mini|Magnus von Levetzow als Polizeipräsident von Berlin (1933) Magnus Otto Bridges von Levetzow (* 8. Januar 1871 in Flensburg; † 13. März 1939 in Berlin) war ein deutscher Marineoffizier und Politiker (NSDAP).
Im Ersten Weltkrieg diente er als Kapitän zur See und zuletzt Kommodore der Kaiserlichen Marine und war in der Endphase des Krieges ab August 1918 Chef des Stabes der Seekriegsleitung. Als Konteradmiral unterstützte er 1920 den Kapp-Putsch und wurde anschließend aus der Reichsmarine entlassen.
Von 1928 bis Ende 1932 wirkte er als politischer Bevollmächtigter des ehemaligen Kaisers Wilhelm II. sowie als Vermittler zwischen monarchistischen und nationalsozialistischen Gegnern der Weimarer Republik. Ab 1932 gehörte Levetzow der NSDAP an und wurde Mitglied des Reichstages. Während der NS-Herrschaft war er von Februar 1933 bis Juli 1935 Polizeipräsident in Berlin.
Leben Herkunft Magnus war der Sohn des preußischen Hardesvogts und vormaligen dänischen Kammerjunkers Kay Diederich Franz von Levetzow (* 1835; † 1899) und dessen Ehefrau Maria, geborene von Hedemann (* 1839; † 1926).Vgl. Moritz Maria von Weittenhiller: Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter. 1878. Dritter Jahrgang, Buschak & Irrgang, Brünn/Wien 1877, S. 427. Sein Großvater Wilhelm von Hedemann (1807–1854) war dänischer Kammerherr, Hauptmann und Hofkavalier der Herzogin Wilhelmine von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.
Kaiserreich Levetzow wurde bis 1880 in Gravenstein in Nordschleswig von Privatlehrern unterrichtet. Anschließend besuchte er bis 1885 Gymnasien in Roskilde und Kopenhagen, danach bis 1889 das Johanneum in Hamburg.
Zum 13. April 1889Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1918. Verlag E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1918, S. 10. trat Levetzow in das Kadettenkorps der Kaiserlichen Marine ein. 1893 legte er die Seeoffiziersprüfung ab. In den folgenden sechs Jahren wurde er als Bordoffizier in heimischen und überseeischen Gewässern (vor Ostafrika) eingesetzt. Von 1899 bis 1901 war Levetzow Adjutant der Matrosendivision Wilhelmshaven. Von 1900 bis 1902 wurde er an der Marineakademie fortgebildet. Anschließend wurde er als Admiralstabsoffizier (Stabschef) der Kreuzerdivision auf der Ostamerikanischen Station eingesetzt. Von 1903 bis 1906 war Levetzow beim Admiralstab in Berlin und Admiralstabsoffizier beim Stab der Herbstübungsflotte. Während dieser Zeit beteiligte er sich an der Planung der Blockade verschiedener venezolanischer Häfen durch die Seestreitkräfte europäischen Mächte im Jahr 1903.
Von 1906 bis 1918 war er ohne Unterbrechungen der Hochseeflotte als Geschwadernavigationsoffizier zugeteilt. In diesen Jahren diente er auf der Wittelsbach bzw. der Scharnhorst und der Braunschweig. 1907 heiratete er. Von 1909 bis 1912 war Levetzow 1. Admiralstabsoffizier des Kommandos der Hochseeflotte. Von 1912 bis 1913 war er Kommandant des Kleinen Kreuzers Stralsund. Ende Januar 1913 wurde Levetzow zum Kapitän zur See befördert und zum Kommandanten des Schlachtkreuzers Moltke ernannt, den er bis 1916 befehligte.
Während der ersten zwei Jahre des Ersten Weltkrieges befehligte Levetzow die Moltke. Im November und Dezember 1914 beteiligte er sich an den deutschen Angriffen auf Yarmouth und Hartlepool. Im Januar 1915 nahm er mit der Moltke am Gefecht auf der Doggerbank und 1916 an der Skagerrakschlacht teil.
1916 wurde Levetzow zum Chef der Operationsabteilung beim Stab der Hochseestreitkräfte berufen. 1917 übernahm er die Leitung des Stabes des Flottenkommandos zur Eroberung der Baltischen Inseln. Im selben Jahr wurde ihm für seine Rolle bei der Planung der Operation Albion, der amphibischen Landung auf den Baltischen Inseln, der Orden Pour le Mérite verliehen. Seit Januar 1918 im Rang eines Kommodores fungierte er zeitweise als Führer der 2. Aufklärungsgruppe (Kleine Kreuzer) der Hochseeflotte. Im August 1918 wurde Levetzow zum Chef des Stabes der zu dieser Zeit neugebildeten Seekriegsleitung (der Zusammenfassung der früheren dreigliedrigen Marineleitung) unter Reinhard Scheer im Großen Hauptquartier ernannt.
Gerhard Granier kennzeichnete Levetzow in seiner umfassenden StudieGerhard Granier: Magnus von Levetzow. Monarchist und Wegbereiter Hitlers. In: Schriften des Bundesarchivs. 31, Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1982, ISBN 3-7646-1824-8. als Menschen, der „zu strategischem Denken im Grunde nicht fähig war“,Gerhard Granier, Levetzow-NDB, Berlin 1985, S. 21. sowie als „Katastrophenstrategen, als der er gegen Ende des Krieges nicht in der Theorie, sondern durch die Tat in Erscheinung treten sollte.“Gerhard Granier, Levetzow-NDB, Berlin 1985, S. 22.
Im Oktober 1918 hatte er maßgeblichen Anteil an der Entscheidung der Seekriegsleitung, der deutschen Hochseeflotte den Befehl zu erteilen, die britische Grand Fleet anzugreifen. Große Teile der Besatzungen verweigerten diesen Befehl, weil sie die Sinnlosigkeit solcher Entscheidungen angesichts der bereits bevorstehenden Niederlage Deutschlands begriffen hatten. Dies führte nach den Verhaftungen der Matrosen, die ein Auslaufen der Flotte verhindern wollten, dann zum Kieler Matrosenaufstand, der die Novemberrevolution auslöste.Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Verlag C. H. Beck München 1993, S. 27 ff.
Rechtfertigung der Marineführung und Levetzows für den geplanten Flottenvorstoß Die Regierung Max von Badens verlangte Auskunft über die Vorgänge um den verhinderten Flottenvorstoß. Es kam zu einer Vorbesprechung der Marineführung am 3. November in Wilhelmshaven. In dieser Vorbesprechung einigte man sich auf die Darstellung, die Seekriegsleitung habe nach Einstellung des uneingeschränkten U-Bootkrieges nunmehr die rein militärische Verwendung der U-Boote in größerem Maßstab durch Auslegen von U-Bootlinien im Halbkreis um die deutschen Nordseehäfen geplant. Um den Feind in den Sperrkreis hineinzulocken, sollte die Flotte einen Ausfall in Richtung der Hoofden (niederländische Bezeichnung der südlichen Nordsee nördlich der Straße von Dover) machen. Wäre es den Engländern gelungen durchzubrechen, hätte dies zu einer Bedrohung der deutschen Küste geführt und die Flotte gezwungen, das Vaterland gegen diesen Angriff zu verteidigen.Wilhelm Deist: Die Politik der Seekriegsleitung und die Rebellion der Flotte Ende Oktober 1918. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 4. Heft, Stuttgart 1966, S. 341–368, hier S. 366 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Februar 2020) unter: PDF.Holger H. Herwig: Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland. Hamburg 1977, S. 199.
Aufgrund der revolutionären Ereignisse kam es dann jedoch nicht mehr zu einem Gespräch mit der Regierung. Admiral Franz von Hipper, Chef der Hochseeflotte, gab Ende November 1918 einen „amtlichen“ Bericht heraus, in dem er eine neue Version lieferte: Danach war geplant, den rechten Flügel des Heeres zu entlasten, indem der Nachschub der Engländer behindert werden sollte. Wenn dann die englische Flotte herangerufen worden wäre, hätten die vorher in Stellung gebrachten deutschen U-Boote „ihr Glück versuchen“ können.Anonym: Die letzte Ausfahrt der Kaiserklasse. In: Kieler Neueste Nachrichten, Kiel, 20. November 1918, S. 2. Vermutlich sah Hipper sich genötigt, eine neue Version zu liefern, weil in der Version seiner vorgesetzten Kommandobehörde die Frage offenblieb, warum denn für die von ihnen beschriebene Operation die gesamte Hochseeflotte in Aktion treten sollte.
Zu ihren wahren Absichten bekannten sich die Planer vor einer größeren Öffentlichkeit erst im Münchner Dolchstoßprozess (Okt./Nov. 1925). Doch schon vorher hatte bereits Scheer 1919 die Absicht angedeutet und Levetzow hatte 1924 im April-Heft der Süddeutschen Monatshefte die tatsächliche Planung erstmals zugegeben.Derselbe: Magnus von Levetzow: Der letzte Akt. In: Süddeutsche Monatshefte. Jg. 21 (1924), Heft 7 S. 55–71. In diesem Beitrag berichtete Levetzow auch, dass der Kaiser am 26. Oktober 1918 bei einem Marine-Thronvortrag gesagt habe, er (Kaiser Wilhelm II.) habe der am selben Tag im Reichstag beschlossenen Unterstellung der Militärgewalt unter die Zivilgewalt seine Zustimmung erteilt. Dabei lieferte Levetzow keine Erklärung für den offensichtlichen Ungehorsam gegenüber seinem früheren obersten Kriegsherrn. Dass er sich der inzwischen eindeutig übergeordneten Regierung widersetzte, erklärte Levetzow damit, dass sich die Regierung Max von Badens falsch verhalten habe, und er machte insbesondere das „vaterlandslose Gebaren“ der Regierungsmitglieder Payer (DVP) und Scheidemann (MSPD) für Deutschlands Niederlage und den aus seiner Sicht übereilten Waffenstillstand verantwortlich:
„… der Einsatz der Hochseeflotte in dieser Stunde […] blieb eine Lebensfrage für die Marine und eine Ehrenfrage für ihre […] Besatzungen – ehe unsere ruhmgekrönte stolze Flotte, die Siegerin der Skagerrak-Schlacht, ehe sie zum Handelsobjekt in einem schimpflichen Frieden würde, war ihr Einsatz erforderlich. Der verantwortliche Entschluß hierzu war und bleibt richtig.“Magnus von Levetzow: Der letzte Akt. In: Süddeutsche Monatshefte. Jg. 21 (1924), Heft 7, 66.
Levetzow gab damit offen zu, dass sich die Marineführung der Regierung widersetzte und dass die von Ludendorff geforderten Friedensbemühungen unterlaufen werden sollten.
Weimarer Republik Im Januar 1920 erhielt Levetzow als Konteradmiral das Kommando über die Marinestation der Ostsee in Kiel. Gleichzeitig wurde er zum Kommandanten der Stadt Kiel ernannt. Während des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920 unterstützte er die Putschisten. Laut dem Eintrag in seinem dienstlichen Tagebuch vermutete er, dass Reichspräsident Ebert und Reichswehrminister Noske in Hamburg seien, und gab Befehl, sie bei etwaiger Ankunft in Kiel sofort zu verhaften.Dirk Dähnhardt, Gerhard Granier (Hrsg.): Kapp-Putsch in Kiel. Hrsg. Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66, Kiel 1980, S. 21. Noch nach Kapps Rückzug ließ Levetzow zunächst noch weiterputschen und erteilte den Soldaten folgenden Befehl: „Für uns Soldaten kommt es darauf an, in einheitlicher Front in Verein mit Sicherheitspolizei, Einwohnerwehr und technischer Nothilfe den von den Kommunisten angekündigten Kampf mit aller Aufopferung zum Heile des Vaterlandes zu bestehen.“Bundesarchiv - Militärarchiv: Berlin, 17. Mai 1920 Anlage 1, unterzeichnet: Reichswehrgruppenkommando 1 la Nr. Handschriftlich: Funker, gemäß Klaus Kuhl: Erbitterte Kämpfe im März 1920. Kiel 1980.
Nach dem Scheitern des Putsches wurde er in Lütjenburg festgenommen, kurze Zeit in Haft gehalten und anschließend aus der Reichsmarine entlassen.
Von 1924 bis 1926 war Levetzow als Mitarbeiter in den Luftverkehrsgesellschaften der Firma Junkers beschäftigt. In dieser Zeit engagierte er sich für die Restitution des im niederländischen Exil lebenden ehemaligen deutschen Kaisers Wilhelm II.
Im Jahr 1928 ernannte der frühere Kaiser v. Levetzow zu einer Art politischen Generalbevollmächtigten. Seine Aufgabe bestand darin, die „disparaten monarchistischen Gruppen zu sammeln“, wobei ihm allerdings keine großen Erfolge beschieden waren.Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen Verlag, Berlin 2021, S. 234. Er erhielt dafür eine monatliche Zuwendung von 2000 Reichsmark (heutige Kaufkraft ca. 15.000 €),Willi Jasper: Der Bruder, Heinrich Mann. Eine Biographie. 1. Auflage, Verlag Hanser, München/Wien 1992, ISBN 3-446-16185-6, S. 236. die später auf 1500 RM gekürzt wurde.Gerhard Granier, Levetzow-NDB, Berlin 1985, S. 185. 1929/30 beteiligte Levetzow sich an der Organisierung des Volksbegehrens gegen den Young-Plan. Zur selben Zeit plante er den ehemaligen Reichskanzler Wilhelm Cuno als Kandidaten für das Amt des Reichspräsidenten, dessen Wiederwahl 1932 anstand, aufzubauen, eine Initiative, für die er unter anderem auch Hitler kurzzeitig gewinnen konnte.