Martin Kosleck (* 24. März 1904 als Nicolaie Yoshkin in Barkotzen, Ortsteil von Alt Kolziglow, Pommern; † 15. Januar 1994 in Santa Monica, Kalifornien) war ein deutsch-amerikanischer Film-, Fernseh- und Bühnenschauspieler. 1931 emigrierte er aus Deutschland nach Großbritannien, von dort weiter in die USA nach Hollywood. Im Laufe seiner Karriere zwischen 1927 und 1980 war er in 89 Filmen und Fernsehsendungen zu sehen, wo er häufig den Typus des „Nazi-Bösewichts“ verkörperte, insbesondere Joseph Goebbels.

Leben und Karriere Martin Kosleck, geboren in Barkotzen in Pommern (heute Barkocin in Polen), war der Sohn eines russischen Försters. Schon früh war er begeistert vom Schauspielen. Er besuchte sechs Jahre lang die Schauspielschule von Max Reinhardt, wo er vor allem Rollen in Shakespeare-Stücken übernahm. Außerdem trat er in Berliner Revuen und Musicals auf. Im Alter von 23 Jahren bekam er seine erste Filmrolle in dem Stummfilm Der Fahnenträger von Sedan (Regie: Johannes Brandt), 1929 in Napoleon auf St. Helena (Regie: Lupu Pick), 1930 in seinem ersten Tonfilm Alraune (Regie: Richard Oswald) und in Die singende Stadt (Deutschland/Großbritannien; Regie: Carmine Gallone).

Beim Aufkommen der Nationalsozialisten setzte die Gestapo auf Veranlassung des Propagandaministers und Präsidenten der Reichskulturkammer Joseph Goebbels ihn als erklärten Gegner der Nationalsozialisten auf die Liste der „unerwünschten Personen“ und erließ gegen ihn einen Haftbefehl. Kosleck war bereits 1931 nach Großbritannien übersiedelt, im Jahr darauf zog er von dort in die USA und ging über New York nach Hollywood. Sein erster amerikanischer Film war die Musical-Komödie Fashions of 1934 (in der Hauptrolle Bette Davis). Da ihm zunächst kaum weitere Filmrollen angeboten wurden, kehrte Kosleck zunächst zurück auf die Bühnen von New York. Während er auf dem Broadway im Kaufmann von Venedig mitwirkte, bot ihm Anatole Litvak eine Nebenrolle als Joseph Goebbels in der Warner-Brothers-Produktion Ich war ein Spion der Nazis an. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges und Kriegseintritts der USA 1941 boomten in den frühen 1940er Jahren Anti-Nazi-Propagandafilme und dafür wurden gegen die Nationalsozialisten eingestellte deutsche Darsteller gesucht. Während viele Emigranten es ablehnten, Nationalsozialisten zu spielen, sah Kosleck dies als berufliche Chance und auch Gelegenheit an, es den Nationalsozialisten, vor allem Goebbels, heimzuzahlen. Aufgrund seiner eiskalten Ausstrahlung, seines stechenden Blicks und seines starken deutschen Akzents wurde Kosleck in der Folge häufig in der Rolle des „Nazi-Bösewichts“ engagiert. Insgesamt stellte er fünfmal Goebbels dar, außerdem trat er als SS-Mann und als KZ-Offizier auf, auch als Spion, Geheimagent, Psychopath und anderes. Zum Schutz seiner in Deutschland verbliebenen Verwandten behauptete Kosleck, sein Name sei nur ein Pseudonym und er sei als „Nicolai Yoshkin“ geboren worden.Thomas Blubacher: Paradies in schwerer Zeit. Künstler und Denker im Exil in Pacific Palisades und Umgebung. München 2011, S. 112–114.

Nach Kriegsende waren Nazi-Rollen nicht mehr gefragt und Kosleck musste sich eine Zeit lang mit Rollen in B-Horrorstreifen durchschlagen. Kosleck kehrte daraufhin mit seiner Frau, der in Deutschland geborenen Schauspielerin Eleonora von Mendelssohn, abermals nach New York zurück. Auf dem Broadway spielte er in den späten 1940ern und frühen 1950ern einige Bühnenrollen, unter anderem in The Madwoman of Chaillot (Die Irre von Chaillot).

Im neuen Medium Fernsehen übernahm er in den 1950ern und 1960ern Gastauftritte bei verschiedenen Serien-Episoden (u. a. The Rogues, 1964), teilweise erneut in der Rolle des Nationalsozialisten. Nachdem er in den 1970ern einen Herzinfarkt erlitten hatte, trat er nur noch vereinzelt auf, meist im Fernsehen. Sein letzter Filmauftritt war 1980 in Sam Marlow, Privatdetektiv.

Außerhalb der Schauspielerei betätigte sich Kosleck in Zeiten mangelnder Rollenangebote auch als Porträtmaler im impressionistischen Stil. Unter anderen wurden Bette Davis und Marlene Dietrich von ihm porträtiert.

Kosleck war seit den frühen 1930er-Jahren bis zu dessen Tod 1958 in einer manchmal turbulenten Beziehung mit dem Schauspieler Hans Heinrich von Twardowski, worüber auch ausführlich der Briefwechsel zwischen Twardowski und dessen enger Freundin Marlene Dietrich Auskunft gibt. 1948 heiratete er unerwartet die Schauspielerin Eleonora von Mendelssohn, die 1951 Suizid beging. Kosleck starb im Alter von 89 Jahren nach einer Bauchoperation in einem Genesungsheim in Santa Monica, Kalifornien.

Filmografie 1927: Der Fahnenträger von Sedan 1929: Napoleon auf St. Helena 1930: Alraune 1930: Die singende Stadt 1934: Liebe ohne Zwirn und Faden (Fashions of 1934) 1939: Ich war ein Spion der Nazis (Confessions of a Nazi Spy) 1939: Nurse Edith Cavell 1939: Espionage Agent 1939: Nick Carter, Master Detective 1940: Calling Philo Vance 1940: Der Auslandskorrespondent (Foreign Correspondent) 1941: The Mad Doctor 1941: Underground 1941: International Lady 1941: The Devil Pays Off 1941: Agenten der Nacht (All Through the Night) 1942: Fly-by-Night 1942: Nazi Agent 1942: Berlin Correspondent 1942: Divide and Conquer 1942: Manila Calling 1943: Chetniks 1943: Bomber’s Moon 1943: The North Star 1944: The Great Alaskan Mystery 1944: The Hitler Gang 1944: Secrets of Scotland Yard 1944: The Mummy’s Curse 1945: Strange Holiday 1945: The Frozen Ghost 1945: Gangs of the Waterfront 1945: Gefährliche Mission (Pursuit to Algiers) 1945: The Spider 1946: Crime of the Century 1946: Just Before Dawn 1946: House of Horrors 1946: Die Gräfin von Monte Christo (The Wife of Monte Cristo) 1946: She-Wolf of London 1947: The Beginning or the End 1948: Half Past Midnight 1948: Assigned to Danger 1948: Smugglers’ Cove 1956: Spion für Deutschland 1961: Wilde Knospen (Something Wild) 1962: Hitler 1964: The Flesh Eaters 1964: 36 Stunden (36 Hours) 1965: Kennwort: Morituri (Morituri) 1966: Im Auftrag von H.A.R.M. (Agent from H.A.R.M.) 1969: Wake Me When the War Is Over (Fernsehfilm) 1970: Wo, bitte, geht’s zur Front? (Which Way to the Front?) 1971: Longstreet (Fernsehfilm) 1978: A Different Approach (Kurzfilm) 1980: Sam Marlow, Privatdetektiv (The Man with Bogart’s Face)

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Foto von Martin Kosleck

Einzelnachweise

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