Johann Friedrich Wilhelm Kitto (;Johannes Kunstmann: Kito, Hanzo Fryco Wylem. In: Jan Šołta, Pětr Kunze, Franc Šěn (Hrsg.): Nowy biografiski słownik k stawiznam a kulturje Serbow [Neues biografisches Wörterbuch zur Geschichte und Kultur der Sorben]. Ludowe nakładnistwo Domowina, Budyšin [Bautzen] 1984, S. 252 * 14. Mai 1842 in Cantdorf, Kreis Spremberg; † 12. September 1903 in Berlin) war ein preußischer Soldat (Pionier).
Er diente in der Zeit des Deutsch-Dänischen Krieges in der 4. Kompanie des Pionierbataillons von Rauch (1. Brandenburgisches) Nr. 3 und kämpfte gemeinsam mit dem Pionier Carl Klinke bei Sturm auf die Düppeler Schanzen. Laut einiger Dokumente und eigener Darstellung war er es, der den Pulversack geworfen hat, mit dem eine Bresche in die Palisadenwand der Schanze II gesprengt wurde und bei dessen Explosion Carl Klinke so stark verletzt wurde, dass er später starb.
Herkunft und Werdegang Wilhelm Kitto wurde in Cantdorf bei Spremberg, unweit von Bohsdorf-Vorwerk, dem Geburtsort von Carl Klinke, geboren. Er war das einzige Kind des sorbischen Lehrers Matthes Kitto, der aus dem Dorf Groß Partwitz zugezogen war. Kitto trat nicht in die Fußstapfen seines Vaters, sondern lernte das Schmiedehandwerk in Spremberg. Dort arbeitete er auch als Geselle.
Da er seinen Vater mit 14 Jahren verloren hatte, musste er die Mutter ernähren, die sich ein Häuschen mit Garten gekauft hatte, „worauf sie sich redlich nährte, obgleich sie Schulden abzuzahlen hatte“. Als der Schmiedegeselle Kitto mit seiner Einberufung rechnen musste, „da kam seine gute Mutter wegen der Möglichkeit, das ihr Sohn ausgehoben würde, in große Sorge und Kummer, denn er war ihre einzige Stütze und sie oft kränklich und mit Magenkrämpfen behaftet, lag sogar später, da ihr Sohn einbeordert war, 18 Wochen schwer krank danieder“.
Eine von neun Einwohnern Cantdorfs unterschriebene Eingabe wurde abgelehnt, weil wohl die Unterschriften des Ortsschulzen und des Vormundes gefehlt haben. Kitto wurde eingezogen, kam zuerst nach Torgau zu den Pionieren, wo zu dieser Zeit auch Klinke diente, und – wie Klinke – später zur 4. Kompanie des 3. Brandenburgischen Pionierbataillons. Dieses hatte seinen Standort in Spandau bei Berlin. Mit Ausbruch des Krieges und der Mobilmachung, der auch der kurz zuvor entlassene Klinke folgen musste, wurde das gesamte Bataillon nach Holstein verlegt.
Kittos Darstellung des Sturms auf die Schanze II Wilhelm Kitto hat die Ereignisse beim Sturm auf die Schanze II am 18. April 1864 dem ehemaligen Pfarrer Johannes Mörbe aus Spremberg selbst berichtet:
Weiter führt er aus:
Kittos Leben nach dem Deutsch-Dänischen Krieg Zum Militärehrenzeichen erhielt er vom König noch 300 Mark. Später erhielt Kitto noch eine sehr hohe Auszeichnung, die Österreichische Tapferkeitsmedaille. Zudem hatte ein Hamburger Kaufmann dem Prinzen Friedrich Karl eine größere Summe Geldes übermittelt, mit der Bitte, diese dem „tapfersten Soldaten des ganzen Armeekorps“ auszuhändigen. Der Prinz gab sie ohne weiteres Nachdenken an Wilhelm Kitto. Dabei wurde er vom Prinzen gefragt, ob er denn noch einen besonderen Wunsch hätte, er würde sich nach Kräften dafür einsetzen. Kitto sagte da nur schlicht: „Ich will heim!“ Die Enttäuschung in den Gesichtern der umstehenden Offiziere soll groß gewesen sein; viele hatten wohl erwartet, dass er weiterdienen und Offizier werden wolle.
Kitto wurde 61 Jahre alt und lebte in seinen letzten Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Georgenkirchhof vor dem Landsberger Tor begraben. Der damalige Kommandeur des Pionierbataillons Nr. 3 von Rauch, Major Rüdiger, veröffentlichte am 20. September 1903 im Militär-Wochenblatt den folgenden Nachruf:
Werner Bader: Pionier Klinke – Tat und Legende. Westkreuz-Verlag, Bad Münstereifel 1992, ISBN 3-922131-12-3.
Belege
Kategorie:Person im Deutsch-Dänischen Krieg (Preußen) Kategorie:Sorbe Kategorie:Preuße Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1842 Kategorie:Gestorben 1903 Kategorie:Mann Kategorie:Träger der Tapferkeitsmedaille (Österreich 1789)