Mentuhotep IV. regierte etwa von 2001 bis um 1994 v. Chr.Jahreszahlen nach Wolfgang Helck et al.: Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-447-04468-3. als altägyptischer König (Pharao) der 11. Dynastie (Mittleres Reich). Im Königspapyrus Turin steht statt seines Namens die Eintragung 7 Jahre weggelassen.

Hinweise

Erstes Regierungsjahr Mentuhotep IV. ist von Felsinschriften aus dem Wadi el-Hudi, die von einer Expedition unter der Leitung eines Antef stammen, bekannt.A. Fakhry: The Inscriptions of the Amethyst Quarries at Wadi el Hudi. Nr. 1 bis 4, vielleicht 5. In Ain Suchna, einem Ort am westlichen Ufer des Roten Meeres, wenig südlich von Sues, fand sich ebenfalls eine Inschrift.M. Abd el-Raziq et al.: Les Inscriptions d’Ayn Soukhna. Nr. 4a und 4b. Dieser Ort war der Hafen für Expeditionen in den Sinai.

Zweites Regierungsjahr Inschriften von Mentuhotep IV. kennt man aus dem Wadi Hammamat, wo sie sein Wesir Amenemhet in den Fels meißeln ließ. Dorthin führte der Wesir eine Expedition, um einen Sarkophag für den König zu besorgen. In diesen Inschriften wird das geplante Sed-Fest und das sogenannte „Gazellenwunder“ erwähnt. Nr. 1, 40, 105, 110 (Das Gazellenwunder: Eine Gazelle legt sich vor der versammelten Expeditionsmannschaft auf einen Stein, der für den Sarkophag des Königs vorgesehen ist, und bekommt ein Junges. In dieser Inschrift wird auch die volle Titulatur Neb-taui-Res genannt.), 113, 191 (Hier wird seine Mutter Imj genannt. Sie wird nur als Königinmutter bezeichnet, nicht als Königsgemahlin, woraus geschlossen wird, dass Neb-taui-Re nicht-königlicher Abstammung war.) 192, 241.J. Couyat, P. Montet: Les inscriptions hiéroglyphiques et hiératiques du Ouâdi Hammâmât. Nr. 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59 (Hier wird Nessumontus Teilnahme bezeugt, der später Amenemhet I. bei der Festigung seiner Herrschaft helfen wird.), 60G. Goyon: Nouvelles Inscriptions Rupestres du Wadi Hammamat. und W. K. Simpson: Historical and Lexical Notes on the New Series of Hammamat Inscriptions. Kommentar zu den Inschriftenpublikationen.. Die Inschriften im Wadi el-Hudi führen auch bis ins zweite Jahr.A. Fakhry: The Inscriptions of the Amethyst Quarries at Wadi el Hudi. Nr. 4.

Unbestimmt Weitere Erwähnungen finden sich auf einer Schale aus el-Lischt, die der Herrin von Dendera gewidmet ist und ebenfalls den Namen Amenemhets I. trägt.H. E. Winlock: The Rise and Fall of the Middle Kingdom in Thebes. S. 54; Hayes: The Scepter of Egypt. S. 167 (hier auch erste Abbildung); Arnold: Amenemhat I and the Early Twelfth Dynasty at Thebes. In: The Metropolitan Museum of Art 1991 Metropolitan Museum Journal. Nr. 26, 1991, S. 12 (neue Abbildung und Rekonstruktion der ganzen Schale). Es wird darüber spekuliert, ob Amenemhet I. diese Schale bei seinem Umzug von Theben nach Iti-taui mitgenommen hat. Dagegen wird vorgebracht, dass sie zu zerbrechlich gewesen sei. Auch der Verweis auf Dendera sagt diesbezüglich nichts aus, da Amenemhet I. auch Stücke, die eindeutig dem Fayyum zuzuordnen sind, Hathor geweiht hat. Neuere Überlegungen machen es jedoch wahrscheinlich, dass der Herrscher nicht auf der Schale genannt wird, sondern dass der dortige Königsname zum Horusnamen von Mentuhotep II. zu ergänzen ist.Peter Janosi: Montuhotep-Nebtawyre and Amenemhat I: Observations on the Early Twelfth Dynasty in Egypt, in: Metropolitan Museum Journal, 45 (2010), 7–20 (online: )

Bei diesen Grabungen kamen auch Kacheln oder Fliesen zum Vorschein. Sie wurden entdeckt, als die Gründungsgruben an den Ecken der Pyramide von Amenemhet I. ausgehoben wurden. Die ägyptischen Arbeiter kamen mit einem Kachelfragment zu Herbert Eustis Winlock. Dieser konnte die Aufschrift jedoch nicht entziffern und gab sie an William Christopher Hayes weiter, der den Namen als den Mentuhoteps identifizierte. Die Kachel ist offenbar mit Fayence überzogen und die Hieroglyphen scheinen eingelegt zu sein.H. E. Winlock: The Rise and Fall of the Middle Kingdom in Thebes. S. 54 und Hayes: The Scepter of Egypt. S. 176; L. M. Berman: Amenemhet I. Dezember 1985, S. 14 (Berman scheint die Kachel nicht gesehen zu haben). Die Zuweisung an Mentuhotep IV. bleibt Spekulation. Alle diese Gegenstände wurden vom Team des Metropolitan Museum of Art entdeckt.

Darüber hinaus werden noch einige Skarabäen und Siegel erwähnt. Einer stammt aus Harageh am Eingang zum Fayyum und ist ein Doppelskarabäus mit einer S-Schleife in einer Kartusche auf der einen und dem Namen Neb-taui-Re auf der anderen Seite.R. Engelbach: Harageh. Tafel 20, 6. Weitere Stücke werden von HallH. R. H. Hall: Catalogue of Egyptian Scarabs I, Royal Scarabs. Nr. 150, 152, 154, 156. und PetrieF. Petrie: Scarabs ad Cylinders with Names. Tafel XI, 11. 5. 1–2. aufgeführt. Diese Stücke versuchte StockH. Stock: Studien zur Geschichte und Archäologie der 13. bis 17. Dynastie Ägyptens unter besonderer Berücksichtigung der Skarabäen dieser Zwischenzeit. S. 13. als zeitgenössisch und sich auf den Herrscher beziehend nachzuweisen, da sie sich stilistisch und vom Fundort her ihrer Entstehungszeit zugehörig zeigen. BermanL. M. Berman: Amenemhet I. Dezember 1985, S. 14. und SimpsonW. K. Simpson: Historical and Lexical Notes on the New Series of Hammamat Inscriptions. S. 25. schließen sich ihnen nicht nur an, sondern fügenW. K. Simpson: Historical and Lexical Notes on the New Series of Hammamat Inscriptions. S. 25, Fußnote 12. sogar noch zwei weitere Stücke hinzu, für die „Objects from the King Fouad I Gift“ to the Egyptian Museum, Cairo, Journal d’entrée Nos. 83670, 85232 (ASAE, XLI (1942), 222) als Quelle angeführt wird. Sie sind wohl alle als Mottoskarabäen mit der Aufschrift Re ist der Herr der beiden Länder zu verstehen und datieren in das Neue Reich. Keiner von ihnen dürfte zeitgenössisch sein.vgl. die Diskussion in K. Ryholt: The Political Situation of Egypt during the Second Intermediate Period. Kopenhagen 1997, S. 62–64.

Eduard Meyer erwähntE. Meyer: Nachträge zur ägyptischen Chronologie. 1907, S. 26 und In: E. Meyer: Geschichte des Altertums. ein Fragment aus Deir el Bahri, wofür er Edouard NavilleH. É Naville: The Temple of Deir el Bahari. (= Egypt Exploration Fund. [EEF] Band 12–14, 16, 19, 27, 29). London, 1894–1898, S. 8. als Quelle anführt.

Königslisten In den Königslisten von Sakkara und Abydos wird Neb-taui-Re nicht erwähnt; auf Se-anch-ka-Re folgt sofort Amenemhet I. In der Königsliste von Karnak aus der Zeit von Thutmosis III. folgt auf Nummer 6: Neb-hetep-Re und Nummer 7: Snefer-ka-Re unter Nummer 8 ein [...]ta[...]. Dieser wird allgemein zu Neb-taui-Re ergänzt, wobei allerdings auch Se-anch-ib-taui gemeint sein könnte, denn die Tafel von Karnak ist allgemein sehr ungenau. Bei Nummer 7 wäre so auch ein Schreibfehler für Se-anch-ka-Re möglich.

Belegt sind ausschließlich zwei Regierungsjahre. Meist werden diesem Herrscher aber noch fünf oder sieben „leere Jahre“ zugerechnet, die im Turiner Königspapyrus erwähnt werden. Auch hier ist ein Fehler des Schreibers nicht auszuschließen.

In Karnak ist aber ein Bruchstück einer weiteren Königsliste aus der Zeit von Amenhotep I. aufgetaucht, auf der zwischen Se-anch-ka-Re und Amenemhet I. ein „Gottesvater“ Sesostris eingeschoben ist. Dies hat im Zusammenhang mit den „leeren“ Jahren auf dem Turiner Papyrus zu vielen Spekulationen Anlass geboten.

Mögliche Gegenkönige in Unternubien Die Reichseinigung war noch nicht gefestigt. Vor allem im Unternubien gab es noch Widerstand einiger – wahrscheinlich örtlicher – Könige, die ihre Namen ebenfalls in Kartuschen schrieben: An(jotef) Sa Re Ini, (Qai-ka-Re, Hor Senefer-taui) Ijibchentre (Hor Gerg-taui) Segerseni (Menech-ka-Re (Thronname))

Forschungsgeschichte Die ersten Hinweise auf Neb-taui-Re brachte James Burton.J. Burton: Excerpta Hieroglyphica. Malta 1825–1828. Reprint: LTR, Wiesbaden 1982, ISBN 3-88706-093-8, Band III und VII. Die Expedition von Carl Richard Lepsius Mitte des 19. Jahrhunderts konnte dann weitere Inschriften findenKarl R. Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Band 12, Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1849 – 1859.. Dabei wurden die ersten Inschriften im Wadi Hammamat entdeckt und im Anschluss auch publiziert.

Für Verwirrung sorgte die Einordnung Neb-taui-Res in die Reihe der Mentuhoteps. Da er auf den Königslisten nicht erwähnt wird, wurde er für einen Vorgänger von Neb-hetep-Re und Se-anch-ka-Re gehalten. Da er aber für seine Expedition bereits Leute aus Menat-Chufu rekrutieren konnte, musste er nach der Reichseinigung durch Neb-hetep-Re regiert haben. Erst die Identifizierung seines Wesirs Ameny mit Amenemhet I. hat hier den Ausschlag gegebenGeorges Posener: Littérature et politique dans l’Égypte de la XIIe dynastie. 1956. Beispielhaft zeigt sich die anfängliche Unklarheit in den verschiedenen Publikationen James H. Breasteds. In seiner History of Egypt. (1905)J. H. Breasted: Ägyptische Geschichte. schrieb er noch die Inschrift mit dem Gazellenwunder Se-anch-ka-Re zu, aber bereits in seinen englischen ÜbersetzungenJ. H. Breasted: Ancient Records. und in einem AufsatzJ. H. Breasted: The eleventh Dynasty. konnte er die Verhältnisse klären.

Weiter wurde ihm lange Zeit eine Inschrift in Konosso zugeschriebenAlfred Wiedemann: Ägyptische Geschichte. Band 1, Gotha 1884 und G. Steindorff: Die Könige Mentuhotep und Antef. Zur Geschichte der 11. Dynastie. S. 79.. Simpson konnte diese Inschrift Neb-hetep-Re zuweisen.

Durch den Nachweis, dass die Inschrift von Konosso nicht Neb-taui-Re zuzusprechen sei, änderte sich die Einschätzung dieses Königs ganz beträchtlich. Anfangs hatte man ihn noch für bedeutend gehaltenA. Wiedemann: Ägyptische Geschichte. Band 1., da er so viele und große Expeditionen organisieren konnte, danach hielt man ihn für einen schwachen König, der von seinem viel mächtigeren Wesir gestürzt worden seiW. K. Simpson: Historical and Lexical Notes on the New Series of Hammamat Inscriptions. S. 25 und Richard A. J. Tidyman: Further Evidence of a Coup d’État at the End of Dynasty 11? 1995, S. 103f..

MurnaneW. J. Murnane: Ancient Egyptian Coregencies. S. 227f. vermutete aufgrund der Schale aus el-Lischt sogar eine Coregentschaft mit Amenemhet I. Wie aber BermanL. M. Berman: Amenemhet I. bemerkt hat, steht das im Widerspruch zu der Vermutung BeckerathsJ. von Beckerath: Zur Begründung der 12. Dynastie durch Ammenemes I., dass Amenemhet I. zu Beginn seiner Regierung einen anderen Namen getragen habe, da auf der Schale die übliche Form erscheint.

WinlockH. E. Winlock: The Rise and Fall of the Middle Kingdom in Thebes. S. 91 vermutete, dass der Umzug von Theben nach Iti-taui bereits unter Neb-taui-Re stattgefunden haben könnte.

Literatur

Allgemeines Darrell D. Baker: The Encyclopedia of the Egyptian Pharaohs. Band 1: Predynastic to the Twentieth Dynasty (3300–1069 BC). Bannerstone Press, Oakville 2008, ISBN 978-0977409440, S. 229–230. Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3, S. 158–159.

Zum Namen Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1984, ISBN 3-422-00832-2, S. 64, 194. Jules Couyat, Pierre Montet: Les inscriptions hiéroglyphiques et hiératiques du Ouâdi Hammâmât. Imprimerie de l'IFAO, Le Caire 1912. Georges Goyon: Nouvelles Inscriptions Rupestres du Wadi Hammamat. Adrien-Maisonneuve, Paris 1957.

Detailfragen Dorothea Arnold: Amenemhat I and the Early Twelfth Dynasty at Thebes. In: The Metropolitan Museum of Art 1991 Metropolitan Museum Journal. Nr. 26, 1991, S. 5–48. Lawrence Michael Berman: Amenemhet I. A Dissertation Presented to the Faculty of the Graduate School of Yale University in Candidacy for the Degree of Doctor of Philosophy, December 1985. Jürgen von Beckerath: Zur Begründung der 12. Dynastie durch Ammenemes I. In: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Nr. 92, 1965, S. 4–10.