Die Blumen von Shanghai (Originaltitel: ; internationaler Titel: Flowers of Shanghai) ist ein taiwanisch-japanisches Filmmelodram aus dem Jahr 1998 von Regisseur Hou Hsiao-Hsien nach der Vorlage The Sing-Song Girls of Shanghai (1894) von Han Bangqing (Übersetzung Eileen Chang und Eva Hung)vgl. . Nicht unüblich für den Regisseur zeichnet sich der Film durch weitestgehendes Fehlen einer äußeren Handlung aus, je nach Sichtweise.
Handlung In vier engen, aber eleganten Flower Houses im Shanghai des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Qing-Dynastie) werden mehrere Dramen und Schicksale in Andeutungen (und auch Lügen und Beschönigungen) beschrieben. Die Handlung ist eingebettet zwischen vier Trinkgelagen und Banketten der zumeist lebensälteren Meister, nur im dunklen Gelb des Kerzenlichts. Zubereitung und Genuss von Opium und Tee steht im Mittelpunkt des Geschäftsbetriebes. Zwischentitel klären auf, dass Crimson nach Huifang, Pearl nach Gongyang, Emerald nach Shangren und Jasmin nach East Hexing gehört.
Die Beziehungen der reichen Herren zu den Konkubinen sind langjährige Verpflichtungen und teils monogam geführt. Die Einrichtung der Häuser, alle Kleidung und persönliches Hab und Gut sind Geschenke. Das Leben der anmutigen, wohlerzogenen Mädchen, die jung gekauft wurden, gleicht in mancher Hinsicht einem Leben in Leibeigenschaft oder Sklaverei. Die Beziehung zu ihren eigenen Patroninnen ist persönlich, vertraulich und dabei ganz unterschiedlich beschaffen. Der beklemmenden gesellschaftlichen Konventionen wegen träumen sie davon, ihre Schulden abzubezahlen, oder sich in die Freiheit und einen höheren Stand zu heiraten.
Der schweigsame Meister Wang lässt nach (angeblich) 2½ Jahren die Kurtisane Crimson fallen zugunsten von Jasmin, für die er innerhalb von nur 10 Tagen Feuer und Flamme war. Dabei bietet er an, Crimsons Schulden zu begleichen. Wang sieht sich in mehrfachen Bindungen und zwischen verhärtenden Fronten. Die Abhängigkeiten stellen sich als beidseitig heraus.
Crimson hat nur noch Meister Wang als Kunden und muss von dem Geld ihre gesamte Familie versorgen. Emerald war als Kind einstmals 100 Dollar wert. Meister Luo will sie freikaufen. Die Prostituierte Silver Phoenix wird von ihrer Ziehmutter misshandelt. Meister Wang hat volltrunken einen Wutanfall, als er herausfindet, dass Crimson fremdgeht. Ein Vertrag über Emerald wird aufgesetzt, und ein Notar kommt das Inventar protokollieren. Angeblich schlägt Wang Jasmin, die angeblich einen Selbstmordversuch begeht. Jade versucht, ihren Kunden, mit dem sie sich ewige Liebe geschworen hatte, zu vergiften. Für sie arrangiert man daraufhin eine Ehe. Der Film endet damit, dass Crimson und ein Schauspieler, mit dem sie eine Affäre hat, in trauter Zweisamkeit zusammen sind und sie ihm liebevoll eine Pfeife vorbereitet. Damit handelt sie gegen ihre eigene Aussage, denn sie hatte Wang erzählt, dass sie den Schauspieler dazu gebracht habe, sich die Pfeife selbst zu stopfen.
Kritiken
Sonstiges Von den Blenden der 37 Szenen abgesehen, gibt es keinen einzigen Schnitt im Film.Burnett, siehe Weblinks: „order and style are privileged over meaning and plot. […] impersonal style unmotivated by theme or by demands of the plot. […] the various rooms and enclaves lose their distinctiveness […] Locating where we are is a game that Hou's film asks us to play.“ Er bezieht ihn auf Robert Bresson. „Ordnung und Stil sind Bedeutung und Handlung gegenüber privilegiert […] ein unpersönlicher Stil, der auch nichts mit Thema oder Anliegen der Handlung zu tun hat“ führt Colin Burnett aus, und: „die verschiedenen Räume und Enklaven verlieren ihre Unterscheidbarkeit […] Herausfinden, wo wir sind, ist das Spiel, zu dem Hous Film uns auffordert.“ Der Film spielt ausschließlich in Innenräumen, selbst die Sonne ist nur zu ahnen.
Auszeichnungen Internationale Filmfestspiele von Cannes 1998 Nominierung Goldene Palme für Hou Hsiao-Hsien. Der Preis ging an Die Ewigkeit und ein Tag von Theo Angelopoulos.
Asia-Pacific Film Festival 1998 Preis in der Kategorie Best Director für Hou Hsiao-Hsien Preis in der Kategorie Best Art Director für Huang Wen-Ying
Kerala International Film Festival 1999 Golden Crow Pheasant für Hou Hsiao-Hsien
Der Film wurde zur 71. Oscarverleihung vorgeschlagen, nahm aber nicht am Wettbewerb teil.
Weblinks
Flowers of Shanghai / Haishanghua () in Chinese Movie Database – dianying.com (chinesisch, englisch) Flowers of Shanghai / Haishanghua () in Hong Kong Movie Database – hkmdb.com (chinesisch, englisch) Flowers of Shanghai / Haishanghua () in Love HK Film – lovehkfilm.com (englisch)
Colin Burnett: Parametric Narration and Optical Transition Devices: Hou Hsiao-hsien and Robert Bresson in Comparison in Senses of Cinema (englisch) Jeff Reichert: In Pursuit of Perfection in Reverse Shot #23: Hou Hsiao-hsien: In Search of Lost Time (englisch) Acquarello: Hai shang hua, 1998 in Strictly Film School (archiviert, englisch) Looking Closer: Flowers of Shanghai (archiviert, englisch) Peter Keough: Flowers of Shanghai in Boston Phoenix (archiviert, englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1998 Kategorie:Filmdrama Kategorie:Taiwanischer Film