mini|Menno Simons, Reformator und Namensgeber (aber nicht Gründer) der Mennoniten mini|Musikgruppe (Praise team) in einem Gottesdienst einer kanadischen Mennonitengemeinde (eine Mennonitenbrüdergemeinde der Canadian Conference of Mennonite Brethren Churches) mini|Mennonitenkirche in Indien

Als Mennoniten werden Menschen der ältesten evangelischen Freikirche mit unterschiedlich ausgerichteten Gemeinschaften bezeichnet, die als Gemeinsamkeit die Gläubigentaufe und ein starker Fokus auf Friedensethik kennzeichnen. Sie gehen auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurück. Der Name leitet sich von dem aus Friesland stammenden Theologen Menno Simons (1496–1561) ab.

Verfolgungen und rechtliche Beschränkungen in Europa führten vor allem zwischen etwa 1715 und 1815 zur Auswanderung von Mennoniten und anderen Täufern nach Osteuropa und Nordamerika. Trotz der Verfolgungen hat sich die Freikirche in Mitteleuropa durchgehend halten können.

In den Medien gibt es immer wieder Berichte über Mennoniten in Nord- oder Südamerika, die einen sehr konservativen bis weltabgewandten Lebensstil pflegen und die in der Regel einen deutschen Hintergrund haben. Diese Gruppen stellen jedoch nur einen kleinen Ausschnitt aus dem mennonitischen Spektrum dar, in dem es auch viele modernere, angepasstere und liberalere Gemeinschaften sowie viele andere ethnische Zugehörigkeiten gibt.

Mennoniten sind weltweit verbreitet, geographische Schwerpunkte liegen in bestimmten Regionen Afrikas, Nordamerikas, Lateinamerikas und Asiens. Während in Europa die Mitgliederzahlen rückläufig sind, steigen sie in den anderen Teilen der Welt.Mennoniten Krefeld: Mennoniten weltweit, Website mennoniten-kr.de (abgerufen am 25. September 2024)

Name mini|Die Mennonitengemeinde in Norden (Ostfriesland) ist eine der ältesten Mennonitengemeinden der Welt. Sie konnte 1795 ein repräsentatives Wohngebäude erwerben und zu einer Kirche umbauen, die seitdem von der Gemeinde genutzt wird.

Der Ausdruck Mennoniten ist erstmals im Jahr 1544 in einem Schreiben ostfriesischer Behörden schriftlich dokumentiert. Er geht auf den niederländischen Reformator Menno Simons zurück. Simons war katholischer Priester und konvertierte um das Jahr 1536 zur Täuferbewegung, einem Teil des sogenannten „radikalen“ bzw. „linken Flügels der Reformation“. Menno Simons nahm bald eine führende Position innerhalb der noch jungen Täuferbewegung ein und prägte nachhaltend Theologie und Geschichte eines Teils der reformatorischen Täufer.

Der Begriff wurde zu Beginn vor allem von außen zur Umschreibung jener norddeutsch-niederländischen Täufer verwendet, die sich auf Menno Simons beriefen. Später übernahmen auch Täufer aus anderen Regionen den Namen, so dass heute die meisten Täufer als Mennoniten bekannt sind. Eine besondere Bedeutung bekam der Begriff als Schutzname, um das reichsweite sogenannte Wiedertäufermandat von 1529 zu umgehen, das die Todesstrafe für Täufer im Römisch-Deutschen Reich vorschrieb. Fürsten konnten so Täufer in ihren Territorien ansiedeln, ohne formell die antitäuferische Gesetzgebung des Reiches zu brechen. Menno Simons übernahm somit ungewollt die Rolle des Namensgebers der Mennoniten. Als Gründer der Bewegung kann er jedoch nicht angesehen werden, da die unter anderem von Konrad Grebel und Felix Manz begründete Täuferbewegung bei seinem Eintritt bereits über ein Jahrzehnt bestand.

Von der Täuferbewegung der Reformationszeit haben drei Zweige überlebt. Neben den Mennoniten sind es die Hutterer, die im Jahr 1528 entstanden, sowie die Amischen, die sich 1693 von den Mennoniten abgespalten haben. In den USA werden auch die Schwarzenau Brethren den Täufern zugerechnet. Im konfessionellen Sinne nicht zu den Täufern zu rechnen sind später entstandene Freikirchen wie die Baptisten, die eigene konfessionelle Gruppen bilden, sich aber gleichwohl in der Sache immer wieder auf die Täufer beziehen.

Die Mennoniten sind heute auch als Taufgesinnte (in den Niederlanden als Doopsgezinde, der Begriff Mennoniten ist dort als Selbstbezeichnung nicht üblich), Alttäufer, Altevangelisch Taufgesinnte (in der Schweiz) oder als Evangelisch-Mennonitische Freikirche bekannt. Im deutschsprachigen Raum findet sich auch oft die Umschreibung täuferisch-mennonitisch.

Geschichte mini|Verbreitung der reformatorischen Täuferbewegung zwischen 1525 und 1550 mini|Die Schleitheimer Artikel von 1527

Reformationszeit Die Geschichte der Mennoniten beginnt mit der Täuferbewegung, die um das Jahr 1525 in Zürich im Umfeld der Schweizer Reformation entstand. In der Folge breitete sich diese Bewegung aus und auch in Süddeutschland entstanden erste Täufergemeinden. Die Täufer forderten ein Leben in der Nachfolge Jesu und sahen – wie die Reformatoren Luther und Zwingli – die Bibel als entscheidende Quelle des christlichen Glaubens. Anders als Luther und Zwingli kamen sie jedoch zu der Erkenntnis, dass die Taufe ausschließlich dann praktiziert werden sollte, wenn die zu Taufenden sich bewusst für den Glauben entscheiden (Gläubigentaufe). Dies lehnten sowohl die katholische Kirche als auch die lutherischen und reformierten Reformatoren ab, die weiter an der Kindertaufe festhielten. Die Täufer übten Kritik am Zustand der etablierten Kirche und solidarisierten sich beispielsweise mit den Forderungen der aufständischen Bauern nach eigener Pfarrerwahl. Sowohl die Regierenden als auch die großen Kirchen sahen in den Täufern eine Gefahr für die Autorität von Staat und Kirche. So setzte bald eine umfassende Verfolgung der noch jungen Bewegung ein, die auch von lutherischer und reformierter Seite unterstützt wurde. Zwingli forderte den Rat der Stadt Zürich beispielsweise auf, die Täufer mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszurotten. Luther sah in den Täufern „Rottengeister und Ketzer“ und riet dazu, sie „unverhört und unverantwortet“ abzuurteilen.

Die Täuferbewegung selbst war schon in ihren ersten Jahren eine pluralistische Bewegung, die aus mehreren Richtungen bestand. Neben den stärker biblizistisch-pazifistisch orientierten Schweizer Täufern entwickelten sich auch die zum Teil noch von Thomas Müntzer und vom christlichen Spiritualismus geprägten Oberdeutschen Täufer und auch kommunitäre Gruppen wie die Hutterer. Unter dem Eindruck der schon beginnenden Täuferverfolgung kamen im Februar 1527 südwestdeutsche und schweizerische Täufer zusammen und beschlossen die Schleitheimer Artikel, die entscheidende Prinzipien wie die Gewaltfreiheit oder das Modell einer Freikirche außerhalb staatlicher Strukturen zusammenfassten. Im August desselben Jahres fand auch eine größere Täufersynode in Augsburg statt. Viele der in Augsburg zusammengekommenen Täufer wurden später wegen ihres Glaubens ermordet, weswegen die Synode bis heute als Augsburger Märtyrersynode bekannt ist. Im Jahr 1529 wurde schließlich durch den Reichstag das Wiedertäufermandat beschlossen, das reichsweit die Todesstrafe für Täufer festsetzte.

Mit Melchior Hofmann verbreiteten sich die Ideen der reformatorischen Täuferbewegung auch in Norddeutschland und in den Niederlanden, wo sie zum Teil das Erbe der vor-reformatorischen Sakramentarier übernahmen. Ein Teil der niederländisch-norddeutschen Täuferbewegung radikalisierte sich jedoch unter dem Eindruck zunehmender Verfolgung und apokalyptischer Vorstellungen, was mit zu den Ereignissen in Münster führte. Andere, wie der 1536 zu den Täufern konvertierte Theologe Menno Simons betonten das Prinzip christlicher Gewaltfreiheit. Nach dem Sturz der militanten Täufer in Münster sammelte Simons schließlich große Teile der niederländisch-norddeutschen Täuferbewegung und formulierte ausgehend von der Bergpredigt eine bewusst pazifistische Theologie, wie sie auch schon in den Schleitheimer Artikeln formuliert wurde. Simons gewann großen Einfluss innerhalb der norddeutsch-niederländischen Gemeinden, so dass sie auch als Mennoniten benannt wurden. Schließlich wurde der Name auch von Täufergemeinden des schweizerisch-süddeutsch-französischen Raumes verwendet. Der neue Name bot auch einen gewissen Schutz; denn auf ihn stand formell keine Todesstrafe.Horst Penner: Weltweite Bruderschaft – Mennonitisches Geschichtsbuch. Weierhof 1984

Weitere Entwicklungen mini|Mennonitenkirche in Germantown von 1700. mini|Eine der wohl bekanntesten Abbildungen aus dem Märtyrerspiegel ist die Abbildung von Dirk Willems, der seinen Häscher, der bei seiner Verfolgung ins Eis eingebrochen war, rettet. Er wird daraufhin von seinem Verfolger festgenommen und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Anders als in den nördlichen Niederlanden, die unter den Oraniern im Jahr 1579 die religiöse Toleranz einführten, wurden die Mennoniten in den meisten europäischen Territorien wie zum Beispiel in der Schweiz oder den südlichen Niederlanden weiter unterdrückt und durch Verfolgung, Ausweisung, Folter und Tod bedroht. Sie waren daher unter den ersten Deutschen, die nach Nordamerika auswanderten, wo bis heute ein großer Teil europäisch-stämmiger Mennoniten lebt.

Vor allem im 18. Jahrhundert wanderten viele Pfälzer Mennoniten nach Pennsylvania aus, wo Mennoniten aus dem Krefelder Raum bereits im Jahr 1683 mit anderen deutschen Auswanderern den Ort Germantown („Deitscheschteddel“) gegründet hatten. Einige von ihnen, kutschenfahrende Mennoniten alter Ordnung, sprechen auch heute noch Pennsylvania-Deutsch. Unter den nach Amerika ausgewanderten Mennoniten entstand auch die erste deutsche Ausgabe des Märtyrerspiegels.

Die in Europa verbliebenen Täufer lebten in den folgenden Generationen als die „Stillen im Lande“. Schweizer Mennoniten siedelten beispielsweise zurückgezogen im Emmental und im Berner Jura. Viele wanderten auch ins Elsass und in geringerem Maße in die Niederlande ab. In Städten wie Zürich oder Basel wurden die Mennoniten ausgerottet und vertrieben.

Bereits im 16. Jahrhundert siedelten sich viele niederländische Täufer im zur polnischen Krone gehörenden Königlichen Preußen an, wo sie die Niederungen des Weichsel-Nogat-Deltas kultivierten. Sie bauten Deiche und Kanäle und konnten auf diese Weise das Land für eine erfolgreiche Landwirtschaft nutzen. Da sie den Städten und Grundbesitzern wirtschaftliche Vorteile brachten, wurde ihre Religion geduldet.

Vor allem Norddeutsche schlossen sich diesen mennonitischen Siedlern an, deren niederländische und friesische Dialekte sich im Lauf der Zeit immer mehr den nordostdeutschen Dialekten ihrer neuen Heimat anglichen. Das Hochdeutsche, statt des Niederländischen, wurde jedoch erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts übernommen. Volle Bürgerrechte konnten sie jedoch erst im 19. Jahrhundert erlangen.

Unter den niederländischen und norddeutschen Mennoniten kam es bald zu Meinungsverschiedenheiten, beispielsweise um den Umgang mit dem Bann, und viele Gemeinden spalteten sich in waterländische, friesische und flämische Gemeinden. Später entstanden mit den Lammisten und den Sonnisten liberalere und konservativere Gemeinden.

Mitte des 17. Jahrhunderts bildete sich die Gruppe der Dompelaars (Untertaucher), die für die Taufe das dreifache Untertauchen forderte. Die meisten Gemeinden schlossen sich später jedoch wieder zusammen, als ihre Zahl aufgrund zunehmender Assimilation nicht mehr stieg, sondern zurückging.

Unter den Schweizer und Elsässer Mennoniten spalteten sich im Jahr 1693 die Amischen ab, die sich nach ihrem Gründer Jakob Ammann nannten. Jakob Ammann stand für eine stärkere Abschottung von der Welt und betonte stark die strenge Einhaltung der Gemeinde-Ordnung sowie den Ausschluss und die Meidung derer, die sich nicht an die Regeln halten. Amische leben heute so gut wie ausschließlich in Nordamerika, da sich die in Europa verbliebenen Gemeinden immer mehr an die Mehrheitsgesellschaft assimilierten und sich dann entweder wieder den Mennoniten anschlossen oder sich zu Mennonitengemeinden umformten.