mini|Wappen der Droste zu Hülshoff Droste zu Hülshoff (auch Droste-Hülshoff) heißt ein erstmals im 11. Jahrhundert als Edelherren von DeckenbrockJ. Holsenbürger: Die Herren v. Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen. Münster i. W. 1869. urkundlich erwähntes, noch blühendes Uradelsgeschlecht des Münsterlandes. Bekannt ist es vor allem durch Annette von Droste-Hülshoff, eine bedeutende deutsche Dichterin des 19. Jahrhunderts. Neben dieser berühmten Namensträgerin gehörten viele katholische Geistliche, Rats- und Handelsherren, Bürgermeister, Gutsbesitzer, Generäle, Beamte, Literaten, Wissenschaftler und Künstler zu dieser Familie.

Verwandt mit Dynastengeschlechtern, ist die Familie trotz edelfreier Abstammung zugleich das bekannteste von drei heute noch blühenden münsterschen Erbmänner­geschlechtern und verbreitete sich ab dem 16. Jahrhundert zusätzlich in Sachsen, Ostpreußen, Bayern und Baden.

Ausgestorbene andere Linien des gleichen Adelsgeschlechts waren die Droste zu Handorf, Droste zu Uhlenbrock, Droste zu Möllenbeck und zu Zützen, Droste zu Hofe, bzw. einfach Drost(e).

Keine Stammesverwandtschaft besteht jedoch zu weiteren westfälischen Geschlechtern mit dem Namen Droste, wie den Droste zu Vischering und den Droste zu Erwitte.

Der Name Droste mini|hochkant|Truchsess/Drost auf einem mittelalterlichen Kartenspiel mini|links|Burg Hülshoff, Stammgut der Familie von 1417 bis 2012 Der Familienname aller Familien Droste leitet sich vom gleichnamigen Amt des Drosten ab; es war im Mittelalter mit dem Hofamt des Truchsess, lat. dapifer, mittelhochdeutsch drotsete, identisch. Schon 1147 wird als wahrscheinlich erster Drost aus dem Adelsgeschlecht Deckenbrock/Droste zu Hülshoff Everwinus DrosteDarpe: Rotes Buch des Stifts St. Mauritz zu Münster, Seite 88 f. Er war Bürger von Münster und Villicus auf Oberhof Varwecke in Havixbeck und wegen seines Vornamens und der Verbindung zu den Vögten aus der verwandten Familie der Edelherren von Steinfurt sehr wahrscheinlich Mitglied dieser Familie. genannt, dann nachweislich als Mitglied der Stammlinie der Ritter Engelbert von Deckenbrock (1266–1298). Von solchen Ämtern, die erblich wurden, übernahmen mehrere Adelsfamilien in Westfalen den Namen Droste. Nur gelegentlich gab es verwandtschaftliche Verbindungen dieser ganz verschiedenen Familien: beispielsweise war Anna Brigitta von Droste zu Hülshoff, die Urgroßmutter der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, eine Tochter des „Erbdrosten“ aus der Familie Droste zu Vischering. Die Verweigerung der Mitgift für diese Ehe war allerdings Ursache eines Rechtsstreits zwischen beiden Familien, der 1737 damit endete, dass Maximilian Heidenreich Droste zu Vischering (1684–1751) seinem, aus einem edelfreienWilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2., erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9, S. 27 ff. Geschlecht stammenden, Schwiegersohn Heinrich Wilhelm Droste zu Hülshoff (1704–1754) und dessen Nachkommen u. a. zusichern musste, dass beim Aussterben seiner Familie die Droste zu Hülshoff deren Güter erben sollten. Diese beiden Adelsgeschlechter Droste blühen immer noch. Der Name Droste (ohne Zusatz) kommt in Norddeutschland recht häufig vor, wobei auch eine Abstammung von nicht-legitimierten Nachkommen von Adelsfamilien vorliegen kann, meist aber nicht nachweisbar ist. Diese Familien sind nicht zur Führung der Familienwappen berechtigt. Namensgeberin vieler Schulen, Straßen und kultureller Einrichtungen mit dem Namen „Droste“ – beispielsweise für die Droste-Hülshoff-Gymnasien – ist zumeist die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.

Gut Hülshoff Hülshoff ist der Name einer Wasserburg und eines Rittergutes in Havixbeck, Kreis Coesfeld, Nordrhein-Westfalen (vor 1975 zu Roxel, Landkreis Münster, gehörend), deren Bezeichnung sich von „Hülse“, dem Namen eines Ministerialengeschlechts zu Kleve ableitet, das von den Edelherren zu Tecklenburg abstammte. Die Burg, seit 1417 Stammsitz der Freiherren Droste zu Hülshoff, wurde von ihrer letzten Besitzerin 2012 in die neu gegründete Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung eingebracht.

Wappen In Schwarz ein geflügelter silberner Barsch; auf dem Helm mit schwarz-silberner Decke eine silberne Fischreuse. Der Wahlspruch lautet: E carcere coelestia appeto! (Aus dem Gefängnis strebe ich nach Himmlischem)

Geschichte Ursprung mini|hochkant|Heinrich I. von Droste zu Hülshoff (1500–1570), Reiterrelief Burg Hülshoff Schon vor fast 1000 Jahren, wurde nach 1040 als Besitz der Edelherren von Deckenbrock der ursprüngliche Familiensitz, Oberhof Deckenbrock bei Everswinkel im Kreis Warendorf, genannt, der nach einer Urkunde des Klosters Überwasser (Ursprung der Überwasserkirche) in Münster eine Abgabe zu entrichten hatte, ebenfalls im 11. Jahrhundert der spätere Familiensitz, Burg Hülshoff. Den „uralten“ Oberhof Deckenbrock und andere Höfe besaß die Familie als „freies Eigen“ (ohne Lehnsherrschaft). 1147 wird als sehr wahrscheinlich erstes Familienmitglied Everwinus Droste genannt, bevor 1209 die Stammreihe beginnt.er war Eigentümer des Oberhofs Varwecke in Havixbeck. (s. Regesta Imperii: Codex Traditionem Westfalicarum, Bd. 111, "Rotes Buch" des Stifts St. Mauritz (Münster), bearbeitet von Prof. Dr. Darpe, 1888, S. 168)Als Bürger von Münster, wegen seines Vornamens und der Verbindung zu den Vögten aus der verwandten Familie der Edelherren von Steinfurt war er sehr wahrscheinlich Mitglied der Deckenbrock/Droste zu Hülshoff

Die Herkunft der Edelherren von Deckenbrock ist noch nicht endgültig geklärt. Dass es sich um ein altes Dynastengeschlecht handelt, darf angenommen werden. Denn zum Oberhof Deckenbrock dürften zahlreiche Unterhöfe gehört haben, von denen einige nachgewiesen sind. Ursprünglicher Sitz dürfte das unmittelbar angrenzende Haus Borg gewesen sein, auf dessen Gelände, das ursprünglich dem Domkapitel von Münster, dann dem Stift Überwasser gehört haben dürfte, schon 867 als „Eigenkirche“ die Wehrkirche von Everswinkel gegründet worden ist. Am wahrscheinlichsten ist eine Abstammung von den Edelherren von Steinfurt, indirekt auch von den Edelherren von Münster-Meinhövel, mit denen die Ebenbürtigkeit derer von Deckenbrock durch Heiraten nachgewiesen ist.Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2., erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9, S. 35

Mit Bernhard I. beginnt vor mehr als 800 Jahren (25 Generationen) die sichere Stammfolge dieser Familie, die als bischöfliche Kämmerer später zur Ministerialität des Bischofs von Münster gehörte. Bernhard wurde als Ritter (miles) in einer Urkunde der Äbtissin des adeligen Damenstiftes zu Überwasser in Münster, Westfalen, 1209 als Zeuge Bernhardus de Thekenbroke, Herr des Oberhofes Deckenbrock, erstmals genannt.Westfälisches Urkundenbuch III, 60. Die Teilnahme des o. g. Bernhard von Deckenbrock am Dritten Kreuzzug in dem durch Bernhard und Rudolf von Steinfurt angeführtenDas Bistum Münster 4,2. Das Domstift St. Paulus zu Münster, bearbeitet von Wilhelm Kohl, herausgegeben vom Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen, Verlag: Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/New York, ISBN 978-3-11-008508-2, S. 6. Ritterheer des seinerzeitigen Bischofs von Münster Hermann II. von Katzenelnbogen und damit von Kaiser Friedrich Barbarossa ist wahrscheinlich. Neben dem Wappentier fliegender Fisch (analog dem Wappen der Familie Brockdorff) weist darauf eine Familienüberlieferung hin, nach der sie wegen der Teilnahme an der Belagerung von Akkon das kirchliche Privileg der Befreiung vom Fasten besaß.

Bereits der o. g. 1147 urkundliche Everwinus Droste hatte sehr wahrscheinlich das Amt des „Drosten“ des Domkapitels Münster bekleidet; es war das vornehmste Hofamt im Hochstift Münster. Insbesondere das Domkapitel besaß damals großen Grundbesitz im Münsterland, den der Drost verwaltete. Dieses Amt wurde in der Familie spätestens mit Engelbert von Deckenbrock erblich; er erwarb 1266 auch die Ämter des Kämmerers des durch Bischof Hermann I. gegründeten adeligen Damenstifts Überwasser in Münster und des Burgmanns in der Herrschaft Ahaus. Mit Alhard I. von Deckenbrock nahm das Adelsgeschlecht nach diesem in der Familie erblichen Amt im 14. Jahrhundert den Namen Droste, mit Johann IV. Droste zu Hülshoff nach dem Erwerb der Burg Hülshoff bei Havixbeck den Namen Droste zu Hülshoff an. Die gewohnheitsrechtliche Führung des Freiherren­titels wurde 1843 durch Preußen genehmigt.

Erbmänner, Stadträte und Bürgermeister in Münster mini|hochkant|Die Bürgerhalle des Rathauses von Münster wurde erbaut unter Bürgermeister Johann III. von Deckenbrock.