mini|Fossil Mammalia von Richard Owen – Titelblatt der 1. Lieferung des 1. Bandes von 1838 mini|Darwinnandu (Pterocnemia pennata) gezeichnet von John Gould – Tafel 47 aus The Zoology of the H.M.S. Beagle, Band 3, Teil 5 The Zoology of the Voyage of H.M.S. Beagle ( für: Die Zoologie der Reise der H.M.S. Beagle) ist der Titel eines unter der Aufsicht von Charles Darwin herausgegebenen, mehrteiligen Werkes, in dem die zoologischen Ergebnisse seiner Ende 1831 begonnenen und fast fünf Jahre dauernden Reise mit der Beagle veröffentlicht wurden.

Richard Owen, George Robert Waterhouse, John Gould, Leonard Jenyns und Thomas Bell übernahmen die wissenschaftliche Bearbeitung der von Darwin gesammelten Fossilien, Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien und Amphibien. Mit finanzieller Unterstützung der britischen Regierung erschien die „Zoologie“ vom Februar 1838 bis Oktober 1842 in 19 Einzellieferungen mit insgesamt 166 farbigen und schwarz-weißen Lithografien.

Neben seinen herausgeberischen Pflichten hatte Darwin als Autor nur einen geringen Anteil am Gesamtwerk. Das nie ins Deutsche übersetzte Werk ist für die Zoologie noch heute als Quelle zahlreicher Erstbeschreibungen von Bedeutung.

Entstehungsgeschichte Die Reise mit der H.M.S. Beagle Vorbereitung auf die Reise Charles Darwin hatte im Frühjahr 1831 seine theologischen Studien am Christ’s College der Universität Cambridge mit dem ersten akademischen Grad Baccalaureus Artium abgeschlossen. Als er Ende August 1831 von einer geologischen Exkursion in Nordwales zurückkehrte, fand er einen Brief seines Mentors und Freundes John Stevens Henslow vor. Henslow teilte Darwin mit, dass er ihn für eine Vermessungsexpedition an Bord der H.M.S. Beagle nach Südamerika empfohlen hatte, deren Kapitän Robert FitzRoy nach einer Begleitung suchte. Nachdem sich beide zur gegenseitigen Zufriedenheit kennengelernt hatten und Darwin die Zustimmung seines Vaters zum geplanten Unternehmen erhalten hatte, reiste er nach London, um sich auf die Reise vorzubereiten.

Neben dem Kauf der notwendigen Ausrüstung frischte Darwin seine Kenntnisse in Tierpräparation auf. Der Taxidermist und Vogelhändler Benjamin Leadbeater erklärte ihm, wie man Bälge, d. h. die abgezogene Haut mit Haaren oder Federn, in mit Terpentin getränkte Kartons verpackt. William Yarrell, Zoologe und Gründungsmitglied der Zoologischen Gesellschaft Londons, zeigte Darwin wie sich Gefäße mit Hilfe von Harnblasen, Stanniol und Firnis wasserdicht verschließen ließen. Philip Parker King, der die erste Reise der H.M.S. Beagle kommandiert hatte, unterwies ihn im Gebrauch von Arsenseife und Konservierungspulver. Die für die Konservierung der Zoophyten (wirbellosen Tiere) wichtigen Hinweise kamen von Robert Edmond Grant, der Darwin während dessen Zeit in Edinburgh für das Studium von Meerestieren begeistert hatte. Der am Britischen Museum tätige Robert Brown beriet ihn bei der Auswahl des für wissenschaftliche Untersuchungen unerlässlichen Mikroskops.Desmond/Moore S. 130 f. Derart vorbereitet verließ Darwin an Bord der H.M.S. Beagle am 27. Dezember 1831 den Hafen bei Plymouth.

Zoologische Notizen mini|Die H.M.S. Beagle an der Einfahrt zum Beagle-Kanal (Murray Narrows) in Feuerland – Darstellung von Conrad Martens (1801–1878), von 1833 bis 1834 offizieller Schiffsmaler der HMS Beagle Seine Eindrücke und Beobachtungen hielt Darwin während der Reise auf verschiedene Weise fest. Seine allgemeinen Reiseeindrücke schrieb Darwin in einem Reisetagebuch nieder, das er in regelmäßigen Abständen an seine Familie schickte. Diese Notizen wurden später Grundlage seiner Reisebeschreibung The Narrative of the Voyages of H.M. Ships Adventure and Beagle. Ein „Zoologisches Notizbuch“ begann Darwin, als die H.M.S. Beagle am 6. Januar 1832 im Hafen von Santa Cruz der Kapverdischen Insel Santiago ankerte. In dieses Notizbuch trug er alle während der Reise gemachten zoologischen Beobachtungen ein. Darwin beherzigte auch eine von William Kirby 1825 publizierte Warnung, dass alle von Vermessungsschiffen nach England gebrachten Proben wertlos seien, wenn sie nicht korrekt beschriftet seien und es nicht Angaben zur Fundstelle und Beschreibungen des Fundes gäbe.William Kirby: Introductory Address. In: Zoological Journal. Band 2, S. 1–8, London 1825; online Die von ihm gesammelten zoologischen und botanischen Exemplare inventarisierte er daher fortlaufend nummeriert in insgesamt sechs Notizheften. Die Notizhefte 1 bis 3 umfassten die in Gefäßen mit Spiritus konservierten Exemplare, die mit Metalletiketten gekennzeichnet waren, in welche die Nummer eingeprägt war. Getrocknete Exemplare erhielten farbige Papieretiketten mit einer eingedruckten Nummer und wurden in den Notizheften 4 bis 6 verzeichnet. Zuoberst auf jeder Seite vermerkte Darwin Jahr, Monat und Fundort.Specimen Lists. In: Richard Keynes (Hrsg.): Charles Darwin’s zoology notes & specimen lists from H.M.S. Beagle. Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 317–319; online In seinen „Zoologischen Notizen“ nahm Darwin häufig auf die in diesen Notizbüchern vermerkten Nummern Bezug.

Gegen Ende der Fahrt mit der H.M.S. Beagle kennzeichnete Darwin die „Art“ eines verzeichneten Exemplars mit verschiedenen Buchstaben. „A“ stand für Säugetier, „B“ für Vogel, „C“ für Schalentier, „F“ für Fisch, „I“ für Insekt, „P“ für Pflanze, „R“ für Reptil oder Amphibie und „S“ für Muschel. Nach diesen Anweisungen exzerpierte sein Gehilfe Syms Covington insgesamt zwölf Kataloge der Darwin’schen Sammlungen.Desmond/Moore S. 214.

Als Darwin am 2. Oktober 1836 in Falmouth wieder den heimatlichen englischen Boden betrat, hatte er 770 Seiten seines Reisetagebuchs beschrieben und 368 Seiten zoologischer Notizen verfasst. 1529 in Spiritus konservierte Arten sowie 3907 Häute, Felle, Knochen, Pflanzen etc. waren das Ergebnis seiner fast fünfjährigen Reise.Desmond/Moore S. 218.

Versand des gesammelten Materials hochkant=2|mini|Karte der wichtigsten Stationen während der Weltumseglung der H.M.S. Beagle Darwins Vater hatte John Stevens Henslow engagiert, um die von seinem Sohn während der Expedition mit der H.M.S. Beagle nach England zurückgeschickten Proben aufzubewahren. Mit dem Paketschiff Emulous schickte Darwin am 19. August 1832 eine erste Kiste, in der sich hauptsächlich geologische Proben befanden.Charles Darwin an John Stevens Henslow, [23. Juli –] 15. August 1832, Brief 178 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008) Etwa einen Monat später, am 23. September 1832, gingen zwei große Fässer mit fossilen Knochen, darunter die Knochen des in Punta Alta gefundenen neuen Riesenfaultiers aus der Gattung Mylodon sowie ein kleines Fass mit Fischen und eine Kiste, die Häute, Spiritusgefäße und Pillenschachteln mit Käfern enthielt, mit dem Paketschiff Duke of York auf die Reise nach England.Charles Darwin an John Stevens Henslow, [26. Oktober –] 24. November 1832, Brief 192 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008) Ohne die Gewissheit, dass seine wertvollen Stücke bei Henslow angelangt waren, bereitete Darwin die nächsten beiden Sendungen vor. Etwa die Hälfte seiner Sommerausbeute, verpackt in vier Fässern, vertraute er am 18. Juli 1833 in Montevideo dem Seeweg in die Heimat an. Darunter befanden sich die etwa achtzig in der Umgebung von Maldonado geschossene Vögel, fast zwanzig Säugetiere, Häute, Pflanzen, Käfer, Fische und weitere geologischen Proben.Charles Darwin an John Stevens Henslow, 18. Juli 1833, Brief 210 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008) Am 12. November 1833 folgten zwei weitere Kisten und ein Fass mit fast 200 Häuten von Vögeln, südamerikanischen Ratten sowie Pflanzensamen.Charles Darwin an John Stevens Henslow, 12. November 1834, Brief 229 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008)

Als die H.M.S. Beagle im März 1834 im Hafen von Port Louis (Ostfalkland) ankerte, traf ein aus dem Januar 1833 stammender Brief von Henslow ein, in dem dieser die Ankunft der ersten von Darwins abgesendeten Kiste bestätigte.John Stevens Henslow an Charles Darwin, 15. und 21. Januar 1833, Brief 196 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008) Auch die zweite Sendung war nahezu unversehrt angekommen.John Stevens Henslow an Charles Darwin, 31. August 1833, Brief 213 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008)

Mit der nach Portsmouth segelnden H.M.S. Samarang wurden Ende September 1834 von Valparaíso aus erneut zwei Fässer mit Knochen und Steinen sowie eine Kiste mit sechs Flaschen die „sehr wertvolle Arten“ enthielten verschickt.Charles Darwin an John Stevens Henslow, 4. Oktober 1834, Brief 258 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008) Die von Darwin im November 1834 zusammengepackten beiden Kisten wären beinahe verloren gegangen, denn die ursprünglich für den Transport vorgesehene H.M.S. Challenger sank 1835 vor der chilenischen Küste.Charles Darwin an John Stevens Henslow, 8. November 1834, Brief 263 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008) An der Westküste Südamerikas nahm die H.M.S. Conway Ende Juni die letzten beiden großen Kisten mit von Darwin gesammelten Material an Bord.Charles Darwin an John Stevens Henslow, 12. August 1835, Brief 283 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. September 2008) Alle später gesammelten Proben, einschließlich der von den Galápagos-Inseln stammenden Finken, wurden an Bord der H.M.S. Beagle nach England transportiert.

Die Finanzierung der „Zoologie“ Von mehreren Zoologen gedrängt, unter ihnen William Sharp Macleay, die zoologischen Ergebnisse seiner Reise mit der H.M.S. Beagle zu veröffentlichen, entwickelte Darwin Anfang 1837 erste Pläne für die Umsetzung. Das Werk sollte in mehreren Teilen erscheinen, die jeweils von einem anderen Autor bearbeitet werden sollten. Vorbilder sah er im Atlas zu der Reise im nördlichen Afrika (1826–1828) von Eduard Rüppell sowie im Werk Recueil d’observations de zoologie et d’anatomie comparée (1811–1833) von Aimé Bonpland und Alexander von Humboldt. Darwin erkannte, dass ohne die finanzielle Unterstützung durch die Regierung das Vorhaben nicht durchführbar war, da insbesondere durch die geplanten Illustrationen hohe Kosten entstehen würden.Charles Darwin an Leonard Jenyns, 10. April 1837, Brief 354 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. September 2008) Im Mai 1837 wandte er sich an Edward Adolphus Seymour, Präsident der Linné-Gesellschaft, Edward Smith Stanley, Präsident der Zoologischen Gesellschaft, und William Whewell, Präsident der Geologischen Gesellschaft, mit der Bitte um Unterstützung für sein Vorhaben.Charles Darwin an John Stevens Henslow, 18. Mai 1837, Brief 355 in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. September 2008)

Alle drei unterzeichneten die folgende Empfehlung:Charles Darwin an Francis Beaufort, 16. Juni 1837, Brief 360a in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. September 2008)

Francis Beaufort, dem er diese Empfehlung zunächst übersandte, empfahl Darwin das Anliegen dem Kanzler des Finanzministeriums Thomas Spring Rice durch John Stevens Henslow oder eine andere Cambridger Persönlichkeit vortragen zu lassen. Henslow kam einer entsprechenden Bitte durch Darwin schnell nach.Charles Darwin an John Stevens Henslow, 20. Juni 1837, Brief 361a in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. September 2008)John Stevens Henslow an Thomas Spring Rice, 21. Juni 1837, Brief 361b in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. September 2008)