Mediaș (; , früher Medwisch, siebenbürgisch-sächsisch Medwesch oder Meddesch, ) ist eine Stadt in Siebenbürgen im Kreis Sibiu in Rumänien. Sie liegt an der Târnava Mare (Große Kokel) und ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Zentralrumänien.
Geografie mini|Mediaș, Nachbarstädte: Sibiu, Alba Iulia, Turda, Târgu Mureș mini|Amtliches Ortseingangsschild mit der rumänischen, ungarischen und deutschen Ortsbezeichnung mini|Wappen der Heimatgemeinschaft Mediasch
Lage Die Stadt liegt im Kokeltal des Karpatenvorlands und ist von zahlreichen Bergen umgeben. Im Norden von den Steilhängen des Galchberges, der Burg, des Hunsrückens und Keppenberges und im Süden vom Busder Plateau, Hasengarten, Vogelstange, Hirschberg, Kreuzberg und Stempelwald. Die Gesamtlänge der Stadtgrenze beträgt 35 km, der Marktplatz liegt auf einer Seehöhe von 305 m, höchster Punkt ist der Weberln-Berg ().
Natur Mediaș liegt in einer Mischwaldzone mit Steineichen und Rotbuchen, an Bächen und Flüssen wachsen Weiden und Erlen und auf den Wiesen und Auen auch viele Arten von Süßgräsern und Wildblumen.
Klima Es herrscht ein gemäßigtes Kontinentalklima Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 600 mm pro Jahr Die durchschnittliche Anzahl der Regentage pro Jahr beträgt 123 Tage
Nachbardörfer In der Nachbarschaft von Mediaș liegen die Ortschaften Bazna (Baaßen), Blăjel (Klein-Blasendorf), Păucea (Puschendorf), Dârlos (Durles), Brateiu (Pretai), Buzd (Bußd), Moșna (Meschen), Ighișul Nou (Eibesdorf) und Târnava (Groß-Probstdorf).
Geschichte Mediasch wurde Mitte des 13. Jahrhunderts von siebenbürgisch-sächsischen Siedlern aus dem „Altland“ der Hermannstädter Provinz durch Binnenkolonisation besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1267. Der Name könnte vom lateinischen per medias via (in etwa am Kreuzweg) herrühren. Gemeint sein könnte damit ebenso die Mitte des historischen Siebenbürgens, die Mediasch in etwa markierte. Eine andere Erklärung ist die Übernahme des Ortsnamens einer vorher bestehenden Szekler-Siedlung namens Medyes. Der Name soll sich auf den Baumbewuchs der Gegend beziehen und bedeutet Sauerkirsche (neu-ungarisch Meggy), woraus im Laufe der Zeit durch Lautverschiebung der heutige Name entstanden sein soll. In ersten urkundlichen Erwähnungen heißt es u. a. Mediesy (1267) oder Terra Meddies (1289). Später findet sich auch die deutsche Bezeichnung Medwisch (Honterus-Karte, 1532; Siebenbürgischer Würg-Engel, 1670).
Mediasch entstand zunächst als Siedlung auf Adelsboden, d. h. die ersten deutschen Siedler waren dem ungarischen Adel hörig und genossen nicht dieselben Freiheits-Privilegien wie die Siedler auf dem sogenannten Königsboden. Innerhalb weniger Generationen erkämpften sich die Mediascher jedoch diese Privilegien (1315)Der ungarische König Karl Robert gesteht den Sachsen von Mediasch, Schelk und Birthälm 1315 die gleichen Freiheiten zu, wie denen der Hermannstädter Provinz und erreichten zusammen mit den umliegenden Ortschaften sogar den Status eines „Stuhls“ (Zwei Stühle, später Mediascher Stuhl), also einer eigenen Gerichtsbarkeit und weitestgehender Selbstverwaltung.
Ab etwa 1523 kamen Schriften von Martin Luther und Philipp Melanchton in die Stadt. Um 1550 wurde die Reformation eingeführt, weil die Stände einander die Glaubensentscheidung freigestellt hatten. In der Mediascher Stadtgeschichte spiegelt sich die wechselhafte Geschichte Siebenbürgens wider. Immer wieder zogen verschiedenste Heere durch das Land, es gab osmanische Einfälle, österreichische und ungarische Gegenangriffe und oft genug lokale Fürsten und Gegenfürsten, die blutig um die Vorherrschaft stritten. Mediasch wurde dabei mehrfach belagert und geplündert, wobei das Jahr 1605 als „Schreckensjahr“ in die Geschichte einging. Ebenso wurde Mediasch von der zweiten Geißel des Mittelalters, der Pest, mehrfach heimgesucht. Die Mediascher Bürgerschaft schaffte es jedoch immer wieder, das Leben in der Stadt zum Blühen zu bringen. Vielleicht trugen gerade die oft ungünstigen äußeren Bedingungen dazu bei, den inneren Zusammenhalt zu stärken. Dies bezog sich jedoch beinahe ausschließlich auf die deutsche Bevölkerung, Ungarn oder gar Rumänen waren nahezu vollständig ausgeschlossen.
Die Dominanz der deutschstämmigen Siebenbürger Sachsen dauerte bis ins 19. Jahrhundert an. In Mediasch wurde der wachsende Einfluss der ungarischen Staatsmacht und ihr Bestreben der „Magyarisierung“ Siebenbürgens besonders offensichtlich. Im Jahr 1849 wurde die Stadt von ungarischem Militär besetzt und der Mediascher Stephan Ludwig Roth, prominentes Sprachrohr der Siebenbürger, Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller, festgenommen, in Klausenburg in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen. Darüber hinaus wurden hunderte anderer Menschen, die meisten davon Rumänen, erschossen. Dennoch gelang es der deutschen Bevölkerung dank traditionell guter Kontakte nach Deutschland und Österreich während der Zeit der Industrialisierung ihre Vormachtstellung in Mediasch ökonomisch auszubauen.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien schwand auch in Mediaș zunehmend der Einfluss der deutschen Bevölkerung. Obwohl sie nach wie vor den Großteil der Bevölkerung stellten, fühlten sich die Deutschen vor allem wegen entsprechender Gesetze der Zentralregierung zunehmend ins Abseits gedrängt. So fand die NS-Propaganda auch in Mediaș ihre Anhänger: Viele Bewohner der Stadt zogen auf deutscher Seite in den Zweiten Weltkrieg. Hingegen wurden hier keine organisierten Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung und ihre Einrichtungen durchgeführt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die deutschstämmige Bevölkerung (zumeist Siebenbürger Sachsen) in Mediaș eine relative Mehrheit. Die Stadt, damals noch Teil des Kreises Târnava-Mare, zählte im Jahr 1930 15.505 Einwohner, davon 5.974 Deutsche (38,52 %), 4.366 Rumänen (28,15 %), 3.876 Magyaren (24,99 %), 702 Juden (4,52 %) und 345 Roma (2,22 %).Sabin Manuila (Hrsg.): Recensământul populației României din 29 Decemvrie 1930. Band 2. Institutul central de statisticǎ, Bucureşti 1938, S. 438 f.
1996 wurden 62.750 Einwohner, davon 50.200 Rumänen, 8.900 Magyaren, 2.500 Roma, 1.150 Deutsche gezählt.
Politik Bürgermeister der Stadt war von 2004 bis zu seinem Tod 2009 Daniel Thellmann, zunächst gewählt als Mitglied des DFDR (Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien). Das DFDR leitete die Stadtpolitik in der Wahlperiode 2004–2008 in einer Koalition mit der PD, seit 2007 umbenannt in PD-L. Am 18. April 2008 wechselte der amtierende Bürgermeister zur PD-L, was zu politischen Auseinandersetzungen führte.Thellmann wechselt zu rumänischer Partei. In: Siebenbürgische Zeitung, 22. Mai 2008. Infolgedessen kündigte Klaus Johannis, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, den Abbruch jeglicher Zusammenarbeit zwischen dem DFDR und der PD-L.Klaus Johannis: Thellmann musste seine Ämter im Demokratischen Forum der Deutschen niederlegen.
Kommunalwahlen Die Wahlen zum Stadtrat (consiliul local) im Jahre 2020 ergaben folgende Mandatsverteilung:Componenţa Consiliului Local Mediaş, abgerufen am 2. April 2021 (rumänisch). PNL (National-Liberale Partei): 16 PSD (Sozialdemokratische Partei): 3 USR (Union Rettet Rumänien): 1 PLUS (Partei für Freiheit, Einigkeit und Solidarität): 1 Nach Daniel Thellmanns Tod durch schwere Krankheit übernahm sein Stellvertreter Teodor Neamțu 2009 das Amt des Bürgermeisters. Seit 2016 ist Gheorghe Roman Bürgermeister der Stadt.
Liste der Bürgermeister von Mediasch Die folgenden Bürgermeister der Stadt sind seit dem 16. Jahrhundert und vereinzelt davor beurkundet:Die Burgermeister von Mediasch. In: Siebenbürgische Quartalschrift. Jg. 7, 1801, Zweites Quartal, S. 94–109 und Drittes Quartal, S. 177–188.Die Bürgermeister von Mediasch, 1552–1944. In: Hansotto Drotloff, Günther E. Schuster (Hrsg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu/Hermannstadt u. a. 2009, ISBN 978-3-941271-15-9.
Städtepartnerschaften Mediaș unterhält Partnerschaften mit: Głogów in Polen, seit 1992 Sopron in Ungarn, seit 1993 De Fryske Marren in den Niederlanden, seit 1995 Mineral Wells in Texas, seit 2005 Dąbrowa Górnicza in Polen, seit 2011 Cricova in der Republik Moldau, seit 2018 Lutherstadt Wittenberg, seit 2019
Sehenswürdigkeiten
Margarethenkirche mit dem charakteristischen schiefen Trompeterturm („Tramiter“). Im Innenraum der Kirche befindet sich die nach der Schwarzen Kirche von Brașov bedeutendste Sammlung wertvoller historischer „Siebenbürger“ Teppiche. Der Mediascher Altar im Chorraum ist eines der bedeutendsten Werke der Spätgotik in Siebenbürgen. Seit dem Jahr 2022 wird der alte Buchbestand im Kirchturm wissenschaftlich gesichert und erforscht. Hermann-Oberth-Gedenkhaus Historische Altstadt Schuller-Haus (Bildungseinrichtung) Stephan-Ludwig-Roth-Gedenkhaus Synagoge, erbaut 1896
Medien Es gibt zwei Radiosender in Mediaș (Radio Mediaș und Radio Ring), einen Fernsehsender (Nova Tv) und drei Wochenblätter (Monitorul de Mediaș, Jurnal de Weekend und Medieșeanul).
Sport Die erfolgreichsten Sportvereine in Mediaș sind die Basketballmannschaft und der Fußballklub von Gaz Metan. Der Fußballklub gewann 2011 in der Qualifikation zur UEFA Europa League überraschend gegen die deutsche Bundesligamannschaft FSV Mainz 05.spiegel.de
Verkehr Mediaș liegt an einer der bedeutendsten internationalen Eisenbahnstrecken Rumäniens (Bukarest–Budapest–Wien), eine der ersten von der rumänischen Staatsbahn (CFR) elektrifizierten Strecken. Außerdem ist Hermannstadt über eine Lokalbahnlinie – via Copșa Mică (Kleinkopisch) – erreichbar. Das Stadtzentrum ist vom Bahnhof aus in etwa 10 Minuten zu Fuß erreichbar.
Die Stadt liegt am Straßenkreuzungspunkt der Nationalstraßen (drum național) DN 14, DN 14A, DN 14B sowie der Kreisstraße (drum județean) DJ 141. Über diese Straßen sind die Städte Hermannstadt, Blaj (Blasendorf), Târnăveni (Sankt Martin), Sighișoara (Schäßburg) und Agnita (Agnetheln) erreichbar.
Das öffentliche Verkehrsnetz besteht aus drei Oberleitungsbus- und einigen Autobuslinien.
Wein Die Stadt liegt im siebenbürgischen Weinland,Siehe die Siebenbürgenkarte von Johannes Honterus aus dem Jahre 1532. wo der Anbau von vorwiegend Weißwein seit jeher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war. Dieses bezeugt auch das Stadtwappen, in dem das alte Wappenelement, die natürliche rechte Hand vermehrt ist um eine befruchtete Weinrebe mit Wurzeln, Blättern und zwei Trauben – so belegt in einem Siegel aus dem Jahr 1546.Albert Arz von Straussenburg: Beiträge zur siebenbürgischen Wappenkunde. Hermannstadt 1937. Auch die Heimatgemeinschaft Mediasch führt neben dem Tramiterturm die befruchtete Weinrebe in ihrem Wappen.
Der Wein aus Mediaș wird in Bram Stokers Roman Dracula an prominenter Stelle erwähnt: “The wine was Golden Mediasch, which produces a queer sting on the tongue, which is, however, not disagreeable” (Tagebucheintrag von Jonathan Harker, 5. Mai, zum ersten Mal auf dem Weg zum Schloss des Grafen).
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt
Christian Schesaeus (1536–1585), siebenbürgischer Humanist Michael Weiß (1569–1612), Politiker Laurentius Toppeltinus (1641–1670), Jurist und Landeshistoriker Michael Conrad von Heydendorff der Ältere (1730–1821), Chronist, Historiker und Bürgermeister Stephan Ludwig Roth (1796–1849), Pfarrer, Schulreformer und Politiker Wilhelm von Alemann (1798–1881), österreichischer Feldzeugmeister, Kommandant der Theresianischen Militärakademie Andreas von Gunesch (1799–1875), evangelisch-lutherischer Superintendent von Wien Theodor Fabini (1828–1849), Reformer und Volksheld Josef Schuster (1849–1914), Lehrer und Abgeordneter im Ungarischen Reichstag Johann Friedrich Wilhelm Binder (1857–1898), Jurist und Politiker Heinrich Siegmund (1867–1937), Arzt, Landeskonsistorialrat und Publizist