Die Gemeinde Gramzow gehört zum Landkreis Uckermark im Norden Brandenburgs und liegt etwa 13 km von der Kreisstadt Prenzlau entfernt. Sie liegt im Ballungsraum von Stettin. In Gramzow befindet sich der Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes.

Geografie Das Dorf Gramzow liegt an den Seen Klostersee (auch Haussee) und Kantorsee. Im Ort befindet sich der Schulzensee. In südlicher Richtung (an der B 198 nach Angermünde) liegt der Glambecksee. Südwestlich von Gramzow (in Richtung Melzow/Warnitz) befinden sich die Kuhseen (Großer und Kleiner Kuhsee). Die Badestelle am Großen Kuhsee erreicht man von Karlshof aus.

Windrose zur Orientierung über seine Lage:

mini|600px|links|Klostersee in Gramzow, im Hintergrund (linker Bildrand) der Gramzower Sportplatz, am rechten Bildrand die Klosterruine.

Gemeindegliederung Zu Gramzow gehören die Ortsteile Gramzow, Lützlow, Meichow und Polßen sowie die Wohnplätze Ausbau, Forsthaus, Karlshof, Koboltenhof, Neumeichow, Randowhöhe und Zehnebeck.Gemeinde Gramzow. Kommunalverzeichnis der Landesverwaltung Brandenburg.

Geschichte mini|hochkant|Klosterruine Gramzow Bei Grabungen zur Vorbereitung der Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung OPAL wurde bei Neumeichow eine Gruppe von sieben slawischen Körpergräbern der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gefunden. Die Skelette wurden von der Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht. Die vier Erwachsenen und drei Kinder waren alle in gestreckter Rückenlage in Ost-West-Ausrichtung bestattet. Bei vier der Toten lag der Kopf im Osten, bei den anderen im Westen. Bei einer 45 bis 50 Jahre alten Frau befanden sich im Bereich des Kopfes zwei Schläfenringe als Bestandteile der spätslawischen Tracht. Die anderen Gräber waren ohne Beigaben. Bei der Frau mit den Schläfenringen lagen zudem auf dem Kopf ein großer und ein kleinerer Stein sowie auf den Füßen ein großer Stein. Solche „Versteinungen“ sind in spätslawischen Körpergräbern schon länger bekannt. Sie zielen wahrscheinlich darauf ab, die Wiederkehr des Verstorbenen zu verhindern. Bei dieser Frau könnte das an sechs unterschiedlich großen Osteomen am Stirnbein gelegen haben. Die größte maß im Durchmesser 13 mm und war 5 mm hoch. Diese gutartigen, langsam wachsenden Knochentumore verursachen meist keine Schmerzen. Doch sind sie je nach Lage und Größe gut sichtbar wie bei der hier bestatteten Frau. Die Lage des großen Osteoms direkt auf der Stirn über dem linken Auge kennzeichnete das Gesicht zu Lebzeiten vermutlich auf markanter Weise.

Erstmals wird Gramzow im Jahr 1168 als villa Gramsowe (Dorf) urkundlich erwähnt und ist damit „ältester urkundlich überlieferter Ort der Uckermark“ (Lieselott Enders). Im Jahr 1177/78 wurde das Prämonstratenserkloster Gramzow gegründet.Franz Winter: Die Prämonstratenser des 12. Jahrhunderts und ihre Bedeutung für das nordöstliche Deutschland. Berlin 1865, S. 210–212. 1714 brannte die Klosterkirche nieder. Bis heute ist nur noch der Westteil mit einer dreiseitig vorspringenden Kapelle erhalten geblieben. Die Klosterruine ist ein Wahrzeichen Gramzows. Im Jahr 1288 wird Gramzow erstmals als Stadt erwähnt, seit 1586 nur noch als Flecken. Stadtherr war das Kloster, ab 1542/43 der Landesherr (Kurfürst).

1687 wurde die französische Kolonie gegründet. Die Réfugiés erhielten die Klosterkirche, die 1714 abbrannte, für ihre Gottesdienste.

Verwaltungsgeschichte

Gramzow, Lützlow, Meichow und Polßen gehörten seit 1817 zum Kreis Angermünde in der preußischen Provinz Brandenburg. 1952 wurden Gramzow, Lützlow und Meichow in den Kreis Prenzlau im DDR-Bezirk Neubrandenburg, Polßen in den Kreis Angermünde im Bezirk Frankfurt (Oder) eingegliedert.

Seit 1993 liegen die Orte im brandenburgischen Landkreis Uckermark. Am 31. Dezember 2001 wurden Lützlow, Meichow und Polßen in Gramzow eingemeindet.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001. StBA

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2.302 1890 2.164 1910 2.133 1925 1.923 1933 1.841 1939 1.778 Jahr Einwohner 1946 2.152 1950 2.343 1964 1.850 1971 1.774 1981 1.507 1985 1.432 Jahr Einwohner 1990 1.331 1995 1.293 2000 1.264 2005 2 110 2010 1.986 2015 1.901 Jahr Einwohner 2020 1.788 2021 1.772 2022 1.752 2023 1.744 2024 1.728 2025 1.691

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark (PDF) S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Gramzow besteht aus 12 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 74,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Wählergruppe Zukunft (WGZ) – – 44,4 % 6 CDU 56,5 % 7 19,1 % 2 AfD – – 19,0 % 2 Bürgernahe Kommunalpolitik 38,3 % 4 9,8 % 1 Einzelbewerber Manfred Merres – – 2,7 % 1 Einzelbewerber Henry Verwiebe – – 2,6 % – Einzelbewerber Marco Gundlach – – 2,5 % – Einzelbewerber Frank Gartzke 5,3 % 1 – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12

Bürgermeister 1998–2003: Klaus Brandt (SPD) 2003–2016: Karl Heimann (CDU)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF; 1,5 MB) S. 34 seit 2016: Uwe Koch (zunächst CDU, jetzt WGZ), Amt Gramzow, 28. September 2016

Koch wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 57,8 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Am 9. Juni 2024 wurde er mit 72,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)

Wappen

Flagge „Die Flagge ist Blau - Weiß - Blau (1:2:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.“

mini|Kirche St. Marien Gramzow mini|Eisenbahnmuseum Gramzow

Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Gramzow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Eisenbahnmuseum mit der Gramzower Museumseisenbahn (Brandenburgisches Museum für Klein- und Privatbahnen am ehemaligen Bahnhof) Die Kirche St. Marien ist eine stattliche frühgotische Feldsteinkirche. Vom Kloster Gramzow ist ein Rest der ehemaligen gotischen Klosterkirche aus Backstein erhalten, der auf ein ungewöhnliches, originelles Bauwerk schließen lässt. Speicher Gramzow ist ein Industriedenkmal und gilt u. a. als Symbol für die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR. Heute dient der Speicher als Kulturort, in dem regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden. Das Gebäude erhielt 2021 den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis sowie 2022 den Deutschen Preis für Denkmalschutz.

Verkehr Gramzow liegt an der Bundesstraße B 198 zwischen Prenzlau und Angermünde. Die B 166 führt zwischen dem Kreuz Uckermark und Schwedt über das Gemeindegebiet, hat aber keine Anbindung an den Ort. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Gramzow an der A 11 Berlin–Stettin.

Im Jahr 1906 wurde die Kreisbahn Schönermark–Damme mit dem Bahnhof Gramzow und dem Haltepunkt Lützlow eingeweiht. 1979 wurde der Streckenabschnitt nach Schönermark und 1995 der nach Damme stillgelegt. Auf dem Streckenteil zwischen Gramzow und Damme und zwischen Damme und Eickstedt betreibt das Eisenbahnmuseum Gramzow heute eine eigene Strecke. Ausgangspunkt ist das Museum in Gramzow.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Bernhard Kohlreif (1605–1646), Rektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin Franz Theremin (1780–1846), evangelischer Theologe und Dichter Bernhard von Schkopp (1817–1904), preußischer General der Infanterie, in Polßen geboren Anna Karbe (1852–1875), märkische Lieder- und Heimatdichterin Hermann Remané (1864–1932), Elektrotechniker und Erfinder Paul Hellmann (1889–1964), Kapitän des Blockadebrechers Osorno, einziger Ritterkreuzträger der deutschen Handelsmarine im Zweiten Weltkrieg, in Zehnebeck geboren Annegret Hahn (* 1951), Regisseurin und Theaterintendantin

Mit Gramzow verbundene Persönlichkeiten Herbert Brumm (Pseudonym Harry Bär) (1909–1985), Schriftsteller und Fotograf, lebte in Gramzow Curt-Jürgen Heinemann-Grüder (1920–2010), evangelischer Pfarrer und Superintendent in Gramzow Walter Bredendiek (1926–1984), evangelischer Theologe und Funktionär der DDR-CDU, wuchs in Gramzow auf und arbeitete dort mehrere Jahre

Literatur Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VIII: Uckermark. Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2

Weblinks

Geschichte und Schulgeschichte Gramzows Gramzow. In: Reiseführer des Prämonstratenser-Ordens

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Uckermark

Kategorie:Ersterwähnung 1168