mini|Thomas TelfordIm Hintergrund das Pontcysyllte-Aquädukt Thomas Telford (* 9. August 1757 in Glendinning,Glendinning ist ein abgelegener Weiler () in einem Tal oberhalb von Bentpath in der Westerkirk Parish. Westerkirk Parish, Eskdale, Dumfries and Galloway, Schottland; † 2. September 1834 in Westminster, London) war ein bedeutender Baumeister, der zu einem der führenden britischen Bauingenieure wurde. Er hatte einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung und dem Bau von Straßen, Brücken, Kanälen und Häfen in Großbritannien und gilt als einer der Begründer des Bauens unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden und somit als einer der ersten modernen Bauingenieure. Zu seinen bedeutendsten Bauwerken gehört die Menai-Brücke, die seit 1826 das walisische Festland mit der Insel Anglesey verbindet und damit eine durchgehende Straßenverbindung zwischen London und dem Seehafen Holyhead auf Anglesey für den Verkehr mit Irland ermöglicht.Karl-Eugen Kurrer: The History of the Theory of Structures. Searching for Equilibrium. Ernst & Sohn, Berlin 2018, ISBN 978-3-433-03229-9, S. 60 und 171 ff.

Telford ließ sich 1818 in London zum ersten Präsidenten der Institution of Civil Engineers (ICE) wählen, des Berufsverbandes, dem heute rund 95.000 Bauingenieure in 140 Ländern angehören.Institution of Civil Engineers – The home of infrastructure auf ice.org

Leben und Wirken Frühe Jahre Thomas Telford wurde am 9. August 1757 in dem abgelegenen Weiler Glendinning geboren. Sein Vater John Telford, ein Schäfer, starb im Herbst desselben Jahres, so dass seine Frau Janet, geb. Jackson, ihren Sohn in großer Armut allein aufziehen musste. Der junge Thomas hatte die Schafe zu hüten und konnte die Schule nur mit Unterbrechungen besuchen.Samuel Smiles: The Life of Thomas Telford; civil engineer with an introductory history of roads and travelling in Great Britain. John Murray, London 1867 (Digitalisat auf archive.org [Project Gutenberg]) Mit 15 begann er eine Maurerlehre in Langholm, bei der er zwar nur mit einfachen Bauten zu tun hatte, dafür aber alle Aspekte des Handwerks kennen lernte. Gleichzeitig las er alle Bücher, die er bei Nachbarn ausleihen konnte. Als Dank begann er bald, Briefe für die weniger gewandten Nachbarn zu schreiben. Telford war Zeit seines Lebens dafür dankbar, dass er durch die Umstände gezwungen war, die praktischen Grundlagen seines Berufs in allen Einzelheiten kennenzulernen.John Rickman (Hrsg.): Life of Thomas Telford, Civil Engineer, written by himself, containing a Descriptive Narrative of his Professional Labour: with a Folio Atlas of Copper Plates. Payne and Foss, London 1838 (Digitalisat auf archive.org)

Nach seiner Lehre arbeitete er zunächst in Langholm. 1780 zog er in das sich rasch ausdehnende Edinburgh, wo er in den nächsten zwei Jahren problemlos Arbeit fand. In seiner Freizeit studierte und skizzierte er die örtliche Architektur, dabei führten ihn seine Ausflüge bis zur Rosslyn Chapel und zur Ruine von Melrose Abbey. Mit 25 zog es ihn nach London. Während er bislang immer zu Fuß gegangen war, hatte er das Glück, auf dieser Reise für einen Bekannten ein Pferd zu überführen. Er fand problemlos Arbeit als Steinmetz an dem von William Chambers geleiteten Neubau des Somerset House. Wie zuvor in Edinburgh studierte er in seiner Freizeit die architektonisch bedeutenden Gebäude der Stadt. 1784 erhielt er den Auftrag zum Bau des Hauses des Leiters der Hafenanlagen von Portsmouth, eines größeren und vornehmeren Gebäudes als seine bisherigen Bauten.Atlas, Commissioner’s House Portsmouth Dock Yard (image 2) Als der Bau nach drei Jahren fertig war, hatte Telford auch viel über den Bau von Hafenbecken und anderen Teilen eines großen Arsenals und seiner Befestigungen gelernt.

County Surveyor of Salop (Shropshire) Anschließend erhielt er einen Auftrag von Sir William Pulteney, 5. Baronet, einen wie Telford in Westerkirk Parish geborenen schottischen Adligen, der damals einer der wohlhabendsden Briten und Abgeordneter im House of Commons für Shrewsbury im County of Salop war, dem heutigen Shropshire. Telford sollte das zum Teil verfallene Shrewsbury Castle gemäß den Plänen des Architekten Robert Adam renovieren und zu Pulteneys zeitweiligen Wohnsitz umgestalten, ein Auftrag, mit dem er bis 1793 beschäftigt war. Auf Bitten des County leitete er in der Zeit auch den Bau des örtlichen Gefängnisses.

In dieser Zeit wurde er – sicher mit Pulteneys Wohlwollen – zum Surveyor of Public Works for the county of Salop berufen. In dem Amt war er auch für den Erhalt und gegebenenfalls Neubau von Brücken und anderen öffentlichen Bauwerken verantwortlich. Die Montford Bridge, eine steinerne Bogenbrücke über den River Severn, war die erste von ihm entworfene und unter seiner Leitung gebaute Brücke,Atlas, Montford Bridge over the River Severn in the County of Salop (image 5) bald gefolgt von der Buildwas Bridge, seiner ersten gusseisernen Brücke.Atlas, Iron Bridge built over the River Severn at Buildwas in the County of Salop (image 6)

Insgesamt war er dort für den Bau von 40 kleineren Brücken verantwortlich. Die Gemeinde Bridgnorth bat ihn außerdem, die Kirche St. Mary Magdalene zu entwerfen, die 1795 geweiht wurde.Atlas, Church of St. Mary Magdalene (image 9) Danach fand er die Zeit für eine Rundreise durch den Süden Englands, bei der er in Bath, London und Oxford die wichtigsten Gebäude besichtigte und im British Museum die Altertümer aus Athen, Baalbek, Palmyra und Herculaneum sowie die Architekturbücher von Vitruv und Palladio studierte.

Erste Kanalbauten, Ellesmere Kanal mini|Longdon-on-Tern-Aquädukt Mittlerweile war Thomas Telford so bekannt geworden, dass er 1793 auch mit dem Neubau des Longdon-on-Tern-Aquädukt beauftragt wurde, das er 1997 als eines der beiden ersten gusseisernen Kanalbrücken weltweit fertigstellte. William Jessop, der beratende Ingenieur der Ellesmere-Kanal-Gesellschaft sorgte kurz darauf für seine Beauftragung mit dem Bau dieses Kanals, bei dem er zwischen 1796 und 1801 das Chirk-Aquädukt und zwischen 1795 und 1805 das Pontcysyllte-Aquädukt baute, das längste und höchste Aquädukt Großbritanniens.

Im benachbarten Worcestershire entwarf er die 1798 fertiggestellte dreibogige steinerne Brücke über den Severn in Bewdley und an der schottischen Westküste die Tongland Bridge bei Kirkcudbright.

Als ein Neubau der London Bridge beraten wurde, schlug er 1799 vor, die Themse mit einem einzigen 183 m (600 ft) weiten gusseisernen Segmentbogen zu überbrücken, der größer gewesen wäre als alles bisher dagewesene. Die meisten der hinzugezogenen Experten hielten den Bogen sogar für machbar, aber wegen Grundstücksfragen wurde er nicht ausgeführt.

Straßen, Brücken, Häfen und der Caledonian Canal in den schottischen Highlands 1801 wurde Telford von der Regierung mit einer Bestandsaufnahme der Verkehrsverbindungen in den schottischen Highlands beauftragt. Damals galten die Straßen Großbritanniens als die schlechtesten in Europa. Eine Reise mit der Kutsche von London nach Edinburgh dauerte ungefähr zwei Wochen, und die Kutsche ging nur einmal im Monat. In den Highlands gab es so gut wie keine Straßen, abgesehen von den teilweise bereits wieder verfallenen Militärstraßen, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts zur Kontrolle der Highlands angelegt worden waren.The Creation of The Military Roads auf scotshistoryonline.co.uk Auf den engen Wegen ging man zu Fuß, nur reiche Leute ritten; der Warentransport wurde mit Packpferden abgewickelt.

Telford unternahm darauf eine große Reise bis nach Wick und Thurso. Die British Fisheries Society, deren Governor Mr. Pulteney war, bat ihn, auf seiner Reise auch die Häfen zu inspizieren und Pläne für eine Verbesserung der Fischerei zu machen. 1803 übergab er seinen Bericht mit einer Stellungnahme über zu ergreifende Maßnahmen, der anschließend gedruckt wurde. Er führte aus, dass die Militärstraßen wenig zivilen Nutzen hatten und dass vor allem Brücken fehlten. Der Report enthielt eine Liste der zu bauenden Straßen, Vorschläge für Verbesserungen der Häfen von Aberdeen und Wick sowie eine Beschreibung der Trasse des Caledonian Canal, über den schon lange nachgedacht wurde. Am dringlichsten seien der Bau der Dunkeld Bridge, wobei der Duke of Atholl bereit sei, die Hälfte der Baukosten zu übernehmen. Noch im selben Jahr wurde der Scottish Highland Roads and Bridges Act 1803 beschlossen,Highway (Scotland) Act 1803: An Act for granting to His Majesty the Sum of Twenty thousand Pounds to be issued and applied towards making Roads and building Bridges in the Highlands of Scotland; and for establishing the Proprietors of Land in Scotland to charge their Estates with a Proportion of the Expense of making and keeping in Repair Roads and Bridges in the Highlands of Scotland. (43 Geo. 3. c. 80 vom 4. Juli 1803) mit dem die Commissioners of Highland Roads and Bridges eingesetzt wurden, die Telford mit der Realisierung seiner Vorschläge beauftragten.

Ein zweites Komitee beauftragte ihn zur selben Zeit mit dem Bau des Caledonian Canal und damit der größten Schleusen der damaligen Zeit.

In den folgenden 18 Jahren wurden nach Telfords Plänen und unter seiner Leitung mittels 120 Bauverträgen 920 Meilen Straßen und 1117 Brücken gebaut (die den Bau von weiteren 300 Meilen örtlicher Straßen nach sich zogen), darunter die Dunkeld Bridge (1809), die Bridge of Alford (1811) über River Don, die Helmsdale Bridge (1811), die Bonar Bridge (1812), die Dunbeath Bridge (1813), die Potarch Bridge (1814), die Lovat Bridge (1814), die Craigellachie Bridge (1815), die Brücke in Invermoriston (1819) und die Torgyle Bridge (1811, 1823).In der Regel stellten die an einer Straße interessierten Landeigentümer bei dem Komitee dan Antrag zu deren Bau, verbunden mit der Erklärung, dass sie bereit seien, 50 % der Baukosten zu tragen. Das Komitee beauftragte dann Telford mit einem Vorentwurf samt Kostenschätzung. Nachdem 50 % der geschätzten Kosten bei der Bank of Scotland hinterlegt waren, beauftragte das Komitee Telford mit der Erstellung der Ausführungsplanung, der Leistungsbeschreibung und des Leistungsverzeichnises (Specifications), der Ausschreibung sowie der Einmessung im Gelände. Straßenprojekte von mehr als zehn Meilen Länge wurden in mehrere Lose aufgeteilt. Die Verträge sahen eine Vertragserfüllungbürgschaft vor sowie eine Anzahlung von 1/8 (12,5 %) der Vertragssumme und monatliche Abschlagszahlungen der ausgeführten Bauleistung, die von Telfords Inspektoren bewertet wurden. Telford legte Wert auf eine genaue Einhaltung der Specifications und war überzeugt, dass dies nach anfänglichen Problemen von den Unternehmern akzeptiert wurde und dann zu einer gleichbleibend hohen Qualität der Bauleistungen führte.

In der Zeit entwarf er auch Verbesserungen der Häfen von Aberdeen, Dundee, Peterhead, Wick, Portmahomack und Banff, ließ in den Central Lowlands 184 Meilen Straßen und Brücken anlegen sowie in den Highlands 32 neue Kirchen bauen.

Göta-Kanal 1808 wurde Telford durch von Platen nach Schweden eingeladen, um dort erste Pläne für den Göta-Kanal zu erarbeiten. 1810 wurde mit den Aushubarbeiten begonnen, 1813 fuhr er erneut nach Schweden, um die Arbeiten zu begutachten und die Pläne für die ersten Schleusen und Brücken anzufertigen. Bis zur Eröffnung des Kanals 1836 bieb Telford in engem brieflichen Kontakt mit von Platen. Telford wurde der schwedische Ritterorden verliehen und eine Goldmedaille überreicht; König Gustav IV. Adolf schenkte ihm ein mit Diamanten besetztes Porträt.

Holyhead Road und Menai Suspension Bridge