mini|Südosteuropa und das römische Straßennetz, unter anderem mit der Via Militaris und ihren Siedlungen (Karte aus dem Allgemeinen Historischem Handatlas von Gustav Droysen aus dem Jahre 1886) mini|Das römische Straßennetz zur Zeit von Kaiser Hadrian um 125 mini|Die nördliche Balkanhalbinsel in der Spätantike (6. Jahrhundert) mini|Ein kurzes freigelegtes Stück der Via diagonalis in der Nähe von Castra rubra Die Via Militaris oder auch Via Diagonalis, selten und unlateinisch auch Via Singidunum war eine antike römische Straßenverbindung auf dem Balkan (Südosteuropa), die die Landverbindung zwischen Europa und Kleinasien herstellte. Lange Zeit war sie die einzige Festlandroute zwischen Orient und Okzident. Während der Kreuzzüge, den osmanischen Belagerungen Wiens, der Raubzüge der Hunnen und Awaren, sowie der Wanderungen der Goten und Slawen hat sie eine weltgeschichtliche Rolle gespielt.Konstantin Josef Jireček: Die Heerstrasse von Belgrad nach Constantinopel und die Balkanpässe. Eine historisch-geographische Studie. Verlag von F. Tempsky, Prag 1877. Nachdruck Verlag Hamer, Amsterdam 1967.

Die Via Diagonalis, die große Balkanstraße (Zagreb – Belgrad – Niš – Sofia – Istanbul), war fast vier Jahrhunderte lang eine wichtige militärische Achse, die das Römische Reich zusammenhielt.

Heute ist die Via Militaris verfallen und nur noch an wenigen Stellen genau zu identifizieren. Auch ist die genaue Lage aller Wegestationen nicht genau zu bestimmen, jedoch ist der Name aller Wegestationen aus den Quellen bekannt. Das südöstliche Ende der Via Militaris war unbestritten Konstantinopel. Das nordwestliche Ende ist nicht genau definiert und wird je nach Autor in Singidunum (heute Belgrad), Viminatium, Sirmium, Aquincum (heute Budapest) oder gar Carnuntum (nordöstlich von Wien) lokalisiert. Im Mai 2010 wurde während der Arbeiten am Paneuropäischen Verkehrskorridor X in Serbien ein gut erhaltenes Stück der Via Militaris im ostserbischen Dimitrovgrad ausgegraben. Das acht Meter breite Straßenstück war aus großen Steinblöcken gebaut worden und hatte zwei Spuren.

Bereits vor dem Ausbau dieser Heerstraße durch die Römer war diese Route, neben der Via Egnatia und dem Donauweg entlang des Donaulimes, eine uralte Verkehrsader und eine der Völkerstraßen des Balkans. Diese diagonal von Nordwesten nach Südosten über den Balkan verlaufende Heerstraße war in der Antike die kürzeste Verbindung zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten. Als römische Militärstraße verband sie die wichtigsten und größten römischen Städte dieser Region mit der Hauptstadt des Oströmischen Reiches, Konstantinopel. Die Via Militaris führte durch die römischen Provinzen Pannonia superior und inferior, Moesia superior, Tracia und Bithynia et Pontus. Entlang der Via Militaris entstanden neue Siedlungen und wuchsen zu Städten heran.

Die Via Militaris auf dem Balkan war eine Heerstraße von überregionaler Bedeutung und diente der schnellen Verlegung der Römischen Legionen. Der Staat, das Römische Reich, war Planer, Bauherr und Träger der Heerstraßen, die er unter strategischen und logistischen Gesichtspunkten anlegte, um die schnelle überregionale Verbindung für seine Heere zu sichern. Nach der Eroberung der Balkanhalbinsel durch die Römer nahm die Bedeutung der Via Militaris stark zu und bekam ihre für Römerstraßen so typische haltbare Pflasterung aus vieleckigen Steinen. Jedoch bestand der Straßenbelag an vielen Abschnitten der Straße nur aus einem Kiesbelag. Die Straße war 9 Schritte (6 Meter) breit und in der Straßenmitte leicht erhöht. Die Erbauer römischer Militärstraßen orientierten sich bei der Straßenbreite an den Sechserkolonnen der Truppen oder der Breite von zwei Wagen.

Angelegt wurde diese strategisch wichtige Straße zur Zeit Kaiser Neros (37–68) im 1. Jahrhundert n. Chr.Stephen Mitchell: The administration of Roman Asia from 133 BE to AD 250. In: Lokale Autonomie und römische Ordnungsmacht in den kaiserzeitlichen Provinzen vom 1. bis 3. Jahrhundert. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1999, ISBN 3-486-56385-8, S. 18 (eingeschränkte Online-Version bei Google Books). Vollendet wurde sie unter Kaiser Trajan (53–117). Die in Ost-West-Richtung über den südlichen Balkan verlaufende Via Egnatia war Vorläuferin der Via Militaris.

Auch nach der Römerzeit war sie eine der großen Verkehrs- und Kulturwege Europas. Entlang dieser Städte an der alten Römerstraße verlaufen heute die E75 und die E80 mit einer ähnlich großen Bedeutung für den europäischen Transitverkehr. Die serbische Autobahn von Niš bis Dimitrovgrad an der serbisch-bulgarischen Grenze folgt ebenso dem Verlauf der alten Via Militaris wie die Streckenführung des Orient-Express'.

Name Bei den Römern wurde sie angeblich auch als „Via Singidunum“ bezeichnet. (PDF; 427 kB)

Sowohl die Bezeichnung Via Militaris als auch Via Diagonalis sind jüngeren Ursprungs und wurden zur Römerzeit nicht verwendet. Die Bezeichnung Via Militaris ist zweideutig, da damit auch ganz allgemein die Militärstraßen (Heerstraßen) des Römischen Reiches bezeichnet wurden. Mit der Bezeichnung Via Diagonalis („Diagonalstraße“) wird die zweideutige Bezeichnung Via Militaris umgangen.

Die Strecke zwischen Belgrad und Konstantinopel wurde auf der Basis der Studien (1877) von Konstantin Jireček üblicherweise als „Heerstraße“ bezeichnet.Mihailo Popović: VON BUDAPEST NACH ISTANBUL. Die Via Traiana im Spiegel der Reiseliteratur des 14. bis 16. Jahrhunderts. Wien, PDF Eine zusätzliche Bestätigung für diesen Namen sah Jireček im Funde einer römischen Inschrift aus dem Jahre 61 n. Chr., die in der Nähe des heutigen Plowdiw entdeckt wurde.CIL III Nr. 6123 Felix Kanitz bezeichnete diese Straße schlicht als „Viminacium – Konstantinopler Heerweg“.Felix Philipp Kanitz: Das königreich Serbien und das Serbenvolk: – 2. Bd. Land und Bevölkerung.

In der bulgarischen Literatur wird die Via Militaris oft auch bezeichnet als: „große Diagonalstraße“ (bulg. „голям диагонален път“/goljam diagonalen pat; französisch „la grande route militaire“) oder einfach „Zentrale Straße“ (bulg. „централен път“/zentralen pat)

Via Traiana miniatur|Süditalien: Via Appia (rot); Via Traiana (blau); Via Traiana Interna (blau mit grünen Punkten); Via Traiana Costiere (blau mit roten Punkten) Ab 1600 wurde die Via Militaris auch als Via Traiana bezeichnet."der gepflasterte Wegk an, welcher auch in gantz Bulgaria via Traiana a Traiano imperatore authore also genandt wirdt" Quelle: Reinhold Lubenau: Beschreibung der Reisen des Reinhold Lubenau. Ed. W. Sahm. Königsberg/Pr.: Ferd. Beyers Buchhandlung 1912-1915, Seite 100. zitiert bei Mihailo Popovic: VON BUDAPEST NACH ISTANBUL. Die Via Traiana im Spiegel der Reiseliteratur des 14. bis 16. Jahrhunderts. Eudora-Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-938533-07-9 (Einleitung; PDF; 87 kB) Als Via Traiana werden auch andere Straßen, die in der Zeit des römischen Kaisers Trajan entstanden, bezeichnet.

So trugen bereits in der römischen Antike und in der frühbyzantinischen Zeit folgende Straßen die Bezeichnung: ein Seitenzweig der Via Appia, eine parallel zum südlichen Endstück der Via Appia verlaufende Römerstraße (Via Traiana oder Via Appia Traiana). Diese 109 n. Chr. unter Kaiser Marcus Ulpius Traianus (53–117) gebaute Via Traiana war eine um eine Tagesreise schnellere alternative Strecke zur Via Appia. Sie zweigte in Beneventum von der Via Appia ab und führte östlich von ihr ebenfalls nach Brundisium (Brindisi), was auch der Endpunkt der Via Appia war. Bei der Via Traiana handelte es sich dabei um die ursprüngliche Strecke der Via Appia, die später nur noch eine Alternativstrecke zur Via Appia war.

Zwischen Butuntum (Bitonto) und Gnathia hatte die Via Traiana zwei parallele Verläufe: einerseits die Küstenstraße Via Traiana Costiera und andererseits die weiter im Landesinneren verlaufende Via Traiana Interna. Die Via Traiana Calabra verlängerte die Via Traiana von Brindisi nach Hydruntum (Otranto).

Weiterhin gab es in der Provinz Arabia Petraea eine Via Traiana Nova, auch bekannt als Via Nova oder Via Nova Traiana, davor auch als Via Regia. Diese verband Ägypten mit Palästina und Syrien.

Auch auf dem Balkan, im heutigen Bulgarien, gab es eine andere Straße, die als Trajanstraße (bulg. / Trajanow pat) noch so bezeichnet wird. Sie verband die Städte Oescus bzw. Novae an der Donau, über Trojan und Melta (Lowetsch) im Balkangebirge, Philippopolis (Via Militaris), Rhodopen-Gebirge mit der Via Egnatia an der Ägäis.Vgl. hierzu Michael Wendel: ZAKSSchriften Band 6: Karasura III: Die Verkehrsanbindung in frühbyzantinischer Zeit (4.-8. Jh. n. Chr.), Langenweißbach, 2005 Sie stellte die kürzeste Verbindung vom Donaulimes zu den Häfen an der Ägäis in der Provinz Thrakien dar. Dabei überquerte die Trajanstraße das Hemus-Gebirge (heute Balkangebirge) über den Trojanpass (bulg. ). An dieser Straße entstand die heutige Stadt Trojan.

Eine weitere Straße auf dem Balkan ist die Felsenstraße am Eisernen Tor, die in byzantinischen Quellen vom Ende des 6. Jahrhunderts als Trajansweg (griech. tribos Traianu) bezeichnet wird. Dieser Name ist von der Bautätigkeit des römischen Kaisers am Eisernen Tor abgeleitet, auf die auch die dort angebrachte Trajanstafel (Tabula Traiana) hinweist. Während der Römerzeit hieß dies Straße jedoch Via iuxtram danubii.

Im 16. Jahrhundert wurde auf dem Balkan nur diese eine Heerstraße, die Via Militaris, als Via Traiana bezeichnet.

Es sind keine Meilensteine oder Inschriften erhalten, die bezeugen, dass Kaiser Trajan den Bau oder Ausbau der Via Traiana veranlasste. Warum die Straße von Budapest über Belgrad nach Konstantinopel von den Reisenden des 16. Jahrhunderts nach dem römischen Kaiser Trajan benannt wurde, ist nicht bekannt. Es scheint sich am ehesten um eine in der mündlichen Tradition der Völker Südosteuropas (Volkssagen) verankerte Bezeichnung zu handeln, die von den Reisenden übernommen wurde.Mihailo Popovic: VON BUDAPEST NACH ISTANBUL. Die Via Traiana im Spiegel der Reiseliteratur des 14. bis 16. Jahrhunderts. Eudora-Verlag, Leipzig 2010, ISBN 978-3-938533-07-9 (Einleitung; PDF; 87 kB)

Streckenführung mini|Reste der antiken Festung Trajanstor, bei Ichtiman Die Via Militaris reichte von Belgrad bis Konstantinopel. Die ersten 200 km der Gesamtstrecke von 924 km folgte sie dem Flusslauf der Morava.Fred Singleton: A short history of the Yugoslav Peoples. Cambridge University Bridge, 1989, ISBN 0-521-25478-7

Der Verlauf der Römerstraßen im späten Römischen Reich, einschließlich der Militärstraßen, wurde in der historischen Karte Tabula Peutingeriana kartiert, jedoch ist der Straßenverlauf nur genähert dargestellt. Das Itinerarium Antonini führt ebenfalls römische Straßen und Siedlungen auf, jedoch ohne Kartendarstellung. Ebenfalls wertvolle Angaben über Städte, Pferdewechselstationen (mutationes; Mutatio – kleine Zwischenstation) und Herbergen (mansiones; Mansio – große Station, zum Übernachten, mit Stall) und der Entfernungen zwischen den einzelnen Etappen finden sich im Itinerarium Burdigalense, dem Reisebericht eines anonymen Autors von einer Pilgerreise aus den Jahren 333 bis 334, der eine Liste aller passierten Städte und Stationen enthält. Bericht der anonymen Pilgerreise von Bordeaux (333 n. Chr.) (siehe auch: 1. ; 2. - mit den Übersetzungen der lateinischen Orts- und Flussnamen) Aus dem Itinerarium Burdigalense ergibt sich, dass im 3. und 4. Jahrhundert an der 670 Römische Meilen (milia passuum; kurz: m. p.) (1 Römische Meile = 1482 m; also: 670 Römische Meilen = 993 km) langen Via Militaris 31 befestigte Orte und 43 Stationen lagen. Gewöhnlich reiste man von mansio zu mansio, ihr Abstand betrug also eine „Tagesreise“. Auch in der Geographike Hyphegesis, einem um 150 von Claudius Ptolemäus (100–150) erstellten Atlas sind einige Ortsnamen von Siedlungen entlang der Via Militaris zu finden.