Herbert Hensel (eigentlich Herbert Janiczek, * 2. September 1920 in Prag; † 19. Januar 1983 in Marburg) war ein deutscher Physiologe, der in Heidelberg und ab 1955 in Marburg arbeitete.
Leben Er war der Sohn des Musikerziehers und Liederkomponisten Walther Hensel (eigentlich Julius Janiczek) und der Konzertsängerin Frau Olga Janiczek (geborene Pokorny). Die Familie nahm später den Namen Hensel an.
Hensel besuchte von 1927 bis 1939 die Freie Waldorfschule Stuttgart und absolvierte dort sein Abitur. Von 1939 bis 1945 leistete er Kriegsdienst in der Wehrmacht und geriet in Kriegsgefangenschaft. Zeitweise war ihm allerdings ein Studium der Medizin an den Universitäten Erlangen, Tübingen, Straßburg sowie an der Universität Heidelberg möglich. Am 18. März 1945 bestand er das Medizinische Staatsexamen. Von 1946 bis 1948 wirkte er als wissenschaftlicher Assistent am Physiologischen Institut der Universität Heidelberg. Dort erfolgte am 15. Februar 1947 seine Promotion zum Dr. med. In den Jahren 1949 und 1950 war er Dozent an der Königlichen Veterinärhochschule in Stockholm. In Heidelberg habilitierte er sich am 23. Juni 1949 und erhielt die Venia legendi im Fach Physiologie.
Hensel war Ordinarius für Physiologie an der Philipps-Universität Marburg, 1965/66 auch deren Rektor.Rektoratsreden (HKM) Zuvor amtierte er 1964/1965 als Dekan der medizinischen Fakultät. Er baute mit Gunther Hildebrandt in Marburg den Sonderforschungsbereich „Adaptation und Rehabilitation“ auf. Er war Vorsitzender des deutschen Zweigs der Internationalen Gesellschaft für Biometeorologie und seit 1974 auch Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft (International Society of Biometeorology). Seit 1971 war er Mitglied der Leopoldina. Er war beteiligt an der Konzeption der Universität Witten/Herdecke und in deren Vorgängerorganisation „freie europäische Akademie der Wissenschaften“.
Er war tätig im Bereich der Physiologie der Temperaturregulation und der Herz-Kreislauf-Forschung. Ein Hauptteil seiner Arbeit war der Sinnesphysiologie gewidmet, insbesondere der Erforschung des Wärmesinnes, worauf sich seine internationale Reputation gründete. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen und Preise, unter anderem 1954 den Adolf-Fick-Preis, 1961 den Feldberg-Preis und 1974 die Camillo Golgi medal.
Die Sinnesphysiologie war für ihn ein Eintrittstor in das weitere Feld der Phänomene der Sinneswahrnehmung, die er als eigenständiges Gebiet der Naturwissenschaft ansah und als geeignet, neue Grundlagen für epistemologisches Denken zu bilden.
Bezüge zu den Grundlagen einer phänomenologischen Wissenschaft der Sinneswahrnehmung, fanden sich unter anderem bei Husserl, Rudolf Steiner (siehe auch Sinneslehre Rudolf Steiners), Viktor von Weizsäcker oder Goethe als Naturforscher.
Er litt an einem Nierenleiden, das zu Beginn der 1980er Jahre zunehmend schwerer wurde und ihn zum Dialysepatienten machte.
Werke
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Humanphysiologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Rektor der Philipps-Universität Marburg Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Anthroposoph Kategorie:Absolvent der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 1983 Kategorie:Mann