Fuerteventura ist eine kanarische Insel im Atlantischen Ozean, rund 120 Kilometer westlich der marokkanischen Küste. Mit einer Fläche von 1659,74 km² hat sie einen Anteil von 22,15 % an der Landfläche der Kanaren. Damit ist sie nach Teneriffa die zweitgrößte Insel des Archipels. Im Jahr hatte die Insel Einwohner. Ihre Hauptstadt ist Puerto del Rosario. Dort befindet sich der internationale Flughafen von Fuerteventura. Die Landessprache ist Spanisch. Wie auch die anderen Kanarischen Inseln gehört sie geologisch zu Afrika.

Hauptwirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Der überwiegende Teil der jährlich mehr als zwei Millionen Touristen kommt aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich.

Am 26. Mai 2009 wurde die gesamte Insel zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt und 2015 zum UNESCO-Lichtschutzgebiet.Fuerteventura offiziell zum UNESCO-Lichtschutzgebiet erklärt. In: fuerteventurazeitung.de. 1. August 2015, abgerufen am 30. Mai 2020.

Geographie mini|hochkant=1.4|Playa de Jarubio Fuerteventura ist die älteste Insel des kanarischen Archipels. Sie bildet mit der durch die rund 11 Kilometer breite Meerenge La Bocayna von ihr getrennten, nördlich gelegenen Insel Lanzarote die östliche Grenze der Kanaren. Die Insel entstand vor etwa 20,6 Millionen Jahren und ist genauso wie ihre Nachbarn vulkanischen Ursprungs. Der Großteil der Inselmasse entstand vor etwa 5 Millionen Jahren und ist seitdem durch Wind und Wetter stark erodiert. Die vulkanische Aktivität erlosch vor 4000 bis 5000 Jahren.

Im Nordosten, bei Corralejo, befinden sich große Wanderdünen (Parque Natural de Corralejo). Der Sand besteht zu großen Teilen aus zerriebenen Meerestiergehäusen (Muscheln, Schneckenhäuser). An manchen Stellen tragen auch Kalkformationen vom ehemaligen Meeresboden, die ebenso wie die schwarzen Vulkanreste stark erodieren, ihren Teil zum meist gesprenkelten Sand bei.

Die Insel erreicht zwischen der Nord- und Südwestspitze eine Länge von knapp 100 Kilometern und misst an der breitesten Stelle 31 Kilometer. Der Istmo de la Pared ist mit fünf Kilometern Breite die schmalste Stelle Fuerteventuras und gliedert die Insel in zwei Teile: den nördlichen Teil Maxorata, nach dem auch die ursprünglichen Inselbewohner Majoreros benannt sind, und die südliche Halbinsel Jandía, wo sich die höchste Erhebung Fuerteventuras befindet, der 807 m hohe Pico de la Zarza (auch Pico de Jandía genannt).

Geologie Phasen der Entstehung mini|Calderón Hondo bei Lajares Das geologische Alter der vulkanischen Insel, das heißt der über Wasser erstarrten Gesteine, wurde mittels Ar/Ar-Datierung mit etwa 22 Millionen Jahre ermittelt,Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands. Terra, Harpenden 2002, ISBN 1-903544-07-6, S. 29 (Classic Geology in Europe 4). andere Forscher sprechen von 20,6 Millionen Jahren.C. J. Stillman: Giant Miocene landslides and the evolution of Fuerteventura, Canary Islands. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research, 94, 1/4, 1999, S. 89–104 (Abstract), (englisch); Zugriff: 24. Juni 2011. Die ihr benachbarte und ursprünglich mit ihr verbundene Insel Lanzarote entstand hingegen vor etwa 15,5 Millionen Jahren.

Wie bei anderen Inseln des Archipels liegen der Entstehung von Fuerteventura drei Schildvulkanstrukturen zugrunde (12–22 Millionen Jahre alt).Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands. Terra, Harpenden 2002, ISBN 1-903544-07-6, S. 24 (Classic Geology in Europe 4). Es handelt sich dabei um einen südlichen, einen mittleren und einen nördlichen Vulkankomplex, die inzwischen stark erodiert sind und teilweise unter der Meeresoberfläche liegen. An diesen wurden vor allem die radialen Gangschwärme untersucht.E. Ancochea, J. L. Brändle, C. R. Cubas, F. Hernán, M. J. Huertas: Volcanic complexes in the eastern ridge of the Canary Islands. The Miocene activity of the island of Fuerteventura. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research, 70, 3/4, März 1996, S. 183–204 (Abstract), (englisch); Zugriff: 24. Juni 2011.

Die Schildvulkane wiederum ruhen auf noch älteren Strukturen, die entweder als unterseeische Vulkane (Seamounts) wirksam waren und unterhalb des Meeresspiegels blieben, oder später durch Landhebungen aufgrund der vulkanischen Aktivität (Intrusionen) bzw. eines absinkenden Meeresspiegels über die Wasseroberfläche hinausragten. Sie haben ein Alter von etwa 22 bis 48 Millionen Jahren. Unterhalb der Seamounts wiederum befinden sich Sedimentschichten und ozeanische Kruste, die hier 180 Millionen Jahre alt ist.

Wie auf allen Inseln der Kanaren folgte den Aufbauperioden eine Phase der Erosion und eine einige Millionen Jahre währende Pause in der vulkanischen Aktivität. Diese setzte erst vor rund fünf Millionen Jahren wieder ein und dauerte bis in die erdgeschichtliche Gegenwart an; die letzten Eruptionen fanden vor einigen Tausend Jahren statt.

Erosion mini|Küstenerosion (Luftbild La Pared) Die ältesten Teile der Insel sind im Westen, die jüngsten im Osten sichtbar. Daraus ist ersichtlich, dass die Erosion große Teile der früheren Inselstruktur zerstört hat, was gemäß der vorherrschenden Lehrmeinung nicht zuletzt auf enorme Flankenkollaps-Ereignisse zurückzuführen ist.Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands. Terra, Harpenden 2002, ISBN 1-903544-07-6, S. 21 (Classic Geology in Europe 4). Wasser, vor allem Meereserosion und Wind trugen das ihrige zum heutigen Aussehen der Insel bei. In den Kaltzeiten wurde bei niedrigem Meereswasserstand durch den Wind viel Material abgetragen und in Dünen angehäuft, wobei sich Sedimente, etwa Muschelsand mit vulkanischen Gesteinspartikeln vermischten. Auch hoben Intrusionen unter Fuerteventura und La Palma Teile dieser Inseln um mehrere tausend Meter an.Hans-Ulrich Schmincke: Vulkanismus. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14102-4, S. 65.

Klima Das Klima ist das ganze Jahr über mild, was den Kanarischen Inseln den Beinamen Inseln des ewigen Frühlings eingebracht hat. Das Meer gleicht die Temperaturen aus, und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara weitgehend fern. Fuerteventura ist mit 147 mm pro Jahr im Kanarenvergleich sehr niederschlagsarm. Die Wolken ziehen darüber hinweg, weil die Berge zu niedrig sind. Verstärkt durch die Fehler der Vergangenheit (Brennholzgewinnung, Haltung freilaufender Ziegen) wirkt sich dies in jüngster Zeit besonders auf die Landwirtschaft aus. Man spricht von Halbwüste mit Tendenz zur Wüste. Palmen und andere Gewächse werden fast ausschließlich künstlich bewässert. Die teilweise starken Regenfälle in den Wintermonaten fließen, begünstigt durch die fehlende Vegetation, größtenteils ungenutzt und ungebremst ins Meer ab. Die Erosion ist sehr hoch. Speicherbecken füllen sich immer wieder mit Material auf und müssen ausgebaggert oder neu angelegt werden.

Ein besonderes Wetterphänomen ist die Calima, ein heißer Ostwind aus der Sahara, der feine Staubpartikel mit sich bringt und dadurch die Sicht beeinträchtigt. Während einer Calima-Wetterlage kann die Temperatur sprunghaft um 10 °C ansteigen und die Luft extrem trocken werden. In manchen Jahren bringt der Wind auch Schwärme afrikanischer Wanderheuschrecken mit, wie beispielsweise im Februar 2026 oder im November 2004. Die älteste urkundliche Erwähnung dieses Phänomens stammt aus dem Jahr 1628.

mini|Klimadiagramm

Auswirkungen Klimawandel Die Langzeitmessungen der mittleren Jahrestemperatur für das Gebiet von Fuerteventura zeigen einen Anstieg der Temperaturen. Temperaturanomalien werden durch Messungen für jeden Monat seit 1979 bis heute deutlich. Die Anomalie gibt an, um wie viel wärmer oder kühler es im Vergleich zum 30-jährigen Klimamittelwert von 1980–2010 war. An den meisten Orten der Insel ist im Laufe der Jahre eine Zunahme der wärmeren Monate festzustellen, was die mit dem Klimawandel verbundene globale Erwärmung widerspiegelt. Dadurch ist mit Verlusten von endemischen Tier- und Pflanzenarten zu rechnen.

Anstieg Meeresspiegel Wissenschaftliche Untersuchungen sagen einen Anstieg des Meeresspiegels von etwa 18 Zentimeter bis zum Jahr 2050 voraus. Ein Greenpeace-Bericht von 2024 schätzt den durchschnittlichen Anstieg des Meeresspiegels bis zum Ende des Jahrhunderts auf 27 bis 75 cm, was aufgrund des Klimawandels einen Verlust der Strandfläche von etwa 48 % in einem Szenario mit niedrigen Emissionen, jedoch von 80 % in einem Szenario mit hohen Emissionen bedeuten würde.

Natur und Landschaft Fauna Die Insel ist ein wichtiges Vogelschutzgebiet. Unter Schutz stehen u. a. die Dünen von Corralejo, das Monumento Natural Malpaís de la Arena, der Barranco de los Molinos und der Malpaís Grande nahe der Caldera de los Arrabales. Neben verschiedenen See- und Raubvogelarten genießt vor allem die Saharakragentrappe (Chlamydotis undulata fuerteventurae) besonderen Schutz.

mini|Atlashörnchen auf Fuerteventura In Fuerteventuras Berglandschaft, aber auch an den zu den Stränden der Ostküste abfallenden Hängen, kann man auf Atlashörnchen (Atlantoxerus getulus) treffen, die von Fall zu Fall an Menschen gewöhnt sind. Die ersten Tiere wurden 1965 aus Nordafrika eingeschleppt; sie vermehrten sich rasch und richten heute teilweise schwere Schäden an der Vegetation an. Außerdem sind der Nordafrikanische Igel (Erinaceus algirus, der als Insektentilger geschätzt wird), Fledermäuse und eine Spitzmausart (Crocidura canariensis) sowie Kaninchen (Jagdwild) verbreitet.

Im Hafen von Morro Jable gibt es eine Meeresschildkrötenauffangstation, in der verletzte Tiere gepflegt werden, um sie anschließend wieder freizulassen. Die Station kann zu bestimmten Zeiten besichtigt werden.

Flora und Vegetation mini|Balsam-Wolfsmilch im Barranco de Teguereyde Angesichts geringer Niederschläge ähneln weite Teile der Insel einer Halbwüste, in der vornehmlich gegen Trockenheit resistente Arten (Xerophyten) vorkommen. Durch die isolierte geographische Lage begünstigt konnten sich etliche endemische Arten ausbilden. Eine Charakterpflanze Fuerteventuras ist der Strauch-Dornlattich (Launaea arborescens), ein auch in Nordwestafrika und der Sahara weit verbreiteter genügsamer Strauch, der perfekt an trockenes Klima angepasst ist und monatelang ohne Wasser auskommt. Auf den Kanaren ist er als aulaga bekannt. Vielerorts sind Wolfsmilchgewächse wie König-Juba-Wolfsmilch (Euphorbia regis-jubae) und Balsam-Wolfsmilch (Euphorbia balsamifera) zu sehen, letztere wird auf Fuerteventura tabaiba dulce (deutsch Süße Wolfsmilch) genannt. Einem Kaktus ähnlich ist die Kanaren-Wolfsmilch (Euphorbia canariensis), deren kandelaberartige Triebe eine Wuchshöhe von bis zu 3 m erreichen. Auf Fuerteventura ist diese Art u. a. im Barranco de Vinamar anzutreffen.Rolf Goetz: Flora der Kanarischen Inseln. Bergverlag Rother, München 2017, ISBN 978-3-7633-6102-1, S. 54. Ebenfalls oft mit einem Kaktus verwechselt wird die Jandía-Wolfsmilch (Euphorbia handiensis). Die endemische Art kommt bis auf vereinzelte Exemplare im Inselnorden ausschließlich auf der Halbinsel Jandía vor.

mini|Seidenhaariger Goldstern im Tal von Betancuria Weitere auf Fuerteventura endemische Arten (teils auch auf Lanzarote verbreitet):Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die Kosmos-Kanarenflora. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-440-12607-3Rolf Goetz: Flora der Kanarischen Inseln. Bergverlag Rother, München 2017, ISBN 978-3-7633-6102-1. Balsam-Aeonium (Aeonium balsamiferum) Bolles Levkoje (Matthiola bolleana) Bonnet-Natternkopf (Echium bonnetii var. fuerteventurae) Burchards Fliegenblume (Apteranthes burchardii) Famara-Reichardie (Reichardia famarae) Fuerteventura-Rutheopsis (Rutheopsis herbanica) Jandía-Hasenohr (Bupleurum handiense) Kanarisches Flohkraut (Pulicaria canariensis) Purpurarien-Spargel (Asparagus nesiotes subsp. purpuriensis) Seidenhaariger Goldstern (Asteriscus sericeus) Thymianblättriges Sonnenröschen (Helianthemum thymiphyllum)

mini|Palmenhain im Barranco de la Madre del Agua