch einige Taten des Tydeussohnes sind wohl nachträglich ergänzt worden.Vgl. Walter Bröcker: Theologie der Ilias. Frankfurt am Main 1975, S. 58–60; zu Tydeus vgl. Magdalene Stoevesandt: Zum Figurenbestand der Ilias: Menschen. In: Joachim Latacz (Hrsg.): Homers Ilias. Gesamtkommentar. Prolegomena, München/Leipzig 2000, S. 139; für einen Überblick zu den Heraklestaten vgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 136–138. Sein aitolischer Großvater Oineus ist dem lykischen Großvater von Glaukos, Bellerophontes, durch Gastfreundschaft verbunden.Ilias 6,119–236. Sein anderer Großvater ist Adrestos, dessen eine Tochter Diomedes’ Mutter ist und dessen andere Tochter Aigiale – seine Tante also – er sich zur Frau genommen hat.Ilias 5,410–415; 14,109–132. Diomedes brachte mit seinem Wagenlenker Sthenelos aus den Regionen um Argos und Tiryns 80 Schiffe nach Ilios.Ilias 2,559–568.Zur Abgrenzung zum Gebiet von Agamemnon Edzard Visser: Homers Katalog der Schiffe. Stuttgart / Leipzig 1997.

Idomeneus Idomeneus stammt von Zeus ab – er ist Enkel des Minos und Sohn des Deukalion.Ilias 13,445–454. Als König von Kreta führt er mit dem Gefährten Meriones 80 Schiffe nach Ilios.Ilias 2,645–653.

Kalchas Kalchas ist ein Sohn des Thestor, er tritt in der Ilias nur als Seher und Vogeldeuter auf.Ilias 1,68–101; 2,299–300.

Machaon Machaon ist zwar vorwiegend Arzt wie sein Vater Asklepios – er heilt Menelaos’ WundenIlias 4,188–219.  –, tritt allerdings auch in einer Schlacht als Kämpfer auf und wird schließlich sogar selbst verwundet, woraufhin sich Achilleus über einen Botengang durch Patroklos nach dessen Gesundheitszustand erkundigt.Für einen Überblick vgl. Gustav Adolf Seeck: Homer. Eine Einführung. Stuttgart 2004, S. 158–159.

Menelaos Menelaos, der Herrscher Lakedaimons, ist Agamemnons Bruder und Helenas Ehemann. Dass seine Frau von Paris entführt wurde, ist die Ursache für den Trojanischen Krieg und den kurzen Ausschnitt in der Ilias.Ilias 3,86–94. Er befehligt 60 Schiffe,Ilias 2,581–590. ist aber kein überragende Kämpfer, sodass sein Bruder aus Furcht vor einer Niederlage gegen Hektor ihn an einem Zweikampf mit diesem hindert.Ilias 7,92–122. Dafür kann er sich bei der Verteidigung von Patroklos’ Leichnam hervortun.Ilias 17,540–667.

Meriones Meriones, der Sohn des Molos und Gefährte des Idomeneus, tritt gerne im Vordergrund und neben den großen Helden auf.Ilias 7,161–168; 8,253–267; 9,80–84; mit 10,53–59; 13,249; 267–273.

Nestor Nestor ist ein kluger Greis. Das mythische Zeitalter der Heroen ist von der Zeit der Ilias nicht weit entfernt:Vgl. Wolfgang Kullmann: Vergangenheit und Zukunft in der Ilias. In: Poetica, Band 2, München 1968, S. 23–24 (= Kullmann (1992), S. 228–229). Nestor, der drei Generationen erlebte und damit ältester Kämpfer vor Ilios ist,Ilias 1,247–284. kämpfte noch mit Herakles,Ilias 11,690–691. der seine Brüder getötet hatte.Ilias 11,690–693. Er sieht sich selbst als besten Redner anIlias 9,103–105. und gibt deswegen häufig Ratschläge. In seiner Jugend waren die Männer stärker als in der erzählten Zeit der Ilias.Ilias 1,260–261. Doch auch der Verfasser der Ilias beschreibt eine Degeneration seiner Zeit in Bezug auf die iliadische Zeit.Ilias 5,302–304. Der Herrscher von Pylos und Sohn des Neleus führt 90 Schiffe nach Ilios, zu deren Besatzung zwei seiner Söhne, der jüngste und schnellste der Achaier, Antilochos, und Thrasymedes, gehören, die an den Kämpfen vor Ilios teilnehmen.Ilias 2,20–21; 2,591–602; 9,80–84; 15,569–570; 23,301–305.

Nireus Nireus, König von Syme, ist nach Achill der Zweitschönste im Griechenheer, aber ein schwacher Kämpfer.Ilias 2,671-675.

Odysseus Odysseus ist ein durch seine Klugheit gezeichneter Ratgeber. Er kam mit zwölf Schiffen mit den Kephallenen aus Ithaka und Umgebung nach Ilios.Ilias 2,631–637; 3,199–202; 11,428–433. Der Sohn des Laërtes und Vater Telemachos’ tritt aber auch in Kämpfen auf.Ilias 2,172–173; 2,257–264; 11,333–335; 11,396–400. Die Folgen des Wettstreites um Achilleus’ Waffen,Vgl. Homer, Odyssee 11,541–567 und Sophokles, Aias den Odysseus gegen Aias gewinnt, kennt die Ilias zwar nicht, dennoch gibt es im 23. Buch einen Ringkampf zwischen beiden, der überraschenderweise unentschieden, mit Vorteilen für Odysseus ausgeht.Ilias 23,708–739. Des Weiteren nehmen beide an der Gesandtschaft an Achilleus teil.Ilias Vgl. Buch Neun.

Patroklos Patroklos ist nicht nur Achilleus’ Freund,Dazu vgl. Dale_S._Sinos: Achilles, Patroklos and the meaning of philos. Innsbruck 1980. sondern auch dessen Wagenlenker.Ilias 17,426–428; 17,474–478. Der Enkel des Aktor und Sohn des Menoitios kommt aus dem lokrischen Opus,Ilias 11,785; 18,316–327. wo er als Kind unbeabsichtigt einen Sohn des Amphidamas umgebracht hat.Ilias 23,82–87. Aus Furcht vor einer Bestrafung ist er zu Peleus geflohen und wurde dort als Achilleus’ älterer Ziehbruder aufgenommen – spätere Autoren sahen in Patroklos einen Neffen, Onkel oder Vetter Achilleus’.Vgl. Pseudo-Hesiod Fragment 212(a); Philokrates: FGrHist, 601 F 1. Pindar, Oden 9, 69–70 (mit Pseudo-Hesiod, Fragment 205). Sein Vater Menoitios schickte ihn schließlich aus Phthia zu Agamemnon als Unterstützung.Ilias 11,762–791.

Philoktetes Der versierte Bogenschütze Philoktetes führte sieben Schiffe nach Troja. Die Griechen hatten ihn wegen einer übel riechenden Wunde auf Lemnos ausgesetzt.Ilias 2,716–725 Phoinix Phoinix floh aus dem elterlichen Haus seines Vaters Amyntor und Großvaters Ormenos in Hellas zu Achilleus’ Vater Peleus in Phthia. Dort wurde er Erzieher Achilleus’ und Herrscher über die Doloper, in der Ilias ist er Achilleus’ Berater und Unteranführer der Myrmidonen.Ilias 9,432–622; 16,193–197.

Podaleirios Podaleirios ist wie sein Bruder Machaon ein Sohn des Asklepios und ArztIlias 2,731–732 und nimmt an den Kämpfen teil.Ilias 11,833 –836 Protesilaos Protesilaos ist der erste Gefallene auf griechischer Seite.Ilias 2,695–702

Thersites Thersites ist ein hässlicher, schmähsüchtiger und darum verhasster Streiter im griechischen Heer.Ilias 2,212–277

Trojaner Aineias mini|Auf diesem Bild wird der verwundete Aineias von Aphrodite aus der Schlacht entrückt. Das Bild zeigte eine etruskische, schwarzfigurige Amphore, die um 480 v. u. Z. produziert wurde und heute in der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums in Würzburg ausgestellt ist.