Die CDU Hessen ist der zweitgrößte Landesverband einer Partei in Hessen und mit etwa 38.500 Mitgliedern Ende 2016 der fünftgrößte Landesverband der CDU. Vorsitzender ist Ministerpräsident Boris Rhein und Generalsekretär ist Leopold Born. Sitz des Verbandes ist Wiesbaden. Die dortige Landesgeschäftsstelle ist nach dem ehemaligen Vorsitzenden Alfred Dregger benannt.

Organisation Die CDU Hessen ist in 6 Bezirksverbände aufgeteilt, die wiederum in 26 Kreisverbände und 479 Stadt-, Gemeinde- und Ortsverbände organisiert sind.

Programm 2014–2019 Das aktuelle Wahlprogramm der CDU Hessen „Gemeinsam auf dem Weg – Ideen für die Zukunft Hessens. Zukunftsprogramm 2014-2019“cdulink.de: wurde auf dem 106. Landesparteitag der CDU Hessen am 6. Juli 2013 in Offenbach am Main beschlossen.

Für das geplante neue Verfassungsschutzgesetz und für die geplante Novellierung des hessischen Polizeigesetzes erhielt die CDU-Fraktion gemeinsam der Grünen-Fraktion im Hessischen Landtag 2018 den Negativpreis BigBrotherAward in der Kategorie Politik. Laudator Rolf Gössner urteilte: Ihre Gesetzesinitiative enthält eine gefährliche Ansammlung gravierender Überwachungsermächtigungen, die tief in Grundrechte eingreifen und den demokratischen Rechtsstaat bedrohen.https://bigbrotherawards.de/2018/politik-cdu-gruene-landtag-hessen

Programm 2008–2013 Das Programm der CDU Hessen „Mutig. Modern. Menschlich. Regierungsprogramm 2008-2013“ wurde auf dem 99. Landesparteitag der CDU Hessen am 3. November 2007 in Stadtallendorf beschlossen. In der hessischen Landespolitik bezieht die CDU unter anderem folgende Positionen:

In der Schulpolitik steht die Union für die Wahlfreiheit der Eltern zwischen dem gegliederten Schulsystem und der Gesamtschule. Sie strebt an, freiwillige Ganztagsangebote flächendeckend auszubauen. Im Mittelpunkt der Schulpolitik steht das Bemühen, die Leistungsfähigkeit der Schulen zu stärken. Hierzu zählt das Zentralabitur, die weitere Verbesserung der Ausstattung der Schulen mit Lehrern und die Qualitätssicherung der Lehre. Die Hochschulpolitik der letzten Jahre war von der Auseinandersetzung um die Studiengebühren bestimmt. Nachdem diese 2008 mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei abgeschafft worden waren, kündigte Roland Koch an, sie nicht wieder einführen zu wollen.

In der Wirtschaftspolitik hält die CDU den Ausbau der Flughäfen Frankfurt und Kassel und den Ausbau der Infrastruktur, beispielsweise des Verkehrsnetzes von Autobahnen und Bundesstraßen für notwendig. Ein Schwerpunkt des Programms ist die Förderung Nordhessens. In der Finanzpolitik fordert die Union einen Stopp der Staatsverschuldung, eine Reduzierung des Länderfinanzausgleichs (bei dem Hessen größter Nettozahler ist) und einen Bürokratieabbau.

Zur Sicherstellung einer sicheren und preiswerten Energieversorgung sei ein Energiemix unter Einschluss der Kernenergie nötig. Dies erfordere eine Verlängerung der Laufzeit des Kernkraftwerks Biblis. Die Nutzung der Kernenergie ist auch Teil des Konzeptes zu einer klimafreundlichen Energieerzeugung. Weitere Aspekte hierzu sind die Förderung der Energieeffizienz und der Biomasse. Der Ausbau der Windenergie in Hessen soll nach dem Willen der Union in Hessen „mit Augenmaß“ erfolgen.

In der Innen- und Sicherheitspolitik wird eine Fortsetzung der Verstärkung der Polizei gefordert. Die CDU setzt weiterhin auf die umstrittenen Themen Videoüberwachung öffentlicher Plätze und freiwilliger Polizeidienst. Ein Schwerpunkt ist auch die konsequente Ahndung der Jugendkriminalität.

Geschichte Gründung Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch die amerikanische Besatzungsmacht das Bundesland Groß-Hessen aus der preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem Volksstaat Hessen gebildet. Dabei fielen Rheinhessen und vier in der französischen Besatzungszone gelegene ehemals nassauische Landkreise an Rheinland-Pfalz. Am 27. August 1945 gestattete die Militärregierung die Bildung von Parteien auf Kreis- und am 23. November 1945 auf Landesebene.

Am 25. November 1945 wurde daher der Landesverband Hessen der CDU gegründet. Vorweg hatten sich in vielen Städten und Kreisen lokale Parteigliederungen gebildet, so z. B. am 20. August 1945 die CDU Kassel oder am 15. September 1945 die Christlich-Demokratische Partei Frankfurt. Die Namen waren zunächst vielfältig: Die Deutsche Aufbau-Bewegung Darmstadt, die Christliche Volks-Vereinigung im Rheingau und andere Varianten einer Christlich-Demokratischen Partei. Nach dem Vorbild der Berliner Parteiorganisation wurde der Name mit der Landesverbandsgründung dann auf 'CDU' vereinheitlicht. Werner Hilpert wurde der erste Landesvorsitzende. mini|hochkant|links|Werbung um Katholiken mini|hochkant|rechts|Werbung um Protestanten Die CDU verstand sich als konfessionsübergreifende Partei. Dennoch war der überwiegende Teil der Mitglieder damals katholisch. So waren Ende 1945 477 von 599 Mitgliedern der CDU Frankfurt, einer evangelisch geprägten Stadt, katholischen Glaubens. Entsprechend schwer hatte es die CDU mit dem Parteiaufbau in den evangelischen Gebieten Nord- und Mittelhessens. Sie bemühte sich in den evangelischen Landesteilen, durch die Wahlwerbung deutlich zu machen, dass die CDU nicht die Fortsetzung der früheren Zentrumspartei Hessen, sondern eine neue, überkonfessionelle Partei war. Der am 25. November 1945 gewählte und auf dem Landesparteitag am 30. Mai 1946 bestätigte Landesvorstand war in Bezug auf die Konfessionszugehörigkeit deshalb streng paritätisch besetzt. Werner Hilpert (katholisch, früher Zentrum) als Landesvorsitzendem stand Erich Köhler (evangelisch, früher DVP) zur Seite. Anders als die CDU Nordrhein-Westfalen, die sich in den Landtagswahlen der Konkurrenz durch die wieder gegründete Zentrumspartei stellen musste (das Zentrum war dort bis 1958 im Landtag), hatte die CDU Hessen von dieser Seite keine Konkurrenz, da die Zentrumspartei in Hessen nicht zu Landtagswahlen antrat. mini|Plakat der CDU Hessen 1945

Die CDU wollte nicht nur christlich gebundene Wähler ansprechen, sondern auch das gesamte bürgerliche Spektrum. Neben Liberalen aus der früheren DDP waren dies vor allem frühere Anhänger der DVP und der DNVP sowie der in ländlichen Gebieten ehemals starken Bauernparteien in der Weimarer Republik. Während der Anteil früherer NSDAP-Mitglieder in der CDU Hessen gering war, fanden sich viele ehemalige Widerstandskämpfer in ihren Reihen: Werner Hilpert, der erste Landesvorsitzende, war einst im KZ Buchenwald inhaftiert, Cuno Raabe aus Fulda gehörte dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler an und Maria Sevenich, die der CDU aber nur kurzzeitig (bis 1948) angehörte, war 1934 durch die Nationalsozialisten zum Tode verurteilt wordenHeinrich Rüschenschmidt: Gründung und erste Jahre: Die CDU Hessen unter Werner Hilpert 1945–1952; in: Bernd Heidenreich und Werner Wolf: Der Weg zur stärksten Partei 1945-1995 / 50 Jahre CDU Hessen, Wiesbaden 1995, ISBN 3-8046-8827-6, Seite 15.

Ein namhaftes Gründungsmitglied der hessischen CDU war auch der spätere Bundesaußenminister Heinrich von Brentano.

Die CDU als linker Landesverband unter Werner Hilpert (1947–1952) Bei den Kommunalwahlen Anfang 1946 erreichte die CDU 36,9 % der Stimmen und lag damit klar hinter den Sozialdemokraten, die 43,2 % erreicht hatten. Auch die Wahl zur Verfassungberatenden Landesversammlung bestätigte dieses Bild: Die SPD erhielt 44,3 % der Stimmen, die KPD 9,7 %, so dass rechnerisch eine Mehrheit gegenüber den so genannten 'bürgerlichen Parteien' bestand. Die CDU kam mit 37,3 % auf Platz 2. Bei der Diskussion der Verfassung des Landes Hessen konnte sich die Union mit ihren wichtigsten Forderungen daher nicht durchsetzen.

Umstritten waren die Wirtschaftspolitik (siehe hierzu Sozialisierungsartikel 41), der Staatsaufbau, in dem die CDU die Einführung einer zweiten Kammer, eines hessischen Senates, forderte, und die Schulpolitik, in der die CDU für die Möglichkeit konfessioneller Schulen eintrat. Im September 1946 stimmte die Mehrheit von SPD und KPD in der Verfassungberatenden Landesversammlung gegen die Stimmen von LDP und CDU dem SPD-Entwurf der Verfassung zu. Allerdings waren große Teile der SPD mit dem Vorgehen unzufrieden, da zum einen die Zustimmung der Bevölkerung zur Verfassung nicht gesichert war und zudem die CDU als potentieller Koalitionspartner nicht verprellt werden sollte. Am 30. September 1946 kam es daher zu einem Kompromiss zwischen SPD und CDU. Bezogen auf den Sozialisierungsartikel und den Senat akzeptierte die Union die SPD-Position. In der Frage der Schul- und Religionspolitik setzte sie sich durch.Helmut Berding (Hrsg.): Die Entstehung der hessischen Verfassung von 1946: eine Dokumentation, 1996, ISBN 3-922244-98-X, Seite XXV-XXVII Die Verfassung als Ganzes wurde in einer Volksabstimmung im Dezember 1946 von 76,4 % der Wähler und der Sozialisierungsartikel von 72 % angenommen.

Bei der Landtagswahl in Hessen 1946 erreichte die Union mit 31 % ein noch schlechteres Ergebnis. Als Folge wurde eine Große Koalition aus SPD und CDU gebildet. Werner Hilpert wurde stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Stock. In den Folgejahren gab es zahlreiche Konflikte zwischen der hessischen und der Bundes-CDU. Ein Konflikt war die Hauptstadtfrage. Hier unterstützte die Hessen-CDU den Vorschlag, Frankfurt als vorläufige Bundeshauptstadt zu wählen, konnte sich aber im Parlamentarischen Rat nicht durchsetzen. Gravierender war der Konflikt um künftige Koalitionen. Während Konrad Adenauer und die Bundes-CDU auf eigene Mehrheiten und bürgerliche Koalitionen setzten, propagierte der hessische Landesverband die Einrichtung großer Koalitionen und orientierte sich konsequenterweise auch inhaltlich an den Positionen der SPD. Schon die „Frankfurter Leitsätze“, das erste Programm der CDU Frankfurt, hatten einen Christlichen Sozialismus gefordert. Die CDU Hessen galt „manchen bürgerlichen Wählern als „linke“ Volkspartei“.Wolf-Arno Kropat: Entnazifizierung, Mitbestimmung Schulgeldfreiheit: Hessische Landtagsdebatten 1947-1950, 2004, ISBN 3-930221-13-6, Seite 16

Die Anhänger einer vom Staat so wenig wie möglich regulierten Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik sowie die einer eher insgesamt national ausgerichteten Politik fanden eine Heimat vor allem bei der FDP, die in Hessen als LDP auftrat.

Das Ergebnis der Landtagswahl in Hessen 1950, in der über diese Ausrichtung abgestimmt werden konnte, war für die CDU desaströs. Lediglich 19 % der Wähler gaben ihre Stimme der Union. Im Gegenzug erreichte die LDP (in Listenverbindung mit dem Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) 31,8 % der Stimmen. Die SPD konnte alleine eine Regierung stellen.

Die CDU unter Wilhelm Fay (1952–1967) Wilhelm Fay, in der Weimarer Zeit Mitglied der Zentrumspartei, löste 1952 Werner Hilpert im Landesvorsitz ab. Fay war ab 1937 NSDAP-Mitglied gewesen. Die Zeit der ehemaligen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus in der CDU Hessen ging damit zu Ende. mini|Ergebnisse der Landtagswahlen in Hessen