Die Liste strahlgetriebener Kampfflugzeuge bietet eine Überblick über die wichtigsten Kampfflugzeugtypen mit Strahltriebwerken.
Die Liste ist nach den als Generationen bezeichneten technischen Entwicklungsstufen der Jäger, Jagdbomber und Mehrzweckkampfflugzeuge gegliedert, Erdkampf- und Bombenflugzeuge sind den entsprechenden Zeitabschnitten zugeordnet. Ebenso aufgeführt sind, obwohl strenggenommen keine Kampfflugzeuge, Strahltrainer und strategische Aufklärer, weil sie in Zweitverwendung oft als leichte (Erd-)Kampfflugzeuge verwendbar sind bzw. ihre Entwicklung eng mit der der Kampfflugzeuge verwoben ist. Da die verschiedenen Entwicklungsnationen die unterschiedlichen Technologieniveaus nicht alle gleichzeitig erreicht haben, sind die in Klammern angegebenen Zeiträume lediglich als Richtwert zur Einordnung der Generationen zu verstehen. Sie geben an, in welchem Zeitabschnitt die überwiegende Zahl der Flugzeugtypen der jeweiligen Generation entstanden ist.
Für jeden Zeitabschnitt und Verwendungszweck sind die Flugzeugtypen nach Entwicklungsnationen und für jede Nation in der Reihenfolge des Datums des Erstflugs geordnet. Zur besseren Orientierung ist für die einzelnen Flugzeugtypen das Jahr des Erstflugs in Klammern angegeben. Kursive Einträge stehen für Flugzeugmuster, die nicht über das Prototypenstadium hinaus gelangten oder sich noch im Stadium der Entwicklung befinden. Aus der ersten Gruppe sind aber nur Typen gelistet, die (insbesondere im deutschen Sprachgebiet) von besonderem technikgeschichtlichen Interesse sind oder deren Entwicklung in Zusammenhang mit oder in Konkurrenz zu einem Serienflugzeug erfolgte. Reine Experimentalflugzeuge und unrealisierte Projekte oder Studien sind in der Liste nicht enthalten.
Eine Unterscheidung der Generationen ist hier zu finden: Kampfflugzeug#Technik
Erste Generation (ca. 1941–1953)
Die ersten strahlgetriebenen Kampfflugzeuge entstanden während des Zweiten Weltkriegs im Deutschen Reich, in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und – kurz vor Kriegsende – auch in Japan. In ihrer Bauweise glichen sie weitgehend den zeitgenössischen Propellerflugzeugen: sie verfügten (mit Ausnahme einiger deutscher Maschinen wie Messerschmitt Me 163, Messerschmitt Me 262 und Junkers Ju 287) über gerade, praktisch ungepfeilte Tragflächen und wurden in Leichtmetall- oder zum Teil auch Holzbauweise gefertigt. Neben dem Turbinen-Luftstrahltriebwerk kamen vereinzelt auch Raketenmotore oder Mischantriebe, d. h. Kombinationen von Kolbenmotoren mit den noch schubschwachen Strahltriebwerken zum Einsatz. Die Flugzeuge dieses Zeitabschnitts erreichten Geschwindigkeiten im hohen subsonischen Bereich (Mach 0,75 bis 0,85), Avionik war rudimentär oder gar nicht vorhanden, und ihre Bewaffnung bestand aus den herkömmlichen über optische Visiere gerichteten Maschinengewehren und Bordkanonen.
Während die deutschen Messerschmitt Me 262 und Heinkel He 162 sowie die britische Gloster Meteor noch zu Kriegseinsätzen kamen, befanden sich weitere Typen wie die de Havilland Vampire und die Lockheed P-80 bei Kriegsende noch in der Erprobungsphase. Die Entwicklung in Deutschland und Japan brach nach den Kriegsniederlagen vollständig ab, die schlagende Überlegenheit der Strahlflugzeuge über die bisher das Gros der Luftstreitkräfte ausmachenden Propeller-Jagdflugzeuge bewirkte aber, dass auch bei den anderen Großmächten der Zeit (Sowjetunion und Frankreich) und einigen Mittelstaaten schnell die Entwicklung solcher Maschinen aufgenommen wurde.
Die Einführung der auf deutschen Forschungen und Entwürfen der 1930er und 1940er Jahre basierenden Pfeilflügel ab 1947/48 ermöglichte den Vorstoß in den transsonischen Geschwindigkeitsbereich (Mach 0,9 bis 1,05), obgleich die Manövrierfähigkeit in diesem Geschwindigkeitsbereich oft stark eingeschränkt war. Einfache, damals noch sehr voluminöse Radarsysteme wurden nur Nachtjägern bzw. sogenannten Allwetter-Jagdflugzeugen eingesetzt und erforderten ein zweites Besatzungsmitglied zur Bedienung des Radargeräts. Keine der Maschinen dieses Zeitabschnitts verfügte über Lenkwaffen oder Kanonen mit rotierenden Läufen, gegebenenfalls wurde die Kanonenbewaffnung aber durch Batterien ungelenkter Luft-Luft-Raketen ergänzt oder vollständig ersetzt. Das primäre Aufgabenprofil dieser Flugzeuge lag in der Rolle des Jagdflugzeugs zur Erlangung der Luftüberlegenheit.
Zu den prägenden Mustern mit Pfeilflügeln zählen die sowjetische Mikojan-Gurewitsch MiG-15 und die US-amerikanische North American F-86 Sabre, die im Koreakrieg (1950–1953) als Kontrahenten aufeinandertrafen. Die britische Hawker Hunter gelangte für diesen Konflikt zu spät zur Einsatzreife, fand jedoch in den Folgejahren weite Verbreitung.
Jäger und Jagdbomber
Heinkel He 280 (1941) Messerschmitt Me 163 Komet (1941) – Raketen-Abfangjäger Messerschmitt Me 262 (1942) – erstes einsatzfähiges Jagdflugzeug mit Turbinen-Luftstrahltriebwerk Messerschmitt Me 328 (1942) – Antrieb durch zwei Pulsstrahlrohre Heinkel He 162 (1944) – sog. „Volksjäger“ des Jägernotprogramms Horten H IX (Ho 229) (1944) Messerschmitt Me 263 (1945) – Weiterentwicklung der Me 163, zeitweise als Junkers Ju 248 bezeichnet Bachem Ba 349 Natter (1945) – heckstartender Raketen-Abfangjäger, beim bemannten Erstflug abgestürzt
Mitsubishi J8M Shūsui (1945) – Raketen-Abfangjäger Nakajima Kikka (1945)
FMA I.Ae. 27 Pulqui I (1947) – unter Leitung von Émile Dewoitine gebaut FMA I.Ae. 33 Pulqui II (1950) – unter Leitung von Kurt Tank gebaut FMA I.Ae. 37 Ala Delta – unter Leitung von Reimar Horten gebaut, 1954 nur antriebslos geflogen
CAC CA-27 Sabre (1953) – modifizierter Lizenzbau der F-86 Sabre mit Rolls-Royce Avon
Shenyang J-5 «Fresco» (1956) – Lizenzbau der MiG-17
Dassault MD.450 Ouragan (1949) Dassault MD.452 Mystère II (1951) SNCASE Mistral (1951) – modifizierter Lizenzbau der de Havilland Vampire mit Rolls-Royce Nene Dassault MD.454 Mystère IV (1952) SNCASO SO.4050 Vautour IIN (1952) – Nachtjägervariante der Vautour SNCASE Aquilon (1952) – trägergestütztes Marine-Kampfflugzeug, Lizenbau der de Havilland Sea Venom
Avro Canada CF-100 Canuck (1950) – Allwetter-Abfangjäger Canadair CL-13 Sabre (1950) – modifizierter Lizenzbau der F-86 Sabre, zum Teil mit Avro Orenda
Saab 21R (1947) – Variante der Saab 21 mit Strahltriebwerk Saab 29 Tunnan (1948) Saab 32 Lansen (1952)
EFW N-20 Aiguillon – Entwicklung 1953 abgebrochen
Jakowlew Jak-15 «Feather» (1946) Mikojan-Gurewitsch MiG-9 «Fargo» (1946) Jakowlew Jak-17 «Feather» (1947) Jakowlew Jak-23 «Flora» (1947) Mikojan-Gurewitsch MiG-15 «Fagot» (1947) Lawotschkin La-15 «Fantail» (1948) Mikojan-Gurewitsch MiG-15bis «Fagot-B» (1949) – verbesserte MiG-15 mit stärkerem Triebwerk und höherer Feuerkraft Mikojan-Gurewitsch MiG-17 «Fresco» (1950) – Weiterentwicklung der MiG-15 Jakowlew Jak-25 «Flashlight» (1952) – Allwetter-Abfangjäger
Royal Air Force: Gloster Meteor (1943) de Havilland Vampire (1943) de Havilland Vampire NF (1949) – Weiterentwicklung der Vampire zum Nachtjäger de Havilland Venom (1949) Armstrong Whitworth Meteor NF (1950) – Weiterentwicklung der Meteor zum Nachtjäger Hawker Hunter (1951) Supermarine Swift (1951) Gloster Javelin (1951) – Allwetter-Abfangjäger
Royal Navy: de Havilland Sea Vampire (1945) – trägergestützte Variante der Vampire, erste Landung eines Strahlflugzeugs auf einem Flugzeugträger (siehe Bild) Supermarine Attacker (1946) Hawker Sea Hawk (1947) de Havilland Sea Venom (1951) – trägergestützte Variante der Venom de Havilland Sea Vixen (1951) – trägergestützter Marine-Allwetter-Abfangjäger
US Air Force: Bell P-59 Airacomet (1942) Lockheed P-80 (F-80) Shooting Star (1944) Convair XP-81 (1945) – Mischantrieb Turboprop-/Strahltriebwerk Bell XP-83 (1945) Northrop XP-79 (1945) – Nurflügeljäger, beim Erstflug abgestürzt Republic F-84 Thunderjet (1946) North American F-86 Sabre (1947) Curtiss XF-87 Blackhawk (1948) – Allwetter-Abfangjäger Northrop F-89 Scorpion (1948) – Allwetter-Abfangjäger McDonnell XF-85 Goblin (1948) – Parasite Fighter Convair XF-92 (1948) McDonnell XF-88 Voodoo (1948) – Begleitjäger Lockheed F-94 Starfire (1949) – Allwetter-Abfangjäger Republic XF-91 Thunderceptor (1949) – Mischantrieb Strahl-/Raketentriebwerk Lockheed XF-90 (1949) – Begleitjäger North American F-86 D/K Sabre „Dog“ (1949) – stark modifizierte Allwettervariante der F-86, ursprünglich als YF-95 bezeichnet North American YF-93 (1950) – Begleitjäger Republic F-84F Thunderstreak (1950) – Weiterentwicklung der F-84 mit Pfeilflügeln, ursprünglich als YF-96 bezeichnet Republic RF-84F Thunderflash (1952) – Aufklärervariante der F-84F mit geändertem Lufteinlauf und geschlossener Flugzeugnase zur Aufnahme der Kameraausstattung Republic XF-84H „Thunderscreech“ (1955) – Versuchsvariante der F-84 mit Turboproptriebwerk
US Navy: Ryan FR Fireball (1944) – Mischantrieb Kolbenmotor/Strahltriebwerk McDonnell FH Phantom (1945) Curtiss X15C (1945) – Mischantrieb Kolbenmotor/Strahltriebwerk Vought F6U Pirate (1946) North American FJ-1 Fury (1946) Ryan XF2R Dark Shark (1946) – Mischantrieb Tuboprop-/Strahltriebwerk McDonnell F2H Banshee (1947) Grumman F9F Panther (1947) Douglas F3D (F-10) Skyknight (1948) Vought F7U Cutlass (1948) Douglas F4D Skyray (1951) McDonnell F3H (F-3) Demon (1951) Grumman F9F (F-9) Cougar (1951) North American FJ-2/3 Fury (1951) – zweite Variante der FJ Fury Grumman XF10F Jaguar (1952) North American FJ-4 (F-1) Fury (1954) – dritte Variante der FJ Fury
Erdkampfflugzeuge
Henschel Hs 132 – Schlachtflugzeug, Bau vor Erstflug bei Kriegsende 1945 abgebrochen
SNCASO SO.4050 Vautour IIA (1952) – Erdkampfvariante der Vautour
FFA P-16 (1955)
Iljuschin Il-40 «Brawny» (1953) – Schlachtflugzeug
Strahltrainer
Shenyang JJ-2 «Midget» (ca. 1955) – Lizenzbau der MiG-15UTI
Fouga CM.170 Magister (1952) Fouga CM.175 Zéphyr (1955) – trägertaugliche Variante der Fouga Magister
Fiat G.80 (1951)
Canadair CL-30 Silver Star (1952) – Lizenzbau der T-33 mit Rolls-Royce Nene, kanadische Militärbezeichnung CT-133
Fokker S.14 Machtrainer (1951)
Mikojan-Gurewitsch MiG-15UTI «Midget» (1949) – aus der MiG-15 abgeleiteter Trainer
Lockheed T-33 „T-Bird“ (1948) – aus der F-80 Shooting Star abgeleiteter Trainer Lockheed T2V (T-1) SeaStar (1953) – trägertaugliche Variante der T-33
Bomber
Arado Ar 234 (1943) Junkers Ju 287 (1944) Heinkel He 343 – Bau vor Erstflug bei Kriegsende 1945 abgebrochen
Harbin H-5 (1966) – unlizenzierter Nachbau der Iljuschin Il-28
SNCASO SO.4050 Vautour IIB – Bombervariante der Vautour
Tupolew Tu-12 (1947) Iljuschin Il-28 «Beagle» (1948) Tupolew Tu-14 «Bosun» (1949)
English Electric Canberra (1949) Short Sperrin (1951)
Douglas XB-43 Jetmaster (1946) Convair B-36 „Peacemaker“ (1946) – Mischantrieb Kolbenmotoren/Strahltriebwerke North American B-45 Tornado (1947) Convair XB-46 (1947) Martin XB-48 (1947) Northrop YB-49 (1947) – Nurflügelbomber Boeing B-47 Stratojet (1947) North American AJ (A-2) Savage (1948) – Mischantrieb Kolbenmotoren/Strahltriebwerk, trägergestützter nuklearwaffenfähiger Bomber Martin XB-51 (1949) Martin B-57 Canberra (1953) – modifizierter Lizenzbau der English Electric Canberra
Zweite Generation (ca. 1953–1960)