Crostau ( ) ist ein Ortsteil der Stadt Schirgiswalde-Kirschau im sächsischen Landkreis Bautzen und gleichzeitig der Name der Ortschaft Crostau. Die Ortschaft besteht aus den Ortsteilen Crostau selbst, Callenberg, Carlsberg, Halbendorf im Gebirge und Wurbis.

Crostau liegt inmitten des Oberlausitzer Berglandes an der Grenze zum Landkreis Görlitz. Es war bis zum 31. Dezember 2010 eine selbstständige Gemeinde und gehört seitdem zur Stadt Schirgiswalde-Kirschau.

Der Ortsname ist – wie bei Crostwitz – vom altsorbischen Wort chróst für „Gebüsch“ abgeleitet (vgl. obersorbisch chrósćina = Gestrüpp, Buschwerk).Ernst Eichler/Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Akademie-Verlag, Berlin 1975.

Geographie Geographische Lage Crostau ist ein klassisches Gebirgsdorf. Es erstreckt sich auf einer Höhenlage von 245 m bis 380 m. Umrahmt wird es von mehreren Bergen des Oberlausitzer Berglandes: den Kälbersteinen (487 m), dem Potsberg (448 m), dem Wolfsberg (347 m), dem Horken (307 m) und dem Callenberger Berg (360 m). Verschiedene Anhöhen tragen ebenfalls eigene Namen, so zum Beispiel die „Isabella“ am Fuße der Kälbersteine.

Der Ort Crostau unterteilt sich in Niedercrostau um die ehemalige Wasserburg Kroste und Obercrostau mit dem Dorfplatz am ehemaligen Rittergut und der Crostauer Kirche.

Ortsgliederung Die Gemeinde Crostau hatte folgende Ortsteile: Callenberg ( Chemberk), 547 Einwohner Carlsberg, 131 Ew. Crostau (Chróstawa), 631 Ew. Halbendorf (Wbohow), 135 Ew. Wurbis (Wjerbjež), 153 Ew.Angaben der Meldebehörde Schirgiswalde; Stand: 31. Dezember 2009

Geschichte Ortsgeschichte Crostau und seine Ortsteile liegen auf altem Siedelland, auch wenn die Region bei weitem nicht so lange besiedelt ist, wie das Oberlausitzer Gefilde um die relativ nah gelegene Stadt Bautzen. In Niedercrostau siedelten die sorbischen Milzener wahrscheinlich bereits um 800 n. Chr.

Mit der deutschen Landnahme im 10. bis 12. Jahrhundert wurde eine ältere Befestigung zu einer kleinen Wasserburg, der „Kroste“ ausgebaut. Diese diente vermutlich zunächst dem Schutz kleinerer Handelswege, entwickelte sich aber wahrscheinlich bald zu einem „Raubritternest“. 1352 soll sie vom Oberlausitzer Sechsstädtebund zerstört worden sein. Manchmal wird dieses Jahr deshalb als Ersterwähnungsjahr des Ortes bezeichnet. Der Ort an sich wurde aber erstmals 1419 urkundlich erwähnt. Außer Carlsberg, welches erstmals 1798 urkundlich belegt ist, entstanden die anderen Ortsteile etwa zur selben Zeit wie Crostau.

Viele Jahrhunderte lang war Crostau Sitz verschiedener alter Adelsgeschlechter unter anderem derer von Rechenberg. Es kam im Erbgang, zusammen mit Numsdorf und Rodewitz, an Eva Katharina von Seydlitz (ca. 1640–1675), die mit Christian Wilhelm von Watzdorf, Herr auf Birkenheide (1636–1690) verheiratet war.

1869 entstand an der Stelle eines Vorgängerbaues die Kirche zu Crostau mit ihrer bedeutenden Silbermann-Orgel.

Bis 1934 waren alle Ortsteile selbstständige Gemeinden. Halbendorf kam erst 1972 zum Gemeindeverband.

Zum Ende des Jahres 2010 verlor Crostau seine Eigenständigkeit als Gemeinde und wurde mit der Gemeinde Kirschau und der Stadt Schirgiswalde zur Stadt Schirgiswalde-Kirschau verbunden.

Religionen Crostau ist traditionell ein evangelisch geprägter Ort. Die Kirchgemeinde Crostau betreute lange Zeit auch die evangelische Bevölkerung im nahegelegenen katholisch geprägten Schirgiswalde mit, bis dieses eine eigene protestantische Kirche erbaute. Momentan (2005) arbeiten die evangelischen Kirchgemeinden von Crostau, Kirschau und Schirgiswalde sehr eng zusammen und haben nur einen Pfarrer (den aus Crostau), dem verschiedene Pfarrer im Ruhestand gelegentlich bei den drei Gottesdiensten am Sonntag aushelfen. Viele Bürger in Crostau bekennen sich auch zu keiner Religion. Etwa die Hälfte der Bevölkerung (ca. 900) gehören zur Kirchgemeinde Crostau.

Einwohnerentwicklung Crostau musste seit der Wende Bevölkerungsverluste hinnehmen, die aber deutlich unter denen der Verluste der größeren Städte der Oberlausitz lagen. Als problematisch könnte sich allerdings die zunehmende Überalterung der Einwohner erweisen.

Politik und Verwaltung Die Gemeinde Crostau bildete bis 2010 zusammen mit der Stadt Schirgiswalde und der Gemeinde Kirschau eine Verwaltungsgemeinschaft. Seit der Wende war die CDU durchgängig die deutlich stärkste Partei. Zum 1. Januar 2011 vereinigten sich die drei Gemeinden freiwillig.

Als Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung hat Crostau heute gemäß seiner Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Das Schloss in Crostau mini|Typisches Umgebindehaus, Am Park

Museen Ein sehr kleines Dorfmuseum im Ernst Bursche Haus.

Bauwerke mini|Schloss Crostau, Wappen des Grafen Andreas von Riaucour

Die Kirche zu Crostau mit ihrer Gottfried-Silbermann-Orgel.silbermann.org: Webseite zur Silbermann-Orgel Crostau, abgerufen am 9. April 2013. Wasserburg Kroste (nicht mehr erkennbar) Umgebindehäuser Das ehemalige Schloss (zu DDR-Zeiten ein Krankenhaus) ist von einem 3,5 Hektar großen Park mit uralten Bäumen umgeben und wird zurzeit hergerichtet. Daneben befinden sich noch einige alte Gebäude des ehemaligen Rittergutes.

Wirtschaft Crostau wirbt damit, dass es „abseits belebter Straßen“ liegt und im Prinzip ohne Industrie ist. Außerdem ist es interessant in das Oberlausitzer Bergland eingebettet und gut an das Wanderwegenetz angeschlossen. Dies sind ideale Bedingungen für den Erholungstourismus abseits von touristischen Hochburgen. Es gibt etwa 70 Gästebetten im Ort.

Die Crostauer Kirche wird regelmäßig als kurzer Ausflug in Busreiseprogramme durch die Oberlausitz aufgenommen.

Im Dorf gibt es verschiedene kleine Handwerksunternehmen. Im Allgemeinen pendeln die Bewohner aber ins nahegelegene Schirgiswalde oder nach Bautzen.

Die Tradition der Bauernhöfe im Dorf ist so gut wie ausgestorben. Im Vergleich zu den Gebieten des Oberlausitzer Gefildes waren und sind die Erträge geringer. Früher luden sich die Bauern regelmäßig zu Feiern ein. Zurzeit gibt es nur noch einen einzigen Bauern (einige ehemalige Bauern betreiben nebenbei noch geringfügig Landwirtschaft).

Bildung In Crostau gibt es eine Weiterbildungsakademie für Führungskräfte der Wirtschaft, jedoch keine Einrichtungen des ersten Bildungsweges. Die Grundschule Crostau wurde 2002 geschlossen.

Persönlichkeiten Christian Heinrich von Watzdorf (1698–1747), sächsischer Hofbeamter Ernst Bursche (1907–1989), Maler Reiner Goldberg (1939–2023), Opernsänger Ines Keller (* 1964), Ethnologin Falk Roscher (* 1944), Jurist

Literatur

Weblinks

Ortschaft Crostau In. Webauftritt der Stadt Schirgiswalde-Kirschau.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Bautzen) Kategorie:Gemeindeauflösung 2011 Kategorie:Ort im Landkreis Bautzen Kategorie:Ort in der Oberlausitz Kategorie:Geographie (Schirgiswalde-Kirschau) Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft