Die Edeka-Gruppe (Eigenschreibweise EDEKA; ehemals Abkürzung für Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin) ist ein genossenschaftlich organisierter kooperativer Unternehmensverbund im deutschen Einzelhandel. Die Edeka-Zentrale hält jeweils Kapitalanteile in Höhe von 50 Prozent an sechs Regionalgesellschaften, die jeweils anderen 50 Prozent werden von einer oder mehreren regionalen Genossenschaften gehalten. Die Edeka-Zentrale kontrolliert zudem mehrheitlich den Discountfilialisten Netto Marken-Discount und betreibt mit Edeka Fruchtkontor eine eigene Beschaffungsorganisation vorrangig für Obst- und Gemüseimporte, eine Wein- und Sektkellerei sowie verschiedene Servicegesellschaften wie die Edekabank, die Edeka Verlagsgesellschaft oder die Edeka Versicherungsdienst Vermittlungsgesellschaft. Die Bezeichnung „Edeka“ für das Unternehmen wird feminin, die Bezeichnung „Edeka“ für einen Supermarkt maskulin verwendet.
Edeka belegt unter den umsatzstärksten Lebensmittelhändlern Europas Platz 6 (Stand: 2024).
Geschichte Anfangszeit mini|links|Edeka-Logo um 1911
Die erste Edeka-Genossenschaft entstand 1898, als sich 21 Kaufleute aus dem Deutschen Reich im Halleschen Torbezirk in Berlin zur Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin – kurz E. d. K. – zusammenschlossen.
23 solcher Genossenschaften vereinigten sich am 21. Oktober 1907 im Hôtel de Pologne in Leipzig zum Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften und am 25. November 1907 wurde die Zentraleinkaufsgenossenschaft des Verbandes deutscher kaufmännischer Genossenschaften eGmbH gegründet, aus der später die Edeka Zentrale Stiftung & Co. KG wurde. Im Jahre 1911 wurde aus der Abkürzung E. d. K. der bis heute gültige Firmen- und Markenname Edeka gebildet. Vielfach wird auch immer wieder die Bezeichnung Einkaufsgenossenschaft Deutscher Einzelhandels Kaufleute Aktiengesellschaft kolportiert, hierfür gibt es jedoch keine stichhaltig beweisenden Quellen; sie scheint über den Zeitraum der Existenz des Unternehmens durch bloße Mundpropaganda entstanden zu sein. Edeka entwickelte im Laufe der Jahre eigene Produkte, die am Edeka-Siegel zu erkennen sind. Sie baute hierzu eigene Produktionsbetriebe auf. Ihre Mitglieder informierte die Genossenschaft in der Edeka-Handelsrundschau über Warenangebote und sonstige Meldungen. 1914 wurde die Edekabank AG in Berlin gegründet. 72 dem Verband angehörende Genossenschaften erwirtschafteten in jenem Jahr einen Umsatz von 10 Millionen Mark. Angeboten wurden Produkte aus tropischen Ländern (etwa Kaffee aus Brasilien) bzw. aus damaligen Kolonien wie Tee aus Kenia, Zucker aus Kuba, Reis aus Vietnam, Kakao von der Westküste Afrikas und Zigarren aus Indonesien.
Weimarer Republik und Nationalsozialismus mini|links|100px|Edeka-Logo von 1922 mini|Ein Edeka-Geschäft in Magdeburg um 1927
Im Jahr 1921 wurde der Berliner EdK-Mitbegründer Fritz Borrmann Generaldirektor von Edeka. Er leitete neben dem genossenschaftlichen Verband auch die Zentrale, den Verlag und die Edeka-Bank. Borrmann war zugleich bei seinem Amtsantritt Generalsekretär der Wirtschaftspartei, für welche er 1924 und 1928 als gewählter Abgeordneter in den Reichstag kam. Im Jahr 1923 begann im Unternehmen die Zentralverrechnung.
Die Umsätze der inzwischen 430 Genossenschaften erreichten im Jahr 1931 die Summe von 267 Millionen Reichsmark. Die Stimmenverluste der Wirtschaftspartei im Jahr 1932 lösten einen Druck der Edeka-Genossen auf die Verbandsführung aus, sich mehr den Positionen der Nationalsozialisten zuzuwenden, doch die NSDAP honorierte das nicht. Ab dem Jahr 1933 stand Edeka mit seinen Genossenschaften unter Druck. Die Edeka-Gruppe forderte ihre Mitglieder auf, den NS-„Kampfbünden für den gewerblichen Mittelstand“ beizutreten. Am 18. April 1933 erklärte sie freiwillig ihre Gleichschaltung mit der Folge, dass ein erster und ein zweiter Präsident, jeweils mit NSDAP-Parteibuch, den Generaldirektor kontrollierten. Borrmann wurde 1933 Parteimitglied. Ab 1936 wurde das Handeln des Unternehmens nach dem Führerprinzip reglementiert. mini|Annonce von Edeka, 1940 Das Geschäftsgebiet von Edeka wurde nach dem Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich im Jahr 1935 sowie nach dem Anschluss Österreichs im Jahr 1938 auch auf deren Territorien ausgedehnt. Im Jahr 1937 schied Borrmann als Generaldirektor aus und Paul König übernahm (bis 1966) dessen Funktion. König war sowohl SA- als auch NSDAP-Mitglied sowie Fördermitglied der SS. Im Jahr 1939 wurden Umsätze von insgesamt 347 Millionen Reichsmark in den Büchern der 525 Genossenschaften verzeichnet. Edeka profitierte dabei durch die Judenverfolgung, da so unliebsame Konkurrenz verschwand.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Kundin kauft in einem Edeka-Geschäft Kartoffeln in Tüten, 1957 mini|links|100px|Edeka-Logo von 1947
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wiederaufbau von einer neuen Zentrale in Hamburg aus geleitet. 1951 erzielte das Unternehmen Umsätze von 629 Millionen DM, ein Jahr später bereits 727 Millionen DM. 1954 begann das Zeitalter der Selbstbedienung. 1955 bildete Edeka Fruchtkontore in Bochum, Hamburg, Frankfurt am Main und München. 1957 begann das Non-Food-Sortiment wichtig zu werden. 1963 wiesen 45.000 Geschäfte das Edeka-Zeichen auf, danach wurden die kleinen Geschäfte durch den Wandel und das Aufkommen der Discounter weniger.
mini|links|100px|Edeka-Logo von 1965 bis 1968
1965 wurde das bisherige Schleifen-Logo vom ersten Block-E abgelöst, das im Zuge der Neuausrichtung der Gruppe im Jahr 1972 zum heute aktuellen Logo weiterentwickelt wurde.
1972 gab sich die Edeka-Gruppe eine neue Struktur mit der Gründung von zwölf Regionalgesellschaften. Die Zentrale und die Bank wechselten die Rechtsform und wurden eine Aktiengesellschaft. 1977 erzielte Edeka einen Umsatz von 6,765 Mrd. DM.
mini|Edeka-Frischemarkt in Hallstadt (1985)
1982 begann die warenwirtschaftliche Zusammenarbeit mit der AVA AG. 1990 wurden etliche Konsum- und HO-Verkaufsstellen übernommen und Edeka kehrte ins einstige Mitteldeutschland, nun Ostdeutschland, zurück. 1991 beteiligte sich Edeka an der dänischen A/S Hoki in Horsens und gründete die CS Edeka in Tschechien.
1992 stieg Edeka mit knapp 33 % Anteil bei der AVA AG ein und erhöhte diesen 1993 auf knapp 50 %. In diesem Jahr beteiligte sich Edeka an der Gedelfi in Köln.
1997 begann die teilweise Zentralisierung des deutschen Einkaufs. 1998 wurden zahlreiche Märkte übernommen, u. a. von der AVA AG und der Metro-Gruppe und die circa 400 süddeutschen Nanz-Lebensmittelmärkte.
mini|Logo der ehemaligen dänischen Vertriebslinie aktiv super Ab 2000 kooperierte Edeka Danmark mit Rema 1000 A/S, einer Tochter der norwegischen Reitan-Gruppe. Weiter wurde die Beteiligung an der AVA AG erhöht.
Nach dem Jahr 2000 Das Jahr 2001 brachte eine erneute Strukturreform. Die Zentrale wurde gestärkt und erhielt die Rechtsform Edeka Zentrale AG & Co. KG. Die Zahl der Regionalgesellschaften wurde von zwölf auf sieben reduziert. Die Beteiligung an der AVA AG wurde erhöht. Als Reaktion auf die wachsende Bedeutung der Discounter wurde die Edeka-Eigenmarke Gut & Günstig wieder aufgelegt. Von 2003 bis 2012 bestand eine Kooperation mit der Globus SB-Warenhaus Holding.
Von 2004 bis 31. Dezember 2011 kooperierte Edeka mit dem Handelshof C&C Großhandel.
2005 wurde die AVA AG endgültig in die Edeka-Gruppe eingegliedert und Edeka übernahm die deutschen Spar mit etwa 2.100 Einzelhändlern der diversen Spar-Vertriebslinien und einigen Verbrauchermärkten. Dabei wurde auch die ehemalige Spar-Tochter Netto Marken-Discount und eine Beteiligung von 25 % an der deutschen Tochter der NETTO-Handelskette erworben. Die Einkaufskooperation von Spar mit Netto wurde von Edeka fortgesetzt.
Seit 2005 ist Edeka in der Einkaufsallianz Alidis/Agenor mit der französischen Les-Mousquetaires-ITM-Entreprises-S.A.-Gruppe (dem Verkäufer der deutschen Spar und der Netto-Ketten, Hauptmarke Intermarché) und der spanischen Grupo Eroski (Centros Comerciales Ceco S.A.) verbunden.
Im November 2007 wurde die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung (70 %) am Lebensmitteldiscounter Plus von der Tengelmann-Gruppe bekanntgegeben. Auch eine Einkaufskooperation für die Kaisers- und Tengelmann-Supermärkte wurde vereinbart. Im gleichen Jahr startet Edeka das Kundenmagazin „Mit Liebe“, das sich zu Deutschlands größter Kochzeitschrift entwickelt hat.
Am 1. Juli 2008 gab das Bundeskartellamt nach intensiver Prüfung bekannt, dass Edeka den Discounter Plus übernehmen darf und somit größtenteils auf sein Netto Marken-Discount-Konzept umstellen kann. Damit verbunden waren jedoch verschiedene Auflagen: So musste Tengelmann zuvor 378 der insgesamt 2.900 Plus-Märkte mit einem Umsatz von rund 700 Millionen Euro verkaufen. Am neuen Gemeinschaftsunternehmen durfte sich Tengelmann nur mit 20 % statt der angestrebten 30 % beteiligen. Auch untersagte das Bundeskartellamt die geplante Zusammenarbeit von Tengelmann und Edeka im Wareneinkauf.
Edeka führte 2009 das Ranking der 30 größten Lebensmittelhändler Deutschlands, basierend auf Zahlen des Frankfurter Handelsforschungsinstituts TradeDimensions, mit einem Umsatz von 43,6 Mrd. Euro und einem Marktanteil von 19,8 % an. Im gleichen Jahr zog sich die Edeka aus Dänemark zurück.
Einer Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka verweigerte das Bundeskartellamt im März 2015 die Freigabe. Auch die Monopolkommission äußerte Bedenken und riet von einer Genehmigung des Vorhabens ab. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erteilte jedoch am 17. März 2016 hierfür eine Ministererlaubnis, verbunden mit Auflagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Arbeitnehmerrechten.Bekanntmachung über die Erteilung einer Ministererlaubnis mit Nebenbestimmungen für einen vom Bundeskartellamt untersagten Zusammenschlusses von Unternehmen gemäß § 43 Absatz 1 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) Bundesanzeiger vom 17. März 2016 (), BMWi-Pressemitteilung vom 17. März 2016 Daraufhin trat der Vorsitzende der Monopolkommission, Daniel Zimmer, aus Protest zurück. Die Edeka-Konkurrenten Rewe Group und Markant legten gegen Gabriels Entscheidung Beschwerde ein. Am 12. Juli 2016 untersagte das Oberlandesgericht Düsseldorf die Fusion bis zum Hauptverfahren.Ministererlaubnis für Kaiser’s-Tengelmann-Übernahme gestoppt www.tagesschau.de, 12. Juli 2016 Zum Jahresende kam es zu einer außergerichtlichen Einigung, die eine Aufteilung Tengelmanns zwischen Edeka und Rewe beinhaltet und die Arbeitsplätze eine Zeit lang sichern soll. Zum 1. Januar 2017 übernahm Edeka die Kaiser’s-Tengelmann-Sparte vollständig vom Tengelmann-Konzern und reichte kurz danach einen Teil der Märkte an Rewe weiter.
Zum 15. Februar 2018 startete eine Kooperation mit der Telekom Deutschland und der Brandingmarke Edeka smart. Sie sollte dabei die bestehende Kooperation mit Vodafone und Edeka mobil ablösen.
Im Rahmen des Abverkaufs der Filialen des Lebensmitteleinzelhändlers real wurden ab 2021 einige Märkte übernommen und auf Edeka center oder Marktkauf umgeflaggt.
Im Jahr 2023 wurden sämtliche Produkte von Mars Incorporated ausgelistet. Die Kaugummis werden künftig von der Delica AG geliefert. Am 23. April 2026 stimmten die Edeka-Kaufleute der Regionen Rhein-Ruhr und Nord einem Zusammenschluss der beiden Regionen zu. Die vereinte Region trägt den Namen Edeka Nordwest.
Bedeutung Nach der Übernahme der deutschen Spar und der Netto Marken-Discount ist Edeka seit Anfang 2006 der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler. Der Marktanteil der Gruppe wuchs von 20 auf etwa 26 %. Unter Edeka und Spar sind rund 4500 selbständige Einzelhändler tätig, die über 6000 Geschäfte betreiben. Mit den Filialbetrieben zählen etwa 12.000 Geschäfte zur Edeka-Gruppe. Für das Jahr 2009 wird ein Gruppenumsatz von 42 Mrd. Euro ausgewiesen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) lag bei 1,4 Mrd. Euro.
Unternehmensstruktur mini|Edeka-Zentrale in Hamburg, City Nord