mini|300px|Emder Flaggen mini|300px|Ratsdelft, Rathaus und SAR-Kreuzer „Georg Breusing“ als Museumsschiff mini|300px|Falderndelft (Rotes Siel), Gödenser Haus und Neue Kirche mini|300px|Kunsthalle Emden & Emder Stadtgraben

Emden ist eine Stadt im Nordwesten von Niedersachsen und die größte Stadt Ostfrieslands. Sie liegt an der Emsmündung am Nordufer des Dollarts. Mit Einwohnern (Stand ) ist Emden die kleinste der kreisfreien Städte des Bundeslandes, steht auf Platz 21 der Städte in Niedersachsen, ist jedoch nach Wilhelmshaven und Cuxhaven die drittgrößte Stadt an der niedersächsischen Küste. Raumplanerisch ist die Stadt als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums eingestuft.Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (ML): Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen 2017. Hannover 2017, S. 18 (PDF, 5,3 MB).

Die Einwohner heißen Emder, das Adjektiv lautet ebenso. Siehe ausführlicher unten im Abschnitt Sprache.

Die Stadt ist als friesischer Handelsort um das Jahr 800 entstanden und bis heute wesentlich durch ihren Seehafen geprägt, der im 20. Jahrhundert die Basis für die Ansiedlung größerer Industriebetriebe wie die Werft Nordseewerke und das Volkswagenwerk war. Als Wirtschaftsstandort hat die einzige kreisfreie Stadt Ostfrieslands für die Region eine überragende Bedeutung. Seit 1973 ist die Stadt Hochschulstandort. Die Landesplanung des Landes Niedersachsen weist Emden seit 2007 als Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen aus.

Im 16. Jahrhundert gehörte Emden neben Genf und Wittenberg zu den bedeutendsten Stätten der Reformation. Unter anderem wirkten Johannes a Lasco, Albert Ritzaeus Hardenberg und Menso Alting in Emden. Die Taufe von 300 Erwachsenen in einem Vorraum der Großen Kirche durch Melchior Hofmann 1530 war der Beginn der Täuferbewegung in Nordwestdeutschland und den Niederlanden. Die Große Kirche war während der Reformation zudem religiöser Zufluchtsort für Flüchtlinge aus den Niederlanden. Die Synode von Emden (1571) war die erste Nationalsynode der niederländischen Reformierten. Aufgrund dieser Bedeutung verlieh der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit Sitz in Wien Emden im Dezember 2013 als erstem Ort auf dem Kontinent den Titel „Reformationsstadt Europas“. In: landeskirche-hannovers.de, abgerufen am 21. Januar 2014.Zur Bedeutung Emdens in der Reformationsgeschichte siehe die Abschnitte Frühe Neuzeit, Christentum, Bibliotheken und Persönlichkeiten sowie das Stadtporträt des Projekts Reformationsstädte Europas: Reformationsstadt Emden. Deutschland. Spuren der Reformation sind gegenwärtig. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 9. August 2016, sowie das Stadtporträt des Projekts Europäischer Stationenweg: In: r2017.org/europaeischer-stationenweg, abgerufen am 9. August 2016.

Bekannt ist Emden zudem als Geburtsort der Komiker Otto Waalkes und Karl Dall, die durch ihr Wirken den Ostfriesenwitz geprägt haben. Insbesondere „Otto“ hat seiner Heimatstadt durch Filme und Musikalben zu größerer Bekanntheit verholfen. Überregionale Bedeutung hat auch die Kunsthalle Emden.

Geografie Geografische Lage mini|350px|Emden an der Emsmündung: Watt in blassen, Flächen unter dem Seekartennull in leuchtenden Blautönen; vor den Gezeiten abgeschirmte Gewässer gedeckt blau

Emden liegt im Nordwesten Deutschlands in der historischen Landschaft Ostfriesland und ist die westlichste Seehafenstadt Deutschlands. Sie befindet sich am nördlichen Rand des Mündungsgebietes der Ems in die Nordsee, südlich der Stadt liegt zudem die Bucht Dollart. Der Emder Hafen liegt 38 Seemeilen von der Emsmündung bei Borkum entfernt. An der Knock, die den westlichsten Punkt des Emder Stadtgebietes bildet, befindet sich der südwestlichste Punkt der ostfriesischen Halbinsel.

Nahe gelegene größere Städte sind Oldenburg (gut 70 Kilometer ostsüdöstlich), Bremen (gut 110 Kilometer ostsüdöstlich), Groningen (gut 50 Kilometer westsüdwestlich – die Strecke per Bahn oder Auto ist allerdings deutlich länger, da der Dollart umfahren werden muss) sowie Wilhelmshaven (gut 60 Kilometer ostnordöstlich).

Die Landesplanung des Landes Niedersachsen weist Emden als Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen aus.Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (ML): Verordnung über das Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen 2008. S. 14 ff. (; abgerufen am 2. März 2013). Das Einzugsgebiet variiert je nach der zu beobachtenden Funktion. Als Einkaufsstadt versorgt Emden im Wesentlichen die umliegenden Gemeinden, einige davon nur teilweise, da hier eine Konkurrenz zu den Städten Aurich und Leer besteht. Letztgenannte haben den Vorteil, dass ihr Einzugsgebiet in alle Himmelsrichtungen reicht, während im Süden und im Westen von Emden die Ems und der Dollart die natürliche Grenze des Einzugsgebietes bilden. Ähnliches gilt für weitere Dienstleistungen. Als größte Stadt Ostfrieslands hat Emden trotz seiner (als Einkaufsstadt) ungünstigen Lage dennoch eine wichtige Funktion im Einzelhandel Ostfrieslands.

Als Arbeitsort hingegen hat die Stadt eine überragende Bedeutung für die gesamte Region Ostfriesland und teilweise darüber hinaus. Das kulturelle Programm wird – zumindest bei einzelnen Veranstaltungen, etwa manchen Konzerten in der Nordseehalle – von Gästen besucht, die im Umland von Oldenburg, im mittleren bis südlichen Emsland oder im Nordosten der Niederlande wohnen. Zudem ist Emden oft Ziel von Touristen, die ihren Urlaub an der Küste verbringen und sich die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt anschauen.

Flächennutzung + Flächennutzung im Jahre 2005 Nutzung Fläche in ha Bebaute Fläche 3.484 davon Wohnbaufläche 922 davon gemischte Baufläche 135 davon gewerbliche Baufläche 1.738 davon Sonderbauflächen (bes. Hafenanlagen) 690 Gemeinbedarfsfläche 113 Verkehrsfläche 267 davon Straßenverkehr 141 davon ruhender Verkehr 2 davon Bahnanlagen 95 davon Luftverkehr 31 Grünflächen 683 davon Parkanlagen 281 davon Kleingärten 67 davon Sportplätze 97 davon Friedhöfe 18 davon sonstige Grünflächen 219 Wasserfläche 770 Landwirtschaftsfläche 5.850 Gesamtfläche 11.238

Nach umfangreichen Eingemeindungen in den Jahren 1945/46 (Larrelt, Harsweg, Uphusen) sowie 1972 (Twixlum, Wybelsum, Logumer Vorwerk, Widdelswehr, Jarßum, Petkum) machen Landwirtschaftsflächen mittlerweile 52 Prozent des Stadtgebietes aus (s. Tabelle; inzwischen 61,1 Prozent, Stand: 31. Dezember 2014). Damit liegt Emden zwar ziemlich genau im Bundesdurchschnitt, hat für eine kreisfreie Stadt jedoch überdurchschnittlich viel Agrarfläche. Innerhalb Ostfrieslands in seiner Gesamtheit hingegen (Landwirtschaftsflächen von rund 75 ProzentEberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115. Im Folgenden Rack: Landeskunde.) weist Emden einen unterdurchschnittlichen Anteil aus. Der Wasserflächenanteil von 6,85 Prozent (7,7 Prozent, Stand: 31. Dezember 2014) liegt angesichts des Hafens und der Vielzahl an Kanälen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von zwei Prozent. Wie alle Kommunen in der Marsch ist Emden hingegen weit unterdurchschnittlich bewaldet (1,24 Prozent, Stand: 31. Dezember 2014). Größtes zusammenhängendes Waldgebiet ist der Emder Wall, ein in den 1990er-Jahren angelegter Stadtwald im äußersten Norden Emdens ist noch im Entstehen begriffen. Bislang sind 71 Hektar mit etwa 450.000 Bäumen bepflanzt worden, zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Baum- und Strauchreihen gelichtet werden., abgerufen am 12. August 2016.

Geologie und Böden Der geologische Untergrund der Stadt wird durch Sedimente aus dem Holozän bestimmt. Emden ist aufgrund seiner Lage an Ems und Dollart eine der wenigen Gemeinden des ostfriesischen Festlands, die keinerlei Anteil an der Geest hat und daher oberflächennah auch keine pleistozänen Schichten aufweist. Die vorherrschende Landschaftsform ist die Marsch.Angaben in diesem und den folgenden Absätzen stammen, sofern nicht anders referenziert, aus Heinz Voigt: Die Böden Ostfrieslands. In: Karl-Heinz Sindowski, Heinz Voigt, Peter Schmid, Waldemar Reinhardt, Harm Wiemann: Geologische Entwicklung von Ostfriesland (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 1). Hrsg. von Deichacht Krummhörn, Pewsum. Schuster, Leer 1969, , S. 51–106, hier S. 96 mit kartografischer Beilage.

Weite Teile der Stadtfläche im Westen Emdens wurden erst im 19. und 20. Jahrhundert eingedeicht und gelten als sehr fruchtbar. Auch darüber hinaus wurden viele landwirtschaftliche Flächen im Osten wie im Westen der Stadt im 20. Jahrhundert mit Schlick überspült, der bei Ausbaggerungen der Ems und des Emder Hafens gewonnen wurde. Nach Trocknung dieser Flächen erfuhren diese nochmals eine Aufwertung, da der Schlick als wertvoller Bodenbestandteil gilt. Diese Praxis wird auch heute noch fortgesetzt, derzeit (Stand: 2013) im Bereich Wybelsum.

Die Marschen Emdens bedecken das gesamte Stadtgebiet mit Ausnahme einiger östlicher Gebiete bei Marienwehr und Uphusen sowie im Borssumer bis Petkumer Hammrich, wo sie in vergesellschafteter Form mit anderen Bodentypen vorkommen.Zu den folgenden Ausführungen vgl. die Bodenübersichtskarte 1:50.000 des Niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie: Kartenserver. In: nibis.lbeg.de, abgerufen am 14. Juli 2013. Nordöstlich von Uphusen und südlich des Ems-Jade-Kanals sowie im Borssumer Hammrich findet sich Pseudogley unterlagert von Kleimarsch. Der südliche Teil der Uphuser Gemarkung rund um das Uphuser Meer und das Bansmeer sowie der Petkumer Hammrich (in etwa nördlich des Fehntjer Tiefs) besteht aus Niedermoor mit Rohmarschauflage. Nahe Uphusen sind von 1954 an über mehrere Jahrzehnte Flächen mit Schlick überspült, im Anschluss drainiert und – solchermaßen in der Bodengüte verbessert – wieder einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt worden. Nordöstlich von Marienwehr, nahe dem Kleinen Meer, findet sich Niedermoor mit Knickmarschauflage. Eine Ausnahme bildet ebenfalls der im frühen 20. Jahrhundert eingepolderte und anschließend künstlich erhöhte östliche Teil des Emder Hafens: Er wird als Gley-Regosol bezeichnet, da bei der Erhöhung des Geländes auf Gley zurückgegriffen wurde.

mini|Fruchtbare Kalkmarsch: Ackerland im Wybelsumer Polder

Das restliche Stadtgebiet besteht aus Altmarschen und Jungmarschen. Die jüngsten Marschböden befinden sich im Petkumer Deichvorland, wo Salzwiesen nur noch bei besonders ausgeprägten Sturmfluten überspült werden und ansonsten die Pedogenese (Bodenbildung) bereits eingesetzt hat. Das Areal ist Naturschutzgebiet. Es ist ebenso der Rohmarsch (also der jüngsten Marschform) zuzurechnen wie der in den 1970er-Jahren aufgespülte Rysumer Nacken an der Knock, der 1976 eingemeindet wurde.