Adorf () ist ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Im Jahr 2020 hat der Ort eine 900-jährige Ortsgeschichte. Adorf ist der nach Einwohnerzahl größte Ortsteil der Gemeinde Diemelsee und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographie Geographische Lage Adorf liegt in der Waldecker Tafel und im Naturpark Diemelsee an der Rhene. Im Ort sind die Landesstraßen 3076, 3078 und 3082 miteinander verbunden. In der naturräumlichen Gliederung des Ostsauerländer Gebirgsrandes sind die Adorfer Bucht (Naturraum 332.6, auch Vorupländer Bucht genannt) und der Adorfer Grund (Naturraum 332.62) bekannt. Die dem Ort zugerechnete Gemarkungsgröße beträgt 1.607 Hektar. Bekannte (auch aufgegebene) Siedlungsplätze in der Gemarkung von Adorf sind bzw. waren:

Auf dem Dansenberg Auf den Pöhlen Bismarck Stollen (Gewerbesiedlung) Esbeck (Diemelsee) Grube Christiane (ehemaliges Bergwerk) Im Grund Kappensteiner Mühle Kleine Mühle Martenberg Meer Mühlhausen (Wüstung) Rhenegger Mühle Vasberger Straße Vornsbergerhütte Burg Adorf Burg Esbeck Steffenburg

Nachbarorte BrilonRhenegge Padberg 70px Bad ArolsenWirmighausen Sudeck FlechtdorfKorbach Adorf ist Ortsteil und Sitz der Gemeinde Diemelsee. Die Lage und Richtung zu den Nachbarorten ist nebenstehend dargestellt.

Klima Im Gebiet von Adorf herrscht gemäßigtes Mittelgebirgsklima. Aktualisierte Informationen befinden sich im Abschnitt Weblinks.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Die früheste Anwesenheit von Menschen in der Adorfer Region ist durch jungsteinzeitliche Streufunde belegt. Im Bestand des Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach sind entsprechende Fundstücke aus dieser Zeit und nachfolgenden Perioden. Streufunde Funde zur keltischen Besiedlung in der Region werden ab dem 5. Jahrhundert datiert. Der Latènezeit folgte Besiedlung durch Germanen. Die Bereiche von germanischen Stämmen haben sich in der Region mehrfach verschoben. Anfänglich gibt es in der Region Cherusker und Chatten. Später finden sich Sugambrer und Marser in der Region. Römische Besiedlung um Adorf ist nicht bekannt; die nächsten Nachweise zu Römern finden sich im heutigen Gebiet von Ostwestfalen-Lippe. Für die Zeit von etwa 100 bis etwa 500 ist kaum etwas zur regionalen Geschichte bekannt.

Mittelalter mini|Schandpfahl in Adorf

Adorf befand sich in Grenzbereichen der sächsischen und fränkischen Gebiete. Ab etwa 690 war Adorf im Einflussbereich der Angrivarier (auch als Angrevarier, Angarier, Engern, lateinisch: Angrivarii, Angarii bekannt). Der Missionierung der Chatten folgend, setzte auch im Bereich von Adorf die Christianisierung ein. Adorf war zunächst im Einflussbereich der Eresburg (im heutigen Marsberg) und wurde von dort missioniert. Später lag Adorf im frühmittelalterlichen Gau Nithersi der später auch als Itergowe, Pago Itherga und Grafschaft Itter bekannt war.

1120 wurde der Ort „Adorp“ erstmals erwähnt, als „Thietmar“ (auch als Ditmar, Diethmar bekannt), der Bruder des Erpo von Padberg, und dessen Witwe Beatrix den Besitz dem Erzbischof Friedrich von Köln überließen. Die nächste urkundliche Erwähnung als „Adorp“ erfolgte 1194 in einer Urkunde zum Kloster Flechtdorf. 1228 wird mit „Brunonis militis de Athorpe“ ein örtliches Adels- oder Ministerialengeschlecht genannt. „Athorp“ wurde 1231 bei der Aufteilung der Archidiakonate in Paderborn erwähnt und dem Bereich „Horhusen“ (Marsberg) zugewiesen. Die Padberger Fehde in den 1410er Jahren wurde unweit von Adorf ausgetragen. Lippold von Canstein überfiel im Jahr 1510 den Ort; er brannte, raubte, mordete und nahm Einwohner gefangen, die später gemartert und getötet wurden. Daraus entwickelte sich eine Fehde mit den Grafen von Waldeck, die erst 1512 endete.

Der Ort wird in historischen Dokumenten mit folgenden wechselnden Schreibweisen erwähnt: Adorp (1120), Athorpe (1228), Athorp (1231), Adorp (1340), Adorff (1733).

Neuzeit mini|Lage und Verkehrsanbindung von Adorf um 1866

Die Firma REKTOL wurde 1892 ursprünglich als Fettwarenversandtgeschäft C. Pohlmann von der Familie Pohlmann in Adorf gegründet. Die Firma war bis 1902 in Adorf ansässig. Mit 125-jähriger Geschichte ist die Firma noch in Korbach aktiv und liefert im 21. Jahrhundert Spezialöle und Schmierstoffe.

Die Adorfer Tradition der Pferdezucht ist bis in Zeiten vor dem Dreißigjährigen Krieg bekannt. Die „Gestütsstation“ in Adorf war eine Filiale des Hessischen Landesgestüt Dillenburg. Sie wurde 1987 nach 100-jährigem Bestehen geschlossen, weil in Landwirtschaft kaum noch Pferde gebraucht wurden. Die heutige Pferdezucht in und um Adorf wird maßgebend vom Pferdezuchtverein Nordhessen betreut.

Bergbau

mini| Die älteste Urkunde über den Eisenerzabbau in Adorf stammt vom 5. Januar 1273. Sie bestätigt das Schürfrecht im Raum Esbeck, einer Wüstung im Raum Adorf, südlich der ehemaligen Schachtanlage Webbel, in „Uppspringe“, dem heutigen Giershagen, und am „Ameslyth“, dem heutigen Arnstein bei Padberg.Die Zisterzienserabtei Bredelar. Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Paderborn 1.; (Germania Sacra, Dritte Folge, Band 6.) Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2013, ISBN 978-3-11-027726-5, S. 2931000 Jahre Bergbaudorf Giershagen Gleichzeitig werden in dieser die Eigentumsverhältnisse zwischen dem Kloster Bredelar und den in der Gegend begüterten Adelsgeschlechtern geregelt.

Die Gruben am Martenberg – Webbel, Christiane, Eckefeld, Hubertus und Reinhard – spielten für den Adorfer Bergbau eine große Rolle. Immer wieder wurden sie zu Streitobjekten zwischen dem Kloster Bredelar und örtlichen Adelsgeschlechtern. Bereits 1495 und 1613 ließen sich die Waldecker Grafen vom Kaiser mit dem Bergregal (Nutzung der Bodenschätze) belehnen.

Nach über 800-jähriger Tradition des Adorfer Erzbergbaues wurde am 16. April 1963 im Revier Martenberg die letzte Förderschicht, im Rahmen der Stilllegung des gesamten inländischen Eisenerzbergbaus von Mannesmann, gefahren. In der Zeit von 1938 bis 1963 waren allein in der Grube Christiane 1.720.996 Tonnen Erz gefördert worden. Für den Transport der Erze nach Bredelar wurde die Rhene-Diemeltalbahn betrieben.

Heute betreibt der Knappenverein Adorf in der ehemaligen Grube Christiane ein Besucherbergwerk. Die Eröffnung fand am 17. Mai 1986 statt. Ein Bergbaumuseum wurde am 20. April 1989 eröffnet.Grube Christiane, Adorf

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Adorf, Benkhausen, Deisfeld, Flechtdorf, Giebringhausen, Heringhausen, Ottlar, Rhenegge, Schweinsbühl, Stormbruch, Sudeck, Vasbeck und Wirmighausen die neue Gemeinde Diemelsee. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Adorf. Für die ehemals selbständigen Gemeinden von Diemelsee wurden gemäß Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen grundsätzlich den Gemarkungsgrenzen. Der Ortsbezirk Adorf wird abweichend davon über die Gemarkung Adorf hinaus um einige angrenzende Neubaugebiete erweitert.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Adorf angehört(e):

1536 und später: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1806: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1815: Fürstentum Waldeck, Oberamt des Eisenbergs ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt des Eisenbergs ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (seit 1849), Kreis des EisenbergsTrennung zwischen Justiz (Kreisgericht Korbach) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis des Eisenbergs ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis des Eisenbergs ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Gemeinde Diemelsee ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Diemelsee

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Adorf 1596 Einwohner. Darunter waren 33 (2,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 306 Einwohner unter 18 Jahren, 636 waren zwischen 18 und 49, 324 zwischen 50 und 64 und 327 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 351 Haushalten. Davon waren 186 Singlehaushalte, 171 Paare ohne Kinder und 228 Paare mit Kindern, sowie 60 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 132 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 423 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung  (Quelle: Historisches Ortslexikon) 1541: 44 Häuser 1620: 64 Häuser 1650: 43 Häuser 1738: 102 Häuser 1770: 107 Häuser, 673 Einwohner

Einwohner mit Hauptwohnsitz in Adorf seit 2001:

Jahr Einwohner 2001 1645 2002 1695 2010 1625 2011 1608 2012 1608 2013 1548 Jahr Einwohner 2014 1549 2015 1573 2016 1591 2017 1592 2018 1595 2019 1554

Religion Historische Religionszugehörigkeit Wie der größte Teil der ehemaligen Grafschaft Waldeck-Pyrmont liegt Adorf historisch in einem vorwiegend protestantischen Gebiet.

1895: 1082 evangelische (= 94,25 %), 22 katholische (= 1,92 %), 11 anderes christliche-konfessionelle (= 0,96 %), 33 jüdische (= 2,87 %) Einwohner 1961: 1405 evangelische (= 88,81 %), 159 katholische (= 10,05 %) Einwohner

Jüdische Gemeinde mini|hochkant|Gedenkstein In der Zeit vom 18. Jahrhundert bis 1939 zur Zeit des Nationalsozialismus bestand eine jüdische Gemeinde im Ort. 1832 erhielt sie von Fürst Georg II. zu Waldeck und Pyrmont die Genehmigung zur Einrichtung einer Synagoge. Vom damaligen Bürgermeister Adolph Schwarzenberg, der vom jüdischen Glauben zum Christentum konvertiert war, kaufte man ein Fachwerkhaus. 1855 wird das Synagogengebäude in einem Register als der „Juden-Tempel“ benannt. An weiteren Einrichtungen bestanden ein rituelles Bad (Mikwe) und eine Religionsschule (um 1872 wird eine für den Unterricht gemietete Schulstube in der Bergstraße erwähnt).

Anfang des 19. Jahrhunderts legte die jüdische Gemeinde einen Friedhof an. Von 1809 bis 1936 wurde hier bestattet. Der Friedhof befindet sich in unmittelbarer Nähe der Dansenberghalle. Die Friedhofsfläche beträgt 8,85 ar. (Über die Zufahrt zur Dansenberghalle kommt man zum Friedhof.)Jüdischer Friedhof in Adorf

Politik Bürgermeister

Nicht alle Bürgermeister oder Ortsvorsteher des Ortes sind noch bekannt. In früheren Zeiten waren Ortsrichter (Schultheiß) gleichzeitig die Ortsleiter. Nach der 1971er Eingemeindung und der Verwaltungsreform hat der Ort neben dem Bürgermeister zusätzlich einen Ortsvorsteher für Adorf. Einige der dazu bekannten Personen sind:

Übersicht der Ortsleiter, Bürgermeister, Ortsvorsteher sowie der örtlichen Schultheiße und Richter