mini|Ein sorgfältig ausgeleuchtetes Restaurant
Unter dem Stichwort Innenbeleuchtung (auch Innenraumbeleuchtung) wird in diesem Artikel die Beleuchtung in Innenräumen behandelt. Sie erfolgt mit natürlichen und mit künstlichen Lichtquellen.
Die Funktionen der Innenraumbeleuchtung bestehen darin, erstens Licht in Innenräume zu bringen, welches gutes Sehen möglich macht, und den Innenraum zweitens – im Zusammenspiel mit der Architektur und der Innenarchitektur – zweckmäßig und ansprechend und so zu gestalten, dass das architektonische Design maximale Wirkung entfaltet und dass Menschen sich darin wohlfühlen. Innenraumbeleuchtung setzt Stimmungen, orientiert und lenkt Bewegungen und Blicke, gliedert, skulpturiert und akzentuiert.
Innenraumbeleuchtung wird entweder von Lichtdesignern, von Innenarchitekten, von Architekten oder von Laien gestaltet. Im Architekturstudium wird über Innenraumbeleuchtung allerdings meist nur Grundlegendes gelehrt.
Für die Beleuchtung von Bühnen siehe Theaterbeleuchtung; für die Beleuchtung von Filmsets in Filmstudios siehe Beleuchter. Speziell für die Innenbeleuchtung von Wohnungen siehe Wohnraumbeleuchtung.
Funktionen der Innenbeleuchtung Als Gebiete der Bildenden Kunst sind Architektur und Design Künste, die in erster Linie an den Gesichtssinn adressiert sind. Es ist daher im Interesse eines Designers, nicht nur sein Design zu beherrschen, sondern auch das Licht, in dem er es präsentiert. Während ein gutes Lichtarrangement die beabsichtigte Wirkung eines Designs zur Entfaltung bringt, kann ein minderwertiges diese Wirkung im Gegenteil konterkarieren. Wie der amerikanische Lichtdesigner Sage Russell, Autor des einflussreichen Lehrbuchs The Architecture of Light (erstmals 2008), aufgewiesen hat, sollte Lichtdesign nicht im Anschluss an Designprozesse stattfinden, sondern als Teil des Designprozesses:
Typische Ziele, die durch Lichtdesign erreicht werden sollen, sind die, Personen auf die bestmögliche Weise durch einen Raum zu führen, ihnen das Gefühl zu verschaffen, dass der Raum hell ist, und durch Hell-Dunkel-Kontraste Blickfänge zu schaffen. Abwesenheit von Lichtdesign zeichnet sich häufig entweder durch das Ansammeln unmäßig starker Leuchten aus, oder dadurch, dass Licht in einem Raum gleichmäßig „ausgossen“ wird. Gutes Lichtdesign dagegen bedeutet häufig, dass insgesamt weniger Licht (insbesondere weniger künstliches Licht) verwendet wird als bei unprofessioneller Beleuchtung, dieses aber gezielter und zweckmäßiger eingesetzt wird. Auch ist gutes Lichtdesign etwas grundsätzlich Anderes als das Ansammeln von visuell attraktiven Leuchten:
Innenbeleuchtung mit künstlichen Lichtquellen Geschichte
Die heutige Art der Beleuchtungstechnik, die künstliche Leuchtmittel kennt, ist noch relativ jung. Teilweise bis ins 20. Jahrhundert wurden Wohnräume mit Hilfe von Fackeln, Kienspan, Öllampen oder Kerzen beleuchtet, oft nur als eine punktuelle Aufhellung des Raumes. Eine Verbesserung der Beleuchtung stellt die Petroleumlampe mit Runddocht und Glaszylinder dar, wie sie seit Beginn des 19. Jahrhunderts existieren. Im 19. Jahrhundert fand in wohlhabenden Haushalten auch Gasbeleuchtung eine gewisse Verbreitung.
Mit der Erfindung der – inzwischen in vielen Ländern der westlichen Welt nicht mehr gehandelten – Glühlampe durch Thomas Alva Edison konnte die Beleuchtung von Innenräumen weltweit verbessert werden. Die Elektrifizierung der Haushalte und damit die Verbreitung elektrischer Wohnraumbeleuchtung begann in Deutschland – ausgehend von Berlin – in den 1880er Jahren. Bis 1910 waren in Berlin 3,5 % der Wohnungen ans elektrische Netz angeschlossen; 1914 waren es 5 % und Ende der 1920er Jahre mehr als die Hälfte. Deutschlandweit waren 1933 70 % aller Haushalte elektrifiziert. Besonders gut versorgt waren die Bauernhöfe, von denen Mitte der 1930er Jahre bereits 90 % einen Stromanschluss hatten.
Der kulturelle Diskurs über ein „helles Wohnen“ hatte in Deutschland in Folge der großstädtischen Wohnungsnot der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert begonnen: Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, der Gründerzeit, waren in Städten wie Berlin und München als Folge der Industrialisierung mehr und mehr Mietskasernen erbaut worden, in deren mangelhaft beleuchteten Hinterhäusern Arbeiterfamilien auf engstem Raum und unter primitiven Bedingungen wohnten. Als Reaktion darauf entstanden Wohnreformbewegungen wie das Neue Bauen, die in der Zeit des Ersten Weltkrieges erste Modellsiedlungen hervorbrachten. Deren Architekten waren um qualitätsvolle Baukunst bemüht und darum, auch Geringverdienern „Licht, Luft, Sonne, Hygiene“ zu bieten.
Leuchtmittel und Leuchten für die Innenbeleuchtung
Bei der Auswahl der Leuchtmittel für die Innenbeleuchtung sind unter anderem Größen wie der Lichtstrom (Lichtmenge, gemessen in Lumen), die Farbwiedergabeeigenschaften (Farbwiedergabeindex) und die Lichtfarbe zu berücksichtigen. Fragen der Energieeffizienz bzw. der Lichtausbeute und der Wirtschaftlichkeit gewannen im Laufe des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Zu den in Innenräumen am häufigsten verwendeten Leuchtmitteln zählen heute LED-Leuchtmittel, Leuchtstofflampen („Energiesparlampen“) und Halogenglühlampen. Gelegentlich werden auch Halogen-Metalldampflampen verwendet. Für Nacht- und Sicherheitslichter wird in Innenräumen daneben zum Teil auch Elektrolumineszenz-Folie eingesetzt.
Lichtdesigner arbeiten vorzugsweise mit solchen Lichtquellen, die als solche gar nicht ins Auge fallen sollen und darum so weit wie möglich verborgen werden. Dekorative Leuchten, die selbst Produkte von Designprozessen sind, werden nur dort eingesetzt, wo sie als Blickfang ausdrücklich erwünscht sind.
Bauliche Rahmenbedingungen
Welche Lichtinstallationen möglich sind oder leicht eingerichtet werden können, hängt nicht zuletzt von der Bauweise ab, die sich wiederum in verschiedenen Ländern stark unterscheiden kann. So haben beispielsweise in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten in die Decke versenkte Downlights extrem starke Verbreitung gewonnen. Hintergrund ist die in den USA übliche Holzrahmenbauweise, bei der die Decken deshalb sehr niederschwellig auch nachträglich mit elektrischen Leitungen und Einbauleuchten ausgestattet werden können, weil sie aus Holzbalken mit etwa 35 cm breiten Zwischenräumen bestehen, die nach unten hin mit Gipskarton verschlossen werden; der Letztere kann selbst von Amateuren leicht geöffnet und wieder verschlossen werden. In Europa dagegen sind Decken meist massiv und aus Materialien wie Beton, was nachträgliche Modifikationen aufwendig und teuer macht. Infolgedessen werden Wohnungen in Europa schon beim Bau mit Deckenanschlüssen in allen Räumen ausgestattet. In den USA dagegen werden z. B. Schlafzimmer meist ohne Deckenanschlüsse erbaut, aber mit jeweils einer designierten Steckdose, die von einem Schalter an der Zimmertür gesteuert werden kann.
Parameter der Beleuchtung Weder kann die Luft in einem Raum beleuchtet werden, noch sind die Augen dafür beschaffen, mit Licht, das direkt aus einer Lichtquelle kommt, viel anzufangen. Ein Kronleuchter z. B. kann zwar ein Blickfang sein; damit jemand das Licht, das er emittiert, als hell wertschätzen kann, muss dieses Licht aber von einer Oberfläche reflektiert werden. Die Tätigkeit des Lichtdesigns wird darum zentral darin gesehen, ausgewählte Flächen und Objekte mit natürlichem oder künstlichem Licht zu „bemalen“. Wichtige Parameter, die dabei eine Rolle spielen, sind die Textur, die Form, die Intensität und die Farbe des Lichts sowie die Position der beleuchteten Flächen und der Lichtquellen.
Lichtintensität
Die Helligkeit eines Raumes hängt – außer von der Größe des Raumes und der Anzahl und Stärke der Lichtquellen – u. a. von der Farbe und Textur der großen Flächen (Wände, Decke, Boden) ab:
Die Farbe der beleuchteten Flächen ist auch dann für die Beleuchtungsintensität maßgeblich, wenn Objekte mit Strahlern akzentuiert werden sollen.
Bei der Lichtintensität (Lichtstärke) ist zu unterscheiden zwischen a. der Beleuchtungsstärke, die für individuelle visuelle Aufgaben – etwa das Lesen, Kochen oder Zeichnen – nachweislich erforderlich ist, und b. der vom Menschen empfundenen Helligkeit eines Raumes. Die erstere lässt sich genau messen und in physikalischen Einheiten ausdrücken, während die letztere von einer Anzahl von Faktoren abhängt, von denen die messbare Lichtintensität nur einer unter mehreren ist. Zwar geben der Einzelhandel und individuelle Dienstleister etwa in Deutschland Empfehlungen für Beleuchtungsstärken, doch hat der DIN, der zwar Beleuchtungsstärken etwa für Arbeitsplätze, Schulen, Museen, Hotels und Restaurants normiert hat, aus gutem Grunde darauf verzichtet, Entsprechendes auch für Wohnraum zu unternehmen. Wie Lichtdesigner Lichtstärkeanforderungen im Detail bestimmen und berechnen, hat beispielsweise Sage Russell in den Kapiteln 18–20 seines Buchs The Architecture of Light dargestellt.
Mindestlichtstärken für spezifische visuelle Aufgaben Wer sicherstellen möchte, dass auch im Wohnbereich für spezifische visuelle Aufgaben genug Licht zur Verfügung steht, kann sich an den DIN-Normen für entsprechende Aufgaben in anderen Typen von Umgebungen orientieren. Eine alternative Quelle sind die Tabellen des AMEV, der etwa für Waschräume und Toilettenbereiche 200 Lux, für Spielzimmer in Kindergärten und für reine Computerarbeitsplätze ein Minimum von 300 Lux, für Lesebereiche in Bibliotheken, für Schreibtische in Büros und für Restaurantküchen 500 Lux, und für Zeichenplätze in Büros sowie für Kunsträume in Kunstschulen 750 Lux empfiehlt. Bei der Lichtgestaltung solcher Arbeitsplätze muss auch berücksichtigt werden, dass beispielsweise LED-Lampen über die Zeit an Leistung verlieren.
Ältere Menschen benötigen bei spezifischen visuellen Aufgaben überdies bis zu zweimal mehr Licht als jüngere.
Vom Menschen empfundene Helligkeit Die menschliche Helligkeitswahrnehmung ist keineswegs allein eine Frage der in einem Raum messbaren Lichtmenge. Sie wird vielmehr von vier weiteren Faktoren mitbestimmt: mini|Adaption: Wer eine Sonnenfinsternis beobachtet, wird um den Eindruck einer Verdunkelung seiner Umgebung bis zu einem gewissen Grade dadurch betrogen, dass das Auge sich an die verminderte Helligkeit anpasst. Adaption: Der menschliche Gesichtssinn ist äußerst anpassungsfähig und vermag bei ganz unterschiedlichen Helligkeiten gut zu arbeiten, wenn auch das Auge beim Wechsel zwischen verschiedenen Helligkeiten eine gewisse Adaptionszeit braucht. Skotopisches Sehen ist bereits bei weniger als 1 Lux möglich (Vollmondlicht hat 0,05–0,1 Lux); bei sehr großen Lichtmengen dagegen funktioniert zwar Sehen noch, doch wird die Netzhaut geschädigt (im Tierversuch bei 6.000 Lux). Menschen können Helligkeitsunterschiede beobachten; ohne Hilfsmittel sind sie jedoch nur eingeschränkt in der Lage einzuschätzen, wie hell eine Umgebung absolut ist. Da der Gesichtssinn Veränderungen der Lichtkonzentration zuverlässig kompensiert, kann man es sich bei der Lichtgestaltung in vielen Fällen erlauben, sehr wenig Licht zu verwenden. Helligkeitskontrast: Menschliches Beurteilen von Helligkeit basiert zu einem erheblichen Teil auf der Wahrnehmung von Kontrasten. Dass zwei Oberflächen (z. B. zwei im rechten Winkel sich berührende Wände) nicht ein und dieselbe, sondern zwei verschiedene sind, erkennt das Auge daran, dass sie Licht unterschiedlich stark reflektieren. Je größer der Unterschied ist, umso höher veranschlagen Menschen die Helligkeit.
mini|Phototropismus: Ein Blickfang
Phototropismus: Die menschliche Neigung, hell beleuchteten Flächen und Objekten mehr Aufmerksamkeit zu widmen als weniger hell beleuchteten, können Lichtdesigner sich zunutze machen, indem sie durch geschickte Lichtinstallationen suggerieren, ein Raum sei heller, als er tatsächlich ist.