mini|Sitz in Hannover Die Solvay GmbH ist ein deutsches Chemieunternehmen mit Sitz in Hannover, das zur internationalen Solvay-Gruppe mit Hauptsitz in Brüssel gehört.
Der konsolidierte (Pro-forma-)Umsatz der Gruppe betrug 2022 ca. 0,737 Milliarden Euro; sie beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter (Stand: März 2023).solvay.de: Solvay in Deutschland. Die Geschichte von Solvay in Deutschland geht zurück bis ins Jahr 1880, als im badischen Wyhlen die älteste deutsche Fabrik zur Gewinnung von Soda nach dem Solvay-Verfahren den Betrieb aufnahm.
Organisation Organe der Solvay GmbH Die Geschäftsführung der Solvay besteht aus Andreas Meier (Vorsitzender) und Axel Tegge. Im Aufsichtsrat sitzen Gérard Collette, Benfeld/Frankreich (Vorsitzender); Edeltraud Glänzer, Hannover (stellvertretende Vorsitzende); Erich Barke, Hannover; Alexis Brouhns, Rixensart/Belgien; Francine Delplanque-Janssens, Vilvoorde/Belgien; Kerstin Eichholz, Langenhagen; Cornelia Kainz, Rheinfelden; Gerhard Kristen, Rheinberg; Burkhardt Meister, Frankfurt am Main; Wilfried Penshorn, Waldkirch; Jürgen Ulrich, Rheinberg; Bernd Pfaffenbach, Wachtberg (Stand: Mai 2016).solvay.de: Geschäftsführung und Aufsichtsrat
Wesentliche Tochter- und Beteiligungsgesellschaften Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen mbH & Co.KG Solvay Acetow GmbH Solvay Chemicals GmbH Solvay & CPC Barium Strontium GmbH & Co. KG Solvay Fluor GmbH Solvay Flux GmbH Solvay P&S GmbH Solvay Speciality Polymers Germany GmbH Inovyn, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Ineos, 50 %
Betrieb von Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerken
Energie Anlage Bernburg GmbH, Bernburg (50 %), 50 % Tönsmeier Dienstleistung Beteiligungs-GmbH Energie Anlage Rheinberg GmbH, Hannover (100 %)
Die Gesellschaften und Werke von Solvay in Deutschland sind den weltweit operierenden Global Business Units (GBU) der internationalen Solvay-Gruppe zugeordnet. So etwa gehört das Werk Wimpfen zur GBU Special Chem. Die konzernweite Organisationsstruktur der GBU wurde zum 1. Januar 2013 eingeführt.
Geschichte Zeittafel Die Entwicklung von Solvay in Deutschland ist auch geprägt durch Firmenübernahmen, Zusammenlegungen von Unternehmen und Veräußerungen von Geschäftsbereichen. Der besseren Übersichtlichkeit halber konzentriert sich die folgende Zeittafel auf wichtige Daten aus der Geschichte der Deutschen Solvay Werke (DSW) und der Kali-Chemie AG; an diesem Unternehmen hatte DSW im Jahr 1954 die Mehrheitsbeteiligung erworben.Die Zeittafel basiert auf folgenden Publikationen: Werner Offermann: 100 Jahre DEUTSCHE SOLVAY-WERKE 1880–1980, Seiten 46 ff. Sonderausgabe SOLVAY-Report, Herausgeber: Deutsche Solvay-Werke GmbH, 1980, sowie auf der Festschrift 125 Jahre · 125 Jahre Zukunft – SOLVAY in Deutschland, herausgegeben von der SOLVAY GmbH, 2005
Geschäftsbereiche wie etwa die Mitte der 1990er Jahre veräußerten Sparten Katalysatoren, Kohlensäure, Holzschutzmittel und Molkenproteine sind in der Übersicht nicht erfasst, weil sie für das aktuelle Bild von Solvay in Deutschland nicht relevant sind. Ebenso wurde das nur kurzzeitige Engagement von Solvay bei der European Salt Company (esco) von 2002 bis 2004 nicht ausgewiesen.
1880–1933
1880 nahm in Wyhlen (heute Baden-Württemberg) eine Sodafabrik der Solvay & Cie. den Betrieb auf. Die Tagesproduktion betrug 20 Tonnen. 1883 wurde im Werk Bernburg die Sodafabrikation aufgenommen. Alle Aktivitäten der Solvay & Cie. in Deutschland wurden 1885 in der Deutschen Solvay-Werke Actiengesellschaft (DSW) mit Sitz in Bernburg zusammengefasst. Im Kaliwerk Solvayhall bei Bernburg begann man 1890 mit der Förderung von Kalisalz. 1896 erwarb das Unternehmen die Saline und die Sodafabrik Chateau Salins in Elsass-Lothringen und nahm eine zweite Sodafabrik in Bernburg in Betrieb. In Osternienburg ging 1898 deutschlandweit eine der ersten Anlagen zur Chloralkali-Elektrolyse in Betrieb. 1899 wurden die Kaliwerke Friedrichshall AG gegründet; 1954 erwarben die DSW die Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen, das 1927/28 nach einer Fusion mit der Rhenania-Kunheim Verein Chemischer Fabriken AG in Kali-Chemie AG (KC) umfirmiert worden war. 1900 produzierten die DSW 175.000 Tonnen Soda – knapp 60 % der insgesamt in Deutschland produzierten Menge. 1907 wurde die Sodafabrik in Rheinberg in Betrieb genommen. 1908/1910 erfolgte die Niederbringung von vier Salzschächten in Borth bei Rheinberg nach dem seinerzeit neuartigen Gefrierschachtverfahren. 1930 errichtete man ein Zentrallabor in Bernburg.
1933–1945 1933 wurde die Produktion von Siedesalz in Rheinberg aufgenommen. Sechs Jahre später wurden die Consolidierten Alkaliwerke Westeregeln AG erworben. Die Sodaproduktion der DSW erreicht 725.000 t, das sind über 80 % der gesamten deutschen Produktion. Das Werk Bernburg wurde 1940 als „feindliches Vermögen“ unter nationalsozialistische Zwangsverwaltung gestellt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden KZ-Häftlinge eingesetzt, wie beispielsweise aus dem frühen Thüringer Konzentrationslager Buchenau.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0 In den letzten Kriegsjahren war der Schacht Solvayhall Auslagerungsort für Kunstschätze (so die Anhaltische Gemäldegalerie aus Dessau), die 1945/1946 als Beutegut großenteils in die Sowjetunion verbracht wurden. 1945 wurde mit der nahezu vollständigen Demontage der Werksanlagen in Bernburg begonnen. Sämtliche KC- und Solvay-Werke in Ost- und Mitteldeutschland wurden unter Treuhandverwaltung gestellt. Im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau in Westdeutschland begonnen. In den Werken Wyhlen, Rheinberg und Borth konnte im Herbst die Produktion wieder aufgenommen werden.
1946–1989 1948 wurde der Sitz der DSW von Bernburg nach Solingen (Nordrhein-Westfalen) verlegt. Vier Jahre später wurde die Deutsche Solvay-Werke Actiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Im Jahre 1951 verlegt die KC ihre Hauptverwaltung nach Hannover (Niedersachsen). 1954 wurde die Mehrheitsbeteiligung an der Kali-Chemie AG durch DSW erworben. Die PVC-Produktion in Rheinberg wurde 1958 begonnen. Ein Jahr später wurde die Kali-Chemie Engelhard Katalysatoren GmbH gegründet. Zum Beginn der 60er Jahre wurde mit der Produktion von unlöslichem Schwefel CRYSTEX begonnen. 1960 erwarb die Kali-Chemie die Aktienmehrheit (51 %) an der Saline Ludwigshalle AG, Bad Wimpfen (Baden-Württemberg).Ausbau der Produktion von Fluorverbindungen. In: Chemische Industrie. Band 12, Nr. 9, September 1960, S. 489Rückläufiger Umsatz bei der Saline Ludwigshalle. In: Chemische Industrie. Band 12, Nr. 9, September 1960, S. 516
1966 wurde das pharmazeutischen Forschungszentrums in Hannover eingeweiht. Mit der Produktion von gefällten Calciumcarbonat wurde 1967 in Rheinberg begonnen. Zwei Jahre später wurde mit der Diaphragmaelektrolyse begonnen. Als nächster Schritt wurde 1971 mit der Produktion von Allylchlorid (3-Chlorpropen), Epichlorhydrin und Glycerin sowie von Chlor in Rheinberg begonnen. 1972 wurde die Miles Kali-Chemie GmbH & Co. KG Biochemisches Werk, Nienburg. Gründung der Tochtergesellschaft Kali-Chemie Pharma GmbH gegründet. Ein Jahr später wurde der gesamte Aktienkapital der Saline Ludwigshalle AG; Weiterführung der Gesellschaft unter dem Namen Kali-Chemie Fluor GmbH Bad Wimpfen erworben.
Im Jahre 1973 wurde mit der Soleförderung durch die Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen mbH, einer gemeinsamen Tochterfirma mit Bayer AG und Hüls AG in Ahaus begonnen. Über ein Pipelinesystem werden Produktionsstätten in Marl und Rheinberg sowie in Jemeppe und Couillet in Belgien versorgt. Beginn der Produktion von Vinylchlorid (VC) in Rheinberg. Die Mehrheitsbeteiligung an der Alkor-Gruppe wurde 1977 erworben. Zwei Jahre später wurde die 1979 Erwerb der Draka-Plast GmbH erworben. Die SOLTRONIC Chemikalien für die Elektronik GmbH wurde 1985 durch Solvay & Cie., Deutsche Solvay-Werke GmbH (Geschäftsführer in Solingen-Ohligs war der Chemiker Günter Wehrmeyer) und Kali-Chemie AG (zu dessen Verwaltungsrat ebenfalls Wehrmeyer gehörte, der auch Gesellschafter der Peroxid-Chemie GmbH in Höllriegelskreuth war)Wehrmeyer, Günter. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1315. gegründet. Im Geschäftsjahr 1986/87 wurden die Vertrieb, Beschaffung und Ingenieurwesen der Deutschen Solvay-Werke und der Kali-Chemie zusammengeführt. Gleichzeitig wurden die Soda-Aktivitäten der Kali-Chemie übernommen.
1990–2003 1990 wurde die Obergesellschaft Solvay Deutschland GmbH mit Hauptverwaltung in Hannover gegründet. Das produktive Geschäft wird auf selbstständige Gesellschaften übertragen. Ein Jahr später wurde die Sodafabrik Bernburg in die Solvay-Gruppe; Neuaufnahme des Betriebs als Solvay Alkali Bernburg GmbH wieder eingegliedert. In Bernburg wurde 1992 eine neue Schwersodaanlage 1992 in Betrieb genommen. Im Jahre 1994 wurde der Grundstein für ein Pharmaforschungszentrum in Hannover gelegt. In Bernburg wurde die neu gebaute Wasserstoffperoxidfabrik in Betrieb genommen. 1998 wurde der Geschäftsbereichs Fluorprodukte der Hoechst AG erworben. Im Pharmabereich wurde in das Solvay Pharmaceuticals GmbH umfirmiert und Solvay Arzneimittel GmbH entsteht. Die Auszeichnung Recycling-Preis wurde 1997 für das SF6-ReUse-Konzept der Solvay Fluor und Derivate GmbH verliehen. Im gleichen Jahr nahm eine Anlage für hochreines Wasserstoffperoxid nimmt in Bernburg ihren Betrieb auf. Vor der Jahrtausendwende wurde die SolVin GmbH & Co. KG zusammen mit BASF für die Produkte PVC und PVDC gegründet.
2001 wurde die Ausimont Deutschland GmbH erworben. Im gleichen Jahr folgte Baustart einer PVC-Verwertungsanlage auf Basis der Vinyloop-Technologie durch SolVin, einem 75/25 Joint Venture von Solvay und BASF in Ferrara (Italien). Für die Belieferung des Werks Rheinberg wurde 2003 das Kalksteinbruch Les Petons erworben.
2004–2011 Im nächsten Jahr wurde die Solvay Deutschland GmbH in Solvay GmbH umfirmiert. Ebenfalls wurde der Solvay Chemicals GmbH durch Verschmelzung von Solvay Soda Deutschland, Solvay Elektrolysespezialitäten und Solvay Interox gegründet. Der Baustart einer Produktionsanlage für Natriumhydrogencarbonat (BICAR) im Werk Bernburg erfolgte 2005. Der 50/50 Joint Ventures Solvicore GmbH & Co. KG wurde zusammen mit der belgischen Umicore AG & Co. KG 2006 gegründet. Er ist Gegenstand des Gemeinschaftsunternehmens mit Hauptsitz in Hanau sind Entwicklung und Produktion sowie Vertrieb sogenannter Membranelektrodeneinheiten (membrane electrode assembly; MEA) für Brennstoffzellenanwendungen. Im gleichen Jahr wurde eine neue BICAR-Anlage in Bad Wimpfern in Betrieb genommen. Die Fluorverbindung mit der Kurzbezeichnung F1EC erhöht die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus. 2007 wurde eine Monofluorethylencarbonat-Anlage in Bad Wimpfen; die Fluorverbindung mit der Kurzbezeichnung F1EC in Betrieb genommen und erhöht die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus. Der Baustart einer Produktionsanlage für Solkane 227 im Werk Wimpfen wurde 2008 erfolgt. Die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2009 geplant. Am 28. September 2009 veröffentlichte Solvay eine Presseerklärung zum vereinbarten Verkauf der Pharma-Sparte an Abbott.
2009 wurde der Standort im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen geschlossen. 54 Arbeitsplätze gingen verloren. Am Standort Bitterfeld wurde seit 1995 Wasserstoffperoxid hergestellt.Bezugsangabe
Am 15. Februar 2010 hat Solvay den Verkauf des Pharmageschäfts an Abbott Laboratories nach Zustimmung durch die EU Kartellbehörden abgeschlossen.
Im April 2011 gibt die Solvay-Gruppe die freundliche Übernahme von Rhodia bekannt. Noch im August 2011 stimmt die Europäische Kommission der Übernahme zu.
Ab 2012