mini|hochkant|Wappen der Herren von Rötteln in der Zürcher Wappenrolle mini|Wappen der Herren von Rötteln auf einem Epitaph an der Kirche von Rötteln. Die Herren von Rötteln waren ein im Raum Basel beheimatetes Adelsgeschlecht, das zwischen 1102/3 und 1316 urkundlich nachgewiesen ist. Die Familie, deren Burg bei Lörrach lag, hatte großen Besitz im südlichen Breisgau und dort vor allem im Wiesental, wo ein Familienangehöriger Schopfheim zur Stadt erhob. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts war die Familie auf dem Höhepunkt ihrer Macht, die Röttler Walther und Lüthold I. wurden Bischöfe von Basel, Lüthold II. stand als Dompropst und Elekt kurz davor. Mit ihm starb die Familie 1316 im Mannesstamm aus und wurde von den Markgrafen von Hachberg-Sausenberg beerbt. Die Röttler Erbschaft war ein wichtiger Schritt bei der Entstehung des späteren Markgräflerlandes.

Geschichte Die Zeit der Dietriche Die Herren von Rötteln werden 1102/3 erstmals genanntIn der Literatur (siehe z. B. Johann Wilhelm Schmidt: Die Badische Markgrafschaft: 1 ) wie auf Webseiten (siehe z. B. www.breisgau-burgen.de) findet sich immer wieder der Hinweis, dass einer der Herren von Rötteln bereits 938 am vermeintlich ersten Ritterturnier in Magdeburg teilgenommen habe. Dies geht auf das Turnierbuch des Georg Rüxner zurück hier Link auf die Ausgabe 1566; „Ruprecht Grave zu Rettel“. Obwohl bereits Aegidius Tschudi 1541 das Turnierbuch als Fälschung bezeichnete, wurde der Inhalt in die letzte Ausgabe der Cosmographia (Sebastian Münster) von 1628 (siehe S. 1204; Internet Archive) übernommen. Mit Bezug darauf wurde diese Fehlinformation auch von Johann Christian Sachs mit Vorbehalt genannt . Bei Friedrich Holdermann: Aus der Geschichte von Roetteln. Zur Erinnerung an die Jubelfeier des fünfhundertjährigen Bestehens und der Neuherstellung der Kirche, Gutsch, Lörrach 1903, S. 7 wird ohne Angabe einer Quelle von einem „Walther von Rötteln“ gesprochen, der 938 an einem Turnier in Magdeburg teilgenommen habe. So wurde aus „Ruprecht Grave zu Rettel“ dann in den zeitweise vom Röttelnbund ausgegebenen Flyern zur Burgruine Rötteln „Walther von Rötteln“. In jedem Fall ist das Geschlecht derer von Rötteln vor 1102 nicht nachweisbar., als der Basler Bischof Burkhard von Fenis einen Herren T. von Rötteln zum Vogt über die rechtsrheinischen Besitzungen des Klosters St. Alban machte. Der Name T. wird dabei in der Literatur einstimmig als „Dietrich“ (Theodericum) angesehen. Zu den von Dietrich von Rötteln bevogteten Gebieten gehörten unter anderem die Kirchen von Lörrach, Hauingen und Kandern sowie Besitz in Rheinweiler und Ambringen.Schwarzmaier, Lörrach, S. 118; Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, Regest Nr. 4, für den Text siehe auch Joseph Trouillat, Monuments de l' Histoire de l'ancien évêché de Bale, Band 1, Porrentruy, 1852, Urkunde Nr. 146, S. 214–218, insbesondere S. 217 online in der Google-Buchsuche; lateinisch. In den folgenden Jahren vergrößerte sich der rechtsrheinische Besitz St. Albans weiter, wobei eine gewisse Konzentration in der Umgebung Lörrachs zu sehen ist.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 118.

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erscheinen lediglich Familienangehörige mit dem Namen Dietrich. Da weitere Charakterisierungen fehlen, ist eine genauere Zubenennung oder Genealogie schwierig,Schomann, Hagen (Lörrach, LÖ): Burg Rötteln, S. 235. ein von Otto Konrad Roller versuchter Stammbaum unterscheidet Dietrich I. (genannt bis 1123) von Dietrich II. (genannt zwischen 1135 und 1147).siehe den von Roller erarbeiteten Stammbaum im Anhang zu Geschichte der Edelherren von Rötteln Ab 1147 bleibt es fast drei Jahrzehnte lang gänzlich still um die Familie, erst 1175 erscheint wieder ein Dietrich von Rötteln. Eine mögliche Erklärung ist, dass der vor 1147 genannte Dietrich (II.) recht jung, möglicherweise auf dem Zweiten Kreuzzug, verstarb. Seine Witwe heiratete wahrscheinlich einen Herren von Tegerfelden.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 9f. So lässt sich auch erklären, dass der ab 1175 genannte Dietrich (III.) den Kleriker Konrad von Tegerfelden als seinen Bruder bezeichnete. Umgekehrt stiftete auch Konrad später eine Jahrzeit für das Seelenheil unter anderem seines „Bruders“ Dietrich von Rötteln.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 123, Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, Regest Nr. 16. Die Verbindung mit Tegerfelden scheint auch die Namensgebung der Röttler beeinflusst zu haben, denn unter den Kindern Dietrichs III. finden sich mit Konrad und Lüthold die Namen seines mutmaßlichen Halbbruders und Stiefvaters. Dietrich III. erscheint ab 1187 nicht mehr in den Urkunden.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 10. 1204 stiftete sein Halbbruder Konrad von Tegerfelden eine Jahrzeit für ihn und andere Angehörige.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 10; für die Jahrzeit siehe Roller, Regesten, Nr. 16; Wie für Dietrich II. zieht Roller auch für diesen Röttler einen Tod auf dem Kreuzzug in Betracht. Lamke, Cluniacenser am Oberrhein, S. 349 sieht die Kreuzzugshypothese für die beiden Dietriche eher skeptisch.

Auch Dietrich III. starb wahrscheinlich relativ jung, und es wird angenommen, dass sein Halbbruder Konrad von Tegerfelden, der zu diesem Zeitpunkt bereits Konstanzer Domherr war, sich der Kinder Dietrichs annahm.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 10 Mit ihnen, den vier Brüdern Walter/Walther, Lüthold, Konrad und Dietrich (IV.), wird die Familie deutlicher fassbar und erreichte einen Höhepunkt an Macht und Entfaltung.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 123

Die Bischöfe Walther und Lüthold mini|hochkant|Das Wappen von Bischof Lüthold II. mit dem Röttler Wappen und dem Basler Bischofsstab mini|links|Münze (Brakteat) mit Bild von Lüthold von Rötteln Die beiden mutmaßlich ältesten Söhne Dietrichs III. schlugen eine kirchliche Laufbahn ein. Walther von Rötteln trat 1209 oder davor als Domherr in das Konstanzer Domkapitel ein. Offenbar von seinem inzwischen zum Konstanzer Bischof aufgestiegenen Stiefonkel Konrad von Tegerfelden gefördert, wurde Walther 1211 gegen den Widerstand einer Fraktion des Domkapitels Dompropst. Die unterlegene Fraktion wandte sich in der Sache an den Papst, unterlag jedoch.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 12 1213 wurde er zum Bischof von Basel gewählt, und in der Folgezeit tritt er in den Urkunden in der Umgebung König Friedrichs II. auf. Schon bald kamen gegen ihn jedoch Klagen auf, dass er Kirchengut verschwendet habe, und 1215 wurde er abgesetzt.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 123. Die Urkunden, in denen Walther in der Umgebung Friedrichs II. erscheint, sind unter anderem in den Regesta imperii, Band V zu finden: Nr. 711, Nr. 717, Nr. 718, Nr. 724, Nr. 725, Nr. 754, Nr. 755, Nr. 758, Nr. 759, Nr. 760, Nr. 761, Nr. 762, Nr. 765, Nr. 766, Nr. 789 und Nr. 793 Walther kehrte in das Bistum Konstanz zurück. Auf die Stellung als Dompropst hatte er nach seiner Wahl zum Bischof verzichtet, sodass er nun zunächst nur einfacher Domherr war, später jedoch Konstanzer Erzpriester, Archidiakon von Burgund und Konstanzer Domscholast wurde.

In das Konstanzer Domkapitel war inzwischen auch Walthers Bruder Lüthold eingetreten, der seit 1215 als Domherr in Urkunden erscheint.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 14f. In den folgenden Jahren erscheinen Walther und Lüthold oft gemeinsam als Zeugen in Urkunden des Bistums, bevor Walther 1231 oder 1232 verstarb.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 14f. und die Regesten Nr. 48, 52, 53, 55–58, 61f., 68, 70, 72–75, 77, 78, 80–82 Lüthold bekleidete in Konstanz die Ämter des Archidiakons des Breisgaus und des Archidiakons von Burgund, bevor er 1238 zum Bischof von Basel gewählt wurde.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 15 Als solcher ist er Lüthold II. Im Streit zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papst zeigte er sich als sehr papsttreuRoller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 17f., Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 124 und geriet deswegen in einen Konflikt mit dem eher kaiserlich gesinnten Bürgertum der Stadt: 1247 wurde er aus Basel vertrieben, die Bischofspfalz wurde gestürmt und zerstört. Lüthold trat 1248 als Bischof zurück und verstarb 1249.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 22

Die weltlichen Herren von Rötteln mini|hochkant|Siegel Konrads von Rötteln mini|hochkant Die beiden verbleibenden Brüder Konrad und Dietrich IV. verwalteten den Röttler Besitz wohl zunächst gemeinsam, erst später scheint es eine Teilung gegeben zu haben: Konrad behielt die Burg Rötteln, Dietrich zog auf die Rotenburg bei Wieslet und begründete die Nebenlinie der Rotenberger. Einige Besitztümer wurden jedoch weiterhin gemeinsam verwaltet, so zum Beispiel die Lehensherrlichkeit über die Vasallen.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 23 Der Name der Rotenburg und der nach ihr benannten Seitenlinie wurde wahrscheinlich aufgrund der klanglichen Anlehnung an Namen und Burg der Hauptlinie gewählt.Christian Adolf Müller: Adels- und Burgennamen im Umkreis von Basel, Alemannisches Jahrbuch, 1961, S. 53. Dietrich IV. starb vor 1248.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 125. Konrad, der mit einer Tochter des Grafen Ulrich von Neuenburg verheiratet war, übernahm offenbar die Vormundschaft über Dietrichs Kinder Dietrich (V.), Konrad und Walter.Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 23, für die Namen der Kinder siehe Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 125; Roller nennt nur Dietrich und Konrad als Kinder In Konrads Zeit fällt wahrscheinlich die Erhebung Schopfheims zur Stadt sowie die Errichtung einer Tiefenburg dort; da Konrad außerdem in der Schopfheimer Pfarrkirche St. Michael begraben wurde, wird er als Stadtgründer Schopfheims angesehen.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 147. Konrad von Rötteln hatte drei Söhne: Walter (II.), Otto und Lüthold. Lüthold schlug eine geistliche Laufbahn ein (siehe hierzu unten mehr), Walter und Otto verwalteten den Besitz gemeinsam. Walter verstarb jedoch offenbar relativ früh und ohne Erben. Danach kümmerte sich Otto um die Verwaltung der Röttler Herrschaft und trat dabei auch in mehreren Fehden auf.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 143. Bei den Auseinandersetzungen der Basler Ritterbünde Psitticher und Sterner werden die Herren von Rötteln auf der Seite der Psitticher verortet.Die Chronik des Mathias von Neuenburg (= Die Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit. Bd. 84). Übers. von Georg Grandaur. Mit Einleitung von Ludwig Weiland. 3. Auflage. Dyk, Leipzig 1912., S. 11. Nach der Aussöhnung der beiden Parteien scheint sich auch Otto an die Habsburger angenähert zu haben und erhielt von König Albrecht unter anderem die Ämter des Burggrafen von Rheinfelden und des Reichsvogtes von Basel.Schwarzmaier, Lörrach im Mittelalter, S. 143, Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln, S. 30.