Georg Eduard Gildemeister (* 5. Februar 1848 in Bremen; † 6. September 1946 in Oldenburg) war ein deutscher Architekt.
Biografie Gildemeister war der Sohn des Bremer Kaufmanns Martin Wilhelm Eduard Gildemeister und Friederike, geb. Steinbrügge. Die alteingesessene Familie war durch ihre künstlerische Tätigkeit in Bremen und auch in Deutschland bekannt; Kaufleute und Senatoren kamen aus dieser Familie.
Gildemeister besuchte das Alte Gymnasium in Bremen. 1867 begann er sein Studium an der Polytechnischen Schule Hannover und wechselte ein Jahr später an die Winterbaugewerkeschule Stuttgart, wo er bis 1870 studierte und der Studentenverbindung „Akademische Gesellschaft Sonderbund“ angehörte. Während seiner Studienjahre setzte er sich besonders mit der Verschmelzung von antiker Architektur und deutscher Gotik auseinander.Kurt Kofelius: Die Tide. 1928. Von 1871 bis 1873 arbeitete er für kurze Zeit bei Ludwig Bohnstedt in Gotha und im Stadtbauamt Berlin. 1876 begann er im Architekturbüro Mylius und Bluntschli in Frankfurt am Main. Dort wirkte er unter anderem am prämierten (1. Platz), jedoch später nicht ausgeführten Wettbewerbsentwurf des Hamburger Rathauses mit. Vor seiner Zeit in Bremen erwarb Gildemeister während einer siebenmonatige Reise durch Italien, u. a. mit Ludwig Eisenlohr und Friedrich v. Thiersch, umfassende Kenntnisse über die Kunstformen der Antike und der italienischen Renaissance.
In Bremen arbeitete Gildemeister von 1878 bis 1886 teilweise in einer Architektengemeinschaft mit dem Architekten Henrich Deetjen. 1892 schloss er eine neue Arbeitsgemeinschaft mit dem erfahrenen Architekten für Neugotik, Wilhelm Sunkel, der zuvor bereits mit Heinrich Müller tätig war. Die Formen der italienischen Renaissance bestimmen das Erscheinungsbild seiner Bauten, sie sind immer maßvoll und zurückhaltend in ihrem Auftreten.
1888 heiratete Gildemeister Agnes Helene Auguste Habenicht und zog mit ihr von der Lärchenstraße in ein gemeinsames Haus in der Kohlhökerstraße 38. Beide hatten von 1889 bis 1903 neun Kinder, von denen zwei, Eberhard (1897–1978) und Hermann (1891–1984), auch als Architekten tätig waren.
Gildemeister befasste sich nicht nur mit dem Entwurf von Stadtvillen und Landhäusern, er war auch für den Arbeiterwohnungsbau tätig. Aus sozialem Engagement heraus entwickelte er für den Gemeinnützigen Bremer Bauverein Arbeiterhäuser einer Wohnsiedlung im Bremer Westen, direkt am Hafendeich: das Waller Wied. In den ländlichen Regionen fügten sich seine Sommer- und Landhäuser in das Umgebungsbild durch den von ihm gepflegten akademischen Schweizerstil ein. Sein Freund, der Architekt Friedrich Wilhelm Rauschenberg, schrieb 1918 zu Gildemeisters 70. Geburtstag in der Weser-Zeitung über die Funktionalität von Gildemeisters Bauten: „Gildemeister baut seine Häuser wirklich zum täglichen Bewohnen, zur behaglichen Daseinsfreude der Familie und Türgriffe und -schlösser, Türen und Fenster spielen dabei fast wichtigere Rollen als Stuck und Malerei. Oder um es richtig auszudrücken, er fasste von Anfang an seine Kunst als Raumkunst auf, nicht sowohl um die Räume zu schmücken, sondern vielmehr um sie schön gestaltet dem gewohnten Bremer Lebensbedürfnis dienen zu lassen.“
Gildemeister erhielt seine Aufträge zumeist von privaten Bauherren. An größere öffentliche Bauaufgaben gelangte er über Wettbewerbsausschreibungen. Erfolgreich konnte er u. a. den Bau des neuen St. Petri Waisenhauses an der Stader Straße, die Badeanstalt am Steffensweg und besonders prestigeträchtig die Außenfassaden der Kunsthalle in Bremen ausführen. Sein Fassadenentwurf der Kunsthalle hatte im Wettbewerb 1899 den 1. Platz in Kombination mit dem Innenraumentwurf von Albert Dunkel errungen. Die Umgestaltung der Außenfassaden der Kunsthalle zählt zu seinen eindrucksvollsten Werken. 1908 beteiligte er sich in Gemeinschaft mit dem im Kirchenbau erfahrenen Wilhelm Sunkel an der neuen Farbgebung der Ansgariikirche und 1922 an der Restaurierung der Liebfrauenkirche.
Gemeinsam mit anderen Architekten und Künstlern wurde er 1890 mit der Ausschmückung der Hansestadt zum Besuch des Kaisers Wilhelm II. beauftragt.Deutsche Bauzeitung. 1890, S. 211.
Er verfasste bereits in Italien Artikel für Tagesblätter, in Bremen dann später auch mehrfach Kunstkritiken für die Tageszeitung und schrieb für den Sammelband Bremen und seine Bauten 1900. Zu seinem Freundeskreis zählten unter anderen Hermann Allmers, Otto Gildemeister und Arthur Fitger.
Seinen Lebensabend verbrachte Gildemeister mit immer weiter abnehmender Sehkraft, so dass ihm das Ausmaß der Zerstörung Bremens im Zweiten Weltkrieg verborgen blieb. Im hohen Alter zog er nach Oldenburg.
Mitgliedschaften und Ehrungen
Mitbegründer des Architekten- und Ingenieur-Vereins und des Bundes Deutscher Architekten (Ehrenmitglied) Mitglied in der Kommission zur Erhaltung kunsthistorischer Denkmale und der Sachverständigenkommission für den Schutz von Baudenkmälern, Straßen- und Landschaftsbildern. Ehrenmitglied des Künstlerbundes Bremen, der Nordischen Kunsthochschule und der Gewerbekammer
Bauwerke mini|hochkant|Centraurenbrunnen am ursprünglichen Standort Ecke Schwachhauser Heerstraße / Bismarckstraße, um 1900. Im Hintergrund, Wohnhaus Heinrich August Gildemeister (1885) mini|hochkant|Villa Johann Smidt, Contrescarpe 32, 1891 mini|hochkant|Kontorhaus Engelhardt & Biermann, Langenstraße 128, 1891 mini|hochkant|Haus Hirschfeld, Osterdeich 17, 1898–1899 mini|hochkant|Villa Gartenstraße 7, Oldenburg, 1898 (heute Oldenburgische Landschaft) mini|192x192px|Erweiterung Kunsthalle Bremen, fertiggestellt 1904 mini|hochkant|Villa Ahlers, Parkallee 117, 1904 mini|hochkant|Villa Hermann Freiherr von Rossing, Gartenstraße 5, Oldenburg, 1906 mini|Haus Sonneck, Mercystraße 22, Freiburg im Breisgau, 1906|269x269px 1873: Wettbewerbsentwurf (2. Platz), Bürgerschulgebäude in GothaDeutsche Bauzeitung. Nr. 18, 1873, S. 72. 1875: Villa Dr. med. Bastian, Außer der Schleifmühle 65, erhalten; siehe 1878–1879: Kirche St. Georg, Kirchhuchtinger Landstraße 26, mit Henrich Deetjen, erhaltenRudolf Stein: Dorfkirchen und Bauernhäuser im Bremer Lande. 1967, S. 447–448. 1882: Wohnhaus Johann Matthias Gildemeister, Zusammenschluss aus zwei Wohnhäusern, ehem. Schleifmühle 22/23, mit Henrich Deetjen, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 446. 1883: Wohnhaus Carl Schütte, Rembertistraße 16, mit Henrich Deetjen, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 446. 1885: Wohnhaus Heinrich August Gildemeister, Schwachhauser Heerstraße 1/Ecke Bismarckstraße (ehem. Schwachhauser Chaussee 1 / Ecke Bismarckstraße), nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 447. 1888: Wohnbau Johann Duckwitz, Richard-Wagner-Straße 9, erhaltenDatenbank, Landesamt für Denkmalpflege Bremen 1888: Gut Lehnhof in Schönebeck für den Bankier Theodor Lürman, Holthorster Weg, nur die Parkanlage erhaltenVillena: Der Lehnhof Park Friedehorst. Gartendenkmalpflegerische und grünplanerische Bestandserfassung und Bewertung. 2013. 1888–1889: Landhaus Forsteck in Leuchtenburg für den Bankier Theodor Lürmann, Leuchtenburger Straße, nur Hofmeierhaus erhalten um 1890: Umbau des Kontorhauses Carsten und Suhling, Langenstraße (Bremen) 124, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 190 und 193. 1890: Tor an Mündung Sielwall/Osterdeich, Straßenschmuck zum Besuch Kaiser Wilhelm II. am 21. AprilDeutsche Bauzeitung. 1890, S. 211. 1890: Villa Senator Marcus, Contrescarpe 133, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 447. 1890: Zentaurenbrunnen Entwurf, Ausgeführt von August Sommer, Stifter Heinrich August Gildemeister, ehem. Standort Schwachhauser Heerstraße / Ecke Bismarckstraße bis 1958Mielsch: Denkmäler, Freiplastiken, Brunnen. 1980, S. 169. 1891: Villa Johann Smidt, Contrescarpe 32, ehem. Nr. 33, erhaltenBund Deutscher Architekten: Architektur in Bremen und Bremerhaven. 1988, Nr. 15. 1891: Arbeitersiedlung Waller Wied für Bremer Bauverein, Wiedstraße, Wiederaufbau 1950Erwin Simon: 75 Jahre Gemeinnütziger Bremer Bauverein 1887–1962. Bremen 1962. 1891: Villa Wilhelm August Korff, Villa Agathe, Am Nonnenberg 9–11, mit Wilhelm Sunkel, erhaltenKurt Lammek: Baudenkmale in der Freien Hansestadt Bremen. 3.7: Stadtteil Osterholz. 1982, S. 51. 1891: Kontorhaus Engelhardt & Biermann für Leopold Engelhardt und Friedrich Biermann, Langenstraße 128, mit Wilhelm Sunkel, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 396. 1891: Villa Carl Melchers, Umbau des Außenbereich, Contrescarpe 132, nicht erhalten 1893–1894: Doppelhaus, Richard-Wagner-Straße 38/40, erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 412. 1894–1896: Landhaus Carl Otto Hasse, Rockwinkeler Landstraße 41/43, mit Wilhelm Sunkel, erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 478. um 1895: Lesezimmer und Bibliothek der Domgemeinde im Garten des Domanbaus, mit Wilhelm Sunkel, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 313–314. 1896: Gärtnerhaus, Gärtner-Wohnhaus der Familie Kulenkampff, Lesmonastraße 92, mit Wilhelm Sunkel, erhaltenIlse Windhoff: Landhäuser und Villen in Bremen. Band 1, Bremen 2008, S. 27. 1896: Wettbewerbsentwurf zum Neubau der St. Michaelis-Kirche, Doventorsteinweg, (3. Platz), mit Wilhelm Sunkel 1907: Haus Kränholm in Bremen - Burglesum 1897–1898: Villa Gustav Tölken, Gartenstraße 7, Oldenburg, (heute Oldenburgische Landschaft), Einbezug eines Vorgängerbaus von 1824 (Entwurf: Heinrich Carl Slevogt), mit Wilhelm Sunkel, erhaltenDöris Böker: Stadt Oldenburg. (= Baudenkmale in Niedersachsen. Band 31). Hameln 1993, S. 204, 206 f. 1897: Villa Frese für Hermann Frese, Schwachhauser Heerstraße 59, ehem. Schwachhauser Chaussee, mit Wilhelm Sunkel, erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 452, 454. 1897: Doppelhaus, Osterdeich 18 a/b, ehem. 18a heute als Nr. 19, mit Wilhelm Sunkel, erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 465. 1898: Badeanstalt, Steffensweg 23, mit Wilhelm Sunkel, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 345–346. 1898–1899: Haus Hirschfeld, Osterdeich 17, mit Wilhelm Sunkel, erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 467. 1899–1904: Umbau und Erweiterung der 1847–1849 errichteten Kunsthalle Bremen zusammen mit Albert D. Dunkel, Sandsteinfassade der Frontseite und Fassade des Neubaus, Am Wall 207, erhaltenRudolf Stein: Klassizismus und Romantik in der Baukunst Bremens. Band I, 1964, S. 126–128. 1900: Villa Gustav Melchers, Parkallee 95, mit Wilhelm Sunkel, nicht erhaltenArchitekten und Ingenieur Verein: Bremen und seine Bauten. Verlag Carl Schünemann, Bremen 1900, S. 456.Engelhorn: Architektonische Rundschau. 1907–1909, S. 12–14. 1901: Waisenhaus, St.-Petri-Waisenhaus, Stader Straße 35, mit Wilhelm Sunkel, erhaltenRudolf Stein: Klassizismus und Romantik in der Baukunst Bremens. Band I, 1964, S. 23–24. 1902: Villa Georg (Carl) Riesch, Osterdeich 68, nicht erhaltenAusstellungskatalog der BDA, 1909, Kunsthalle Bremen 1903: Villa G. Faber, Parkallee 87, mit Wilhelm Sunkel, nicht erhaltenEngelhorn: Architektonische Rundschau. 1907–1909, S. 12–14.