Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), im Deutschen als Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen, meist als Weltklimarat bezeichnet, wurde im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als zwischenstaatliche Institution ins Leben gerufen, um für politische Entscheidungsträger den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenzufassen mit dem Ziel, Grundlagen für wissenschaftsbasierte Entscheidungen zu bieten. Der Sitz des IPCC-Sekretariats befindet sich in Genf (Schweiz), 195 Regierungen sind Mitglieder des IPCC, Liste der Mitglieder: darüber hinaus sind mehr als 190 Organisationen als Beobachter des IPCC registriert.

Hauptaufgabe des Ausschusses ist es, die naturwissenschaftlichen Grundlagen und den weltweiten Forschungsstand über die Auswirkungen der globalen Erwärmung und seine Risiken sowie Minderungs- und Anpassungsstrategien zusammenzutragen und aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten.ipcc.ch: , abgerufen am 29. Dezember 2016 Website der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle, abgerufen am 29. Dezember 2016. Dazu beruft der IPCC tausende Wissenschaftler aus aller Welt. Diese erstellen die Sachstandsberichte des IPCC. Bisher hat der IPCC sechs Sachstandsberichte und mehr als zehn Sonderberichte sowie Richtlinien für die Erstellung von Treibhausgasinventaren veröffentlicht.ipcc.ch: Publication and Data, abgerufen am 29. Dezember 2016.

Der IPCC gilt als „Goldstandard“ in der Klimaforschung.Chris Mooney: The Republican War on Science. Basic Books, New York 2005, S. 61.Michael E. Mann: The Hockey-Stick and the Climate Wars. Columbia University Press, 2012, S. 91. Seine Sachstandsberichte werden innerhalb der Wissenschaft als glaubwürdigste und fundierteste Darstellung bezüglich des naturwissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Forschungsstandes über das Klima und seine Veränderungen sowie über Möglichkeiten des Umgangs damit betrachtet.Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie. Beck, München 2007, S. 88. Die Schlussfolgerungen des IPCC werden von allen großen US-amerikanischen wissenschaftlichen Gesellschaften mit einschlägiger fachlicher Kompetenz bestätigt, unter anderem von der American Geophysical Union, der American Meteorological Society und der American Association for the Advancement of Science. Zudem werden sie u. a. von den nationalen Akademien der Wissenschaften vieler Staaten wie Frankreich, Russland, Deutschland, Japan, Italien, Kanada, China und Brasilien sowie der Royal Society bekräftigt.Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Challenging Knowledge. How Climate Science Became a Victim of the Cold War, in: Robert N. Proctor, Londa Schiebinger (Hrsgs.), Agnotology. The Making & Unmaking of Ignorance. Stanford University Press 2008, 55-89, S. 57. Der IPCC wurde 2007, gemeinsam mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Geschichte Der IPCC ist aus einem internationalen wissenschaftlichen Gremium hervorgegangen, der 1985 vom International Council of Scientific Unions, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der World Meteorological Organization (WMO) eingerichteten Advisory Group on Greenhouse Gases, um Empfehlungen auf der Grundlage aktueller Forschung zu geben. Dieser kleinen Gruppe von Wissenschaftlern fehlten die Mittel, um den immer komplexer werdenden interdisziplinären Charakter der Klimawissenschaften abzudecken. Die US-Umweltschutzbehörde und das US-Außenministerium wollten eine internationale Konvention zur Einigung auf Beschränkungen von Treibhausgasen, und die Reagan-Administration war besorgt über die uneingeschränkte Einflussnahme unabhängiger Wissenschaftler oder von Gremien der Vereinten Nationen wie UNEP und WMO. Die US-Regierung war die wichtigste Kraft bei der Bildung des IPCC als autonomes zwischenstaatliches Gremium, an dem Wissenschaftler sowohl als Experten für die Wissenschaft als auch als offizielle Vertreter ihrer Regierungen teilnahmen, um Berichte zu erstellen, die die feste Unterstützung aller führenden Wissenschaftler weltweit hatten. Diesen Berichten musste dann von allen beteiligten Regierungen im Konsens zugestimmt werden. Auf diese Weise wurde der IPCC als Mischung eines wissenschaftlichen Gremiums und einer zwischenstaatlichen politischen Organisation gebildet.

Im Jahr 2007 wurde der IPCC mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Unter anderen erhielten die mehrere Hundert Leitautoren der bis dahin erschienenen Berichte ein Zertifikat, das ihren Beitrag würdigte.Michael E. Mann: The Hockey-Stick and the Climate Wars. Columbia University Press, 2012, S. 176.

Überblick und Methodik Der IPCC betreibt selbst keine Forschung, sondern in seinem Auftrag tragen Experten die Ergebnisse der Forschungen aus verschiedenen Disziplinen zusammen, darunter der Klimatologie, den Sozialwissenschaften und der Technologie. Er bildet eine kohärente Darstellung dieses Materials in sogenannten Sachstandsberichten ab, den IPCC Assessment Reports.

Die Sachstandsberichte des IPCC bestehen aus drei Bänden, die jeweils von einer Arbeitsgruppe erstellt werden.Assessment Reports Website des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016. Arbeitsgruppe 1 behandelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, Arbeitsgruppe 2 beschäftigt sich mit der Verwundbarkeit von sozioökonomischen und natürlichen Systemen gegenüber dem Klimawandel und dessen Auswirkungen. Zudem beschreibt sie Wege, wie sich die Menschen an eine globale Erwärmung anpassen können. Arbeitsgruppe 3 zeigt politische und technologische Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels auf. In jeder Arbeitsgruppe arbeiten mehrere hundert Experten aus aller Welt etwa drei Jahre an einem Bericht von jeweils mehr als tausend Seiten. Sonderberichte werden nach demselben Verfahren wie Sachstandsberichte erstellt, behandeln aber ein bestimmtes Thema sehr ausführlich.Special Reports Website des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.

Die Sachstandsberichte durchlaufen ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren (sogenanntes Peer-Review). Website des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016. Website der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle, abgerufen am 29. Dezember 2016. In drei aufeinanderfolgenden Begutachtungsrunden werden Kommentare, Kritik und Vorschläge von den Autoren bearbeitet. Beim Fünften Sachstandsbericht wurden mehrere zehntausend Kommentare von hunderten von Forschern und Regierungen eingereicht;Begutachtung des Fünften IPCC-Sachstandsberichtes Website des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016. unabhängige Begutachtungseditoren, sogenannte Review Editors, achten darauf, ob die Überarbeitungen alles angemessen berücksichtigen.

Die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger, die in allen Sachstandsberichten und Sonderberichten enthalten sind, werden Satz für Satz von den Regierungen in einer Vollversammlung unter dem Vorsitz der Wissenschaftler verabschiedet. Website des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016. Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, abgerufen am 29. Dezember 2016. Dabei achten die Regierungsvertreter vor allem darauf, dass die Aussagen vollständig, verständlich und ausgewogen sind. Es dürfen nur Informationen aus den zugrundeliegenden Berichten genutzt werden. Die wissenschaftlichen Autoren haben das letzte Wort, denn sie entscheiden, ob die von den Regierungen vorgeschlagenen Formulierungen korrekt sind. Das Plenum stimmt dem Gesamtbericht einschließlich der Zusammenfassung zu. Durch dieses Verfahren erkennen die Regierungen die wissenschaftlichen Aussagen der IPCC-Berichte an.

Während der Erstellung und Begutachtung sind die Berichte und Gutachterkommentare vertraulich. Ist ein Bericht veröffentlicht, können alle Unterlagen eingesehen werden.Fifth Assessment Report: review comments and responses Website des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.

Der IPCC machte in seinen Sachstandsberichten vielzitierte Aussagen über zukünftige Klimaänderungen. Diese auf unterschiedlichen Szenarien, genannt repräsentative Konzentrationspfade (RCPs), beruhenden Aussagen bilden seit Jahren die Grundlage der wissenschaftlichen und vor allem der politischen und ökonomischen Diskussionen über das zu erwartende Ausmaß der globalen Erwärmung und tragen wesentlich zur Entscheidungsfindung bei.RCP-Szenarien (Szenarien für den 5. IPCC-Sachstandsbericht), GERICS Climate Service Center Germany / Hamburger Bildungsserver, abgerufen am 30. September 2019.

Aufgaben mini|hochkant|Aufgaben und Zusammensetzung des IPCC Der IPCC gibt keine Handlungsratschläge oder politische Empfehlungen. Website des IPCC, abgerufen am 31. Dezember 2016. Im Auftrag des IPCC tragen Experten aus aller Welt den aktuellen Wissensstand zu den unterschiedlichen Aspekten des natürlichen und menschengemachten Klimawandels zusammen und bewerten ihn aus wissenschaftlicher Sicht. Die Autoren greifen auf bereits veröffentlichtes Wissen zurück, wenn möglich aus begutachteten, wissenschaftlichen Zeitschriften. Dabei geben sie den Grad ihres Vertrauens in ihre Aussagen aufgrund der vorhandenen Belege und deren Übereinstimmungsgrad an; falls möglich, machen sie auch quantitative Wahrscheinlichkeitsaussagen.Guidance Note on Consistent Treatment of Uncertainties Website des IPCC, abgerufen am 30. Dezember 2016. Die Berichte des IPCC durchlaufen ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren.

Der IPCC befasst sich u. a. mit folgenden Themen: Naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; Abschätzen der Folgen der globalen Erwärmung für Umwelt und Gesellschaft und deren Vulnerabilitäten; Risiko der von Menschen verursachten und von natürlichen Klimaänderungen (Globale Erwärmung); Technologische, ökonomische und gesellschaftliche Optionen zur Minderung des Klimawandels; Strategien der Anpassung an die globale Erwärmung;

Bei seiner Arbeit bemüht sich der IPCC darum, die Teilnahme von Entwicklungs- und Schwellenländern an den IPCC-Aktivitäten zu verbessern.

Organisation Der IPCC ist eine Institution der Vereinten Nationen. Er ist ein wissenschaftliches Gremium und gleichzeitig ein zwischenstaatlicher Ausschuss. Der Sitz des Rates ist Genf. Mit Stand 2026 sind 195 Länder Mitglied, Regierungen von Staaten, die Mitglieder der Vereinten Nationen oder der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) sind. Die Vereinigten Staaten erklärten jedoch im Sommer 2026, während der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump, sich aus der Organisation zurückzuziehen. Für jeden Bericht werden neue Autorenteams zusammengestellt, Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die ohne zusätzliche Bezahlung zur Arbeit des IPCC als Autoren und Gutachter beitragen. Außerdem hat der IPCC mehr als 190 akkreditierte Beobachter von internationalen Organisationen sowie aus der Zivilgesellschaft.

Die Mitgliedsstaaten des IPCC kommen etwa einmal jährlich zum Plenum zusammen. Daran nehmen hunderte Fachleute und Vertreter der Regierungen und anerkannter Beobachterorganisationen teil. Das Plenum entscheidet über Managementangelegenheiten, Verfahrensregeln Website des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016. für die Berichtserstellung und das Arbeitsprogramm. Außerdem wählt es die Vorsitzenden des IPCC und seiner Arbeits- und Projektgruppen sowie die übrigen Vorstandsmitglieder. Fertige Berichte werden dort verabschiedet und Themen für künftige beschlossen.