mini|Die Hauptkapelle des Parkfriedhofes mini|Übersichtsplan Der Parkfriedhof Eichhof liegt überwiegend in Kronshagen, lediglich der Haupteingang und das Bombenopferfeld befinden sich auf dem Stadtgebiet von Kiel. Mit einer Größe von über 39 HektarTraditionsreiche Geschichte und englischer Landschaftsgarten. Bundesverband Bestattungsbedarf, abgerufen am 25. April 2022. ist der auch Eichhoffriedhof genannte Parkfriedhof nach dem Vorwerker Friedhof in Lübeck der zweitgrößte Friedhof in Schleswig-Holstein und darüber hinaus in historischer, künstlerischer, ökologischer und städtebaulicher Hinsicht von großer Bedeutung.Projektvorschlag: Parkfriedhof Eichhof in Kiel/Kronshagen. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, abgerufen am 25. April 2022.
Er gehört zum Kirchenkreis Altholstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.Kirchenkreis. Einrichtungen. Friedhöfe in Kiel. Kirchenkreis Altholstein, abgerufen am 25. April 2022. Im Jahr 2003 wurde der gesamte Friedhof in das Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein eingetragen.
Entstehungsgeschichte mini|Haupteingang in der Eichhofstraße mini|Das Krematorium Der explosionsartige Anstieg der Kieler Bevölkerung (1860: 17.500, 1918: 243.000) hatte einen vermehrten Bedarf an Begräbnisplätzen zur Folge. Die Belegung des 1869 eröffneten Südfriedhofs nahm in den Jahren 1895–1896 so zu, dass man nach einem neuen Friedhofsgelände Ausschau hielt. Die Entscheidung fiel auf die Landstelle Eichhof des Erbpächters Carl Mordhorst. Für die Gestaltung des Grundplans wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem laut einer zeitgenössischen Quelle der Entwurf des Kölner Gartentechnikers Paetz den mit 1000 Mark dotierten 1. Preis erhielt.Paetz: Anlage eines Friedhofs auf dem Eichhofe in Kiel. Erläuterungsbericht zu dem mit dem 1. Preise von 1 000 Mk. prämiierten Entwurfe. In: Zeitschrift für Gartenbau und Gartenkunst (), 63. Jahrgang 1897, S. 273. (Zwei mehr als 100 Jahre später erschienene Quellen schreiben den Entwurf anderen Urhebern zu. Nach dem Friedhofsführer aus dem Jahr 2000 erhielt der Entwurf des Kölner Gartenarchitekten Hermann Cordes den 1. Preis und wurde zur Ausführung bestimmt.Gerd Stolz: Kleiner Führer über den Kieler Park-Friedhof Eichhof, S. 13. Nach einer dritten Quelle aus dem Jahr 2003 sollen die Pläne von dem Gartentechniker Egon Petzke stammen.Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein: Gartendenkmalpflege in Schleswig-Holstein: Friedhof Eichhof Kronshagen, 2003 (PDF; 324 kB). Petzke (* 1878) wurde allerdings erst 1899 volljährig und trat in jenem Jahr seine erste Stelle nach der Ausbildung an.Petzke, Egon. In: Gert Gröning, Joachim Wolschke-Bulmahn: Grüne Biographien. Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Patzer, Berlin 1997, ISBN 3-87617-089-3, S. 288.) Der erste Bauabschnitt wurde ab 1898 angelegt und am 5. Juli 1900 eingeweiht. Der im Entwurf vorgesehene Ausbauzustand wurde nach zwei Erweiterungen in den Jahren 1910–1912 und 1913–1919 erreicht. Bei zwei späteren Erweiterungen in den Jahren 1928–1930 und 1938–1939 (Felder 39 und 50–61) wich man mit der rechtwinkligen Anlage vom bisherigen parkgleichen Landschaftsbild ab.
Nachdem die Feuerbestattung 1911 in Preußen gesetzlich zugelassen wurde, führte der bereits 1899 gegründete Kieler Feuerbestattungsverein 1912 einen Architekturwettbewerb für den Bau eines Krematoriums durch, in dem der Entwurf des Kieler Architekten Oskar Hoff mit dem 1. Preis prämiert wurde – er hatte zuvor bereits das Krematorium in der norwegischen Hauptstadt Kristiania (Oslo) gebaut. Nach einer weiteren Überarbeitung wurde dieser Entwurf 1914–1916 ausgeführt.Ulrich Hübner: Kultur- und Baugeschichte der deutschen Krematorien. (= Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, Heft 20.) Sandstein-Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-95498-050-5, Katalogteil (auf CD-ROM), S. 54. Es galt als das älteste in der damaligen preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Diesen Status verlor es formal 1937 mit dem Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes, mit dem die bis dahin Freie Hansestadt Lübeck der Provinz angegliedert wurde. In deren staatlichem Krematorium auf dem Vorwerker Friedhof fand bereits 1910 am Geburtstag Kaiser Wilhelms I. eine erste Probekremierung statt.Wochen-Chronik. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1910, Nr. 13, 27. März 1910, S. 52.
Friedhofskapelle und Grabkapellen mini|Grabkapelle Martius auf dem Parkfriedhof Eichhof Die am 21. Dezember 1900 zum Gebrauch übergebene Friedhofskapelle des Architekten Wilhelm Voigt (1857–1916) war ein neogotischer Prachtbau am südlichen Ende der Querachse. Am 5. Januar 1944 brannte die Kapelle nach Bombentreffern aus, sie wurde ab 1950 vereinfacht wieder aufgebaut und diente von 1951 bis 1961 der Christus-Gemeinde Kronshagen als Gottesdienstraum. Im Innenraum hängt ein Triumphkreuz aus dem 16. Jahrhundert, das aus der Heiligengeist-Kirche in Kiel stammen soll und bis zu seiner Aufhängung in der Kapelle (1906 oder 1907) auf dem Dachboden der Nikolaikirche gelagert worden war.Gerd Stolz: Kleiner Führer über den Kieler Park-Friedhof Eichhof, S. 20 ff.
Das Mausoleum Milberg (29) wurde 1902 als neoromanischer Zentralbau errichtet, Architekt war ebenfalls Wilhelm Voigt.
Auch die Grabkapelle Esmarch (27), ein schlichter Backsteinbau mit gewölbtem Kupferdach für den Chirurgen Friedrich von Esmarch, wurde von Voigt entworfen und 1909 gebaut. Nach ihrer Fertigstellung wurde Esmarchs Sarg aus dem Milberg-Mausoleum, wo er sich zwischenzeitlich befunden hatte, hierher überführt.Gerd Stolz: Kleiner Führer über den Kieler Park-Friedhof Eichhof, S. 67. Das neoklassizistische Mausoleum der Familie Martius (6) wurde in den Jahren 1915–1919 von dem Münchner Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847–1921) geplant und gebaut.
Grabmale Grabmale des St.-Jürgen-Friedhofs mini|hochkant|Das neoromanische Mausoleum Milberg entstand 1902. Der St.-Jürgen-Friedhof (südöstlich der Kreuzung Ringstraße/Sophienblatt am Hauptbahnhof Kiel) wurde von etwa 1800 bis Ende 1909 aktiv genutzt. Bis zum Jahr 1954 verfiel der Friedhof zusehends und sollte der Erweiterung des Sophienblatts und einem Großparkplatz weichen. Die Gebeine wurden umgebettet. Auf dem Vorplatz der Friedhofskapelle des Parkfriedhofs Eichhof befindet sich für diese eine Sammelruhestätte, die am 12. Juni 1955 eingeweiht wurde. 64 Grabdenkmäler und Grabplatten, die unter Denkmalschutz stehen, erhielten dort ebenfalls einen neuen Platz.
Auch die Gebeine des dänischen Schriftstellers Jens Immanuel Baggesen (1764–1826) und des Philosophen Carl Leonhard Reinhold (1757–1823) wurden mit dem gemeinsamen Grabmal der beiden Freunde überführt. Sie wurden im Rahmen der Kieler Woche am 23. Juni 1955 auf dem Eichhof-Friedhof erneut beigesetzt.Manfred Jessen-Klingenberg: Jens Baggesen: Ein dänischer Dichter als Professor in Kiel. In: Werner Paravicini (Hrsg.): Begegnungen mit Kiel: Gabe der Christian-Albrechts-Universität zur 750-Jahr-Feier der Stadt. Wachholtz, Neumünster 1992, ISBN 3-529-02722-7, S. 373–376. Das Grabmal des Komponisten Carl Loewe (1796–1869) befindet sich ebenfalls auf der St.-Jürgen-Traditionsstätte auf dem Parkfriedhof Eichhof, seine Gebeine wurden allerdings in die Nikolaikirche gebracht. Auf der Traditionsstätte finden sich Grabmale für folgende weitere Personen:
Niels Nikolaus Falck (1784–1850), RechtshistorikerErich Hoffmann: Auf dem Eichhoffriedhof: Das Grabmal Nikolaus Falcks. In: Werner Paravicini (Hrsg.): Begegnungen mit Kiel: Gabe der Christian-Albrechts-Universität zur 750-Jahr-Feier der Stadt. Wachholtz, Neumünster 1992, ISBN 3-529-02722-7, S. 370–372. Franz Hermann Hegewisch (1783–1865), Arzt und Liberaler Johann Jacob Paul Moldenhawer (1766–1827), Botaniker
Das „Eiserne Kreuz“, Grabmal für gefallene Soldaten der schleswig-holsteinischen Armee 1848/51, wurde nicht auf den Eichhof-Friedhof, sondern auf den Nordfriedhof transferiert.
Besonders kunstvoll gestaltete Grabmale Das Grabmal Georg Dorn (25) mit der Figur der trauernden Germania wurde gegen Ende des Ersten Weltkrieges von Heinrich Mißfeldt (1872–1945) gestaltet. Gertrud Wiebke Schröder (1897–1977) fertigte 1932 für das Grab ihrer Eltern (44) eine Stele im Stil des Expressionismus an.
Opfer von politischen Unruhen 1918–1920 mini|Gedenkstätte für die Opfer der Revolution 1918, Gräber der zivilen Verstorbenen des Matrosenaufstands 1918 In der sogenannten Ruhestätte der Opfer der Revolution (44) sind Opfer des Kieler Matrosenaufstandes von 1918, des Spartakusaufstandes von 1919 und des Kapp-Putsches von 1920 beigesetzt. Der spätere Reichsjustizminister Gustav Radbruch hielt am 24. März 1920 für 25 Opfer des Kapp-Putsches auf dem Friedhof die Grabrede.Christa Geckeler: Kieler Erinnerungstag: 5. Juli 1900. In: Kiel.de. Die jeweils fünf Opfer von 1918 und 1919 waren zunächst in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt worden, bevor sie im Frühsommer 1920 in die Gedenkstätte umgebettet wurden. Die heutige Gestaltung geht auf einen Entwurf des Worpsweder Gartenarchitekten Leberecht Migge aus dem Jahr 1924 zurück. Durch Terrassierung ist die höher gelegene Grabanlage von der davor befindlichen Versammlungsfläche getrennt.Stadtarchiv Kiel: Informationstafel an der Gedenkstätte
Rolf Fischer plädierte 2026 dafür, die Anlage in einen Gedenkort umzuwandeln. Er befürchtet, dass die Anlage sonst als wichtige Kieler Grabstätte verschwinden würde; dabei habe sie eine herausragende Bedeutung als "authentischer Gedenkort der deutschen Demokratiegeschichte."Rolf Fischer: Die "Ruhestätte der Opfer der Revolution" auf dem Kieler Eichhof-Friedhof. Ein Plädoyer für die Umwandlung zum Gedenkort. In: Rolf Fischer, Klaus Kuhl (Hrsg.): Nach der Kieler Revolution 1918. Hoffnungen, Zweifel, Enttäuschungen. Kiel 2026, S. 170–184.
Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus mini|hochkant|Gedenkstein für 172 Sowjetbürger
Im südwestlichen Teil des Friedhofs steht ein Denkmal für die 2835 Opfer der mehr als 90 Luftangriffe auf Kiel während des Zweiten Weltkriegs, unter ihnen auch viele ausländische Zwangsarbeiter.
In der Nachbarschaft befindet sich seit 1954 ein Ehrenmal für 172 Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 in nationalsozialistischer Gefangenschaft ihr Leben ließen (61).
In Feld 59 liegt das Grab des polnischen Radsportlers Konstanty Wollboldt (1904–1945), der 1936 an den Olympischen Sommerspielen in Berlin teilnahm. Von 1939 bis 1945 war er in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Neuengamme interniert und starb im Oktober 1945 an den Folgen der KZ-Haft in Kiel.Gerd Stolz: Kleiner Führer über den Kieler Park-Friedhof Eichhof, S. 86.
Auf dem Friedhof wurden von November 1944 bis April 1945 auch 358 Häftlinge des Arbeitserziehungslagers Nordmark in Massengräbern beerdigt.Gerd Stolz: Kleiner Führer über den Kieler Park-Friedhof Eichhof, S. 85. So sagte eine Anwohnerin des Friedhofs am 20. Juli 1945 in einer Eidesstattlichen Erklärung aus:Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e. V. (AKENS).
Nach 1960 wurden die Toten aus dem Massengrab auf Feld 49 durch ausländische Grabkommissionen und das Innenministerium Schleswig-Holstein exhumiert, soweit möglich identifiziert und in ihre Heimatländer überführt. Der bis dahin auf der Ostspitze des Feldes stehende Gedenkstein für dort begrabene polnische Opfer wurde anschließend auf dem Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe in Haffkrug aufgestellt.
Flora und Fauna mini|Verbänderte Rosskastanie (Aesculus hippocastanum var. ’Monstrosa’), unbelaubt. Eine Mutation, die 1933 auf dem Parkfriedhof entdeckt wurde. mini|Fächer-Ahorn (Acer palmatum 'Nicholsonii') Auf dem Parkfriedhof wachsen mehr als 430 verschiedene Gehölze.