mini|Eine typische Spam-Mail, scheinbar für ein Potenzmittel (2011) mini|Diagramm des Spamverkehrs im Internet(1): Spamwebseite(2): Spammer(3): Spam(4): Infizierte Computer(5): Virus oder Trojaner(6): E-Mail-Server(7): Computernutzer(8): Internetverkehr

Als Spam oder Junk (, für Müll) werden unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Weg übertragene massenhafte Nachrichten (Informationen) bezeichnet, die dem Empfänger unverlangt zugestellt werden, ihn oft belästigen und auch häufig werbenden Inhalt enthalten. Dieser Vorgang wird Spamming oder Spammen genannt, der Verursacher Spammer.

Begriffsherkunft

SPAM war ursprünglich ein Markenname für Dosenfleisch, der 1936 aus SPiced hAM gebildet wurde, fälschlicherweise auch Spiced Pork And Meat/hAM oder Specially Prepared Assorted Meat Institut für Deutsche Sprache. genannt. mini|Hormel-Frühstücksfleisch Spam|links Während der Rationierung im Krieg war Spam eines der wenigen Nahrungsmittel, die in Großbritannien praktisch überall und unbeschränkt erhältlich waren. Die Omnipräsenz dieses Fleisches, ähnlich wie später die unerwünschten Botschaften (zum Beispiel als E-Mails), förderte die Entwicklung des Begriffs. Als Synonym für eine unnötig häufige Verwendung und Wiederholung wurde der Begriff durch den Spam-Sketch der englischen Comedyserie Monty Python’s Flying Circus geprägt: In einem Café besteht die Speisekarte fast ausschließlich aus Gerichten mit Spam. Mehrfach stimmt eine Gruppe Wikinger lauthals ein Lied an, dessen Text fast nur aus dem Wort Spam besteht, wodurch jedes normale Gespräch unmöglich wird. In die Texte eines Touristen und eines Nachrichtensprechers schleicht sich zunehmend das Wort ein, und im Abspann der Episode wimmelt es unpassend von „spam“ und vereinzelt anderen Nahrungsmitteln (z. B. Graham spam spam spam Chapman).

mini|Ausschnitt aus Monty Python’s Flying Circus: Das Speisemenü.

Die Nutzung des Begriffs Spam im Zusammenhang mit Kommunikation hat ihren Ursprung wahrscheinlich in den Multi User Dungeons, also textbasierten Computer-Rollenspielen für mehrere Mitspieler, in den 1980er Jahren.Brad Templeton über die Herkunft des Wortes Spam (englisch) Dort bezeichnete Spam zunächst nicht Werbung, sondern das von manchen Nutzern praktizierte massenhafte Überschwemmen des Text-Interfaces mit eigenen Botschaften.

In den Zusammenhang mit Werbung wurde das Phänomen Spam zum ersten Mal im Usenet gebracht. Dort bezeichnet man damit mehrfach wiederholte Artikel in den Newsgroups, die substanziell gleich sind oder für dieselbe Dienstleistung werben.

Die erste Spam-E-Mail wurde wohl am 3. Mai 1978 mit einem Werbeinhalt der Firma DEC versendet, allerdings erst im Jahr 1993 als solche bezeichnet.Spam feiert 30. Geburtstag, Heise Newsticker vom 3. Mai 2008.

Auswirkungen

Spam verursacht im System der weltweiten Kommunikation erheblichen Schaden, nicht zuletzt durch die zusätzliche Datenmenge und den Aufwand der damit verbundenen Bearbeitung.

Das Aussortieren und Lesen von Spam kostet Arbeitszeit. Spamfilter müssen beschafft und gewartet werden. Da Unternehmen und Internetdienstanbieter ihre Leitungen typischerweise nicht nach Zeit, sondern nach übertragener Datenmenge abrechnen, entstehen Kosten für jedes Byte Spam, das übertragen wird. Die Bearbeitung der Mails kann zu einem Ausfall oder zu einer Verlangsamung des erwünschten Mailverkehrs führen. Die Kompensation der Belastung erzeugt wiederum Kosten für neue leistungsfähigere Hardware. Unverlangte E-Mails können Schadprogramme enthalten oder Betrugsversuche einleiten. Bei Fax-Spam können Kosten durch den Verbrauch von Papier und Tinte beziehungsweise Toner entstehen.

Durch Spam entsteht allein in den Vereinigten Staaten pro Jahr ein Schaden von 22 Milliarden US-Dollar. Nach einer 2009 erstellten Studie verbrauchen 62 Billionen Spam-Mails jährlich zirka 33 Milliarden Kilowattstunden Energie sowie 100 Milliarden Stunden Arbeitszeit zum Sichten und Löschen der Spam-Mails.Sydney Morning Herald vom 16. April 2009 zu Spam-Auswirkungen (englisch) Demnach macht Spam mittlerweile je nach Schätzung 89Spam-Statistik 2010 auf SPONMessageLabs Intelligence: 2010 Annual Security Report. Spam-Statistik 2010 von MessageLabs Intelligence (englisch, PDF-Datei, 5,4 MB) bis 97 % des gesamten E-Mail-Volumens aus.

Arten von Spam

E-Mail-Spam mini|hochkant=1.5|Ein mit Spam gefüllter Eingangsordner eines E-Mail-Programms

Unverlangte Massen-E-Mail An erster Stelle ist wegen des großen Umfangs und des daraus resultierenden Bekanntheitsgrades die Unverlangte Massen-E-Mail (kurz UBE, von englisch „Unsolicited Bulk E-Mail“) zu nennen. Es handelt sich dabei um E-Mails, die an eine große Anzahl Empfänger verschickt werden. Häufig handelt es sich dabei um E-Mail-Marketing-Aktionen – missionierende oder volksverhetzende E-Mails und Kettenbriefe gehören aber ebenfalls in diese Kategorie.

Unverlangte kommerzielle E-Mail Die unverlangte kommerzielle E-Mail (kurz UCE, von englisch „Unsolicited Commercial E-Mail“) ist eine E-Mail mit kommerziellen Inhalten, die an Empfänger (auch wenige oder einzelne) verschickt werden. UCE ist in Deutschland unter bestimmten Umständen legal, siehe Rechtslage in Deutschland. Typische Beispiele für UCE sind dubiose oder besonders günstig erscheinende Angebote für Sex, Potenzmittel, Pornographie, Penisvergrößerung, illegale Online-Glücksspiel-Casinos, gefälschte Uhren, Lebensverlängerung, Software, Markenprodukte, Finanzdienstleistungen oder Medikamente usw.

Kollateraler Spam, Backscatter Als kollateraler Spam oder Backscatter werden E-Mails bezeichnet, die als Antwort auf eine eingehende E-Mail erzeugt und einem unbeteiligten Dritten zugestellt werden. Auslöser von kollateralem Spam sind besonders häufig Malware- oder Spam-Mails, da hier in der Regel gefälschte Absender benutzt werden.

Kollateraler Spam entsteht im Wesentlichen auf zwei Wegen: Wenn E-Mails mit gefälschter Absender-Adresse (der Adresse des unbeteiligten Dritten) verschickt werden, das empfangende E-Mail-System diese E-Mail zunächst annimmt und daraufhin eine Unzustellbarkeitsnachricht, eine Abwesenheitsnachricht oder ähnliches an den vermeintlichen Absender schickt. Kollateraler Spam wird auch von Empfängern erzeugt, die in Verkennung der Lage den vermeintlichen Absender einer Spam-Mail oder eines Virus mit Beschwerde-E-Mails oder E-Mail-Bomben eindecken.

Siehe auch: Backscatter (E-Mail)

Usenet-Spam Mitte der 1990er Jahre, als nur die wenigsten Menschen und Unternehmen eine E-Mail-Adresse hatten und schon allein daher massenhafter E-Mail-Versand noch nicht möglich war, fand das Wort Spam seinen Weg ins Usenet. Es sollte die Tätigkeit Einzelner bezeichnen, ihre immer gleichlautende Werbung in tausende von Newsgroups zu posten, ohne sich um die thematische Zweckentfremdung zu scheren oder sich für die nachfolgenden Diskussionen zu interessieren.

Der erste Spam, der extrem viele Newsgroups verunreinigte, war 1994 eine Werbekampagne des Rechtsanwaltsbüros Canter & Siegel (USA), die dafür warb, bei der Teilnahme an der Verlosung von Green Cards behilflich zu sein.

Suchmaschinen-Spamming Beim Suchmaschinen-Spamming wird versucht, über Einträge in eigenen oder fremden Webseiten die Bewertungs-Algorithmen von Suchmaschinen positiv zu beeinflussen.

Referrer-Spam Referrer-Spam ist eine Sonderform des Suchmaschinen-Spamming. Hierbei werden Webseiten massenhaft aufgerufen, damit diese als Referrer in den Logdateien von Webservern der angegriffenen Webseiten auftauchen.

Spam over Internet Telephony (SPIT) Als Spam over Internet Telephony, kurz SPIT, werden unerwünschte und automatisch eingespielte Anrufe per IP-Telefonie bezeichnet. Dabei wird (bei Verwendung des SIP-Protokolls mittels INVITE-Nachrichten) versucht, automatisiert Telefonverbindungen aufzubauen. Sofern der angerufene Teilnehmer antwortet, werden die Audiodaten (z. B. eine aufgezeichnete Werbenachricht) über das RTP-Protokoll eingespielt.

Spam over Mobile Phone (SPOM) Auch die Kommunikation per Mobiltelefon wird von Spam beeinträchtigt. Unerwünschte Kurzmitteilungen oder Anrufe werden als (Mobile) Phone Spam, teils auch als Spam over Mobile Phone (SPOM) bezeichnet. Durch verstärkten Einsatz von Mobile Marketing zur Marktforschung und durch unerwünschte Kurzmitteilungen erreicht Mobile Phone Spam in Japan bereits bis zu 90 % des elektronischen Nachrichtenaufkommens. Eine Variante sind sogenannte Spam- oder Ping-Anrufe, die nur Sekundenbruchteile dauern und den Angerufenen zum teuren Rückruf eines Mehrwertdienstes verleiten sollen.

Sonstige Weitere Formen von Spam sind Spam over Instant Messaging, kurz SPIM, das Protokolle wie z. B. IRC, ICQ oder den Windows-Nachrichtendienst benutzt oder Spam over Presence Protocol, kurz SPPP.

Technische Voraussetzungen für E-Mail-Spam Um unerwünschte E-Mail-Werbung zu versenden, wird lediglich ein E-Mail-Programm benötigt, das Spam-Mails mit den Empfängeradressen versieht, sowie ein SMTP-Relay-Server, der diese Mails dann an die Empfänger versendet. Da jede E-Mail viele Adressdaten enthalten kann, wird für die Übertragung an den Relay-Server nur eine vergleichsweise geringe Bandbreite benötigt, ein einfacher Internetzugang und ein durchschnittlicher Rechner reichen.

In der Vergangenheit wurden häufig offene Mail-Relays als Relay-Server verwendet, also schlecht konfigurierte Mailserver missbraucht. Dieses Vorgehen hat für den Spammer zwei wesentliche Vorteile: Der Absender wird verschleiert und die eigenen Ressourcen werden geschont. Dank Realtime Blackhole Lists hat die Zahl offener Mail-Relays inzwischen stark abgenommen. Einige Spammer weichen daher auf Bot-Netze aus, um ihren Spam zu versenden.

Gegenmaßnahmen Allgemeine Maßnahmen Autorisierung Damit der Benutzer nicht von unerwünschten Personen belästigt wird, bieten die meisten Instant Messenger die Möglichkeit, nur Nachrichten von genehmigten Personen zuzustellen. Auch Chaträume können so eingestellt werden, dass nur Mitglieder sich unterhalten dürfen.

Rückverfolgbarkeit Da das Versenden unerwünschter Werbung in den meisten Ländern wie auch in Deutschland illegal ist, kann der Versender verklagt werden, wenn er rückverfolgbar ist. So lässt sich über die IP-Adresse des Versenders im E-Mail-Header die Identität des Versenders herausfinden, wenn der Internetprovider die zugeteilte IP-Adresse mit Zuordnung des Kunden speichert.

Maßnahmen gegen E-Mail-Spam Generell können an jeder Instanz, die Spam erzeugt oder transportiert, Maßnahmen ergriffen werden, die das Spam-Aufkommen verringern. Derzeit wird Spam hauptsächlich durch Spamfilter bekämpft. Neuere Verfahren schlagen vor, Spam durch Korrekturen im Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) oder im Domain Name System (DNS) zu bekämpfen. Vereinzelt finden sich auch Vorschläge, Spammern das Sammeln der Empfängeradressen zu erschweren, was aber aufgrund des existierenden Adresshandels nur das Sammeln von Adressen im Internet verhindert, nicht aber die Nutzung von aus anderen Quellen (zum Beispiel Preisausschreiben oder Online-Bestellungen) stammenden Adressen. Eine wirksame Methode stellt auch das sogenannte Greylisting dar. Hierbei kann Spam um etwa 95 % reduziert werden, der Nachteil liegt aber darin, dass eingehende Nachrichten nur mit Verzögerung eintreffen.

Verhindern, dass die eigene E-Mail-Adresse in die Adressliste von Spammern gerät Wegwerf-E-Mail-Adressen und Alias-Adressen Ist zur Anmeldung bei einem Dienst die Angabe einer E-Mail-Adresse erforderlich, kann eine Wegwerf-E-Mail mit einem internen Zähler (zum Beispiel von Spamgourmet) und einer zeitlich beschränkten Gültigkeit oder auch eine Alias-Adresse verwendet werden, um die eigene Haupt-E-Mail-Adresse zu verbergen.

Verschleierung der E-Mail-Adresse