Der Internationale Slawistenkongress (, transliteriert ; ; ; ) ist die seit 1929 in der Regel fünfjährlich stattfindende zentrale Konferenz der weltweiten Slawistik. Er wird vom Internationalen Slawistenkomitee veranstaltet und hat bisher stets in einem slawischsprachigen Land stattgefunden.
Am Slawistenkongress 2018 in Belgrad haben rund 1000 Literatur- und Sprachwissenschaftler aus vierzig Ländern teilgenommen.
Kongresssprachen sind traditionell alle slawischen Sprachen, Englisch, Französisch und Deutsch, wobei nicht gedolmetscht wird. Dies führt dazu, dass es z. B. immer wieder auch Vorträge und Diskussionsbeiträge auf Niedersorbisch gibt. Der berühmteste Fall eines Vortrags in einer selten gesprochenen Sprache ist Reinhold Oleschs Vortrag „Okcent venst’ă recĕ“ („Der dravänopolabische Wortakzent“) 1973 in Warschau in der seit 200 Jahren ausgestorbenen Sprache Dravänopolabisch.Das Manuskript des Vortrags war 25 Jahre lang verschollen und wurde erst nach seinem Tod wiederentdeckt: Reinhold Olesch: Okcent venst’ă recĕ – Der dravänopolabische Wortakzent. Hg. Hans Rothe, Angelika Lauhus. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 1998 (ISBN 3-412-08398-4). Vgl. Angelika Lauhus und Bodo Zelinsky: Vorwort, in: Slavistische Forschungen: In memoriam Reinhold Olesch, Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2005 (ISBN 3-412-12305-6), S. IX–XV, hier S. XII–XIII. Viele zentrale Informationen über den Kongress werden jedoch entweder nur in der Sprache des Gastgeberlandes oder zusätzlich auf Russisch und Englisch angeboten.Vgl. die .
Am letzten Tag eines Slawistenkongresses wird aus den Reihen der Vorsitzenden der nationalen Verbände ein neuer Vorsitzender des Internationalen Slawistenkomitees gewählt, der fünf Jahre im Amt bleibt und den nächsten Kongress in seinem Land durchführt. (Derzeit amtiert die französische Slawistin Natalia Bernitskaïa, so dass der nächste Internationale Slawistenkongress 2025 in Frankreich stattfinden wird.Vgl. das Protokoll der Sitzung des Internationalen Slawistenkomitees 2019 in Udine.)
Der Internationale Slawistenkongress sollte nicht mit den politisch orientierten Slawenkongressen des 19. und 20. Jahrhunderts verwechselt werden, zu denen keine Verbindung besteht. Die Slawistenkongresse sind gemäß der ersten Ausschreibung von 1929 „den Fragen der slavischen Sprachforschung, Literaturgeschichte und Volksüberlieferung gewidmet“.Einladung der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Berlin an die deutsche Reichsregierung zur Teilnahme am I. Internationalen Slawistenkongress, 25. Juli 1929, zitiert nach Helmut Wilhelm Schaller, , in: Bulletin der deutschen Slavistik 19 (2013), 7–18, hier .
Chronologie Nachdem der erste Internationale Slawistenkongress am Ort des Prager Linguistenkreises initiiert wurde, fanden die ersten zehn Kongresse je zweimal in den damals nur fünf slawischen Ländern statt (bis zum siebten Kongress stets in den Hauptstädten). Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Reihenfolge gelockert, und es kommen vermehrt die acht „neuen“ slawischen Staaten zum Zuge, beim XVII. Kongress erstmals auch ein nichtslawisches Land.
Nr. Jahr Datum Ort Anmerkungen I 1929 6.–13.10. 24px Prag II 1934 23.–29.9. 24px Warschau (III) (1939) (18.–25.9.) 24px Belgrad geplant, aber aus Protest gegen den Überfall Deutschlands auf Polen am 1.9. abgesagt – (1955) (15.–21.9.) 24px Belgrad außerordentlicher Kongress, an dem das Internationale Slawistenkomitee gegründet wurde, das seitdem die weiteren Kongresse veranstaltetVgl. Norbert Franz, „Das Internationale Slavistenkomitee“, in: Bulletin der deutschen Slavistik (PDF; 1,7 MB), S. 74–76, hier S. 74. IV 1958 1.–12.9. 24px Moskau erster regulärer Kongress in einem kommunistischen Land, nach insgesamt 24 Jahren Pause durch den Zweiten Weltkrieg und den Beginn des Kalten Krieges V 1963 16.–23.9 24px Sofia VI 1968 7.–13.8. 24px Prag im Prager Frühling, kurz vor dem Einmarsch sowjetischer Truppen am 21.8. VII 1973 21.–27.8. 24px Warschau VIII 1978 3.–9.9. 24px Ljubljana und Zagreb IX 1983 6.–14.9. 24px Kiew X 1988 14.–22.9. 24px Sofia letzter Kongress in einem kommunistischen Land XI 1993 30.8.–9.9. 24px Bratislava Der Kongress war turnusgemäß an die Tschechoslowakei vergeben worden und fand acht Monate nach der Unabhängigkeit der Slowakei statt. XII 1998 26.8.–3.9. 24px Krakau XIII 2003 15.–21.8. 24px Ljubljana XIV 2008 10.–16.9.https://web.archive.org/web/20090506200803/http://msk.edu.mk/ 24px Ohrid XV 2013 20.–27.8.Vgl. die offizielle . 24px Minsk XVI 2018 18.–25.8.https://mks2018.fil.bg.ac.rs/ 24px Belgrad XVII (2023) (28.8.–1.9.) 24px Paris zum ersten Mal in einem Land ohne autochthone slawische Bevölkerung; wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine auf 2025 verschobenhttp://slavistik.org/Paris.html 2025 25.–30.8.https://mks-paris.sciencesconf.org/ XVIII 2029 24px Prag zum 100-jährigen Jubiläum des ersten Slawistenkongresseshttp://slavistik.org/Paris.html
Teilnahme Über die Teilnahme am Internationalen Slawistenkongress entscheiden die nationalen Slawistenkomitees nach je eigenen Regeln, nachdem das Internationale Slawistenkomitee, das aus den Vorsitzenden der nationalen Verbände besteht, jedem Land ein Kontingent zugewiesen hat. Für den Kongress 2013 galten folgende Kontingente für die slawischen (*) und nichtslawischen LänderVgl. :
70: *Russland (2008: 60) 55: *Polen (2008: 50) 45: Deutschland je 35: *Ukraine (2008: 30), Vereinigte Staaten je 25: *Bulgarien (2008: 33), *Serbien (2008: 32 zusammen mit Montenegro), *Tschechien (2008: 30), *Belarus (2008: 20) je 20: Italien, *Kroatien je 15: Frankreich, Großbritannien, *Mazedonien (2008: 20), *Slowakei (2008: 20), Ungarn 13: Österreich 12: *Slowenien je 10: Belgien (2008: 5), Finnland, Kanada (2008: 9), Niederlande, Schweden 7: Litauen (2008: 5) je 5: Australien und Neuseeland, *Bosnien und Herzegowina, Dänemark, Estland (2008: 3), Georgien (2008: 2), Griechenland (2008: 0), Israel, Japan, Kasachstan, Lettland (2008: 3), Moldawien (2008: 3), *Montenegro (2008: 32 zusammen mit Serbien), Norwegen, Rumänien (2008: 10), Schweiz, Spanien (2008: 3) 3: Türkei (2008: 0) 2: Indien
Neben diesen 622 Einzelvorträgen (2008: 600) gab es Themenblöcke (›Panels‹), runde Tische und Kommissionssitzungen.
Weblinks
Bibliographie der internationalen Slavistenkongresse (BibSlavKon) Bibliographische Daten der publizierten Beiträge, gehalten auf den Internationalen Slawistenkongressen zwischen 1929 und 2013.
Einzelnachweise
Kategorie:Slawistik Kategorie:Wissenschaftliche Tagung (Sprachwissenschaft) Kategorie:Erstveranstaltung 1929