Der Bahnhof Beograd centar (, deutsch „Belgrad Zentrum“), häufig auch nur Prokop genannt, ist ein seit 1976 im Ausbau befindlicher Bahnhof. Im Rahmen der grundlegenden Umgestaltung und Neuordnung im Eisenbahnknoten Belgrad löste er zum 1. Juli 2018 den historischen Hauptbahnhof Belgrad ab.Infrastruktura Zeleznice Srbije, 15. Juni 2016 „Инфраструктура железнице Србије“ од 1. јула обуставља железнички саобраћај у Главној железничкој станици Београд
mini|Innenansicht (2023) mini|Durchgang zu den Bahnsteigen (2023) Der am Rande der alten Innenstadt zwischen Topčidersko brdo und Mokroluški potok im Stadtteil Savski Venac errichtete Bahnhof wurde als Durchgangsbahnhof im zukünftigen Hochgeschwindigkeitsnetz der ŽS in amerikanisch-jugoslawischer Kooperation zum „Masterplan Belgrad 1972“ zwischen 1968 und 1971 durch das Amt für Stadtplanung zusammen mit dem „Eisenbahnplanungsamt der Gemeinschaft der Eisenbahnen Jugoslawiens“ konzipiert. Er war eines der größten Eisenbahnprojekte der ŽTP Beograd (Železničko Preduzeče Beograd) zu Zeiten der Staatsbahnen Jugoslovenske Železnice und wurde baulich in der Projektgruppe "Beogradski zeleznicki cvor" (Belgrader Bahnknoten) des Centrum za Investiranje i Projektovanje (CIP) umgesetzt. Der Umbau des Belgrader Schienenknotens wurde notwendig, da der kleine Kopfbahnhof Beograd das Verkehrsaufkommen des zentralen südosteuropäischen Eisenbahnknotens nicht mehr bewältigen konnte.European Commission - Parlamentarische Auskunft zum Schienenknoten Belgrad durch Olli Rehn im Jahre 2009 Answer given by Mr Rehn on behalf of the CommissionEuropäische Kommission 2008 Betrifft: Andauern der schlechten Umsteigeverbindungen für Fahrgäste im Eisenbahnknoten Belgrad zwischen Zügen aus zahlreichen europäischen Ländern
Seit März 2022 wird von hier aus die erste Schnellfahrstrecke nach Novi Sad sowie seit Februar 2026 deren Fortführung nach Budapest bedient. Zugleich wurde die 1992 eröffnete Belgrader S-Bahn „Beovoz“ berücksichtigt.Dragan Đilas (damals Oberbürgermeister von Belgrad) in Večernje Novosti, 16. Oktober 2008 Zu dem in der Stadt liegenden Tunnelbahnhof Vukov spomenik besteht mit dem BG Voz ein Schienenanschluss im 20-Minuten-Takt. Stadtbahnen nach Batajnica, Pančevo und Rakovica verkehren von hier durch die beiden, das Stadtgebiet querenden Eisenbahntunnels Dedinje und Vračar sowie die Pančevo-Brücke und die Neue Belgrader Eisenbahnbrücke über Donau und Save.
Der Bahnhof und der damit verbundene Umbau der Eisenbahninfrastruktur im Bahnknoten Belgrad wurden in über vier Jahrzehnten Bauzeit nur etappenweise umgesetzt. Durch den Rückbau der Schieneninfrastruktur auf dem Gelände des alten Hauptbahnhofs, der durch das Stadterneuerungsprojekt „Belgrade Waterfront“ aufgelöst worden war,NZZ, 15. Oktober 2014 Belgrads riskantes Grossprojekt am Save-Ufer «Die Stadt zum Fluss bringen» wurde der Endausbau von Beograd centar dringlich; bis 2010 verfügte Beograd centar erst über zwei, bis 2016 über vier und seitdem über acht nutzbare Gleise. Im Endausbau wird er zehn Gleise haben. Mit dem Abschluss der ersten Bauphase (2014–2016) erfolgte am 26. Januar 2016 die Übergabe im Regionalverkehr.RTS, 26. Januar 2016 Put do Prokopa Zum 1. Juli 2018 zu Belgrads Hauptbahnhof ernannt, besaß Beograd centar jedoch keine Bahnhofshalle und ebenfalls keine relevante ÖPNV-Anbindung. Auch die in der Saison stark nachgefragten Züge, die zur Montenegrinischen Adria auf der Bahnstrecke Belgrad-Bar verbinden, verkehren vom Lokalbahnhof Topčider (Stand 2020). Bis 2021 sollen im Abschluss der zweiten Ausführungsphase die zwei fehlenden Gleise am Ersten Bahnsteig folgen; bis 2024 soll in der dritten Ausführungsphase auch die Bahnhofshalle errichtet werden.Vlada Srbije 2020 Zavrsetak zeleznicke stanice Beograd Centar za tri godineTanjug 2020 Besuch des Bauministeriums an der Baustelle Beograd centar am 5. Dezember 2020Elitacop, 2020 Glavna zeleznicka stanica ProkopPolitika 2019 Holandsko-bugarska-kompanija-potencijalni-graditelj-Prokopa Der unfertige Stationsbau nimmt 36.126 m² oder 3,6 ha Fläche (Stand 2020) ein. Im Endausbau wird der Bahnhof mit 450 m Länge und 117 m Breite etwa 30 % größer als der konzeptuell vergleichbare Bahnhof Stuttgart 21 sein; mit zehn Gleisen soll er dann auch über eine größere Kapazität als dieser verfügen. Er wäre damit in etwa so groß und leistungsstark wie der Hauptbahnhof Wien.
Allgemeine Informationen mini|Lage mini|Die Neue Eisenbahnbrücke über die Save Aufgrund des für den Ausbau von Schnell- und Hochgeschwindigkeitsstrecken hinderlichen kleinen Kopfbahnhofes, der schwierigen topographischen Situation Belgrads mit zwei Großflüssen und einem hügeligen Stadtgebiet und der geringen Möglichkeit, den am Save-Ufer liegenden Bahnhofskomplex in moderne öffentliche Nahverkehrskonzepte einzubinden (Untertunnelung für geplante Metro, für Hochgeschwindigkeitsverbindungen notwendiger Durchgangsbahnhof) sowie das Stadtzentrum von Schienensträngen zu befreien, suchte man schon seit den 30er Jahren eine bessere Lage für einen zukünftigen, überwiegend über unterirdische Zubringer gedachten Durchgangsbahnhof.
Der Bahnhof liegt in Flussnähe auf dem rechten Save-Ufer an der Verkehrsachse des Autobahnkorridors X und wird auf der Südseite von den gehobeneren Wohnvierteln von Dedinje und auf der Nordseite von den Universität-Kliniken eingerahmt. Er bietet zudem einen direkten Anschluss an die am Save-Ufer gelegene Belgrader Messe sowie die Sportstätten der beiden Fußballklubs Partizan und Roter Stern. Nach seiner Fertigstellung wird er als neuer Verkehrsknoten Belgrads die Tendenz eines neuen Stadtzentrums im Süden Belgrads entwickeln.Ksenija N. Stevanović & Milena V. Stevanović 2014: Nove smjernice koncipiranja željeznikih kolodvora. Građevinar, 66, 8/2014, 739–747, S. 744 In der Revitalisierung der Schieneninfrastruktur Serbiens wurde für 2020 mit einem Durchsatz von 35 internationalen Zügen, 18 Fernzügen und 37 Regionalzügen im Eisenbahnknoten Belgrad gerechnet. Im Bahnhof Beograd centar sollte durch die verkehrsgünstige Lage an Messe, Sportstätten, Kliniken und Wohngebieten ein tägliches Fahrgastaufkommen von 40.000 Personen und 250 Zugpaaren erreicht werden.Ksenija N. Stevanović & Milena V. Stevanović 2014: S. 744
Nachdem der Bahnhof 2016 eingeweiht wurde, verkehren seit dem 26. Januar 2016 zusätzlich zu den bereits vorher verkehrenden 105 Zugpaaren im S-Bahnverkehr des BG Voz verkehrten zwei Inter-Regio-Verbindungen nach Novi Sad.Tanjug, 26. Januar 2016 Mihajlovic: godinu dana za izmestanje stanice Erst im Juli 2018 übernahm der Bahnhof auch die vorher am Hauptbahnhof verbliebenen Zugpaarungen.
Der Bahnhof Prokop besitzt durch die Lage am Nordhang des Topčidersko brdo eine natürliche Denivellierung von 30 m, die einen zweiseitigen Verkehrszugang ermöglicht. Hierin liegt das große stadtplanerische Potential, das über dem oberen Niveau einen Zugang vom Dedinjski bulevar und vom unteren Niveau Anschluss an die Autobahn Belgrad-Zagreb hat. Aus der Ortsvorgabe wird der Bahnhof zum zentralen Verkehrspunkt, der aus verschiedenen Richtungen der Stadt erreicht werden kann. Die weitläufigen Geländevorgaben erlauben zudem auf beiden Seiten des Bahnhofs große Vorplätze, die an allen Seiten zum zentralen Bahnhofsgebäude führen, dessen Bahnsteige und -gleise unter dem Empfangsgebäudeniveau liegen und damit keine Beeinträchtigung für den städtischen Nahverkehr stellen. Im Projekt ist der Bahnhofsbau als Verbindungselement verschiedener Verkehrsträger gedacht.
Aufgrund der Geländemorphologie ist der Bahnhof zentraler Aussichtspunkt im Stadtpanorama Belgrads. Seit den ersten Konzepten für das Projekt waren die begleitenden urbanistischen Entwürfe für das Areal als Vertikale und Landmarke in der Stadtsilhouette gedacht. Städtebauliche Gesamtentwürfe des Bahnhofskomplexes wurden unter anderem von Milutin Maletin (– 75) vorgelegt.Ksenija N. Stevanović & Milena V. Stevanović 2014: S. 744 Mit der Lage an der Hangkante zum engeren Stadtzentrum und den gehobenen Wohnvierteln von Dedinje im Rückraum ist die Umgebung als neues Zentrum eines Stadtquartiers geplant, das neben Verkehrsfunktionen zahlreiche wirtschaftliche und kommerzielle Einrichtungen erhalten soll.
Geologie Das Gelände, wo heute der Bahnhof steht, war seit dem 19. Jahrhundert ein bedeutendes Abbaugebiet für mergelige Gesteinsschichten. Als man in den 1880er Jahren den neuen Bahnhof „Beograd“ im Sumpfgelände der „bara Venecija“ baute, wurde das Gelände mit Gesteinsmaterial aus Prokop aufgeschüttet.
Geologisch liegt das Gelände in Mergeln des Miozäns. Hangaufwärts sind Teile des “Topčidersko brdo” aus Kalksteinen der unteren Kreide aufgebaut. Damit unterscheidet sich das Gelände von dem überwiegend aus Tonsteinen des Pannons aufgebauten Belgrader Rücken.
Mit der Aufschließung der Tonmergel in Prokop zum Zwecke der Aufschüttung der bara Venecija wurde das Gelände auf einer Fläche von 500 × 100 m umgeformt. Der zuerst entstandene Graben verbreiterte sich. Die Aufschüttung der bara Venecija dauerte bis 1898. Bis zu 15 m hohe Steilwände zum Topčidersko brdo markierten die Flächen des Abbaugebietes.
Auf dem eingeebneten Gebiet entstand nach dem Ersten Weltkrieg die informelle Siedlung Prokop.
Stadtteilfunktion mini|Blick auf das Bahnhofsgelände über die Autobahn sowie das Gelände der ehemaligen Brauerei BIP Prokop gehört zur Opština Savski venac. Seit dem Ende des Gesteinsabbaus zu Ende des 19. Jahrhunderts war er durch informelle Siedlungen, großteils durch solche der Roma, geprägt. Diese informellen Siedlungen bildeten sich ursprünglich außerhalb des Verteidigungsrings im Laudanov šanac (Laudons Schanze) in den peripheren Roma-Mahalen. Neben Savamala in der „Bara Venecija“ waren dies insbesondere Jatagan-mala am Mokroluški potok sowie Prokop.
Am sanften Berghang des Topčidersko brdo etablierte sich dagegen der Residential-Komplex der jugoslawischen politischen und wirtschaftlichen Elite, die mit Tito beginnend das Gelände mit den Staatsvillen in der Užička 15 (1999 ausgebombt) sowie der Villa Mir auch für die staatliche Repräsentation Jugoslawiens reservierten. Auch nach Tito wurde der Komplex, in dem sich heute auch das Mausoleum Titos sowie das Museum der Geschichte Jugoslawiens befinden, als Residenz von Slobodan Milošević (1997–1999) sowie später für den Empfang hoher Staatsgäste genutzt. Am Nordwestende Prokops siedelte sich Belgrads bekannteste Brauerei, BIP, 1873 an. Der Industrielle Đorđe Vajvert gründete sie 1873 als Vajverts Brauerei. Seine Villa in Prokop ist als Kulturdenkmal ausgewiesen und wurde auf dem Gelände zwischen 1892 und 1893 errichtet.
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