Neukirchen () ist der nördlichste Ortsteil der Stadt Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen.

Lage mini|Luftaufnahme von Nordosten, 2018 Im Norden grenzt Neukirchen an den kleinen Weiler Bilderstöckchen und an die beiden Dörfer Speck und Wehl des Neusser Stadtteils Helpenstein / Speck / Wehl. Im Westen befindet sich der Strategische Bahndamm. Dort hinter liegt ein wenig weiter westlich Schloss Hülchrath. Im Süden von Neukirchen befindet sich Haus Horr und südöstlich die kleine Ortschaft Gubisrath. Östlich an Neukirchen vorbei verläuft die Bundesstraße 477.

Geschichte Mittelalter Neukirchen wird als frühgeschichtlicher Siedlungsraum eingestuft und wurde erstmals nachweislich im Jahr 1081 erwähnt. Die Entstehung der Siedlung im Mittelalter ist wahrscheinlich auf die guten Lössböden und die günstige Lage zu wichtigen Handelswegen zurückzuführen. Am Gillbach kurz vor seiner Mündung in die Erft gelegen, erstreckt sich die Gemeinde Neukirchen weit über die fruchtbare Lößplatte sowie über die feuchte Erftniederung.

Älteste Siedlungen sind Rüblinghoven (793 Hrotbertingahova, heute Wüst), Speck und Wehl (817 Weldi), wo der Haupthof einer Villikation der Abtei Werden lag. Von hier aus wurde die Erftaue besiedelt: Helpenstein, Münchrath, Mühlrath, Hülchrath. Neukirchen gehörte zum kurkölnischen Amt Hülchrath, mit Ausnahme von Hoisten (ursprünglich Hovesteden), das eine jülicher Enklave bildete (als ehemaliger Helpensteiner Besitz). Das Hülchrather Gericht hatte seinen Galgen zunächst auf der Neukircher Heide, später jedoch an der Stadtgrenze bei Rosellen.

rahmenlos|rechts|Neukirchen um 1800

Neuzeit Im Jahre 1794 wurde Neukirchen von französischen Truppen besetzt. Neukirchen gehört nun zur Munizipalität Hülchrath im Kanton Zons. Im Jahre 1815 kam Neukirchen zum Königreich Preußen und wurde der Provinz Jülich-Kleve-Berg zugeteilt, die später in der Rheinprovinz aufging. Seit 1816 gehörte Neukirchen zur Bürgermeisterei Hülchrath und zum Kreis Grevenbroich. 1909 wurde das Bürgermeisteramt von Hülchrath nach Neukirchen verlegt, wobei die zugehörige Gemeinde ursprünglich nach Hülchrath benannt war und erst 1929 den Namen des neuen Amtssitzes erhielt. Das örtliche Rathaus ist heute privatisiert und beherbergt eine Anwaltskanzlei.

Als adliger Sitz des 18. Jahrhunderts ist Haus Horr erhalten.

Insbesondere seit den 2010er Jahren bis heute wächst der Stadtteil dynamisch weiter. Die Arbeiten am Neuhäuser Weg sind größtenteils abgeschlossen. Ein weiteres Neubaugebiet im Bereich des ehemaligen Schwimmbades befindet sich bereits im Bau. Das Neubaugebiet an der Hülchrather StraßeNahversorger für sechs Stadtteile geplant ist für die nächsten Jahre in Planung.

Eingemeindung Seit der Gebietsreform am 1. Januar 1975 gehört Neukirchen zu Grevenbroich und hat keinen eigenen Bürgermeistersitz mehr. Zur Gemeinde Neukirchen gehörten die Ortschaften: Neukirchen, Gubisrath, Hülchrath, Münchrath, Mühlrath, Hoisten, Speck, Wehl und Helpenstein.

rahmenlos|rechts|Pfarrhaus (1786) Religion Evangelisches Gemeindezentrum Das Gemeindezentrum Haus Bethlehem der evangelischen Gemeinde Neukirchen wurde im Jahre 1982 erbaut.

rahmenlos|rechts|Wohnhaus (18. Jh.) in Neukirchen, im Hintergrund Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere (1844) Katholische Pfarrgemeinde Sankt Jakobus der Ältere Die Kirche ist im Kern im romanischen Stil errichtet worden. Aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen Chor, Seitenschiffe und der Westturm. Das Gebäude, sowie das Pfarrhaus, gehören zu den Baudenkmälern in Grevenbroich.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Bevölkerung 1816 1336 1828 1363 1843 1472 1852 1625 1867 1577 1871 2133 1885 2182 1895 2150 1905 2169 1925 2589 1933 2547 1939 2579 1946 3018 Jahr Bevölkerung 1950 3585 1961 1812 1970 2639 1974 3401 1983 1336 1984 1363 1987 2565 1990 2682 1993 2792 1996 2780 1999 2842 2003 2798 2005 ¹ 2783 Jahr Bevölkerung 2006 ¹ 2769 2007 ¹ 2733 2008 ¹ 2676 2009 ¹ 2642 2010 2631 2011 2632 2012 2717 2013 2766 2014 2776 2015 2752 2016 2745 2017 2743 2018 2775 Jahr Bevölkerung 2019 2773 2020 2775 2021 2823 2022 2876 2023 2835 2024 2821 ¹ 2005–2009 Angaben der Stadt Grevenbroich mit Bilderstöckchen, Lohhof, Lübisrath, Neuhaus und Pfannenschuppen.Daten und Zahlen - NeukirchenDorfentwicklungsplan Neukirchen - Stadt Grevenbroich (November 2000/PDF)

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Buslinien Neukirchen wird an seinen Haltestellen von den Linien des Busverkehr Rheinland (BVR) angefahren: Linie Strecke Betrieb Schülerlinie Grevenbroich Montag–Freitag Neuss Landestheater – NE-Süd Bf – Grevenbroich Neukirchen – Rommerskirchen Villau – Evinghoven – Oekoven Montag–Sonntag Neuss Landestheater – NE-Süd Bf – Grevenbroich Neukirchen – Dormagen Gohr – Broich (– Marktplatz) Montag–Samstag Neuss Landestheater – NE-Süd Bf – Holzheim – Grevenbroich Neukirchen – Wevelinghoven (– Grevenbroich Bf) Montag–Freitag Neuss Stüttgen – Elvekum – Norf – Hoisten – Grevenbroich Neukirchen – Wevelinghoven (– Grevenbroich Bf) Montag–Freitag

Öffentliche Einrichtungen Katholischer Kindergarten St. Jakobus d. Ä. Gemeinschaftsgrundschule Jakobus-Schule Sportplatz Freiwillige Feuerwehr

Vereine Jägercorps 1860 Neukirchen St. Martinskomitee Bürgerschützenverein 1860 Neukirchen Grenadiercorps 1860 Neukirchen TTC DJK Neukirchen 1952 (Tischtennis) Quartettverein „Rheingold“ Neukirchen Tambourcorps „Rheinklänge“ Neukirchen 1921 Sportgemeinschaft Neukirchen-Hülchrath „Unser Neukirchen“ Dorfverein FC Anhänger Club Neukirchen Neukirchener Karnevalsverein „NKV“ RC Gut Neuhaus Hubertuscorps 1973 Neukirchen

Kultur und Freizeit rahmenlos|rechts|Der Strategische Bahndamm zwischen Hülchrath (links) und Neukirchen (rechts). Die L 142 schneidet den Bahndamm abgesenkt Richtung Nordosten. Der Strategische Bahndamm Mit Bahndamm oder Strategischem Bahndamm wird in Neukirchen und Hülchrath das Projekt einer Eisenbahn-Linie von Neuss nach Bergheim bezeichnet. Der Damm und die Brücken wurden zwar fertiggestellt, durch die Inflation geriet jedoch die Finanzierung bis 1924 derart aus dem Rahmen, dass der Bau für immer eingestellt wurde. Heute ist der Bahndamm ein Naherholungsgebiet mit wichtiger Vernetzungsfunktion der regionalen Biotope. Seit der „Dezentralen Landesgartenschau 2005“ beherbergt der Bahndamm auch den „Kulturpfad“ von Hombroich nach Sinsteden mit Stelen, die von Ulrich Rückriem geschaffen wurden.

Einzelnachweise

Literatur Christian Wiltsch: Neukirchen-Hülchrath. Hrsg. vom Geschichtsverein für Grevenbroich und Umgebung e. V. Grevenbroich 2006 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich 18). Christian Wiltsch: Wer in Hülchrath geht über die Brück, der kommt selten oder nie zurück. Geschichten aus Neukirchen und Hülchrath. Köln 1992.

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Kategorie:Stadtteil von Grevenbroich Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Rhein-Kreis Neuss) Kategorie:Gemeindeauflösung 1975