Die Möweninsel, auch Mövenberg genannt, (dänisch: Mågeøen) ist eine Insel (Holm) in der Kleinen Breite, dem westlichsten Teil der Schlei. Sie gehört zur Stadt Schleswig und ist ein Vogelschutzgebiet.
Geographie Die Insel ist 2,3 Hektar groß und bis zu fünf Meter hoch.Möweninsel beim Verein Jordsand, abgerufen am 30. Mai 2014. Zwei Nehrungshaken verlaufen Richtung Nordosten und Südosten. Die Wassertiefe zwischen der Möweninsel und dem nächstgelegenen Festland, 250 Meter weiter nördlich die Königswiesen nahe der Altstadt von Schleswig am nördlichen Schleiufer, beträgt teils nur einen Meter.
Geschichte
Jürgenburg Im frühen 12. Jahrhundert entstand eine Burg auf der Möweninsel, möglicherweise erbaut von Knud Lavard, seit 1115 Jarl von Schleswig. Dabei handelte es sich um eine komplett aus Holz, Erde und Soden angelegte Ringwallanlage. Diese ab 1120 häufiger in den Quellen erwähnte Burg diente als Gefängnis und zum Schutz des Seehandels. Im frühen 13. Jahrhundert ließ der dänische König Waldemar II. eiinen Hügel aufschütten, auf dem ein steinerner Turm erricht wurde, der vermutlich von einer Mauer umgeben war. Die Festung wurde nach dem heiligen Georg Juriansburg oder auch Jürgensburg genannt;Jürgen Bremer: Kurzgefasste Beschreibung und Geschichte von Schleswig-Holstein, Oldenburg und Schleswig 1844, S. 58; abgerufen am: 19. Februar 2017 in späterer Zeit auch Möwenburg. Sie diente spätestens jetzt als herzogliche Residenz, war aber bereits Erich I. zu klein, weshalb dieser 1268 dem Bischof den Hof Gottorf abkaufte und dort eine neue Burg bauen ließ.
Im Mittelalter bestand eine Holzbrücke zwischen der Schleswiger Innenstadt und der Insel. Bereits um 1250 zeigte ein erhaltener Siegelstempel der Stadt Schleswig – ebenso wie deren heutiges Wappen – die Jürgensburg.Thorsten Lemm: Königsherrschaft – Krongut – Konflikte. Machtpolitische Verhältnisse zwischen Nord- und Ostsee. In: Museum für Archäologie in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Ralf Bleile (Hrsg.): Wikingerdämmerung. 1066 – Zeitenwende im Norden. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2025, ISBN 978-3-7319-1479-2, S. 41–71, hier S. 68 und Katalog-Nr. 159.
Wohl noch im 13. Jahrhundert wurde die Burg auf der Möweninsel aufgegeben, die Wallanlagen wurden allerdings noch späteren Jahrhunderten genutzt. Von ihr blieben oberirdisch keine Überreste erhalten. Sie verschwand im Laufe der Zeit, wahrscheinlich diente sie als Quelle für Baumaterial. Erst im Herbst 2023 legte ein Sturmhochwasser Ziegelsteine, Tuffsteine, mittelalterliche Keramik sowie weitere Strukturen frei, die von Archäologen als Überbleibsel der Jürgensburg gedeutet werden.SHZ Neue Erkenntnisse zur Jürgensburg (7.12.2023).
Möwenkolonie Eine große Lachmöwenkolonie war ab 1739 nachgewiesen. Ab 1834 durfte der „Möwenkönig“ gegen Pacht die Eier als Delikatesse an Läden und Restaurants verkaufen. Bis 1867 wurden die Lachmöwen jährlich durch das volksfestartige Möwenschießen dezimiert, bis diese Veranstaltung von der preußischen Regierung verboten wurde. Die ursprüngliche Aufgabe des Möwenkönigs war, Möweneier für den Gottorfer Fürstenhof zu sammeln und die Gelege vor Eierdieben zu schützen. Als der preußische König Wilhelm I. 1868 zum Antrittsbesuch in der Provinz Schleswig-Holstein, auch die Stadt Schleswig besuchte, war eine Holzattrappe der mittelalterlichen Möwenburg errichtet worden, auf deren Türmen die preußische Fahne begrüßend wehte.Bild der Möweninsel mit Juriansburg aus den 1860er Jahren beziehungsweise , vom 19. Februar 2017Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Als Schleswig-Holstein preußisch wurde, vom: 18. Februar 2017; abgerufen am: 19. Februar 2017Vgl. hinsichtlich des Besuchsdatum: sh:z: Kaiser Wilhelm I. schwärmte von ihr, vom: 23. Februar 2012; abgerufen am: 19. Februar 2017 sowie Flensburger Tageblatt: Stippvisite eines Preußen-Königs, vom: 30. Januar 2015; abgerufen am: 19. Februar 2017
Erst 1989 wurde der Eierverkauf eingestellt, da die Eier mit Schadstoffen belastet waren und deshalb Verkauf und Verzehr der Eier vom Land Schleswig-Holstein verboten wurden. Die Insel wird seit 1991 vom Verein Jordsand betreut. Die Insel wird von einem Vogelwart beaufsichtigt. Er wird ebenfalls als „Möwenkönig“ bezeichnet und residiert am gegenüberliegenden Schleiufer im Schleswiger Stadtteil Holm. Der Möwenkönig überwacht das Verbot des Betretens der Insel etwa durch Kanu- oder Tretbootfahrer. Die Insel darf nur im Winter über das Eis betreten werden. Nur in mehrjährigen Abständen erlauben dies die Eisverhältnisse, zuletzt 1997, 2003, 2010 und 2012.
Im Jahr 2000 fanden Fischer am südöstlichen Strand der Insel die Überreste eines hölzernen Schiffs, die auf das Jahr 1163 datiert wurden. Das Schiff war 15 Meter lang und 4 Meter breit und nach nordischer Tradition wahrscheinlich in der Nähe von Schleswig gebaut. 2004 wurde die Insel als FFH-Gebiet und Schutzgebiet nach der Ramsar-Konvention ausgewiesen.
Liste der Möwenkönige 1834–1880: Erster Möwenkönig: Nicolaus Wilhelm Andreas Hannberg 1881–1911: Zweiter Möwenkönig: Georg Hannberg, genannt Scharte Schorsch (1853–1912) 1912–1941: Dritter Möwenkönig: Julius Hannberg, genannt Null (1879–1941) 1942–1978: Vierter Möwenkönig: Georg Hannberg, genannt Schorsch (1901–1982) 1979–1984: Fünfter Möwenkönig: Gerhard Sinram 1985–1989: Sechster Möwenkönig: Rainer Hartelhttps://gerdtams.de/index.php/beute?blog=5 aktuell: Gerd Roß, genannt PikoMöweneier – Feinkost für Verwegene
Fauna Die Möweninsel beherbergte bis vor einigen Jahrzehnten saisonal etwa 6.000 bis 10.000 Lachmöwen, die dort im Sommer brüteten. 1985 wurden 2.500 Brutpaare gezählt, 2006 noch 300, und 2007 und 2008 keine mehr. Als Gründe für den Rückgang werden die zunehmende Vegetation der Insel genannt (früher wurde das Gras vom Möwenkönig gemäht), eine Zunahme der Ratten, eine Abnahme (Abbruch) und vermehrte Überflutung der vegetationslosen Riffe, eine stärkere Verbreitung der Silbermöwe, sowie das Auftreten von Seeadlern, die es früher an der Schlei nicht gab.Artikel aus dem sh:z, abgerufen am 29. September 2012 Die Abnahme der Lachmöwen-Brutpaare kann anhand einer Zeitreihe verfolgt werden:https://gerdtams.de/index.php/beute?blog=5 1913 6.000 Brutpaare 1981 2.500 Brutpaare 1991 1.500 Brutpaare 1997 700 Brutpaare 2000 250–300 Brutpaare
2012 brüteten wieder 600 Silbermöwenpaare, 50 Heringsmöwenpaare sowie Flussseeschwalben und Graugänse auf der Möweninsel.
Weblinks
Möweninsel beim Verein Jordsand Inseln der Schlei
Einzelnachweise
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