mini|Schloss Pesch, Frontseite des Haupthauses aus Richtung Südwest (2009)
Das Schloss Pesch ist ein dreiflügeliges Jagdschloss in Meerbusch, auf halbem Wege zwischen den Ortsteilen Strümp und Ossum-Bösinghoven. Trotz seiner Lage auf ehemals kurkölnischem Gebiet war das Schloss stets ein eigenständiges Gut ohne Lehnspflicht gegenüber dem kölnischen Kurerzbischof.Kurköln, Land unter dem Krummstab. Nordrhein-Westfälisches Hauptstaatsarchiv, Kreisarchiv Viersen, Arbeitskreis Niederrheinischer Kommunalarchivare. Selbstverl. d. NW Staatsarchivs, 1985, S. 274; books.google.de
Aufbau des Schlossgeländes Das Haupthaus, ein zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit 13 Fensterachsen, liegt in einem weitläufigen Schlosspark umgeben von drei Nebengebäuden: der ehemaligen Rentei, einem ebenfalls verputzten, zweigeschossigen Gebäude mit sieben Fensterachsen und Uhrenturm an der Nordseite, dem dreiflügeligen Gutshof, einem Backsteingebäude von 1795, an der Südseite, sowie der Schlosskapelle zwischen Rentei und Haupthaus an der Nordost-Seite.Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Ortskuratorium Meerbusch: Bau- und Bodendenkmäler im Stadtgebiet Meerbusch
Geschichte
Ursprünge Das Anwesen wurde 1311 als Peschhof erstmals erwähnt und erscheint 1368 in einer Urkunde, als Ritter Godert Knop „Haus Pesch“ sowie weitere Güter seiner Frau überträgt.Rheinische Vierteljahrsblätter, Bände 41–42. Universität Bonn. Institut für Geschichtliche Landeskunde der Rheinlande. Verlag L. Röhrscheid., 1977, S. 19 In unmittelbarer Nähe des Schlosses gibt es Spuren einer Besiedelung aus römischer Zeit. So wurden 1863 zwischen dem benachbarten Haus Gripswald und dem Schloss die Gripswalder Matronen- und Mercuriussteine, sechs Votivsteine zu Ehren der „segensreichen Matronen“ und des Mercurius Arvernus gefunden. Ältere Quellen vermuten dort auch die Reste einer römischen Feldkapelle.Franz Fiedler: Gripswalder Matronen und Mercuriussteine. Verein der Alterthums-Freunde im Rheinland, Bonn 1863. books.google.de Die Militärstraße, die die römischen Städte bzw. Legionslager Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln), Novaesium (Neuss), Gellep-Stratum (Gelduba) und Colonia Ulpia Traiana (Xanten) miteinander verband, verlief nicht weit östlich des Anwesens. Reste der Trassierung waren noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen.Eduard Friedrich Wilhelm Gerhard: Archäologisches Intelligenzblatt zur Allgemeinen Literatur-Zeitung. C. A. Schwetschke & Sohn, 1834.
16. bis 18. Jahrhundert mini|Schloss Pesch als „Peschoff“ in einer Landkarte von 1645 der niederländischen Kartografen Blaeu mini|Schloss Pesch in der Karte von Franz Johann Joseph von Reilly: Das Erzstift und Kurfürstenthum Kölln. Nro. 220., ca. 1800
Die alte Burg Pesch wurde 1583 während des Truchsessischen Krieges geplündert und niedergebrannt. Die Ruinen blieben im Park des heutigen Schlosses erhalten. Das Herrenhaus wurde weiter westlich wieder aufgebaut. 1595 erbte Emmerich Hurth von Schöneck das Haus zusammen mit Gütern in Ossum und Ilverich.Beiträge zur Genealogie der adligen Geschlechter 3 (Strange). genealogy.net
Nachdem Emmerich Hurth (nun von Schöneck zu Pesch) und seine Frau Magdalena, geb. von Merode, kinderlos geblieben waren, fiel ihr Besitztum im Amt Linn an Edmund von Metternich (nach 1605, vermutlich um 1615). In den Folgejahren, zwischen 1616 und 1669, stritten sich mehrere Familien fast zwei Generationen lang um „Haus Pesch samt Zubehör, einen Hof zu Ossum (Oßem) und ein Gut zu Ilverich (Eiluerich)“ im Gesamtwert von 6.000 Goldgulden. Beteiligt waren auf der Klägerseite Mitglieder der adeligen Häuser Merode (Rheinland), Lützerode zu Klyff und Uettingen, Landschad von und zu Steinach und Uettingen (beide aus dem süddeutschen Raum), Wolfskeel von Reichenberg, Greck von und zu Kochendorf, Bawyr von Frankenberg sowie die Kölner Bürgerfamilien Thoer und Bengeraths (die sich in den Besitz eingekauft hatten). Ihnen gegenüber standen zwei Töchter aus dem Hause Metternich, die den Besitz über den Bruder Edmund ererbt hatten und die nun verheiratet waren in die Familie von Landschad sowie von Galen.Akten des Reichskammergerichts, Archivalie 5167 im Landesarchiv NRW, Findbuch (115.05.08 Reichskammergericht, Teil VIII: S-T), Aktenzeichen: S 1285/5103Johann Friedrich Schannat: Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel. Band 2. Verlag Johann Peter Bachem, 1829, S. 196; .1646–1659 Streitigkeiten der Landschad v. Steinach mit den Herren von Merode, wegen des Ritterguts Pesch im kurkölnischen Amt Linn bei Krefeld Vollständig beigelegt wurden die Streitigkeiten offenbar erst um 1704.1704 Die Landschad’schen Ansprüche auf die Rittergüter Ringsheim bei Köln und Pesch bei Krefeld. landesarchiv-bw.de
In einer Landkarte des Erzbistums Köln aus dem Atlas Maior der niederländischen Kartografen Willem Blaeu und Joan Blaeu aus dem Jahr 1645 ist in etwa an der heutigen Lage ein Peschoff verzeichnet.Willem Janszoon Blaeu Sohn Joan Blaeu: Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus in quo Tabulæ et Descriptiones Omnium Regionum. 1645.
Im Jahr 1689 wurde Schloss Pesch zu einem Schauplatz des Pfälzischen Erbfolgekriegs. Unmittelbar am Anwesen kam es zu einem Gefecht zwischen preußischen und französischen Truppen, die zu jener Zeit die linke Rheinseite besetzt hatten. Auf preußischer Seite war das erste Bataillon Dönhoff des königlich preußischen Ersten Infanterie-Regiments unter Feldmarschallleutnant Hans Adam von Schöning beteiligt. Das Regiment bestand aus 26.036 Mann und führte 79 Geschütze mit sich. Die französischen Truppen befehligte General Sourdy. Am 13. März wurden zuerst Bösinghoven und Ossum, dann Strümp und später Büderich Schauplatz der Kämpfe. Um Ossum wurde besonders erbittert gekämpft, 300 französische Grenadiere fielen alleine dort. Nachdem das Korps des General-Leutnants Hans Albrecht von Barfus Ossum eingenommen hatte, wurden die Franzosen über Strümp und Büderich bis in das besetzte Neuss zurückgedrängt. Sie verloren rund 1000 Mann. Ihre Stellung in Linn mussten sie aufgeben. Im späteren Verlauf der Kämpfe belagerten die Preußen auch das von den Franzosen besetzte Kaiserswerth, das am 27. Juni 1689 kapitulieren musste.A. C. v. d. Oelsnitz: Geschichte des k. preuss. Ersten Infanterie-Regiments seit seiner Stiftung im J. 1619 bis zur Gegenwart: Mit dem Porträt S. Maj. des Königs. Mittler, 1855, S. 205; books.google.de
Im Jahre 1758 lagerten etwas nordwestlich von Schloss Pesch 47.000 französische Soldaten im und um den Ort Fischeln. Diese waren am 23. Juni 1758 an der berühmten Schlacht bei Krefeld im Rahmen des Siebenjährigen Kriegs beteiligt. Am Abend nach der Schlacht zogen sich die Franzosen nach Osterath zurück, ebenfalls ein Ort in der Nachbarschaft des Anwesens und heute gemeinsam mit Schloss Pesch Meerbuscher Stadtgebiet. Etwa um diese Zeit war das Schloss bereits im Besitz des Freiherrn Matthias Gerhard von Hoesch, der daraus einen Sitz im Landtag erhielt.Historisch geographische Beschreibung des Erzstiftes Köln. Verlag Johann Georg Fleischer, Frankfurt am Main, 1783, S. 208; books.google.de In der Nachbarschaft hatte er einige Jahre zuvor bereits weiteren Besitz erworben, das kleine „Gerversgut zu Ossum“ von den Familien Ahren/Herbertz.Urkundenbuch der Stadt und des Amtes Uerdingen. Inventare nichtstaatlicher Archive, Band 10. Archivberatungsstelle Rheinland. Rheinland Verlag, 1968, S. 421; books.google.de
Im Herbst 1789 bereisten der damals 20-jährige Alexander von Humboldt und der niederländische Arzt und Botaniker Steven Jan van Geuns (1767–1795) gemeinsam den Niederrhein. Bei Düsseldorf trennten sich beide kurz und van Geuns wanderte über Schloss Pesch nach Krefeld. Auf der gemeinsamen Reise entstanden zwei Werke: van Geuns’ Tagebuch im Stile der zeitüblichen Reiseliteratur und Humboldts erste größere naturwissenschaftliche Publikation Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein.Jan van Geuns, Bernd Kölbel: Tagebuch einer Reise mit Alexander von Humboldt durch Hessen, die Pfalz, längs des Rheins und durch Westfalen im Herbst 1789. In: Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung, Band 26; books.google.de
Schloss Pesch unter den Herren von Hallberg mini|hochkant|Wappen des Hauses Hallberg, dessen Stammhaus Schloss Pesch war. Wahlspruch „Fortis et fidelis“Joseph de Champeaux: Devises: cris de guerre, légendes, dictons. Lamarche, 1890. Durch die Ehe des Heinrich Theodor von Hallberg († 1792) aus dem Adelsgeschlecht Hallberg mit Henriette Helene von Hoesch († 1807/1808), Tochter des Matthias Gerhard von Hoesch (1698–1784) kam Schloss Pesch aus dem Besitz der Familie Hoesch an die Familie Hallberg.
1794 wurde das Anwesen erneut geplündert und 1795 niedergebrannt, dieses Mal von Soldaten der französischen Revolutionstruppen während des Ersten Koalitionskrieges.Ossum-Bösinghoven. tobien.de Um diese Zeit gehörte Schloss Pesch den Grafen von HallbergLeopold Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon oder genealogische und diplomatische Nachrichten von den in der preussischen Monarchie ansaessigen oder zu derselben in Beziehung stehenden adeligen Haeusern. Verlag Reichenbach, 1839. books.google.de und war der Stammsitz der Linie Hallberg-Pesch.O. T. von Hefne: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland. Band 2. S. 100. books.google.de
1797 wurde der spätere Gründer des Kurortes Bad Gleichenberg (bei Graz) und spätere Minister für Handel und Volkswirthschaft von Österreich-Ungarn, Mathias Constantin Capello Reichsgraf von Wickenburg genannt StechinelliDeutsches Geschlechterbuch. Band 123. C. A. Starke, 1958, S. 123. books.google.de auf Schloss Pesch geboren. Seine Mutter war eine geborene Gräfin Hallberg.
1828 hatte Schloss Pesch laut amtlicher Statistik 20 feste Bewohner. Das benachbarte Dorf Ossum hatte 89 Einwohner, die umliegenden Landgüter Haus Hamm 12 und Haus Gripswald 10. Das Dorf und die drei Landgüter gehörten zur Bürgermeisterei Strümp, die insgesamt 831 katholische Einwohner zählte (1816: 716 Einwohner). Bemerkenswert ist, dass das Anwesen in der Statistik als Landgut und nicht als Schloss geführt wurde. Zu jener Zeit erstreckte sich zwischen Strümp, Ossum, Linn, Bockum, Oppum und Krefeld noch ein ausgedehntes Waldgebiet. Erst im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden weite Flächen gerodet und als Ackerland urbar gemacht. Von Bösinghoven bis Fischeln, Willich, Anrath und Neersen dehnte sich eine weite Heidefläche aus. Im Osten befand sich ein alter Rheinarm, bei Hochwasser kam der Rhein damals noch bis nahe an den Herrenbusch zwischen Strümp und Latum heran.Naturhistorischer Verein der Rheinlande und Westfalens: Verhandlungen des Naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande, Westfalens und des Reg.-Bezirks Osnabrück, Band 11. In Kommission bei M. Cohen, 1854.
Laut Duncker baute eine Henrietta Freiin von Hoesch, Frau des Grafen von Hallberg, das Haus ab 1840 schlossartig mit einer großzügigen Gartenanlage wieder auf. Wahrscheinlich ist 1804 gemeint, denn Henrietta verstarb 1808.
Schloss Pesch unter den Herren von Schweppenburg und von Arenberg
mini|hochkant|Wappen des Hauses Arenberg, der letzten Besitzer des Schlosses Pesch. Wahlspruch „Christus protector meus“ bzw. „Rapido ma con legge“ 1848 erlosch mit Mathias Anselm die Familie Hallberg im Mannesstamm. Haus Pesch wurde Matthea Agnes Lucia Henriette Maria Hubertina Walburgis Reichsfreiin Geyr von Schweppenburg und Lathum (1830–1857T'Serclaes-Hallberg, Agnes Mathäa Lucia Henrietta Maria Huberta Wallburga von geb.von Geyr-Schweppenburg-Latum. ub.uni-koeln.de ) vermacht, die das Haus 1849 in ihre Ehe mit Felix Edmundt Carl Ghislain Freiherr von T'Serclaes (* 1818, ab 1851 Graf T'Serclaes-Hallberg) einbrachte.Deutsche Grafen-Häuser der Gegenwart. T. O. Weigel, Leipzig 1854, S. 423 ff. books.google.de