mini|hochkant|Zwei Amautis (Frauenparkas), links aus Bartrobbenfell (1999)
Die Rauchwarenbranche unterscheidet beim Robbenfell zwischen dem Sealfell, dem Sealskin von der Pelzrobbe (veraltet: Biber-Seehund), dem Seebären mit der feinen weichen Unterwolle, und dem (Haar-)Seehund (veraltet: Kofferseehund) mit nur Granne ohne besonderem Unterhaar.
Diese werden dann wieder unter geographischen Begriffen unterschieden, wie Neufundländer, Isländer oder sind bzw. waren unter entwicklungsbedingten Namen wie Beater, Puller, Whitecoat oder Blueback im Handel. Eine Zusammenfassung der Handelsnamen und der Stand der derzeitigen Gesetzeslage in der Europäischen Union zum Handel mit Robbenfellen befindet sich am Ende dieses Artikels.
Von der Pelzwirtschaft kaum genutzt wurden schon immer die Felle der Mönchsrobbe (geschützt), der Ross-Robbe, des Krabbenfressers, der Weddellrobbe, des See-Leoparden, des Südlichen und Nördlichen See-Elefanten. Auch die Walrosse werden fellwirtschaftlich nicht verwendet, lediglich die Eskimos jagen sie zum Lebensunterhalt.
Nach dem Raubbau im 19. Jahrhundert, der nach der Entdeckung neuer Gebiete auch unter den Robben angerichtet wurde, konnten die dezimierten Bestände nach Einführung strenger Gesetze in verschiedenen Staaten wieder zu Millionenzahlen anwachsen.
Die derzeit anfallenden Felle gehen wohl, außer der Verwendung in den Herkunftsländern, fast ausschließlich in den asiatischen Raum einschließlich Russland.
Geschichte In dem 301 n. Chr. vom römischen Kaiser Diokletian erlassenen Höchstpreisedikt wird auch bereits das Seehundsfell erwähnt. Ein rohes Seehundsfell ist darin mit 1250 Denarius angegeben, ein gegerbtes Fell mit 1500 Denarius. Im Vergleich dazu kostete ein rohes Leopardenfell bis zu 1000, ein Schafsfell bis 20 Denarius.Alexander Tuma: Pelzlexikon. XXI. Band der Pelz- und Rauchwarenkunde, Stichwort Rauhwarenhandel, Verlag Alexander Tuma, Wien 1951. Kaiser Augustus pflegte bei Unwettern im Robbenfell auszugehen, weil es vor Blitzschlag schützen sollte.Anna Viola Sievert: Eine magische Gemme aus dem Museum August Kestner. Gedanken zu einem Tagungsplakat (nach Suet. Aug. 90). Aus dem gleichen Grund befestigte man zu der Zeit bei der Flotte Robbenfellstreifen an den Masten. Dieser dem Fell nachgesagte Nutzen dürfte, neben dem weiten Handelsweg, auch der Grund für den höchsten Preis aller in dem Edikt erwähnten Pelze sein.
Vom Schinat, einem mittelalterlichen Begriff für einen Mantel- oder Kleiderbesatz aus dunkler oder stahlblauglänzender Fischhaut, wird vermutet, dass es sich eigentlich um Seehundfell gehandelt haben könnte. Er wird als Fell eines wilden Fisches von wunderbarer bläulicher Farbe geschildert, mit kleinen goldglänzenden Flecken darauf, ein anderes Mal wird er auch für schwarz erklärt.Eva Nienholdt: Pelz in der Tracht des frühen und hohen Mittelalters. In: Das Pelzgewebe, 1955 Nr. 3, S. 92–93. Dies könnte mit Tacitus übereinstimmen, der bereits von gefleckten Pelzbesätzen der Germanen berichtet.Alexander Tuma: Pelzlexikon. XXI. Band der Pelz- und Rauchwarenkunde, Stichwort Schinat, Verlag Alexander Tuma, Wien 1951.
Bei den nördlichen Völkern gehören Kapuzen-Anoraks, Hosen, Schuhe und Handschuhe aus Robben- und Rentierfellen zur traditionellen Hauptwinterkleidung. Iglulik-Inuit trugen Robbenhaut-Masken mit und ohne Fell beim Herbstfest der Göttin Nuliajuk (oder Sedna).Valeria Alia: Kunst und Kunsthandwerk in der Arktis. In: Wolfgang R. Weber: Kanada nördlich des 60. Breitengrades. Alouette Verlag, Oststeinbek 1991, S. 104. ISBN 3-924324-06-9. Anfang 1900 heißt es noch: Seehundfelle gelangen nicht allzu häufig in den Handel – Baikal-Robben gehen meist nach China – sondern werden zum größten Teil von den Eingeborenen selbst verwandt. Die Häute der größten Tiere werden zu Kähnen, Baidaren genannt, zusammengenäht, welche inwendig durch Holzstücke auseinandergedehnt werden und zwanzig bis dreißig Mann fassen. Felle der übrigen Seehunde verschneidet man zu Schuhen, Stiefeln, Beinkleidern, Riemen und Säcken zum Verschicken von allerlei Waren.Jos. Klein: Der sibirische Pelzhandel und seine Bedeutung für die Eroberung Sibiriens. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Rheinischen Friedrich-Humboldt-Universität Bonn, 1900. S. 23. Primärquelle Steller, S. 111. Im 19. Jahrhundert, während der Zeit des kommerziellen Walfangs, nähten die Labrador-Indianer sogar „Tauchanzüge“ aus enthaarten Robbenfellen, so dass die Arbeiter die Wale im tiefen Wasser entfleischen konnten (flensen). Diese Anzüge bedeckten den ganzen Körper und ließen nur das Gesicht frei.W. Taylor: The Case of the inviable Inuit Reconciling Archaeology, History and Oral Tradition in the Gulf of St. Lawrence. 1979. In: Al' McCartney (Hrsg.): Thule Eskimo Culture: An Archaeological Retrospective, Canada. Nationalmuseum of Man. Mercury Series, Archaeological Survey Paper 88, Ottawa. Sekundärquelle: Jill Oakes, Rick Riewe: Die Kunst der Inuit-Frauen. Stolze Stiefel, Schätze aus Fell. Frederking & Thaler, München 1996, S. 101.
Bis zum Ersten Weltkrieg nutzte die moderne Pelzmode fast nur das von der Granne befreite Sealfell. Grannige Seehundfelle waren so wenig gefragt, dass es am Pelzzentrum Leipziger Brühl nur eine einzige kleine Firma gab, die sich darauf spezialisiert hatte. Die Felle wurden nur für Schuhe, Skibelag und vereinzelt für die Außenseite von Fußtaschen genutzt.Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg. 2. Forts. In: Rund um den Pelz Nr. 2, Februar 1966, Rhenania Verlag Koblenz, S. 86. Erst nach dem Krieg begann mit den Whitecoat- und Bluebackfellen der erhebliche Eingang der Haarseehunde in die Rauchwarenbranche. Besonders für die Konservierung der Rohfelle mussten zum Schutz gegen Vergilbung besondere Verfahren entwickelt werden. Hinzu kamen bald Bleichen und Färbungen, die das Material modisch interessant machten. Im Laufe der Zeit kamen Seehundvarianten wie Neufundländer, Grönländer, Isländer sowie die Seehunde von der Atlantikküste hinzu. Durch verbesserte Zurichtung dünneres und leichteres Leder, Entgilbung und optische Bleiche wurde die Fellart noch attraktiver.Anton Ginzel: 60 Jahre Rauchwarenveredlung. In: Die Pelzwirtschaft. Verlag Die Pelzwirtschaft 1. Januar 1965, Berlin, S. 50.
Bei ihrer Studienfahrt nach Paris im Jahr 1929 besuchten die Kürschner auch das exklusive Pelzmodehaus Fourrures Max, Inhaberin Mme. Leroy. Im zweiten Salon hatten sie Gelegenheit, einen großen Teppich aus Seehundfell zu sehen, der auf der Internationalen Kunstgewerbeausstellung Paris einen Ersten Preis bekommen hatte.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 2. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 223 (Kollektion G. & C. Franke).
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ das Interesse an dem Material nach, nicht zuletzt durch Kampagnen von Tierschützern, bis der Gesetzgeber den Handel aller Seehundfelle in der Europäischen Union ab 2010 weitgehend verbot. Ausnahmen gelten für Felle oder Produkte, die aus einer von Eskimos oder anderen indigenen Gemeinschaften betriebenen Robbenjagd, aus der Bewirtschaftung von Meeresressourcen stammen oder zum persönlichen Gebrauch von Reisenden eingeführt werden. Seitdem versucht man in Dänemark, von wo aus diese Felle weltweit gehandelt werden, mit Designerkollektionen Kleidung aus Seehundfell wieder populärer zu machen. 2016 wurde die Kollektion von dem Dänen Jesper Høvring gestaltet.www.kopenhagenfur.com: Galleri: Se Jesper Høvring og Great Greenlands smukke sælkreationer. 9. Februar 2016 (dänisch). Abgerufen am 13. Mai 2016.
Mit Wirkung zum 16. Mai 2017 wurde in Kanada der 20. Mai jedes Jahres zum „National Seal Products Day“ (Nationaler Tag der Robbenprodukte) erklärt. Die Präambel des Gesetzes besagt unter anderem: In der Erwägung, dass die Menschheit seit Tausenden von Jahren auf die Ressourcen des Meeres, darunter Robben und andere Meerestiere, als Nahrungsquelle angewiesen ist; in Anbetracht dessen, dass die indigenen Völker und Küstengemeinden Kanadas traditionelles Wissen über die Nutzung der Meeresressourcen entwickelt haben; in der Erwägung, dass dieses traditionelle Wissen sowie die Traditionen, die Kultur und das Erbe der indigenen Völker und Küstengemeinden Kanadas hinsichtlich der Nutzung der Meeresressourcen bewahrt und anerkannt werden sollten; […] Und in der Erwägung, dass die Bedeutung der Robbenjagd für Kanadas Ureinwohner, Küstengemeinden und die gesamte Bevölkerung durch die Erklärung des 20. Mai zum Nationalen Tag der Robbenprodukte gewürdigt werden sollte, erlässt Ihre Majestät nun mit dem Rat und der Zustimmung des Senats und des Unterhauses folgendes: Dieses Gesetz kann als „Gesetz zum Nationalen Tag der Robbenprodukte“ zitiert werden; in ganz Kanada wird der 20. Mai jedes Jahr als „National Seal Products Day“ bezeichnet.National Seal Products Day Act S.C. 2017, c. 5. Assented to 2017-05-16 Justice Laws Website (englisch). Abgerufen am 30. Juni 2024.
Pelzrobbe (Seebär, Bärenrobbe)
Die Unterwolle der Seal- oder Sealskinfelle, anfangs und für lange Zeit ein Hauptartikel der modernen Pelzmode, ist kupferfarbig. Nach dem Ausrupfen des harten Oberhaars bleibt die weiche Unterwolle, der haltbare Pelz ist als Sealskin oder Furseal im Handel, das relativ schwere Fell spielte jedoch in den letzten Jahrzehnten in Deutschland keine Rolle mehr. Am Anfang wurde das Fell nur entgrannt, eine Pelzveredlungsart die in China schon sehr lange bekannt war. 1796 schaffte dies auch der Engländer Thomas Chapman, was den Preis für Sealfelle schlagartig in die Höhe trieb.Under Eight Monarchs – 1823–1953, C. W. Martin & Sons, Ltd., London 1953, S. 5 (englisch). Chapman selbst konnte von seiner vorangegangenen sechsmonatigen Versuchsarbeit nicht profitieren, bevor er damit auf den Markt kam, wurde es bereits kopiert, auch scheiterte sein Versuch bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des Oberhauses eine Entschädigung zu erwirken.Francis Weiss: From Adam to Madam. Aus dem Originalmanuskript Teil 2 (von 2) (ca. 1980/1990er Jahre), im Manuskript S. 232 (englisch). Am 12. April 1881 wurde das Patent für eine Enthaarungsmaschine der in den USA lebenden Brüder Gustave (* 1841 in Wien; † 5. Juni 1914) und Ferdinand (* 1856; † 11. Januar 1905) Cimiotti eingetragen. Die Firma Cimiotti Brothers wurde 1914 aufgelöst, als Cimiotti Unhairing Company (Cimiotti-Enthaarungs-Gesellschaft) bestand sie jedoch noch nach dem Tod des letzten Bruders weiter.Albert Lord Belden: The Fur Trade of America and Some of the Men who Made and Maintain it: Together with Furs and Fur Bearers of Other Continents and Countries and Islands of the Sea. Peltries Publishing Company, 1917, S. 152–153. Zuletzt abgerufen am 9. März 2018.
Mähnenrobbe Zu Pelzzwecken werden nur die Felle junger Tiere einiger Arten mit dichter Unterwolle der zu den Seelöwen gehörenden Mähnenrobbe verarbeitet. Die Barthaare der Seelöwen wurden insbesondere in China als Zahnstocher verwendet.
Für den Pelzhandel von Bedeutung ist nur die Mähnenrobbe, die an den Küsten Südamerikas lebt. Das etwa 60 bis 80 cm große Fell der Jungtiere kommt als Rockseal in den Welthandel. Die Behaarung ist sehr kurz, seidig, dunkel- bis mittelbraun und mehr oder weniger stark moiriert. 1935, in einer Zeit in der Fohlenfelle langsam knapper wurden, waren Rocksealfelle mit ihrem fohlenähnlichen Moirémuster ein „willkommener Ersatz“ als Jacken- und Mantelmaterial.Redaktion: Rockseal – ein Jacken und Mäntelmaterial. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 37, Beiblatt Die Pelzkonfektion Nr. 9, Leipzig, 11. Mai 1935.
1920 bis 1930 erreichte der jährliche Anfall zeitweilig bis zu 200.000 Felle. 1988 bezifferte man den Jahresanfall mit etwa 5.000 bis 10.000.