Georgi Franzewitsch Milljar (; * in Moskau, Russisches Kaiserreich; † 4. Juni 1993 ebenda, Russische Föderation) war ein sowjetischer bzw. russischer Theater- und Filmschauspieler.
Biografie mini|Georgi Milljar in Maltschik s okrany (1947) Milljars Vater, ein französischer Brückenbauingenieur, starb in Jalta, in Argumenty i Fakty (russisch), abgerufen am 19. Oktober 2020 als Georgi zwei Jahre alt war. Seine Mutter Elisabeth Schurawljow, Tochter eines Goldminenarbeiters, zog mit ihm nach Gelendschik. Milljar wuchs ohne materielle Nöte abwechselnd dort und in Moskau auf, er beherrschte bereits in jungen Jahren drei Sprachen. Nach der Oktoberrevolution arbeitete er zunächst in Gelendschik als Ausstatter an einem Theater und trat 1920 erstmals als Schauspieler auf. Seine Debütrolle war, im Rahmen einer Krankheitsvertretung, die des Aschenputtel in der Sobesednik (russisch), abgerufen am 19. Oktober 2020. Von 1924 bis 1927 studierte Milljar in Moskau an der Schauspielklasse des Theaters der Revolution (; 1943 umbenannt in Moskauer Dramatisches Theater und 1954 in Majakowski-Theater), das 1922 von Wsewolod Meyerhold gegründet worden war und 1924 unter der Leitung von Waleri Bebutow (1885–1961) stand. Danach gehörte Milljar von 1927 bis 1938 zum Ensemble dieses Theaters, das in dieser Zeit u. a. von Alexei Popow (1892–1961) und später von Maxim Schtrauch geleitet wurde.Geschichte des Majakowski-Theaters auf kino-teatr.ru (russisch), abgerufen am 20. April 2020 Nach dem Großen Vaterländischen Krieg gehörte er von 1945 bis 1952 dem Moskauer Theater-Studio der Filmschauspieler (; 1990 umbenannt in Theater der Filmschauspieler und seit 1992 Staatliches Theater der Filmschauspieler) an.
Seit 1929 war Milljar auch in Filmen als Darsteller tätig. Besonders prägend waren seine Rollen in den Ende der 1930er-Jahre aufkommenden Verfilmungen russischer Märchen und Sagen. Dabei war seine Kooperation mit dem Regisseur Alexander Rou besonders fruchtbar. Beide hatten bereits 1932 in Marionetten zusammengearbeitet, an dem Rou als Regieassistent beteiligt war. (englisch), abgerufen am 20. April 2020 In dessen erstem Märchenfilm Der Zauberfisch (1938) gab Milljar den Zaren und wirkte danach in mehr als einem Dutzend seiner Filme mit. Hier hatte der auf groteske Charaktere spezialisierte Mime auch seine populärsten Rollen: die Sagenfigur Kaschtschei im zu Kriegszeiten in Kasachstan gedrehten Der unsterbliche Kaschtschai (1944/45) sowie in Feuer, Wasser und Posaunen (1968) und vor allem die Rolle der Hexe Baba Jaga, die Milljar bereits 1939 in Rous erstem großen Erfolg Die schöne Wassilissa verkörperte und dann erneut in den zwischen 1964 und 1971 entstandenen Märchenfilmen Rous (Abenteuer im Zauberwald, Feuer, Wasser und Posaunen und Der Hirsch mit dem goldenen Geweih). Milljar war an allen Märchenfilmen Rous beteiligt und verkörperte nicht selten mehrere Rollen pro Werk. Zu seinem Schaffen zählen außer Märchen- und Kinderfilmen auch diverse Abenteuerfilme und historische Werke. Milljars Traum, auch bedeutende anspruchsvolle Rollen zu geben, erfüllte sich jedoch nicht.Sergei Kapkow: Metschtal sygrat Syworowa i Woltera in der SK Nowosti (russisch), abgerufen am 19. Oktober 2020
Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit war Milljar mehrfach als Synchronsprecher an Animationsfilmen sowie den russischsprachigen Fassungen ausländischer Filme beteiligt, u. a. an Der Hauptmann von Köpenick, Goya und Der lange Ritt zur Schule. Seine Filmografie umfasst über 200 Werke, er stand noch bis kurz vor seinem Tod vor der Kamera.Filmografie Milljars auf kino-teatr.ru (russisch), abgerufen am 20. April 2020
1988 wurde ihm der Titel Volkskünstler der RSFSR () verliehen, nachdem er bereits am 26. November 1965 zum Verdienten Künstler der RSFSR ernannt worden war.
Milljar starb rund fünf Monate vor seinem 90. Geburtstag und wurde auf dem Friedhof Trojekurowo in Moskau beigesetzt.Biografie Milljars auf kino-teatr.ru (russisch), abgerufen am 20. April 2020
Privates Vereinzelten Angaben zufolge war Milljar bereits in jungen Jahren verheiratet, die Ehe scheiterte jedoch.Artikel „Naposledok sygrat... Suroworowa!“ Nesobywschijesja metschty Georgija Milljara in Argumenty i Fakty (russisch), abgerufen am 19. Oktober 2020 Nach dem Tod seiner Mutter drängte Alexander Rou ihn dazu, seine verwitwete Nachbarin († 1999) zu heiraten, um ihm eine Bezugsperson zu verschaffen und seine angebliche Homosexualität zu verbergen.
Milljar stand in dem Ruf, regelmäßig Alkohol zu konsumieren, galt aber nicht als starker Trinker. Bei Dreharbeiten verbarg er seine Getränke zum Teil in Milchdosen, da Rou Alkohol am Set untersagte.
Er lebte in bescheidenen Verhältnissen und vermied auch enge persönliche Kontakte zu anderen Schauspielern.
Filmografie (Auswahl) 1934: Petersburger Nacht () – Regie: Grigori Roschal, Wera Strojewa 1938: Der Zauberfisch (Po schtschutschemu weleniju) – Regie: Alexander Rou 1939: Das goldene Schlüsselchen () – Regie: Alexander Ptuschko 1940: Die schöne Wassilissa () – Regie: Alexander Rou 1940: Der erste Präsident () – Regie: Marija Itkina, Sergei Jutkewitsch 1941: Das Wunderpferdchen () – Regie: Alexander Rou 1945: Der unsterbliche Kaschtschai () – Regie: Alexander Rou 1948: Ihr großer Tag () – Regie: Ilja Fres 1950: Der Fall von Berlin (Padenije Berlina) (2. Teil) 1952: Mainacht () – Regie: Alexander Rou 1953: Das Frühstück beim Anführer (Sawtrak u predwoditelja) – Regie: Anatoli Rybakow 1954: Im Eismeer verschollen (More studjonoje) – Regie: Juri Jegorow 1955: Stechfliege (Owod) – Regie: Alexander Fainzimmer 1955: Die Entscheidung von Buchara (Kruschenije emirata) – Wladimir Bassow, Latif Fajsijew 1955: Der weiße Pudel (Bely pudel) – Regie: Marianna Roschal, Wladimir Schredel 1955: Das Schicksal des Trommlers (Sudba barabanschtschuka) – Regie: Wiktor Eisymont 1956: Dragozenny podarok – Regie: Alexander Rou 1957: Die Abenteuer des gestiefelten Katers (Nowyje pochoschdenija Kota w sapogach) – Regie: Alexander Rou 1957: Das Duell (Pojedinok) – Regie: Wladimir Petrow 1958: Neue Attraktionen (Nowy attraktiony) – Regie: Boris Dolin 1958: Tierfänger / Raubtierfänger (Sweroloby) – Regie: Gleb Nifontow 1958: Das Mädchen mit der Gitarre (Dewuschka s gitaroi) – Regie: Alexander Fainzimmer 1958: Die Hauptmannstochter (Kapitanskaja dotschka) – Regie: Wladimir Kaplunowski 1958: Die Neunzehn (Junost naschich otzow) – Regie: Michail Kalik & Boris Ryzarew 1958: Das gestohlene Glück (Sampo) – Regie: Alexander Ptuschko 1959: Aufstand in den Bergen () – Regie: Wassili Schurawljow 1959: Die verzauberte Marie (Marja-iskusniza) – Regie: Alexander Rou 1959: Ein Menschenschicksal () – Regie: Sergei Bondartschuk 1959: Verschlossene Lippen (Mumu) – Regie: Anatoli Bobrowski, Jewgeni Teterin 1962: Die Nacht vor Weihnachten (Wetschera na chutore blis Dikanki) – Regie: Alexander Rou 1963: Häuptling der Rothäute (Delowyje ljudi) – Regie: Leonid Gaidai 1963: Im Königreich der Zauberspiegel (Korolewstwo kriwych serkal) – Regie: Alexander Rou 1963: Der blinde Vogel (Slepaja ptiza) – Regie: Boris Dolin 1964: Abenteuer im Zauberwald (Morosko) – Regie: Alexander Rou 1966: Entführung im Kaukasus (Kawkaskaja plenniza, ili Nowyje prikljutschenija Schurika) – Regie: Leonid Gaidai 1966/67: Krieg und Frieden (Woina i mir) – Regie: Sergei Bondartschuk 1967: Aladins Wunderlampe (Wolschebnaja lampa Aladdina) – Regie: Boris Ryzarew 1968: Feuer, Wasser und Posaunen (Ogon, woda i… mednyje truby) – Regie: Alexander Rou 1970: Das alte Haus (Stary dom) – Regie: Boris Bunejew 1970: Die schöne Warwara (Warwara-krassa, dlinnaja kosa) – Regie: Alexander Rou 1972: Geraubte Schätze (Dostojanije respubliki) – Regie: Wladimir Bytschkow 1973: Der Hirsch mit dem goldenen Geweih (Solotyje roga) – Regie: Alexander Rou 1973: Wie tausend Sonnen (TV) – Regie: Lothar Dutombé 1975: Finist – Heller Falke (Finist – jasnyje sokol) – Regie: Gennadi Wassiljew 1976: Der diebische König (Poka bjut tschasty) – Regie: Gennadi Wassiljew 1977: Oljas Abenteuer mit dem Hausgeist (Derewnja Utka) – Regie: Boris Bunejew 1979: Herbstglocken (Osennie kolokola) – Regie: Wladimir Gorikker 1980: Abenteuerliches Labyrinth (Wetscherny labirint) (Stimme) – Regie: Boris Buschmelew 1981: So ein Störenfried (U matrosow njet woprosow) – Regie: Wladimir Rogowoi 1982: Der Sechste () – Regie: Samwel Gasparow 1983: – Regie: Ritschard Wiktorow 1984: Ein Babysitter fällt vom Himmel (Meri Poppins, do swydanja) – Regie: Leonid Kwinichidse 1986: Am Sankt-Nimmerleinstag (Posle doshditschka w tschetwerg) – Regie: Michail Jusowski
Einzelnachweise
Weblinks
Foto Milljars als Baba Jaga Profil Georgi Franzewitsch Milljars auf russiancinema.ru
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Verdienter Künstler der RSFSR Kategorie:Volkskünstler der RSFSR Kategorie:Darstellender Künstler (Moskau) Kategorie:Russe Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1993 Kategorie:Mann