mini|Stolpen, Stadtansicht von Süden Die Burg Stolpen, die in ihrer Geschichte von der Höhenburg zum Schloss umgebaut wurde und später als Festung genutzt wurde, liegt etwa 27 Kilometer östlich von Dresden, unmittelbar südlich des historischen Stadtkerns von Stolpen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auf 356 m über NN.Objektaufbau Burg Stolpen, burg-stolpen.org (PDF; 600 kB) Stolpen war über drei Jahrhunderte im Besitz der Bischöfe von Meißen und wurde zeitweise deren Hauptresidenz. Unter dem sächsischen Fürstenhaus der Wettiner wurde die Höhenburg als wehrhaftes Renaissanceschloss ausgebaut und zur neuzeitlichen Landesfestung erweitert, bevor sie zur Teilruine verfiel. Prominenteste Bewohnerin der Burg Stolpen war die Gräfin Constantia von Cosel, die ein halbes Jahrhundert lang auf der Anlage gefangen gehalten wurde und nach ihrem Tod auch dort bestattet wurde. Napoleon besiegelte die wehrstrategische Bedeutungslosigkeit Stolpens. Heute zählt die Burganlage zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Sachsen. Neben den historischen Baulichkeiten ist auch die Geologie des Hügels von Bedeutung, da besonders auf der westlichen Seite des Burgbergs der kantig-schroffe Säulenbasalt hervortritt und vom vulkanischen Ursprung des Untergrundes zeugt. Johannes Baier (2026): Die Basanitsäulen von Stolpen. Fossilien 43(1), 4-9, .
Geschichte Der Basaltberg Stolpen lag im Grenzbereich der Markgrafschaft Meißen zu den sorbisch besiedelten Gebieten östlich der Elbe und gleichzeitig im Kreuzungsbereich wichtiger Fernhandelswege. Die günstige strategische Lage ausnutzend sind schon um 1100 erste unsichere Nachrichten über die Befestigung der Erhebung bekannt.
Bischöfliche Zeit Um 1218 holte sich der Bischof Bruno II. von Porstendorf das Lehen Stolpen vom Lehnsherren Moyko de Stulpen zurück. In der folgenden Zeit wurde zielgerichtet eine eigenständige Grundherrschaft aufgebaut, die zum Hochstift Meißen gehörte. 1222 folgte die erste urkundlich gesicherte Erwähnung der Burg Stolpen, die um 1320 Verwaltungsmittelpunkt des neu gebildeten Amtes Stolpen wurde. Die Burg wurde größtenteils mit dem örtlich vorhandenen Basalt errichtet. In den Hussitenkriegen wurde die Burg 1429 das erste Mal durch die Hussiten belagert. Die Belagerung dauerte acht Wochen und war letztlich erfolglos. Ebenso zu Anfang des 15. Jahrhunderts bildete sich eine an der nördlichen Seite der Burg vorgelagerte Siedlung, die sich schnell zur Stadt entwickelte, nicht zuletzt, weil die Bischöfe von Meißen eine ihrer Hauptresidenzen nach Stolpen verlegten.
Die Bischöfe Caspar von Schönberg und Dietrich III. von Schönberg bauten die Burg aus. Zwischen 1476 und 1487 wurde der Schösserturm errichtet. 1509 (Inschrift) ließ Bischof Johann VI. von Saalhausen den hoch aufragenden Johannisturm mit Treppenturm und mit einem Zellengewölbe im Erdgeschoss errichten. Damals wurde auch der Seigerturm in seinen unteren Teilen errichtet. Die Burg gehörte zusammen mit dem Schloss Wurzen zu den Hauptresidenzen des Bischofs. Unter seinem Nachfolger wurde 1518 das Kornhaus mit seiner dreischiffigen Gewölbehalle für den fürstlichen Marstall errichtet.
Der wettinische Kurfürst August von Sachsen erkannte die strategisch wichtige Lage von Stolpen und zwang 1559 den Bischof, die Burg, die Stadt und das Amt gegen ein weniger wichtiges Amt einzutauschen. Damit ging die 250-jährige bischöfliche Zeit auf Stolpen zu Ende.
Kurfürstliche Zeit Sofort nach der Übernahme der Burg begann der Kurfürst mit umfassenden Bautätigkeiten im Stile der Renaissance, wodurch die Burg in ein wehrhaftes Schloss umgewandelt wurde. Die Wohnräume wurden prächtig ausgemalt und es wurde ein Tier- und Baumgarten am südlichen Burgberg angelegt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss 1632 von kaiserlichen Kroaten belagert und erfolgreich durch Stolpener Bürger verteidigt. Allerdings wurden große Teile der Burg am 1. August 1632 durch Brände zerstört. Nach einem schnellen Wiederaufbau konnte eine weitere Belagerung durch die Schweden 1639 abgewehrt werden. Der Ausbau zur Festung, der 1675 durch Wolf Caspar von Klengel erfolgte, vergrößerte die militärische Bedeutung Stolpens. Bei einem Stadtbrand 1723 wurden auch Teile der Burg in Mitleidenschaft gezogen und zum Teil zerstört. Nach der Übergabe an die preußische Armee im Jahre 1756 wurde sie nur ein Jahr später geschleift und somit unbrauchbar gemacht. Kurze Zeit später, 1758, konnte die Burg von Sachsen zurückerobert werden. Nach dem Ende des augusteischen Zeitalters wurde die auf der Festung stationierte Garnison 1764 aufgelöst und die Festung sich selbst überlassen. In der folgenden Zeit setzte ein natürlicher Verfall an dem ungepflegten Bauwerk ein, so dass bereits im Jahre 1773 Gebäudeteile aus Sicherheitsgründen abgerissen werden mussten, da ihnen der Einsturz drohte.
Napoleonische Zeit 1806 beteiligte sich Sachsen an der Seite Preußens am Krieg gegen das napoleonische Frankreich. In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 kämpften auch 22.000 sächsische Soldaten. Sie endete für Preußen und seine Verbündeten mit einer katastrophalen Niederlage. Sachsen kam kurzzeitig unter französische Besatzung. Im Zuge der Besatzung wurden in Stolpen Verteidigungsanlagen wiedererrichtet oder neu gebaut. Auch der Brunnen wurde wieder freigelegt. Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug Napoleons, sprengte die französische Armee am 25. September 1813 umfangreiche Teile der Burganlage im Zuge ihres Rückzuges und verschüttete erneut den Brunnen.
Königreich Sachsen Nach dem Rückzug der Franzosen aus Sachsen verlor die Burg wieder ihre kurzzeitig wiedererlangte militärische Bedeutung. Da sich aber im Zuge der Romantik das Mittelalter als ideale Epoche herauskristallisierte, wurde die Burg in touristischem Sinne bedeutsam. Im Jahr 1859 ordnete König Johann von Sachsen umfassende Restaurierungsmaßnahmen an. Eine der Hauptaufgaben des 1874 angestellten Schlosswärters war es, Besucher auf der Burg, die am 1. Juni 1877 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, herumzuführen. Auf Anregung des Königlich-Sächsischen Altertumsvereins wurde 1883 der Basaltbrunnen erneut geräumt.
mini|Burg und Stadt 2022 20. Jahrhundert bis heute Auch im 20. Jahrhundert setzte sich die touristische Nutzung fort. In den Jahren 1935 bis 1939 wurde die Burg ausgebaut, um den Fremdenverkehr zu fördern. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich diese Nutzung fort, wobei die kulturelle Nutzung immer weiter ausgebaut wurde. So fanden auf der Burg unter anderem Filmaufnahmen zu Sachsens Glanz und Preußens Gloria statt. 1992 übernahm der Freistaat Sachsen die Rechtsträgerschaft von der Stadt Stolpen; die Burg wurde staatlicher Schlossbetrieb. In der nachfolgenden Zeit wurden weitere Teile der Burg ausgebaut und für Besucher zugänglich gemacht. Ebenfalls befindet sich ein Museum über Constantia von Cosel und die Burggeschichte vor Ort.
Besucherzahlen 1989: 199.165 2013: ca. 102.000Weniger Gäste auf Burg Stolpen. In: Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna), 10. Februar 2014 (Artikelanfang online). 2019: 88.171Landkreis SOE: Schlösser und Parks holen langsam wieder auf in: Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 10. März 2023 2021: 40.846Landkreis SOE: Schlösser und Parks holen langsam wieder auf in: Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 10. März 2023 2022: 65.462Landkreis SOE: Schlösser und Parks holen langsam wieder auf in: Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 10. März 2023
Die Burganlage mini|rechts|Darstellung der Burganlage auf einer Ansichtskarte von 1988 Die Burg Stolpen entspricht dem Typ einer Abschnittsburg. Die Stolpener Burganlage gliedert sich über eine Länge von ungefähr 220 m in eine Vorburg (1. Burghof), die obere Vorburg (2. Burghof) und in die Hauptburg, die wiederum in die untere (3. Burghof) und die obere Hauptburg (4. Burghof) unterteilt ist. Im ersten Burghof befinden sich der Eingang zu den Kasematten sowie eine 3 m tiefe Zisterne. Abgeschlossen wird der erste Hof durch das 1518 erbaute Kornhaus, in dem die Naturalabgaben der dienstpflichtigen Bauern im Amtsbereich von Stolpen gelagert wurden. Das Kornhaus ist 36 m lang und besitzt drei Kornschüttböden. Die Kornhausdurchfahrt stellt die einzige Zufahrt zur Hauptburg dar und beheimatet die Hauptwache. Gegenüber der Hauptwache liegt der ehemalige Marstall und im Anschluss die Folterkammer der Burg.
Die obere Vorburg entstand durch die Errichtung des Kornhauses, welches die Vorburg in zwei Teile teilt. Über eine weitere Zisterne führt eine Steinbrücke in die Hauptburg. Die Steinbrücke wurde nach dem Siebenjährigen Krieg errichtet und ersetzt eine hölzerne Zugbrücke, die im Krieg zerstört wurde. In die Hauptbereiche der Burg gelangt man durch ein Portal, das mit dem kursächsischen Wappen geschmückt ist; direkt an dieses Portal grenzt der Schösserturm, der zwischen 1476 und 1487 erbaut wurde und früher der Sitz des Amtsschössers war. Der Turm fällt auf durch seine große welsche Haube; die heute zu sehende Haube wurde 1936 rekonstruiert, allerdings ohne das zweite Stockwerk wieder zu errichten, welches 1787 wegen Einsturzgefahr abgetragen worden war. Im Schösserturm befinden sich außer der Amtsstube des Schössers noch zwei Verliese mit den an die Reformationszeit erinnernden Namen Ketzerloch und Mönchsloch. Zwischen dem Schösserturm und dem Johannisturm befindet sich der Zwinger. Die Wehrgänge dieser Verteidigungsanlage wurden Ende des 18. Jahrhunderts abgetragen und weitere Teile 1813 gesprengt.
Der 3. Burghof erfüllte zum einen Kernaufgaben bei der Verteidigung der Burganlage, weshalb er auch als Kanonenhof bezeichnet wird. An der Südseite des Burghofs sind noch heute originale Kanonen aus dem 17. Jahrhundert zu sehen, die vor fünfeckigen Schießscharten stehen. Des Weiteren erfüllte der 3. Hof auch wirtschaftliche Funktionen auf der Burganlage: Hier befanden sich Backhaus, Schmiede, Ställe, Schlachthaus und ein Badehaus. Da die einstigen zweistöckigen Wehrgänge längst nicht mehr existieren, beherrschen Johannisturm und Seigerturm freistehend diesen Teil der Anlage. Der Johannisturm, ein Wach- und Verteidigungsturm, erlangte Berühmtheit durch die Gräfin Constantia von Cosel, für die er, als Wohnturm umgebaut, als Gefängnis in ihren letzten Lebensjahren diente. Der Johannisturm ist aus diesem Grund im Volksmund auch eher als Coselturm bekannt. Die oberen Stockwerke können durch einen Wendeltreppenturm erreicht werden, der in der Zeit der Renaissance angebaut wurde. Der Seigerturm wurde in der Zeit um 1455 erbaut und unter Kurfürst August 1560 aufgestockt. Seinen Namen erhielt er durch die 1562 eingebaute Turmuhr, deren einziges Zifferblatt in Richtung der Stadt zeigte und nur einen Zeiger besaß.