The Westies, auch als West Side Irish Mob bezeichnet, war eine hauptsächlich von Irischamerikanern dominierte Bande im organisierten Verbrechen von New York City.

Der Name war entstanden, weil sie vor allem im westlichen Stadtteil Hell’s Kitchen von Manhattan tätig war. Die Bande hatte ihren größten Einfluss von 1965 bis 1988 und war vermutlich für die Ermordung von bis zu 100 Personen verantwortlich. Besonders berüchtigt war sie durch ihre rücksichtslose Leichenbeseitigung (Zerteilung) und ihre Zusammenarbeit mit der Gambino-Familie.

Geschichte Vorläufer In Hell’s Kitchen hatten sich um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert vor allem Iren niedergelassen. Die Gophers, eine der klassischen Banden von New York, beherrschten seit 1890 den Bezirk und konnte auf ihrem Höhepunkt 1907 auf rund 500 Angehörige zählen. Die Bande verbündete sich später mit den Hudson Dusters, aber beide konnten sich nicht gegen die italienischen Five Pointers und gegen die jüdische Eastman Gang durchsetzen.

Offenbar gerieten die Gophers 1908 unter die Kontrolle von Jack Zelig, der die größte Fraktion der Eastmans kontrollierte, als sich diese Bande nach der Verhaftung von Monk Eastman 1904 zersplittert hatte.

Insbesondere durch die Prohibition in den Vereinigten Staaten geriet die Bande weiter unter Druck, mit dieser endete im Prinzip die Phase der klassischen Bande in New York und nach 1920 existierten die Gophers nicht mehr. Einige Mitglieder setzten ihre kriminelle Karriere in anderer Form fort.

Mitglied Owney Madden wurde Partner von Dutch Schultz, der im benachbarten Stadtbezirk The Bronx seine Machtbasis hatte. Schultz war zudem Mitglied der Seven Group und galt als „Bierbaron der Bronx“, denn gerade irischstämmige US-Amerikaner wollten auch während der Prohibition nicht auf den Genuss von Bier verzichten.

Schultz, eigentlich ein Kosher Nostra, hatte neben Madden viele andere irischstämmige Mitglieder in seiner Bande aufgenommen. Insbesondere mit dem Ex-Gophers Vincent „Mad Dog“ Coll gerieten Madden und Schultz in einen blutigen Konflikt, der 1932 durch die Ermordung Colls beendet wurde.

Dutch Schultz selbst wurde dann 1935 ermordet, da er sich nicht an Anweisungen des National Crime Syndicate unter Lucky Luciano gehalten hatte und weiter plante, den gegen beide ermittelnden Staatsanwalt zu ermorden.

Auch in den 1940er und 1950er Jahren kontrollierten irische Bandenführer das Gebiet. Anführer wie Eddie McGrath, zusammen mit seinem Schwager Johnny „Cockeye“ Dunn und Squint Sheridan, beherrschten die Gegend um die Manhattan Westside. In den 1950er Jahren begann allerdings der Niedergang der Docks in der West Side. Die Zeit der Linienschiffe neigte sich dem Ende zu und auch immer mehr Transportgüter wurden verstärkt über den Flugverkehr abgewickelt. Die drei Gangster zogen sich zurück; 1959 verließ McGrath als letzter das Viertel und ging nach Florida.

Ihr Nachfolger wurde Michael J. „Mickey“ Spillane, dem die illegalen Einnahmequellen der vorherigen Gangstergrößen quasi in den Schoß fielen. Zusätzliche Reputation erhielt er durch die Heirat mit Maureen McManus im August 1960, welche aus einer angesehenen Politikerfamilie stammte. Diese Familie übte mit Hilfe des Midtown Democratic Club die politische Kontrolle im Bezirk seit 1905 aus.

Diese politische Verbindung eröffnete neue Geschäftsfelder, da nun der Bausektor offenstand. Die Iren stiegen verstärkt ins labor racketeering ein und hatten somit die Hand auf den Baustellen des New York Coliseum, Madison Square Garden und später des Jacob K. Javits Convention Center.

Bis 1965 hatte Spillane den größten Teil der illegalen Geschäfte an sich gerissen; insbesondere zählten dazu auch die illegalen Straßenlotterien. Diverse andere Geschäftsfelder lagen dagegen in den Händen der italoamerikanischen Fünf Familien der La Cosa Nostra; insbesondere der Gambino- und Genovese-Familie.

Der Verfall in Hell’s Kitchen nahm weiter zu. Spillane trat im Viertel wie ein Pate der Mafia auf und verteilte Gefallen und Geschenke im Viertel. Kranke Nachbarn erhielten Blumen ins Krankenhaus geschickt oder Bedürftige zu Thanksgiving (en.: Erntedankfest) einen Truthahn.

Spillane-Coonan Krieg Hintergrund In seiner Anfangszeit hatte Spillane auch auf das Mittel der Entführung zurückgegriffen, um Lösegeld kassieren zu können. Opfer bei einer dieser Aktionen in den 1950er Jahren war der Vater von James „Jimmy“ Coonan gewesen. Nicht nur, dass dieser während seiner Entführung durch Spillane mit einer Pistole geschlagen (englisch Pistol-whipping) worden war, hatte Spillane eine offen zur Schau gestellte Affäre mit Coonans Mutter. 1966 trat die daraus resultierende Abneigung Coonans gegenüber Spillane offen zu Tage, als Coonan vom Dach eines Hauses mit einer Maschinenpistole das Feuer auf Spillane und dessen Leute eröffnete.

Obwohl keiner dabei verletzt wurde, war die Botschaft eindeutig angekommen. Coonan, sein Bruder Jackie, Eddie Sullivan, Bobby Huggard und Georgie Saflita hatten sich positioniert.

Westside-Regeln Eine Art ungeschriebenes West-Side-Gesetz besagte, dass keinen weiteren Bewohnern der West Side Schaden zugefügt werden sollte. Ebenso wie Coonan den beliebten Spillane nicht sofort ausschalten konnte, war es auch Spillane nicht ohne weiteres möglich direkt gegen Coonan vorzugehen. Trotzdem kursierten schon bald Gerüchte, dass Auftragskiller (von außerhalb) durch Spillane beauftragt worden waren. So sollte als erster Eddie Sullivan, da dieser von der East Side stammte und somit keinen Schaden in Spillanes Reputation hervorrufen würde, durch Bobby Lagville ausgeschaltet werden.

Doch das Vorhaben wurde bei Coonan und Sullivan bekannt und Ende März 1966 die Leiche von Lagville gefunden. Nur wenig später manifestierten sich die Gerüchte, ein Auftragskillerteam aus Texas sei angeworben worden. Durch kleinere Überfälle hatten sich Coonan und seine Männer Geld besorgt und sich mit Waffen ausgerüstet. Sie waren nun bereit für die große Konfrontation mit Mickey Spillane. Doch dieses Vorhaben ruinierte Jackie Coonan, der auf eigene Faust eine weitere Bar ausrauben wollte. Der plötzliche Widerstand des Besitzers sorgte jedoch dafür, dass ihn Jackie Coonan erschoss und dieser letztendlich verhaftet wurde.

Irrtum und Verurteilung Nur wenige Tage darauf, am 3. April 1966, wurden die beiden Zivilisten Jerry Morales und Charles Canelstein Opfer der Coonan Truppe. Beide waren in einer Bar auf Eddie Sullivan getroffen und dieser wähnte das angekündigte Spillane-Killer-Team von außerhalb vor sich.

Unter dem Vorwand einer Polizeikontrolle lockte Sullivan Morales und Canelstein in ein Auto (Coonan und weitere Gefährten waren bereits zur Stelle). Nach kurzer Fahrt und dem Versuch beide zu berauben, wurden die beiden in einen Hinterhalt getrieben und niedergeschossen. Während Morales bis zum Eintreffen der Polizei verstarb, überlebte Canelstein trotz schwerer Verletzungen. Einen Tag später konnte die Polizei aufgrund von Zeugenaussagen Coonan, Sullivan und den Fahrer Billy Murtha festnehmen.

Am 12. Mai 1966 wurden alle Beteiligten verurteilt. Sullivan erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe, während Jimmy Coonan 5 bis 10 Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung (wofür er selbst schuldig plädierte) erhielt. Er wurde nach Sing Sing gebracht, wo bereits Bruder Jackie inhaftiert war.

Coonans Rückkehr Im Herbst des Jahres 1970 wurde Coonan vorzeitig entlassen und kehrte nach Hell’s Kitchen zurück. Spillane war noch immer die beherrschende Figur der Gegend und Coonan war auf sich allein gestellt. Im Jahr 1971 begann Coonan, der zwischendurch kleinere Jobs übernommen hatte, wieder sein Gangsterleben aufzunehmen und beging einige kleinere Überfälle.

Später versuchte er es auch wieder mit Entführungen, wobei ein Versuch jedoch missglückte, da der Entführte direkt in die Arme eines Polizisten fliehen konnte. Coonan tauchte sofort unter; nach einigen Monaten kehrte er jedoch wieder zurück und sah sich 1972 mit einer Anklage konfrontiert, von der er jedoch freigesprochen wurde, da das Opfer sich mittlerweile weigerte, eine Aussage zu tätigen.

1973 kaufte er sich mit dem geringen Kapital, was er noch hatte, eine Kneipe, welche als 596 Club bekannt wurde und schon bald zum Stammort für viele Jungkriminelle der Umgebung wurde. In der Folgezeit wurde es schon bald als Gegenpunkt zum Hauptquartier von Spillane in der White House Bar, wo die ältere Generation von Gangstern ihre Zeit verbrachte, angesehen.

Erste Personen, mit der sich Coonan versuchte anzufreunden, waren Edward „Eddie“, „The Butcher“ Cummiskey, ein Schläger im Dienste von Spillane sowie Anton „Tony“ Lucich, der Coonan in die Geheimnisse des loansharkings einführte. Schon bald darauf begann Coonan selbst in das Geschäft einzusteigen und verlieh Geld an Bekannte, welche, mit zunehmender Abhängigkeit, begannen, in ihm den Boss zu sehen.

Ein weiterer Vorfall 1975 zwischen Coonan und einem Afro-Amerikaner aus Harlem, der mit seinen Freunden einen Bekannten Coonans bedrohte, sorgte für eine weitere gerichtliche Untersuchung, da Coonan diesen angeschossen hatte. Das Ganze geschah unter den Augen zweier Polizisten, die Coonan daraufhin verhafteten. Coonan wurde aber gegen Kaution wieder freigelassen.

James „Jimmy“ Coonan war bewusst, dass er sich nicht weiter so verhalten konnte und Unterstützung benötigte, eine Art Assistenten. Als diesen erkor er Francis „Mickey“ Featherstone aus.

Coonan & Featherstone Featherstone war ein Ex-Soldat, der im Vietnamkrieg gekämpft hatte, jedoch von seiner Dienstzeit vorzeitig zurückgekehrt war. Schon in seiner Jugend war er auffällig für gewalttätiges Verhalten gewesen und litt unter traumatischen Erfahrungen durch Misshandlungen aus seiner Dienstzeit. Nach seiner Armeezeit stellte er sich Konflikten gezielt in den Weg, anstatt ihnen auszuweichen, was in der Folgezeit in verschiedene Morde führte. Jedoch gelang es seinen Anwälten Featherstone aufgrund von mentaler Instabilität (ihm wurde später schizophrene Paranoia attestiert) von der Mordanklage freizusprechen.

Im Sommer 1975 kam es nun zu einem Konflikt, der die Wege von Coonan und Featherstone kreuzen lassen sollte. Patrick „Paddy“ Dugan, ein Kleinkrimineller und Junkie, der regelmäßig in Coonans 596 Club zugegen war, erschoss im Streit seinen besten Freund Denis Curley am 25. August 1975. Die ganze Nachbarschaft war in Aufregung und besonders Eddie Cummiskey, ein enger Freund von Curley, war außer sich vor Wut und schwor offen Rache. Für Coonan bot sich hier die Chance, Dugan zu opfern, um so die Sympathien von Cummiskey zu gewinnen. In der Zwischenzeit liefen die Geschäfte Coonans immer besser und er hatte Kontakte zu Charles „Ruby“ Stein geknüpft, einem erfolgreichen Kredithai, welcher ein Assoziierter der Genovese-Familie von Anthony Salerno war. Coonan war zwischendurch mit seinem Geschäftspartner Charles Krueger; welcher nebenbei als Barkeeper in Coonans Club arbeitete; in Auseinandersetzungen geraten, da dieser auf eigene Faust Geschäfte übernahm.

Coonan täuschte nun eine Entführung Kruegers vor, was jedoch von vornherein geplant war. Ausübende Personen waren dabei Billie Beattie und Paddy Dugan. Das geforderte Lösegeld legte (der eingeweihte) Coonan für Krueger aus, wofür dieser ihm dankbar war. Doch Dugan wurde durch seine Drogenprobleme unberechenbar; nur wenige Monate später im November 1975, entführte er Krueger ohne Erlaubnis von Coonan erneut und forderte ebenso erneut von Coonan das Lösegeld. Dugan verschwand am 17. November 1975 spurlos; vermutlich war er das Opfer von Coonan und Eddie Cummiskey, die ihn gemeinsam ermordeten und die Leiche zerlegten. Cummiskey lernte in der Attica Correctional Facility den Beruf des Metzgers (daher sein Spitzname) und war somit Profi im gezielten Zerlegen. Dugans Mord sollte dafür sorgen, dass nun auch Coonan diese Profession erlernte.