mini|Evangelische Kirche mini|Das ehemalige Schloss
Gräfenhausen (mundartlich: Grewwehause) ist ein Stadtteil von Weiterstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geografie Geografische Lage Gräfenhausen liegt nördlich der Kernstadt Weiterstadt an der A 5. Die nahegelegene Autobahnraststätte Gräfenhausen ist nach dem Ort benannt. Das Wohngebiet ist von landwirtschaftlichen Flächen umgeben. Im Norden liegen der Steinrodsee und die Waldgebiete Sensfelder Hardt und Sensfelder Tanne, südlich des Ortes befindet sich das Waldgebiet Täubcheshöhle. Durch die Gemarkung fließen der Apfelbach, der Mühlbach und der Ohlenbach. Gräfenhausen liegt etwa sieben Kilometer nordwestlich von Darmstadt und ca. 14 Kilometer südlich des Frankfurter Flughafens.
Zu Gräfenhausen gehören auch der östlich der A 5 gelegene Weiler Sensfelder Hof und das Gewerbegebiet „Am Rotböll“.
Nachbargemeinden Im Norden grenzt Gräfenhausen an Mörfelden-Walldorf im Landkreis Groß-Gerau, im Nordosten an Erzhausen, im Osten an den Darmstädter Stadtteil Wixhausen, im Südosten an den Darmstädter Stadtteil Arheilgen, im Süden an die Kernstadt Weiterstadt, im Südwesten an den Weiterstädter Stadtteil Braunshardt und im Westen an den Weiterstädter Stadtteil Schneppenhausen.
Natur und Schutzgebiete Naturschutzgebiet Am Kleewoog von Gräfenhausen Naturdenkmale: die Binnendünen Rotböhl (Naturdenkmal und FFH-Gebiet) und Sanddüne am Apfelbach.
Geschichte Ortsgeschichte 1211 wurde Gräfenhausen im Güterbuch (Oculus Memoriae) des Klosters Eberbach erstmals genannt („Dragebodo hat uns, als er zu uns ins Kloster eintrat, […] und eine Manse in Gräfenhausen übertragen.“) Jener Dragebodo war ein Bruder von Eberhard I. von Dornberg, Stammvater der Herren von Dornberg zu Burg Dornberg im Groß-Gerauer Stadtteil Dornberg. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Ort in historischen Dokumenten mit wechselnden Ortsnamen genannt, von Grevenhusen im Jahr 1215 über Greffenhusen (1418), Grevenhausen (1516) bis Grebenhaußen im Jahr 1780.
Am 21. November 1225 wurde Gräfenhausen zusammen mit Schneppenhausen urkundlich erwähnt. In einer aufgesetzten Urkunde wurde ein Vogt Werner von Grevenhusen genannt, der Mitglied eines Schiedsgerichtes war. Anlass des Schiedsgerichts war ein Streit um den Wald Wintershagen zwischen dem Kloster Eberbach und den Dorfbewohnern von Arheilgen. Vom 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1658 befand sich das Dorf unter Herrschaft der Herren von Heusenstamm. Am 19. September 1658 verkauften die Herren von Heusenstamm Schloss und Dorf Gräfenhausen um 22.000 fl. an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 von Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhoben wurde.
Die Verwaltungszugehörigkeit von Gräfenhausen zur Heusenstammscher Teil der Gerauer Mark ist 1416 belegt. Von 1820 bis 1821 gehörte es dann zum Oberamt Darmstadt, von 1821 bis 1832 zum Landratsbezirk Langen, von 1832 bis 1848 wieder zum Kreis Groß-Gerau, von 1848 bis 1852 während der kurzen Zeit der Regierungsbezirke in der Provinz Starkenburg zum Regierungsbezirk Darmstadt und ab 1852 mit der Neueinführung von Kreisen zum Kreis Darmstadt.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Gräfenhausen:
Gräfenhausen erhielt 1919 die erste elektrische Beleuchtung. Zwischen 1927 und 1928 wurden Wasserleitungen verlegt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Am 1. Januar 1977 wurde Gräfenhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen zusammen mit Schneppenhausen kraft Landesgesetz in die Gemeinde Weiterstadt eingemeindet. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Gräfenhausen angehört(e):
vor 1658: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Heusenstamm ab 1658: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1783: zum Amt Darmstadt, später Oberamt Darmstadt, Cent Arheiligen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk LangenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Langen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Darmstadt ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Weiterstadt
Gerichte Gräfenhausen gehörte zur Zent Arheilgen. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war das Amt Darmstadt zuständig. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.
Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Langen das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II (Amtsgerichte ersetzen die Landgericht); zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Gräfenhausen 5475 Einwohner. Darunter waren 585 (10,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 1029 Einwohner unter 18 Jahren, 2469 zwischen 18 und 49, 1128 zwischen 50 und 64 und 852 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2356 Haushalten. Davon waren 708 Singlehaushalte, 676 Paare ohne Kinder und 711 Paare mit Kindern, sowie 207 Alleinerziehende und 54 Wohngemeinschaften. In 375 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1773 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
1791: 465 Einwohner 1800: 514 Einwohner 1806: 624 Einwohner, 101 Häuser 1829: 698 Einwohner, 106 Häuser 1867: 979 Einwohner, 152 Häuser StichtagDie Daten bis ins Jahr 1986 stammen aus dem Buch Chronik der Gemeinde Weiterstadt von Günther Hoch. Einwohner 3. Dezember 1864 941 1. Dezember 1895 1.366 17. Mai 1939 1.785 29. Oktober 1946 2.458 6. Juni 1961 2.893 27. Mai 1970 3.391 31. Dezember 1975 4.113 31. Dezember 1981 4.199 30. Juni 1986 4.562 1. Januar 2001 5.288 31. Dezember 2007 5.624
Historische Konfessionsstatistik • 1829: 663 lutheranische (= 94,99 %), 34 jüdische (= 4,87 %) und einen katholischen (= 0,14 %) Einwohner • 1961: 2221 evangelische (= 76,77 %), 591 katholisch (= 20,43 %) Einwohner
Politik Bis zur Eingliederung in die damalige Gemeinde Weiterstadt im Jahr 1977 wurde die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde Gräfenhausen durch die von den Bürgern direkt gewählte Gemeindevertretung einerseits und den Gemeindevorstand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters andererseits wahrgenommen. Nach der Eingliederung wurde für den Ortsteil Gräfenhausen davon abgesehen, einen Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher zu bilden.
Bürgermeister bis 1976 Von 1909 bis 1976 wurde die Gemeindeverwaltung von folgenden Bürgermeistern geleitet: Amtszeit Name 1909–1933 Wilhelm Petri 1933–1945 ? 1945–1946 Wilhelm Petri 1946–1964 Heinrich Steitz 1964–1976 Heinrich Bengel
Wappen links|100px
Blasonierung: „Auf einem von Rot und Silber quadrierten Schild im 1. und 4. Feld zwei nach rechts gewendete silberne blau bezungte und -betraufte Brackenköpfe.“
Das Wappen wurde der Gemeinde Gräfenhausen im damaligen Landkreis Darmstadt am 17. März 1960 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.
Es erinnert an die früheren Ortsherren von Gräfenhausen. Das Rot-weiße Schild soll das Rennfähnlein der Würzburger Bischöfe darstellen und die Brackenköpfe stammen aus der Helmzier im Wappen der Herren von Heusenstamm. Vor diesem Wappen verwendete die Gemeinde ein gespaltenes Wappen mit einem Brackenkopf links und einer unbekannten, menschlichen Figur rechts.Klemens Stadler: Deutsche Wappen, Band 3; Angelsachsen-Verlag, Bremen 1967, S. 40.
Sehenswürdigkeiten und Kultur Sehenswürdigkeiten sind die evangelische Kirche, die 1818–19 von Georg Moller erbaut wurde, mit ihrem Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert und das ehemalige Schloss Gräfenhausen (heute Pflegeheim Ohlystift) mit seinem Renaissance-Treppenturm von 1555.
Etwas weiter außerhalb liegt der Steinrodsee, der im Zuge des Baus der Reichsautobahn Frankfurt–Darmstadt(–Mannheim) (1933–1940) entstand und dann ein Naherholungsgebiet wurde. Die Sanddüne Rotböhl ist ein Naturschutzgebiet am Ostrand der Gemarkung Gräfenhausen.
Bauwerke Schloss Gräfenhausen Evangelische Kirche Gräfenhausen
Regelmäßige Veranstaltungen Am ersten Samstag nach dem 11.11. findet alljährlich die Eröffnung der Karnevalskampagne des Karnevalvereins Ahoi Gräfenhausen 1902 e. V. statt. Am ersten Sonntag nach Michaelis (29.9.) wird die Gräfenhäuser Kerb (Kirchweihe) gefeiert. Das Fest wurde 2006 vom traditionellen Kerweplatz zum Post- und Kirchplatz verlegt. November/Dezember: AdventsmarktDarmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter von Gräfenhausen Friedrich Alefeld (* 1820 in Gräfenhausen; † 1872 in Ober-Ramstadt), Arzt und Botaniker Phil Stark (* 30. Dezember 1919 in Gräfenhausen; † 14. April 1992 in Toronto), Tenor, der nach Kanada auswanderte
Mit Gräfenhausen verbunden Dieter Schlorke (* 13. Oktober 1932 in Chemnitz), Buchhändler und Schriftsteller, lebte in Gräfenhausen Am Ohlenbach
Literatur 750 Jahre Gräfenhausen 1225–1975, Gemeindevorstand Gräfenhausen 1975 Chronik der Gemeinde Weiterstadt und ihrer Ortsteile Braunshardt, Gräfenhausen, Riedbahn, Schneppenhausen. Günther Hoch. 1988, ISBN 978-3-924803-08-7.
Weblinks
Stadtteile: Gräfenhausen In: Webauftritt der Stadt Weiterstadt.
Historische Bilder. In: Webauftritt des Heimatvereins Gräfenhausen-Schneppenhausen.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Weiterstadt) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung 1211 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977