Heringhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg und ein staatlich anerkannter Tourismusort.
Geographie Geographische Lage Heringhausen liegt zwischen Dortmund und Kassel südlich von Paderborn, ungefähr in der Mitte eines Dreiecks mit den Eckpunkten Korbach, Brilon und Marsberg im Naturpark Diemelsee. Alle Siedlungsbereiche von Heringhausen liegen am Ufer des Diemelstausees. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3078.
Naturräumliche Zuordnung Naturräumlich liegt Heringhausen in der Haupteinheit Ostsauerländer Gebirgsrand (Nr. 332), wobei sich der Großteil des Ortes im Vorupländer Hügelland (332.61) und der Rest mehrheitlich in der Vorupländer (Adorfer) Bucht (332.6) befindet. Teile der nördlichen Gemarkung von Heringhausen zählen zur Padberger Schweiz (332.70). Der gesamte Itterarm mit Kotthausen zählt zur Untereinheit Diemelbergland (332.70).
Sprachgeographie Die Entwicklung des lokalen Sprachgebrauchs ist durch die Grenzlage zwischen Hessen und Westfalen begründet. Die Benrather Linie ist eine historische Sprachgrenze zwischen nordhessischen und westfälischen Dialekten. Außerdem ist die Region vom Sauerländer Platt beeinflusst. Die Dat-das-Linie hat in dieser Region einen ähnlichen Verlauf. Kleinräumige sprachgeographische Grenzen zur Aussprache von Vokalen wurden um Heringhausen bis in das 20. Jahrhundert nachgewiesen.
Klima In Heringhausen herrscht gemäßigtes Mittelgebirgsklima. Durch den Diemelsee, der für den Ort auch als Wärmespeicher wirkt, hat der Ort ein mildes Mikroklima. Im Sommer hat der See Wassertemperaturen von teilweise über 20 Grad (Celsius), im Winter ist der See meist zugefroren. Klimatische Durchschnittswerte können der Klimatabelle entnommen werden, aktualisierte Informationen zu Wassertemperaturen befinden sich im Abschnitt Weblinks.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Die früheste Anwesenheit von Menschen in der Heringhäuser Region ist durch jungsteinzeitliche Streufunde belegt. Im Bestand des Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach sind entsprechende Fundstücke aus dieser Zeit und nachfolgenden Perioden. Streufunde Funde zur keltischen Besiedlung in der Region werden ab dem 5. Jahrhundert datiert. Der Latènezeit folgte Besiedlung durch Germanen. Die Bereiche von germanischen Stämmen haben sich in der Region mehrfach verschoben. Anfänglich gibt es in der Region Cherusker und Chatten. Später finden sich Sugambrer und Marser in der Region. Römische Besiedlung um Heringhausen ist nicht bekannt; die nächsten Nachweise zu Römern finden sich im heutigen Gebiet von Ostwestfalen-Lippe. Für die Zeit von etwa 100 bis etwa 500 ist kaum etwas zur regionalen Geschichte bekannt.
Mittelalter Heringhausen befand sich in Grenzbereichen der sächsischen und fränkischen Gebiete. Um etwa 690 war Heringhausen im Einflussbereich der Angrivarier (auch als Angrevarier, Angarier, Engern, lateinisch: Angrivarii, Angarii bekannt). Der Missionierung der Chatten folgend, setzte auch im Bereich von Heringhausen die Christianisierung ein. Heringhausen war zunächst im Einflussbereich der Eresburg (im heutigen Marsberg) und wurde von dort missioniert. Später lag Heringhausen im frühmittelalterlichen Gau Nithersi der später auch als Itergowe, Pago Itherga und Grafschaft Itter bekannt war.
Historische Ortsnamen Zur Entstehung des Ortsnamens Heringhausen sind etliche Varianten bekannt. Ursprünglich bestand der Name aus einer Zusammensetzung von -inghūsen und dem Personennamen Hard(i)/Hardo, der auf den Wortstamm „Hardu“ (zu altsprachlich hard ‚stark, kräftig, kühn‘) zurückgeführt wird. In der Literatur wird dazu die Deutung: „bei den Häusern der Leute des Hard(i)/Hardo“ gegeben.
Die Existenz mehrerer Orte mit ähnlicher Namensentwicklung ist dokumentiert. Auf diesem Hintergrund ist die einwandfreie Identifizierung des Ortes in Urkunden auf den Kontext angewiesen. In den Urkunden des Klosters Kaufungen sind die Ortsnamen Hardinghuson (1023), Herdinchußen, Herdynckhusen und Hertighusin als frühe Ortsnamen belegt. In anderen Urkunden kommt Heriwardeshuson (1043) vor. Auf der ältesten Kirchenglocke findet sich neben der Jahreszahl 1674 der Verweis auf den Ortsnamen Herdinghausen. Ein weiterer Hinweis auf diesen ehemaligen Ortsnamen steht auf einem Denkmal.
Historische Gebietszuordnung Historisch befindet sich das Dorf im Ittergau. Noch etwa 700 n. Chr. war die Region sächsisch, bis zeitweise das fränkische Austrasien größeren Einfluss gewann. Heringhausen befand sich in der Grenzregion zwischen dem Herzogtum Sachsen im Norden und dem Herzogtum Franken im Süden. Kirchlich unterstand der Ort dem Hochstift Paderborn. Landesherren waren die Grafen, später Fürsten von Waldeck. Mit der Auflösung des Freistaates Waldeck im Jahr 1929 kam Heringhausen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Nach 1945 gehörte der Ort zunächst zur amerikanischen Besatzungszone und Groß-Hessen, dann zum Bundesland Hessen.
Historischer Wirkungsbereich von Heringhausen Durch die Pfarrei und andere Besitzverhältnisse hatte Heringhausen einen Wirkungsbereich, der über die Grenzen des Ortes und seiner Gemarkung hinaus ging. Als Filialen von Heringhausen wurden benannt: Stormbruch (1526), Ottlar (1543), Bontkirchen (1587). Bemerkenswert ist zum Beispiel, dass auch nach der Reformation die eigentlich katholischen Einwohner von Bontkirchen zum evangelischen Gottesdienst nach Heringhausen kamen, womit frühe Geschichte der Ökumene praktiziert wurde.
Ortsgeschichte mini|Lage Heringhausen um 1866 (Kartenausschnitt) mini|Kriegerdenkmal
Am 14. Januar 1023 wird der Ort als Hardinghuson in den Güterverzeichnissen des Klosters Kaufungen urkundlich als Schenkung des Kaisers Heinrich II. an dieses Kloster erwähnt. Der Vorgang ist mit gleichem Datum mit den sogenannten „Kaiserurkunden“ Heinrichs II. dokumentiert. Das Originaldiplom dieser Schenkung wurde im Staatsarchiv zu Münster archiviert. Die nächste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1043, als der Abt des Klosters Corvey der Kirche St. Magnus in Horhusen (Niedermarsberg) den Zehnten des Ortes schenkte. Das Patronat in Heringhausen blieb bis zur Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck 1526 beim Kloster Kaufungen.
Etliche Besitz- und Lehenswechsel (auch für Teilbereiche) sind für Heringhausen dokumentiert, die 1565 mit der Übertragung von Besitzansprüchen an die Grafschaft Waldeck endeten. Ab dann gehörte Heringhausen zum Amt Eisenberg, zum Gogericht Flechtdorf und zum Freistuhl Schweinsbühl. Die Reformation wurde im Ort um 1542 von Pfarrer Johann Pistor und ab 1550 durch Pfarrer Daniel Dillen (1550 bis 1601) eingeführt. Der Ort hatte im Jahr 1738 zwanzig Wohnhäuser. Für das Jahr 1788 ist ein „Eisenhammer von Pohlmann“ bekannt. Im Jahr 1822 erwähnt Johann Gunther Friedrich Cannabich, dass es in Heringhausen 206 Einwohner, eine Pulvermühle und einen „Waffenhammer“ gibt. Per Wahlgesetz vom 23. Mai 1849 wurde der Ort durch Fürstin Emma zu Waldeck und Pyrmont dem Wahlkreis VIII des Reichsfürstentums Waldeck-Pyrmont zugeordnet. Aufgrund der Volkszählung mit Stand vom 1. Dezember 1885 wurden folgende Zahlen für den Ort festgehalten: 32 Wohngebäude mit 33 Haushaltungen, 113 männliche und 99 weibliche Einwohner, 211 evangelisch und 1 Person mit katholischer Konfession. Zum Ort wurden 3 Wohnplätze notiert: neben dem Hauptort wurden Kotthausen mit 2 Wohngebäuden und 8 Einwohnern sowie Reuemühle mit einem Haus und 8 Personen aufgeführt.
Im Rahmen der Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg wurde das Gasthaus Giesing zum KLV-Lager Ku 023. Kinder der Volksschulen von Ihringshausen und Sandershausen waren im Herbst 1944 dort untergebracht.
Zum 31. Dezember 1971 entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Adorf, Benkhausen, Deisfeld, Flechtdorf, Giebringhausen, Heringhausen, Ottlar, Rhenegge, Schweinsbühl, Stormbruch, Sudeck, Vasbeck und Wirmighausen die neue Gemeinde Diemelsee. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Adorf. Für die ehemals selbständigen Gemeinden von Diemelsee wurden gemäß Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen grundsätzlich den Gemarkungsgrenzen.
Das zuständige Amtsgericht ist in Korbach, wo auch die nächste Polizeidienststelle ist. Der Nordhessische Verkehrsverbund ist Träger des öffentlichen Personennahverkehrs. Die ländliche Entwicklung wird über die Gemeinde koordiniert und von der „LEADER-Region Diemelsee-Nordwaldeck“ gestützt.
Für Zweitwohnungen im Gebiet von Heringhausen wurde 1999 (nachwirkend bis 1994) per Gemeindesatzung die Erhebung einer Zweitwohnungssteuer eingeführt.
2015 wurde die wirtschaftliche Vereinigung der Kirchengemeinden im Bereich der Gemeinde Diemelsee auch für Heringhausen beschlossen. In der Urkunde vom 12. November 2015 sind alle Liegenschaften der Kirchengemeinde detailliert aufgeführt. In der Urkunde wurden mit den Positionen 24, 25 und 30 Grundbesitz der evangelischen Kirche in der Gemarkung von Heringhausen behandelt. Dies betraf einen Grundbesitz von etwas über 10 Hektar, was nur einen Bruchteil des mittelalterlichen Kirchenbesitzes im Ort ausmachte.
Siedlungsbereiche und Wüstungen in der Gemarkung Heringhausen In der Gemarkung Heringhausen gibt es mehrere historische Siedlungsbereiche und Wüstungen. Teilweise sind diese Stellen noch heute unbewohnt; teilweise finden sich Neubebauung und Besiedlung aus dem 20. Jahrhundert sowie Hinweise auf die alten Siedlungen durch die Flur- oder Straßennamen.
Giffelde Giffelde bezeichnet eine ehemalige Wüstung, auf der heute ein Campingplatz angelegt ist. Auf sie weist der Straßenname „Im Giffeld“ hin. Bodenrechtlich befindet sich das Areal heute in der Gemarkung von Stormbruch. Varnhargen erwähnt 1825 als Gebietsbezeichnung „im Giffelde“.(Varnhagen S. 47) Georg Landau erwähnt 1836 den Gutsnamen Hiuelde als Verweis zu möglichen Vorgängern der Wüstung.
Kotthausen miniatur|Kotthausen (Luftbild 2013) mini|Itter-Pegel Kotthausen III, („Itter zur Diemel, , Kilometer: 3,40“)
Kotthausen ist der Name der ehemaligen Wüstung, die im 21. Jahrhundert mit den Siedlungsbereichen Kotthausen I, Kotthausen II, und Kotthausen III bekannt ist. In Kotthausen I liegen die in Karten als Schirrhof verzeichnete Betriebstätte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden, das den Diemelsee bewirtschaftet, sowie die Siedlung Am Fresenberg. In Kotthausen II gibt es einen Campingplatz und einen Bauernhof. Kotthausen III hat einen Bauernhof, die Siedlung Voßhol und den Pegel des Itterzuflusses zur Diemeltalsperre. Die Siedlungsgeschichte von Kotthausen als Wohnplatz ist 900-jährig. Die früheste Urkundliche Erwähnung ist um 1107–1128 als „Cothusun“ und für das Jahr 1120 als „Cotzhusz“ bekannt. Im Jahr 1194 und am 11. August 1309 ist Kotthausen (auch Cozhausen, Cothusun, Cothusen, Kothausen) in Urkunden des Klosters Flechtdorf erwähnt. Im Jahr 1497 wird Kotthausen als Wüstung genannt. Den Aufzeichnungen Johann Varnhagens ist zu entnehmen: „Die Heringhäuser haben Wiesen zu Kothausen, und die Herren zu Padberg tragen einen Hof zu Kothausen von dem Hause Waldeck zu Lehen.“ (Varnhagen S. 52) Hier kam es mehrfach zu Grenzstreitigkeiten zwischen Kurköln und den Waldecker Grafen, die sich entschieden gegen den Einfluss Kurkölns auf ihrem Territorium zur Wehr setzten. Für das späte 19. Jahrhundert kann für den zuvor als Wüstung genannten Ortsteil von Heringhausen eine geringe Besiedlung belegt werden. Die Volkszählung mit Stand vom 1. Dezember 1885 weist für den Wohnplatz Kotthausen 2 Wohngebäude und 8 Einwohner aus. Kotthausen ist seit 1968 über die Landesstraße 3393 erreichbar und durch Ortshinweistafeln gekennzeichnet. Der Bereich dieser Siedlungen grenzt in voller Länge an das benachbarte Bundesland Nordrhein-Westfalen.
Ratmaringhausen