Die Hochschule Furtwangen (HFU) ist eine Fachhochschule des Landes Baden-Württemberg in Furtwangen (Hauptsitz), Freiburg, Villingen-Schwenningen, Tuttlingen und Rottweil. Die HFU gehört zum Verbund Wissenschaftsverbund Vierländerregion Bodensee. Sie ist Gründungsmitglied im 2022 errichteten Promotionsverband der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg.Gemeinsames Amtsblatt Baden-Württemberg (GABl.) Nr. 6 (2022) vom 29. Juni 2022, S. 419 ff.

Die Angebote umfassen Gesundheitswissenschaften, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Internationale Wirtschaft, Digitale Medien, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen.

Geschichte mini|links|Ingenieurschule 1954

Die Hochschule Furtwangen entstand aus der ersten deutschen Uhrmacherschule in Furtwangen im Schwarzwald. Gegründet wurde die Schule im Jahr 1850 durch den Ingenieur Robert Gerwig. Das Deutsche Uhrenmuseum, die größte deutsche Uhrensammlung (von Robert Gerwig als Schausammlung gegründet), ist heute eine Abteilung der Hochschule.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Uhrmacherschule Furtwangen in zwei Zweige aufgegliedert: eine Berufliche Schule (heute Robert-Gerwig-Schule, beherbergt bis heute die Uhrmacherschule) und die Staatliche Ingenieurschule für Feinwerktechnik, die mit Einführung der Fachhochschulen 1971 zur Fachhochschule Furtwangen (FHF) wurde. Gründungsdirektor der Ingenieurschule war Friedrich Aßmus. Nachdem sich Lehre und Forschung in Furtwangen lange Zeit auf Ingenieurwissenschaften konzentrierte, wurde das Studienangebot ab den siebziger Jahren auf die Bereiche Informatik, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaft und Digitale Medien erweitert. Mit der Novellierung des Landeshochschulgesetz des Landes Baden-Württemberg wurde sie 1997 zunächst in „Hochschule für Technik und Wirtschaft“ und später in „Hochschule Furtwangen“ umbenannt.

Seit 1. März 2024 wird die Hochschule von Rektorin Alexandra Bormann geleitet. Sie ist Nachfolgerin von Rolf Schofer, der die HFU 18 Jahre lang führte. Sein Vorgänger war Rainer Scheithauer. Dieser wiederum übernahm das Amt 1998 von Walter Zahradnik (Amtszeit von 1985 bis 1998).

Organisation Das Rektorat besteht derzeit aus der Rektorin Alexandra Bormann, den Prorektoren Christoph Reich (Forschen und Nachhaltigkeit), Prorektor Hans-Georg Enkler (Lernen und Vielfalt) und der Prorektorin Ulrike Salat (Zusammenarbeit und Gesellschaft), sowie der Kanzlerin Andrea Linke.

Der Hochschulrat trägt die Verantwortung für die Entwicklung der Hochschule und schlägt Maßnahmen zur Profilbildung und Stärkung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit vor.

Campus Furtwangen mini|A-Bau des Campus Furtwangen Der Campus Furtwangen ist der ursprüngliche Standort der Hochschule. Von den 4338 Studierenden der Hochschule im April 2025 studieren 2352 in Furtwangen. Vertreten sind hier die Fakultäten: Fakultät I: Computer Science & Applications Fakultät II: Engineering & Technology Fakultät III: Health, Medical & Life Sciences Fakultät IV: Business, Design & Media Am Standort Furtwangen befindet sich auch das Rektorat. Ebenso ist hier der Standort des Deutschen Uhrenmuseums.

Campus Schwenningen Steigende Nachfrage führte dazu, dass 1988 in Villingen-Schwenningen eine Außenstelle eingerichtet wurde. Auf dem Areal der ehemaligen Kienzle Uhrenfabrik befindet sich der Campus. Auf Basis der ehemaligen Produktionsstätte wurde der Campuskomplex mit zusätzlichen Gebäuden erweitert. Im April 2025 studieren hier 1634 Studenten. Vertreten sind hier die Fakultäten: Fakultät I: Computer Science & Applications Fakultät II: Engineering & Technology Fakultät III: Health, Medical & Life Sciences Fakultät IV: Business, Design & Media

Campus Tuttlingen

2009 nahm der dritte Standort der Hochschule seinen Betrieb am Hochschulcampus Tuttlingen mit insgesamt 352 Studierenden (Stand April 2025) auf. Die Fakultäten II und IV bilden hier Studierende in Medizintechnik, Ingenieurpsychologie, Mechatronik und Digitale Produktion sowie Angewandte Materialwissenschaften aus. Neben vier Bachelor- sind vier Master-Programme Angewandte Materialwissenschaften, Human Factors, Mechatronische Systeme und Medizintechnik - Regulatory Affairs sowie das Schnuppersemester Orientierung Technik und das Industriestudium / Studium Plus (Duale Form) am HFU-Studienstandort im Angebot. Im April 2024 sind 392 Studierende am Hochschulcampus Tuttlingen eingeschrieben.

Eine Besonderheit stellt das sogenannte „Tuttlinger Modell“, also die Kooperation zwischen Hochschule, Stadt, Landkreis und Industrie dar. Die praxisnahen, kooperativen Studiengänge werden durch über 100 heimische medizintechnische Firmen unterstützt. Ein eigens errichteter Hochschulcampus Tuttlingen Förderverein e. V. hat die Schaffung des Campus beschleunigt.

Der Campus befindet sich im ehemaligen Areal von Henke-Sass, Wolf, das in den Jahren 1906 und 1954 erbaut wurde. Der Backsteinbau wurde für über 10,5 Millionen Euro saniert und am 8. Oktober 2009 offiziell eingeweiht. Neben der Modernisierung und einer Erweiterung des Gebäudes wurde ein direkter Zugang zum ZOB geschaffen. Mögliche Erweiterungen sind das ehemalige Gebäude der Ludwig-Uhland-Realschule beziehungsweise direkt gegenüber ein weiterer Backsteinbau aus der Jugendstilzeit.

Das sogenannte Tuttlinger Konzept beinhaltet die enge Kooperation mit den Wirtschaftsunternehmen, die durch Lehrbeauftragte, Vorführungen in Firmen, Praktika und die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten einen permanenten Praxisbezug garantieren. Rund 100 Unternehmen aus der Region sind Mitglied im Hochschulcampus Tuttlingen Förderverein und haben so Mitspracherechte bei Gestaltung und Betrieb der Lehre. Insgesamt gibt es eine jährliche finanzielle Unterstützung von 2,5 Millionen Euro von Seiten der Wirtschaft, der Landkreis steuert 200.000 Euro zu. Der Slogan des Campus lautet „Powered by Industry“.

Studienzentrum Freiburg Mit dem Studiengang Physiotherapie wurde im Dezember 2016 das neue Studienzentrum in Freiburg bezogen, an dem ein Teil der Physiotherapie-Ausbildung stattfinden wird. Das Studienzentrum liegt in der Konrad-Goldmann-Straße 7 im Freiburger Stadtteil Wiehre und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.

Im ersten und zweiten Obergeschoss befinden sich sowohl Unterrichtsräume als auch Büros der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Erweiterung der Räumlichkeiten im gleichen Gebäude ist bereits in Planung.

Forschungszentrum Rottweil Das Forschungszentrum Rottweil wurde im März 2016 eröffnet. Zunächst als reines Forschungszentrum mit Laboren geplant, wird seit Wintersemester 2023 dort auch der Weiterbildungs-Master auch als Studienzentrum angeboten.

Das Studienzentrum befindet sich in Räumen der ehemaligen Pulverfabrik Rottweil, einem Ort, der schon zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges mehrere Pulvermühlen beherbergte. Hier betreibt die Fakultät II: Engineering & Technology Forschung zu Plasma-Beschichtungstechnologien und eine Halle für den Bereich Maschinenbau und Digitalisierung im Gerätebau und Produktionstechnik („Industrie 4.0“) mit Robotern, Automatisierungstechnik und Simulation.

Neben der Hochschulforschung mit zum Teil internationalen Forschungsprojekten aus dem Bereich der Beschichtungen für die Medizintechnik, finden Praktika für Studierende der Masterstudiengänge Mikromedizintechnik, Advanced Precision Engineering und Technical Physician statt. Zusätzlich zu den Praktika stehen die Anlagen und Geräte des Studienzentrums für Studierende der Bachelorstudiengänge für Studienarbeiten, Projektpraktika und Bachelorthesen zur Verfügung.

Seit Oktober 2023 wird der kostenpflichtige englischsprachige Masterstudiengang „Engineering and Business Management“ mit 15 Studienplätze in Rottweil angeboten.

Studienbereiche und Studiengänge Seit dem Wintersemester 2001/2002 ist das gesamte Studienangebot auf Bachelor und Master umgestellt, entsprechend dem Bologna-Prozess. Die Hochschule bietet Studiengänge in vier Fakultäten an. Innerhalb von sieben Semestern kann ein erster berufsqualifizierender Bachelorabschluss erworben werden, der den Absolventen einen erfolgreichen Berufseinstieg ermöglicht.

Darin enthalten sind, je nach Studiengang, mindestens ein oder mehrere Praxissemester in Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie oder in kooperierenden Gesundheitseinrichtungen und Kliniken. Geprägt wird die Erlangung des akademischen Grades mit einer wissenschaftlichen Studienabschlussarbeit.

Fakultät I – Computer Science & Applications Bachelor

Allgemeine Informatik (B.Sc.) Artificial Intelligence and Robotics (B.Sc.) Games & Immersive Media (B.Sc.) IT-Sicherheit und Cyber Security (B.Sc.) IT-Produktmanagement (B.Sc.) Medieninformatik (B.Sc.) Wirtschaftsinformatik - Business Data Science (B.Sc.) Wirtschaftsinformatik - Digital Business and eCommerce (B.Sc.) Wirtschaftsinformatik - International Business Information Systems (B.Sc.) Wirtschaftsingenieur – Engineering Management (B.Eng) Wirtschaftsingenieur - Marketing und Vertrieb (B.Sc.) Wirtschaftsingenieur - Product Engineering (B.Eng.) Master Artificial Intelligence and Data Science for Digital Business Management (M.Sc.) Business Application Architectures (M.Sc.) Business Consulting (M.Sc.)

Informatik (M.Sc.) Innovation Engineering (M.Sc.) Mobile Systeme (M.Sc.) Medieninformatik (M.Sc.) Precision Manufacturing and Management (M.Sc.) Wirtschaftsingenieur - Sales & Service Engineering (MBA)

Fakultät II – Engineering & Technology Vorstudium Orientierung Technik (Zertifikat)

Bachelor

Angewandte Biologie (B.Sc.) Angewandte Materialwissenschaften (B.Sc.)

Elektrotechnik in Anwendungen (B.Sc.) Ingenieurpsychologie (B.Sc.) Information Communication Systems (B.Sc.) International Engineering (B.Sc.) Maschinenbau und Mechatronik (B.Sc.) Mechatronik und Digitale Produktion (B.Sc.) Medizintechnik – Klinische Technologien (B.Sc.) Medizintechnik – Technologien und Entwicklungsprozesse (B.Sc.) Wirtschaftsingenieur - Marketing und Vertrieb (B.Sc.) Wirtschaftsingenieur - Product Engineering (B.Eng.) Master Advanced Precision Engineering (M.Sc.) Angewandte Materialwissenschaften (M.Sc.) Biomedical Engineering (M.Sc.) Engineering and Business Management (M.Sc.) Human Factors (M.Sc.) Innovation Engineering (M.Sc.) Mechatronische Systeme (M.Sc.) Medizintechnik - Regulatory Affairs (M.Sc.) Mikromedizintechnik (M.Sc.) Smart Systems (M.Sc.) Technical Physician (M.Sc.)

Fakultät III – Health, Medical & Life Sciences

Bachelor Angewandte Biologie (B.Sc.) Angewandte Gesundheitswissenschaften (B.Sc.) Hebammenwissenschaft (B.Sc.) Medizintechnik – Klinische Technologien (B.Sc.) Molekulare und Technische Medizin (B.Sc.) Physician Assistant (B.Sc.) Physiotherapie (B.Sc.) Physiotherapie Plus (B.Sc.) Security & Safety Engineering (B.Sc.)

Master Angewandte Gesundheitsförderung (M.Sc.) Biomedical Engineering (M.Sc.) Interdisziplinäre Gesundheitsförderung (M.Sc.) Precision Medicine Diagnostics (M.Sc.) Risikoingenieurwesen (M.Sc.) Technical Physician (M.Sc.)

Fakultät IV – Business, Design & Media

Bachelor Angewandte Wirtschaftsrecht (LLB) Business Management and Psychology (B.A.) Games & Immersive Media (B.A.) Internationale Betriebswirtschaft (B.A.) International Business Management (B.A.) International Engineering (B.Sc.) Medienkonzeption (B.A.) Musikdesign (B.Mus.) (Angebot der Musikhochschule Trossingen mit der HFU) OnlineMedien (B.Sc.) Master Design Interaktiver Medien (M.A.) Executive Master of International Business Management (MBA) International Management (M.Sc.) International Business Management (MBA) Medieninformatik (M.Sc.)

Weiterbildung Die HFU ist seit 1996 in der wissenschaftlichen Weiterbildung aktiv und bietet damit einige Programme für Berufstätige und Unternehmen an. Aktuell gibt es zwölf weiterbildende Studiengänge (v. a. im Master-Bereich) sowie rund 20 kürzere und kompaktere Kurse und Programme mit Zertifikatsabschlüssen der HFU an.