Rudolf Voderholzer (* 9. Oktober 1959 in München) ist ein deutscher Theologe, Dogmatiker und seit Januar 2013 römisch-katholischer Bischof von Regensburg.
Leben Voderholzer wuchs in München-Sendling (Pfarrei St. Margaret) auf. Anfang der 1970er Jahre veröffentlichte er als Heranwachsender gemeinsam mit seiner Mutter, der Lehrerin und Kinderbuchautorin Maria Voderholzer, autobiographisch geprägte Bücher, wie z. B. Wir sind vier Geschwister oder Eine lustige Familie.Münchner wird Bayerns jüngster Bischof. In: Abendzeitung München, 25. Januar 2013 Voderholzers Bruder ist der Psychiater Ulrich Voderholzer.
Nach dem Abitur am Dante-Gymnasium München und dem Wehrdienst bei der Bundeswehr studierte Voderholzer an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München Philosophie und erhielt 1985 den Magistergrad. Außerdem studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München katholische Theologie. Dort erhielt er 1986 das Diplom in Theologie. Am 27. Juni 1987 empfing er für das Erzbistum München und Freising durch Friedrich Kardinal Wetter im Freisinger Dom die Priesterweihe und war anschließend als Kaplan in Traunreut, Haar und Zorneding tätig. 1992 wurde er Wissenschaftlicher Assistent bei Gerhard Ludwig Müller am Lehrstuhl für Dogmatik der Universität München. 1997 wurde er in München mit einer Dissertationsschrift mit dem Titel Die Einheit der Schrift und ihr geistiger Sinn. Der Beitrag Henri de Lubacs zur Erforschung von Geschichte und Systematik christlicher Bibelhermeneutik zum Dr. Theol. promoviert. 2004 habilitierte er sich an der Katholisch-Theologischen Fakultät München. Im gleichen Jahr wechselte er an das Departement für Glaubens- und Religionswissenschaft und Philosophie an die Schweizer Universität Freiburg im Üechtland; er war von 2004 bis 2005 Präsident des Departements.
Von 2005 bis zum Jahresbeginn 2013 war Voderholzer ordentlicher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Trier. In dieser Zeit lebte er in Kasel an der Ruwer, wo er sich gleichzeitig als Seelsorger der Pfarrgemeinde St. Nikolaus engagierte und im Juni 2012 sein Silbernes Priesterjubiläum feierte.Katholische Kirche im Ruwertal: Silbernes Priesterjubiläum Voderholzer (archive.org)
Am 6. Dezember 2012 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Regensburg.Nomina del Vescovo di Regensburg (Germania). in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. Dezember 2012. Am 11. Januar 2013 leistete Voderholzer den nach Bayerischem Konkordat und Reichskonkordat abzulegenden Treueeid in Gegenwart von Ministerpräsident Horst Seehofer.Bischof legt Eid auf Verfassung ab Die Bischofsweihe durch Reinhard Kardinal Marx fand am 26. Januar 2013 im Regensburger Dom statt; Mitkonsekratoren waren sein Vorgänger Gerhard Ludwig Kardinal Müller und František Radkovský, Bischof von Pilsen. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet Christus in vobis spes gloriae („Christus ist unter Euch – die Hoffnung auf Herrlichkeit“) . Seit Mai 2014 ist er Mitglied des Dikasteriums (ehemals Kongregation) für die Glaubenslehre. Zuletzt verlängerte Papst Franziskus im Jahr 2024 seine Mitgliedschaft dort um weitere fünf Jahre.
Ehrungen und Auszeichnungen 2016 Investitur zum Großoffizier des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und Mitgliedschaft im Deutschen Verein vom Heiligen LandeLive-Übertragungen aus dem St.-Paulus-Dom Münster: Pontifikalamt mit Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Bistum Münster, 21. Mai 2016.
2018 Verleihung des Bayerischen Verdienstordens
2019 Investitur zum Ehrenritter des Deutschen Ordens
2021 Ehren-Konventualkaplan im Souveränen Malteser Ritterorden
2024 Ehrenmitglied in der K.D.St.V. Rupertia im Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen zu Regensburg
2025 Ehrenmitglied im Krippen- und Kapellenverein St. Ägidius e. V. Abensberg
Wirken Wissenschaft Voderholzer gilt als Experte für Henri de Lubac. Durch seine Übersetzung von und weiterer Aufsätze hat er wesentliche Teile des vierbändigen Werks de Lubacs in deutscher Sprache mit dem Titel „Typologie. Allegorie. Geistiger Sinn. Studien zur Geschichte der christlichen Schriftauslegung“ (Freiburg 1999, 4. Auflage 2023) veröffentlicht.
Er ist Gründungsdirektor des 2008 gegründeten Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg„Benedikt-Institut“, Radio Vatikan, 13. September 2008. und Herausgeber der gesammelten theologischen Schriften von Papst Benedikt XVI. Von Papst Franziskus wurde er im Jahr 2015 in den wissenschaftlichen Beirat der vatikanischen Stiftung „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ berufen. Dort berät er gemeinsam mit Kardinal Kurt Koch, Kardinal Gianfranco Ravasi und Kardinal Luis Francisco Ladaria den Präsidenten des wissenschaftlichen Beirates Kardinal Angelo Amato. Papst Leo XIV. hat ihn im Jahr 2025 für weitere fünf Jahre in den wissenschaftlichen Beirat berufen.
Seit 30. Oktober 2010 ist Voderholzer Ordentliches Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste (Geisteswissenschaftliche Klasse).
Anlässlich seines 65. Geburtstages widmeten ihm Kollegen, Weggefährten und Schüler eine wissenschaftliche Festschrift. Stefan Oster und Johannes Brantl gaben sie heraus unter dem Titel „Christus ist unter euch. Zur Aktualität des II. Vatikanischen Konzils“ (Regensburg 2024).
Überdiözesane Aufgaben als Bischof Papst Franziskus ernannte ihn am 28. Mai 2014 erstmals und dann am 8. Mai 2019 und am 15. Mai 2024 erneut für jeweils weitere fünf Jahre zum Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre.bistum-regensburg.de, 10. Mai 2019.
https://bistum-regensburg.de/news/papst-franziskus-verlaengert-amtszeit-von-bischof-voderholzer, 15. Mai 2024 In der Deutschen Bischofskonferenz gehört er der Glaubenskommission, deren stellvertretender Vorsitzender er ist, und der Kommission für Wissenschaft und Kultur an.
Gründung wissenschaftlicher Institute Am 1. September 2014 gründete er im Bistum Regensburg das Akademische Forum Albertus Magnus, welches den Dialog zwischen Wissenschaft und Theologie und zwischen Gesellschaft und Kirche nach dem Vorbild des hl. Albert fördern und die Arbeit der wissenschaftlichen Institute des Bistums Regensburgs (Institutum Marianum, Ostkirchliches Institut Regensburg, Institut Papst Benedikt XVI., Liturgisches Institut Regensburg) koordinieren soll.
Mit Wirkung vom 13. September 2016 errichtete er das neue Ostkircheninstitut der Diözese Regensburg, das Beiträge zur besseren wechselseitigen Kenntnis östlicher und westlicher Tradition sowie zum Auftrag einer Wiederherstellung kirchlicher Einheit in Vielfalt (vgl. Ut unum sint 57) leisten soll. Die Einrichtung soll an das bisherige Ostkirchliche Institut Regensburg anknüpfen und dessen Arbeit unter veränderten Bedingungen fortführen.
Als viertes wissenschaftliches Institut des Bistums errichtete Voderholzer am 6. Juli 2017 das Institutum Liturgicum Ratisbonense, das die Geschichte der Liturgie auf der Grundlage mittelalterlicher Handschriften erforscht. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Erschließung der Fragmentesammlung aus der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg und der Erforschung lokaler liturgischer Traditionen.
Förderung universitärer Theologie Voderholzer hält – entgegen Planungen der Deutschen Bischofskonferenz zur Konzentration der Priesterausbildung – an Regensburg als Ausbildungsstandort für die Seminaristen des Bistums Regensburg fest, um die Existenz der staatlichen katholisch-theologischen Fakultät der Universität Regensburg zu sichern.
Gemeinsam mit den Bistümern Eichstätt und Passau finanziert das Bistum Regensburg auf Initiative von Voderholzer ein mehrjähriges Forschungsprojekt an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Regensburg zum Thema „Ehevorbereitung“.
Im Herbst 2020 initiierte Voderholzer ein Forschungsprojekt zur Thematik „Seelsorge in Coronazeiten“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das vom Bistum Regensburg finanziert wird.
Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt Kurz nach seiner Amtseinführung im Januar 2013 begann er mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs und der körperlichen Gewalt im Bistum Regensburg, indem er das Gespräch mit den Opfern suchte. Ein erstes Ergebnis dieser Gespräche war das vereinfachte Verfahren zur Anerkennung körperlicher Gewalt. Im Januar 2015 äußerte er sich öffentlich zu den Zuständen in der Vorschule der Regensburger Domspatzen. „Zwei der damaligen Verantwortlichen in Etterzhausen und später in Pielenhofen haben den jungen Buben durch ihr Terrorsystem, dessen einzige pädagogische Maßnahme offenbar die körperliche Züchtigung war, die Hölle bereitet.“ Nachdem die Kritik an der Aufarbeitung des Bistums immer lauter wurde, beauftragte er Ulrich Weber, einen vom Weißen Ring empfohlenen, unabhängigen Rechtsanwalt mit der umfassenden, externen Aufklärung der Vorfälle körperlicher und sexueller Gewalt und der Begutachtung der bisherigen Aufarbeitung durch das Bistum. Ab 2016 wurde durch das Aufarbeitungsgremium die Strategie der Aufarbeitung aufgestellt. Im Oktober 2016 präsentierte er diese gemeinsam mit den Opfervertretern Peter Schmitt und Alexander Probst auf einer Pressekonferenz. Der BR schrieb dazu: „Bei den ersten beiden Säulen handle es sich um zwei Studien: Eine historische, um die Strukturen der Vergangenheit aufzuarbeiten und eine sozialwissenschaftliche. Diese sozialwissenschaftliche Studie befasse sich mit den Profilanalysen der Täter und der Opfer, sowie auch Gesetzmäßigkeiten und Mechanismen des Missbrauchs, dadurch sollen künftige Missbrauchsfälle von vornherein ausgeschlossen werden. Als dritte Säule ist eine weitere Anlaufstelle eingerichtet worden, das ‚Münchner Informationszentrum für Männer‘ (MIM). An diese Stelle sollen sich Opfer wenden können, die bislang dem Bistum noch kein Vertrauen entgegenbringen konnten. Der letzte Baustein des Aufarbeitungskonzeptes: Die Anerkennung.“
Im Juli 2017 ließ er in den Gemeinden des Bistums ein Hirtenwort verlesen. Darin bat er die 500 Opfer körperlicher Gewalt sowie die Opfer sexueller Gewalt bei den Regensburger Domspatzen „in Demut“ „anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung“ und bitte, „dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde.“ (PDF)Ulrich Weber, Johannes Baumeister: Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen. (PDF; 5,0 MB) 18. Juli 2017. Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie zum „Sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ wandte er sich erneut mit einem Hirtenwort an die Gläubigen der Diözese Regensburg. Darin rezipiert er die Ergebnisse der Studie, drückt sein Bedauern aus und nennt Maßnahmen zur Verbesserung der Prävention sexuellen Missbrauchs. Vor allem fordert er eine Kultur der Achtsamkeit. Allen Opfern von sexuellem Missbrauch bietet er ein Gespräch an, in dem er als oberster Repräsentant der Ortskirche von Regensburg persönlich um Vergebung bitten will.
2017 hob der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig hervor, dass sich Voderholzer seit seinem Amtsantritt der Verantwortung konsequent gestellt habe. Matthias Katsch, Sprecher der Opferinitiative „Eckiger Tisch“, bezeichnete anlässlich des 10-jährigen Gedenkens des Bekanntwerdens des Missbrauchsskandals in der deutschen Kirche die Regensburger Domspatzen (neben Ettal) als „Leuchttürme in der Landschaft“ der Aufarbeitung.