mini|250px|Übersicht der Weinbaugebiete Frankreichs; das Weinbaugebiet liegt östlich unterhalb des Genfersees ca. auf halber Höhe des Landes Der Weinbau im Savoie konzentriert sich überwiegend auf die französischen Départements Savoie und Haute-Savoie. Kleinere Flächen greifen auf die Départements Ain und Isère über. Im Norden werden die Rebflächen durch den Genfersee (französisch: Lac Léman) begrenzt. Westlich bildet der Fluss Rhone die natürliche Grenze. Einzige Ausnahme dieser westlichen Grenze bildet ein kleines Weinbaugebiet mit dem Namen Bugey.

Die Weinbaugebiete Im Jahr 1973 kam es mit der Neudefinition der Herkunftsbezeichnungen Vin de Savoie und Roussette de Savoie zu einer starken Vereinfachung der Struktur. Besonders hervorzuhebende Regionen oder Gemeinden erhielten einen Sonderstatus als Cru und dürfen seither den Namen des Cru auf dem Etikett der Weinflasche erwähnen. Verbunden mit diesem Privileg sind jedoch strengere Vorschriften in Form geringerer Erträge sowie höherer Mostgewichte. Insgesamt 19 Crus, also kleine Subregionen wurden unter den beiden obengenannten regional organisierten Herkunftsbezeichnungen definiert. Daneben blieben die kleinen AOC-Bezeichnungen Crépy und Seyssel erhalten. Gleiches gilt auch für den im Département Ain hergestellten Wein Vin du Bugey.

Wichtige Anbauflächen konzentrieren sich um den Lac du Bourget und die Städte Aix-les-Bains und Chambéry. Den Abschluss im Süden bilden vereinzelte Rebflächen im Tal des Flusses Isère.

82 % der Weinproduktion entfallen auf das Département Savoie. Die restlichen 18 % verteilen sich auf die Départements Haute-Savoie (7 %), Ain (4 %) und Isère (7 %). Der Anteil von Weißwein an der Gesamtproduktion liegt nahe bei der 70-Prozent-Marke.

Auf fast 2120 Hektar Rebfläche werden jährlich ca. 135.000 Hektoliter Wein hergestellt. Der überwiegende Teil wird lokal verkauft. Hierbei spielt der Sommer- und vor allem der Wintertourismus eine wichtige Rolle, stellt aber aufgrund der ausgeprägten Saisonalität des Absatzes ein Problem für die Lagerhaltung und Logistik dar. Der Export dieser Weine ist nahezu inexistent.

Bas Chablais Das Südufer des Genfersees Allgemein wird davon ausgegangen, dass es bereits zur römischen Zeit einen Weinanbau im Bas-Chablais am Südufer des Sees gab. Erste schriftliche Belege finden sich indes erst aus dem Jahr 1334 in den Archiven der Gemeinde Yvoire. La Savoie au Moyen-Age, 1032-1536 in französischer Sprache, Autor: Guido Castelnuovo Ab dem Jahr 1430 finden sich erste Belege, dass sich die Rebsorte Gutedel als gut geeignete Rebsorte durchsetzen konnte. Die Nähe zum See ist Fluch und Segen zugleich. Zum einen dienen die Wassermassen des Sees als Temperaturpuffer und mildern heftige Temperaturschwankungen. Zum andern können die Schäden bei Nordwind erheblich sein. Die Wahrscheinlichkeit von morgendlichem Nebel in Ufernähe ist hoch. Die Kälte der winterlichen Nordwinde trifft unmittelbar auf die unter einer dichten Nebeldecke liegenden Rebflächen und kann unter dieser Konstellation zu schweren Frostschäden führen. Aufgrund dessen haben sich auf Dauer nur die wirklich privilegierten Lagen durchsetzen können. Das Weinbaugebiet Marêches bei Evian ist beispielsweise ganz verschwunden.

Einen eigenen Status als AOC genießt das Weinbaugebiet Crépy. Die zugelassenen Rebflächen liegen an den sanften Hängen des 735 m hohen Mont de Boisy und verteilen sich auf die Gemeinden Ballaison, Douvaine und Loisin. Das Gebiet liegt auf halbem Weg zwischen der Stadt Genf und Thonon-les-Bains. Die westlich und südwestlich ausgerichteten Weinberge liegen auf einer mittleren Höhe von ca. 400–530 m auf einem Molasse-Boden aus dem Erdzeitalter des Chattium innerhalb des Oligozän. Die Molasse wurde zur Würmeiszeit mit Moränen überzogen, die durch das Tal der Dranse dorthin transportiert wurden.

Auf dem Gebiet der Stadt Thonon-les-Bains liegen Weinflächen, die den Sonderstatus als Cru Vin de Savoie Ripaille tragen dürfen. Das Schloss von Ripaille liegt auf der Halbinsel bei Thonon. Graf Amédée VI. ließ um 1371 hier eine Burg errichten, von der heute keine Spur mehr vorhanden ist. Um 1434 erbaute an der gleichen Stelle Herzog Amédée VIII. ein neues Schloss mit sieben Türmen, das heute noch in veränderter Form zu sehen ist. Er zog sich mit sechs Rittern in sein Schloss zurück, wo er den Moritzorden, einen Ritterorden gründete. Mit seiner Wahl zum letzten Gegenpapst im Jahr 1439 ging der Besitz an den Kartäuser-Orden. Die Anlage der Weinflächen um das Schloss gehen auf die Anfangszeit unter Leitung der Kartäuser zurück. Heute befinden sich rund um das Schloss ca. 22 Hektar Rebflächen, die den Sonderstatus Vin de Savoie Ripaille genießen. Die Flächen befinden sich dabei 10 bis 25 m über dem Niveau der Wasseroberfläche auf sandigem Untergrund, der von Kies durchsetzt ist. Dieser Untergrund wurde vom Fluss Dranse in Form eines Schwemmkegels abgelagert. Das Schloss von Ripaille liegt auf der orographisch linken Seite des Flusses.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Dranse liegen die Gemeinden Marin und Publier. mini|Am südlichen Ufer des Sees erkennt man die Umrisse des halbinselförmig ausgebildeten Schwemmkegels der Dranse, der Heimat der Weinberge von Ripaille und Marin ist Die aus der Rebsorte Gutedel gekelterten Weine werden unter dem Namen Vin de Savoie Marin vermarktet. Während nahezu 100 Jahren nahm die Rebfläche kontinuierlich ab, scheint aber seit 1972 auf niedrigem Niveau stabilisiert zu sein. Mit 14,80 Hektar deklarierter Fläche sind kaum 50 Prozent der früheren Fläche übrig geblieben. Die trockenen Weine werden leicht perlend ausgebaut und werden mit ihren Aromen von Zitrone und Ananas gerne in ihrer Jugend getrunken. Einzelne Winzer bauen jedoch auch lagerfähige Weine aus. Als lokale Eigenart findet man noch gelegentlich eine Reberziehungsart, die hier Crosse genannt wird. Sechs bis zehn Meter lange Stämme aus Kastanienholz werden im Boden verankert und dienen den Reben, die rund um den Stamm gepflanzt werden, als Rankhilfe. Die unten reifenden Reben können ca. sechs bis neun Tage vor denen, die oben am Stamm reifen, geerntet werden. Außerdem reifen die südlich und östlich ausgerichteten Reben am Stamm früher. Vorteilhaft ist, dass die oben hängenden Reben starken Frühjahrsfrösten entgehen. Außerdem ist das Lesegut weniger von Pilzkrankheiten befallen. Nachteilig ist unzureichende Mengenregelung des Ertrags sowie der hohe Arbeitsaufwand, da in mehreren Lesegängen geerntet werden muss.

Der Vin de Savoie Marignan wird auf dem Gebiet der Gemeinde Sciez produziert. Den Namen bezieht dieser Cru vom Château de la Tour de Marignan, das auch dem Ortsteil Marignan seinen Namen gab. Die Weinbautradition begann im frühen 10. Jahrhundert mit der Gründung des Klosters Filly. Das Château de la Tour Marignan wurde im Jahr 1258 dem Kloster angegliedert und beherbergt heute den ältesten Weinkeller Savoyens. Unter dem Namen des Crus werden ausschließlich Weine der Rebsorte Gutedel vermarktet. Sie sind ein wenig lieblicher als die Weine der Bezeichnung Crépy und werden leicht schäumend ausgebaut. Charakteristisch für die Weine des Cru Marignan ist der Geschmack nach Feuerstein.

Im Tal der Arve In unmittelbarer Nähe der Gemeinde Bonneville wächst an den Hängen des Berges Le Môle ein Wein namens Vin de Savoie Ayze. mini|Der Berg Le Môle im Winter; an seinen südlich ausgerichteten Hängen wächst der Wein Vin de Savoie d’Ayze Der Berg Le Môle ist noch Teil des Kalksteingebirges Chablais. Bereits im Jahr 1270 bezahlten die Winzer der Region den Zehnten, und Franz von Sales berichtet in seinen Werken von einer Pfarrgemeinde Mère l'Église sur les vignes. Im 18. und 19. Jahrhundert, also in der Zeit vor der Reblauskatastrophe, waren insgesamt 600 Hektar mit Reben bestockt und die Rebflächen erstreckten sich von Châtillon-sur-Cluses bis Bonne-sur-Menoge. Heute liefern nur noch 30 Hektar in den Gemeinden Ayse, Bonneville und Marignier die Grundlage eines Schaumweins oder seltener eines Stillweins. Neben der eigenwilligen Rebsorte Savagnin, die hier Gringet genannt wird, darf dem Grundwein noch maximal 30 % der autochthonen Sorte Roussette d’Ayze beigemengt werden. Beide Sorten sind ausreichend winterfest, um in einer Höhe von 600 m ü. NN zu überleben. Der Schaumwein wird meist in klassischer Flaschengärung hergestellt. Der Wein reift dabei mindestens acht Monate auf der Hefe, bevor degorgiert – also abgeschlämmt – wird. Insbesondere die Sorte Savagnin verleiht dem Schaumwein einen etwas rauen und rustikalen Charakter, der durch eine Lagerung verfeinert wird. Da diese Rebsorte durch ihre dicke Beerenhaut kaum zu Fäulnis neigt, kann man die Trauben lange am Stock belassen und in überreifem Zustand ernten. In diesem Fall entsteht unter dem Namen Vin de Savoie Ayze ein seltener Stillwein mit ausgeprägtem Honigaroma.

Das linke Ufer der Rhône – das Alpenvorland Savoyens Zwischen Genf und den beiden Schwestergemeinden Seyssel (Haute-Savoie) und Seyssel (Ain) reihen sich eine Fülle kleiner Rebflächen. Im Vallée des Usses – dem Tal des Flusses Usses – findet man in idealer Südausrichtung in Höhen bis zu 500 m einige Rebanlagen. Das Tal selbst gehört zu den wärmsten im Département Haute-Savoie. Es wird vom Usses, einem linken Seitenfluss der Rhône, in einem etwa 500 m breiten flachen Talboden von Osten nach Westen durchflossen. Der Fluss mündet unmittelbar nördlich von Seyssel in die Rhône; die Rebflächen liegen ca. 10 km nordöstlich der Mündung. Das Tal ist rund 150 bis 200 m in die umgebenden Plateaus eingetieft. Auf einem Untergrund von Molasse aus dem Miozän, das von Moränen der Würmeiszeit überlagert wurden, gedeiht die Rebsorte Altesse hervorragend. Während die Flächen von Bassy, Challonges, Chessenaz, Clarafond-Arcine, Franclens, Musièges, Usinens und Vanzy als einfacher Roussette de Savoie vermarktet werden, genießen die Anlagen von Chaumont, Desingy und Frangy den Sonderstatus Roussette de Savoie Frangy. Erwähnt wird das Anbaugebiet bereits in einer Urkunde der Abtei Cluny aus dem Jahr 1036. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Weine in der Gegend Genfs sehr beliebt. Im zweiten Buch (1728–1731) seiner Autobiographie Les Confessions (zu deutsch Die Bekenntnisse) erwähnt der Schriftsteller und Philosoph Jean-Jacques Rousseau den Wein von Frangy lobend. Nach dem Wegfall des schweizerischen Marktes sowie der nachfolgenden Krisen durch Reblaus und Pilzkrankheiten wurde der Weinbau praktisch gänzlich aufgegeben. Erst durch die Sonderstellung innerhalb der Herkunftsbezeichnung Roussette de Savoie konnte der Weinbau wiederbelebt werden. Im Tal wachsen auch einige interessante Rotweine der Rebsorte Mondeuse, die unter der regionalen Appellation Vin de Savoie vermarktet werden.

Nördlich des Lac du Bourget liegt zwischen dem See und der Rhône die Region der Chautagne. mini|Das nördliche Ende des Sees lac du Bourget; im Bildhintergrund erkennt man den Beginn der Chautagne