Stormbruch ist ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee im Landkreis Waldeck-Frankenberg im Nordwesten von Nordhessen. Stormbruch liegt im Upland im Naturpark Diemelsee in der Nähe des Diemelsees.
Geographie mini|Luftbild (2013)
Geographische Lage Stormbruch liegt zwischen Dortmund und Kassel südlich von Paderborn, ungefähr in der Mitte eines Dreiecks mit den Eckpunkten Korbach, Brilon und Marsberg im Upland des Naturpark Diemelsee. Durch den Ort verläuft die Kreisstraße 63. Die dem Ort zugerechnete Gemarkungsgröße beträgt 1.037 Hektar. In dieser Gemarkung liegen die (teilweise wüst gefallenen) Siedlungsplätze: Dombeck, Eichholz, Frieden, Giffelde, Holzhausen und Kotthausen III.
Naturräumliche Gliederung Naturräumlich ist der Ort der Region „332 Ostsauerländer Gebirgsrand“ und darin dem Vorupländer Hügelland (332.61) zugeordnet.
Geschichte Historische Ortsnamen Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Stormbruch erfolgte unter dem Namen Sturibrock im Jahr 1052.
Die bekannten historischen Erwähnungen finden sich in folgender Übersicht: Sturibrock (1052) [Abschrift Erhard, Regesta Historiae Wesfaliae, S. 113–114, Nr. 143] Stormbroke (1168) [Kop. 17. Jahrhundert Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 166, Nr. 914] Stormbroke (1292) [Urkunden Kloster Bredelar, S. 119, Nr. 159] Stormbroch (1292) [Urkunden Kloster Bredelar, S. 124, Nr. 169] Storembruch (1316)[Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Kloster Glindfeld, Urk. 27] Stormbrok (1350) [Paul Wigand, Einzelne Beiträge, in: Archiv für Geschichte und Alterthumskunde Westphalens 6 (1834), S. 385–405, IV: Das älteste Corveyer Lehnsregister, hier S. 391, § 24] Stormbroech (1537) [HStAM Bestand 127 Nr. 3] Stormbruch (1733) [HStAD Bestand P 23 Nr. 56]
Im Jahre 1537 wurde der Zehnte an die Padberger und die Klöster in Flechtdorf und Abdinghof gezahlt.
In historischen Quellen wird als weiterer Ortsname Sturembroke (1232) erwähnt. Louis Friedrich Christian Curtze leitet in seinem Werk „Die Ortsnamen des Fürstenthums Waldeck“ den Namen Stormbruch auf die natürliche Beschaffenheit und Lage des Ortes zurück.
Grenzverlagerungen im 20. und 21. Jahrhundert Bereits seit Ende der 1950er-Jahre strebte die Stadt Brilon eine Grenzänderung zur Gemarkung Stormbruch an. Dort befanden sich in der Willinger Straße sieben Wohnhäuser mit 22 Bewohnern, eine ehemalige Schreinerei (später eine Zimmerei), die Schützenhalle und der Rasensportplatz von Bontkirchen. Die betroffenen Bewohner setzten sich für diese Grenzänderung ein, da ihr tägliches Leben überwiegend auf Bontkirchen ausgerichtet war. Sie besuchen dort die Kirche, sind in den Vereinen aktiv und beziehen von dort ihr Trinkwasser. Die Kinder besuchen den Kindergarten in Bontkirchen und Schulen in Nordrhein-Westfalen. Dies machte vorher besondere Genehmigungen der hessischen und nordrhein-westfälischen Schulbehörden erforderlich. Der Telefonanschluss und die Postzustellung waren organisatorisch Brilon zugeordnet. Im Jahr 2009 wurde ein Staatsvertrag zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen über die Abgabe von 55 Flurstücken mit einer Fläche von insgesamt vierzehn Hektar geschlossen. Als Ausgleich für den Gebiets- und Steuerkraftverlust zahlte die Stadt Brilon der Gemeinde Diemelsee einen Betrag von 390.000 Euro. Der Staatsvertrag trat nach Hinterlegung der Ratifikationsurkunden in Kraft. Sieben Wohnhäuser mit 22 Bewohnern, ein Sportplatz, ein Sägewerk und ein Schützenhaus wurden ab dem 1. November 2009 ein Teil des Briloner Stadtteils Bontkirchen im Nordrhein-Westfälischen Hochsauerlandkreis.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Adorf, Benkhausen, Deisfeld, Flechtdorf, Giebringhausen, Heringhausen, Ottlar, Rhenegge, Schweinsbühl, Stormbruch, Sudeck, Vasbeck und Wirmighausen die neue Gemeinde Diemelsee. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Adorf. Für die ehemals selbständigen Gemeinden von Diemelsee wurden gemäß Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen grundsätzlich den Gemarkungsgrenzen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Stormbruch angehört(e):
1546 und später: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1806: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1815: Fürstentum Waldeck, Oberamt des Eisenbergs ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt des Eisenbergs ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (seit 1849), Kreis des EisenbergsTrennung zwischen Justiz (Kreisgericht Korbach) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis des Eisenbergs ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis des Eisenbergs ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Gemeinde Diemelsee ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Diemelsee
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Stormbruch 312 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 57 Einwohner unter 18 Jahren, 123 waren zwischen 18 und 49, 69 zwischen 50 und 64 und 63 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 132 Haushalten. Davon waren 39 Singlehaushalte, 36 Paare ohne Kinder und 48 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 81 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1541: 14 Häuser 1620: 30 Häuser 1650: 12 Häuser 1738: 30 Häuser 1770: 37 Häuser
216 Einwohner im Jahr 1770 319 Einwohner im Jahr 1822 326 Einwohner im Jahr 1834 323 Einwohner im Jahr 1840 302 Einwohner im Jahr 1846 309 Einwohner im Jahr 1852 305 Einwohner im Jahr 1858 332 Einwohner im Jahr 1864 311 Einwohner im Jahr 1871 324 Einwohner im Jahr 1875 344 Einwohner im Jahr 1885 332 Einwohner im Jahr 1895 307 Einwohner im Jahr 1905 300 Einwohner im Jahr 1910 304 Einwohner im Jahr 1925 254 Einwohner im Jahr 1939 356 Einwohner im Jahr 1946 359 Einwohner im Jahr 1950 299 Einwohner im Jahr 1956 299 Einwohner im Jahr 1961 293 Einwohner im Jahr 1967 393 Einwohner im Jahr 2001 392 Einwohner im Jahr 2002 333 Einwohner im Jahr 2010 322 Einwohner im Jahr 2011 307 Einwohner im Jahr 2012 290 Einwohner im Jahr 2013 293 Einwohner im Jahr 2014 304 Einwohner im Jahr 2015 280 Einwohner im Jahr 2016 284 Einwohner im Jahr 2017 264 Einwohner im Jahr 2018 260 Einwohner im Jahr 2019
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 331 evangelische (= 99,70 %), ein katholischer (= 0,30 %) Einwohner • 1961: 263 evangelische (= 87,96 %), 36 katholische (= 12,04 %) Einwohner
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Die Kirche
Im näheren Umfeld des Ortes finden sich Sehenswürdigkeiten die zum Nachbarort Heringhausen und den Rundwanderwegen und in Liste der Naturdenkmäler in Diemelsee (Gemeinde) beschrieben sind. Im Kernbereich des Ortes sind nennenswert:
In Stormbruch gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus, eine Schützenhalle und einen Sportplatz. Die ev. Kirche in Stormbruch wurde 1958/59 von dem Korbacher Architekten Georg Spratte errichtet. 1995 bis 1998 wurde daneben ein Kirchturm geplant und errichtet, in dem drei Glocken hängen. Die alte ev. Kirche wurde 1792 bis 1796 nach dem Dorfbrand von 1784 errichtet. Sie war ein barocke Saalkirche mit sechseckigem Ostabschluß, in Fachwerk erbaut über einem Steinsockel; die zeigenössische Ausstattung war schlicht. Die historische Kirche wurde für den Neubau abgerissen. Auf den ehemaligen Friedhof an dieser Stelle verweisen drei Grabsteine in der Kirchhofmauer.
Persönlichkeiten Carolin Hennecke (* 1986 in Stormbruch), deutsche Biathletin
Literatur Ulrich Bockshammer: Ältere Territorialgeschichte der Grafschaft Waldeck, Schriften des Hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde, Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, Marburg, 1958, Seite 226. (Teilvorschau online) Louis Friedrich Christian Curtze: Die Ortsnamen des Fürstenthums Waldeck. Band 2 Verlag A. Speyer, Arolsen, 1850. (Digitalisat online) Gottfried Ganßauge, Walter Kramm, Wolfgang Medding: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Band 3, Kreis des Eisenberges, Bärenreiter-Verlag, Kassel, 1939, Seiten 216 bis 217. (Digitalisat online) Heinrich Finke: Westfälisches Urkunden-Buch: Fortsetzung von Erhards Regesta historiae Westfaliae, Vierter Band, Dritte Abteilung, Drittes Heft, Regenbergsche Buchhandlung, Münster, 1890. Erich Fischer und Armin Hillebrand: Stormbruch. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 2002 (= Waldeckische Ortssippenbücher 68) Heinrich Hochgrebe: Waldeckische Bibliographie, Waldeckischer Geschichtsverein, 1998, Herausgeber: Jürgen Römer, 2010, 562 Seiten Thomas Klein (Hrsg.), Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945, Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg/Lahn,Reihe B: Mitteldeutschland (außer Preußen), Band 16: Mitteldeutschland (Kleinere Länder), Teil V: Waldeck, 1981, ISBN 3-87969-131-2. Planungsbüro BIOline: Dorfentwicklung Gemeinde Diemelsee, Städtebaulicher Fachbeitrag, Lichtenfels, 2015. (Online-PDF 3,4 MB) Johann Adolph Theodor Ludwig Varnhagen: Grundlage der Waldeckischen Landes- und Regentengeschichte, Band 1, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1825 Digitalisat-online
Weblinks
Ortsteil der Gemeinde. In: Webauftritt der Gemeinde Diemelsee.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Hessischer Landtag: (PDF; 3,8 MB)
Heinrich Finke: Westfälisches Urkunden-Buch, Seite 1411 Digitalisat-online
Louis Friedrich Christian Curtze: Die Ortsnamen des Fürstenthums Waldeck, Band 2 Verlag A. Speyer, Arolsen, 1850 Seite 23. (Digitalisat-online)
Johann Guntherfriedrich Cannabich, Neueste Kunde von Baden, Nassau, Hohenzollern, Lippe, Waldeck, Anhalt der Schwarzburgischen und Reußischen Länder (1827), Seite 397, Online-Digitalisat, abgerufen am 7. Mai 2019.
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Gesa Coordes, in Frankfurter Rundschau (1. November 2009): .
Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Diemelsee, Gemeinde) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971