Die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) ist eine gemeinnützige Luzerner Baugenossenschaft. Mit rund 16’000 Mitgliedern ist sie die grösste Wohnbaugenossenschaft der Zentralschweiz und insgesamt die fünftgrösste der Schweiz. Sie ist Eigentümerin von 16 Siedlungen mit 229 Liegenschaften und mehr als 2000 Wohnungen in Luzern und der Agglomeration und beschäftigt rund 50 Mitarbeitende. Die mit 494 Millionen Schweizer Franken bilanzierten Immobilien haben einen Versicherungswert von 584 Millionen Franken. Geschichte mini|Vorstand der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern 1924–1934 (Foto von 1934) Die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern wurde 1924 in einer Zeit der akuten Wohnungsnot als genossenschaftliche Selbsthilfeorganisation gegründet und hat die Stadt Luzern seither stark geprägt. Initiator und erster Präsident war Hans Stingelin, ein Eisenbahner der Schweizerischen Bundesbahnen, der als Sous-Chef auf dem Bahnhof Luzern arbeitete. Zum Gründungszeitpunkt hatte die Genossenschaft 178 Mitglieder. 1927 war die Zahl der Genossenschafter auf etwa 800 gestiegen. Zur Finanzierung der Bauvorhaben wurde in diesem Jahr die Darlehenskasse (heute Depositenkasse) der ABL gegründet.

Erstes Bauprojekt: Geschichte der Himmelrichsiedlung Nach Plänen des Luzerner Architekten Otto Schärli entstand von 1925 bis 1926 auf angekauftem Agrarland, der sogenannten Himmelrichmatte, im Bereich Neuweg und Bleicherstrasse die heutige Siedlung „Himmelrich 1“. Ursprünglich bestand die Siedlung aus elf sechsstöckigen Mehrfamilienhäusern inklusive Mansardengeschoss mit insgesamt 130 Wohnungen. Im September 1925 konnten hier die ersten ABL-Wohnungen bezogen werden.

In den folgenden Jahren wurden weitere Teile der Himmelrichmatte bebaut. Von 1927 bis 1929 entstand auf dem heute an der Bleicher-, Bundes- und Himmelrichstrasse gelegenen Teil des Grundstücks die Siedlung „Himmelrich 2“. Von 1931 bis 1933 wurde an der Tödi- und Claridenstrasse sowie am Heimatweg die Siedlung „Himmelrich 3“ errichtet, deren Wohnungen und Geschäftslokale durch ein ölbefeuertes zentrales Kesselhaus ferngeheizt und mit Warmwasser versorgt wurden.

Sanierungsarbeiten an den Siedlungen „Himmelrich 2“ und „Himmelrich 1“ wurden 2006 bis 2008 bzw. 2009 bis 2012 durchgeführt.

Der 1994/95 erfolgte Einbau einer Tiefgarage brachte die Häuser der Siedlung „Himmelrich 3“ in eine Schräglage; Abriss und Neubau der Siedlung wurden 2009 projektiert. Die Stadtbaukommission der Stadt Luzern genehmigte Ende 2011 die verdichtete Neubebauung des Areals; Sieger des daraufhin ausgeschriebenen Projektwettbewerbes wurde der Entwurf „Larix“ des Züricher Architektenbüros Enzmann und Fischer. 2014 stimmten die Genossenschaftsmitglieder der ABL dem Rahmenkredit zur Finanzierung des Neubauprojekts zu. Die erste Bauetappe begann im September 2015. Unmittelbar vor dem Abriss der alten Zeilenbauten stellte die ABL 50 leere Wohnungen für das Kulturprojekt „Zwischenrich – Abbruchtage“ zur Verfügung. Die ersten Wohnungen der neuen Siedlung wurden im Juni 2019 bezogen; im Oktober 2019 begann mit dem Rückbau der verbleibenden Häuserzeile an der Claridenstrasse die zweite Bauetappe. Nach acht Baujahren wurde die fertiggestellte Siedlung „Himmelrich 3“ im Oktober 2023 eingeweiht.

Geschichte der weiteren ABL-Bautätigkeit in Luzern In den 1920er bis 1950er Jahren entstanden weitere Siedlungskolonien im Breitenlachen, an der Bernstrasse und Kanonenstrasse (die heutige Siedlung „Untergrund 1“), an der Stollberghalde („Untergrund 2“), im Weinbergli, an der Spannortstrasse und im Obermaihof. Somit dehnte sich der genossenschaftliche Wohnungsbau erstmals auch auf die Hanglagen der Stadt aus, wo bislang private Einfamilienhäuser und landwirtschaftliche Flächen dominierten. Die 1930er Jahre bildeten einen Höhepunkt der Bautätigkeit der ABL: Von 1930 bis 1939 stellte die Genossenschaft 651 Neubauwohnungen fertig.

Mit der Siedlung Studhalden baute die ABL erstmals ausserhalb der Innenstadt. Zwischen 1957 und 1981 entstanden dort 328 Wohnungen, weitere 20 wurden 1983 dazugekauft. Mit abgeschlossener Bebauung der bereits 1946 erworbenen zirka 50'000 Quadratmeter grossen Studhaldener Liegenschaft hatte die ABL 1981 ihre Baulandreserven in Luzern zunächst ausgeschöpft. Angesichts der Baulandknappheit in Luzern und der stark gestiegenen Grundstückspreise konzentrierte sich in den nächsten Jahren die Neubautätigkeit der Genossenschaft auf Verdichtung vorhandener Siedlungen sowie auf Neubauprojekte ausserhalb der Stadtgrenzen.

Fassaden-Renovationen in den ABL-Siedlungen wurden in den 1950er bis 1980er Jahren durchgeführt. Ab den 1970er Jahren waren sämtliche ABL-Wohnungen zentral beheizt, und in den älteren Siedlungen waren sämtliche Bäder und zahlreiche Küchen modernisiert worden.

In den 1990er Jahren stiessen neue Sanierungspläne in der Siedlung „Breitenlachen“ (Einbau neuer Küchen und Bäder, Wärmedämmung, Erweiterung der Balkone) auf den Widerstand der Bewohnerschaft. Die geplante Sanierung wurde im April 1997 von der Generalversammlung der Genossenschaft mehrheitlich abgelehnt. Grund war der projektierte Einbau von Dachwohnungen sowie die vorgesehenen Mietzinserhöhungen. Diese Zäsur führte zu Änderungen in der internen Organisation der ABL; in die Planung künftiger Sanierungsarbeiten wurden die Mieter der betroffenen Siedlungen grundsätzlich einbezogen. Die Sanierung der „Breitenlachen“-Siedlung wurde mit etwas verändertem Konzept 1999 begonnen und 2007 abgeschlossen.

Auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Werkhofs in Bahnhofsnähe trat die Stadt Luzern im Jahr 2000 Land zur Entwicklung eines neuen städtischen Quartiers an verschiedene Investoren ab. Zwischen 2004 und 2006 entstand im Entwicklungsgebiet Tribschenstadt die ABL-Siedlung „Tribschenstadt“ mit 85 Wohnungen.

2016 übernahm die ABL das Baurecht für elf städtische Liegenschaften des nahe der ABL-Siedlung „Untergrund“ gelegenen sogenannten Entwicklungsareals „Obere Bernstrasse“. Die Stadt Luzern hatte das Areal seit 2007 für eine Bebauung mit bezahlbaren Wohnungen vorgesehen und im Folgenden unter 25 Wohnbaugenossenschaften eine Entwicklungspartnerschaft für dieses Vorhaben ausgeschrieben; die ABL und die Littauer Baugenossenschaft Matt waren die einzigen Interessenten. Den für das Neubauprojekt lancierten Wettbewerb gewann 2017 das Projekt „Forever Young“ des Basler Architektenbüros Luca Selva Architekten. 2018 bewilligten die Genossenschaftsmitglieder der ABL den Rahmenkredit für die Bebauung, die voraussichtlich 2020 beginnen soll.

Bautätigkeit und Zukäufe ausserhalb Luzerns 1967 erwarb die ABL erstmals eine Baulandparzelle ausserhalb der Stadtgrenzen in Kriens. Die dort errichtete Siedlung „Brunnmatt“ wurde 1970 fertiggestellt. Später folgte die Siedlung Mittlerhus, ebenfalls in Kriens (Neubau 1990 bis 1995). Am Mülibach in Hergiswil errichtete die ABL 2014/15 zwei vierstöckige Neubauten. Weitere kleinere Wohnanlagen wurden zugekauft: so in Littau (1992), Ebikon (1994) und Hergiswil (u. a. 2018).

Siedlungen der ABL Siedlungen in Luzern mini|Siedlung „Breitenlachen“ mini|Siedlung „Weinbergli“ mini|Siedlung „Untergrund“ Die größte ABL-Siedlung ist die in der Luzerner Neustadt gelegene Siedlung „Himmelrich“. Die drei Siedlungsteile bestehen aus sechsstöckigen Häuserblocks in überwiegend Blockrandbebauung und umfassen zusammen rund 500 Wohnungen. Die ab 1925 errichteten Häuser der Siedlung liegen in einer Ortsbildschutzzone und sind aus der Sicht der Stadtbaukommission als typische Beispiele genossenschaftlichen Wohnungsbaus grundsätzlich schutzwürdig. Ihr architektonischer Wert lässt nur moderate Veränderungen insbesondere der strassenseitigen Fassaden zu. Die Siedlungsteile „Himmelrich 2“ und „Himmelrich 1“ wurden (inklusive Anbau hofseitiger Balkone und Einbau von Dachgeschosswohnungen) zwischen 2009 und 2014 saniert. Anfang 2012 erteilte die Stadtbaukommission die Genehmigung für den Abriss und Neubau der Siedlung „Himmelrich 3“. Dem Entscheid lag die Einschätzung zugrunde, dass eine Sanierung angesichts des baulichen Zustands der Häuser wirtschaftlich unverhältnismäßig gewesen wäre. Die Arbeiten zum Rückbau und zur Errichtung von Ersatzneubauten begannen 2015, die Siedlung wurde im Oktober 2023 fertiggestellt.

Die Siedlung „Breitenlachen“ wurde zwischen 1931 und 1953 erbaut. Sie umfasst heute – inklusive der im Zuge der 1999 bis 2007 erfolgten Sanierung eingebauten Dachgeschosswohnungen – 283 Wohnungen in dreistöckigen Zeilenbauten mit dazugehörigen Gartenanlagen.

Zur Siedlung „Weinbergli“ gehören zwischen 1935 und 1949 errichtete vierstöckige Reihenhäuser und dreistöckige Häusergruppen in lockerer Bebauung, ein 1987 angefügtes Gebäude im gleichen Stil sowie ein 2012 fertiggestellter langgestreckter vierstöckiger Neubau. Die Gebäude befinden sich in recht steiler Hanglage mit Ausblicken auf den Vierwaldstättersee. Das Dach des Neubaus trägt eine Photovoltaikanlage mit einer Fläche von 370 Quadratmetern. Die älteren Siedlungsbestandteile wurden zwischen 2007 und 2018 saniert. Heute umfasst die „Weinbergli“-Siedlung 235 Wohnungen.

Die ersten Gebäude der Siedlung „Obermaihof“ wurden 1948 errichtet, weitere wurden 1960 und 2000 hinzugefügt. Hier standen ursprünglich knapp 190 Wohnungen zur Verfügung, jedoch ist derzeit bis voraussichtlich 2024 eine umfassende Erneuerung und Verdichtung des Gebäudebestandes in mehreren Etappen im Gange. Nach Abschluss des Bauprojekts soll das Quartier 227 Wohnungen bieten.

Die Gebäude der Siedlung „Untergrund“ stammen überwiegend aus den 1930er Jahren. In den dreistöckigen Häusern bewirtschaftet die ABL aktuell 104 Wohnungen. Die zum Siedlungsteil „Untergrund 6“ gehörenden Gebäude befinden sich zurzeit in Zwischennutzung bzw. befristeter Wohnnutzung. Hier ist eine Neubausiedlung mit rund 140 Wohnungen geplant, die in Zusammenarbeit mit der Littauer Baugenossenschaft Matt ab 2020 errichtet werden soll.

Die 1947 erbaute Siedlung „Spannort“ besteht aus in Reihenbauweise errichteten sechsstöckigen Wohnhäusern. Nach der 2008 bis 2010 erfolgten Sanierung stehen hier 67 Wohnungen (inklusive fünf neuer Dachgeschosswohnungen) zur Verfügung.

Die ersten Gebäude der Siedlung „Studhalden“ wurden 1957 errichtet; bis 1981 kamen in weiteren Bauetappen zusätzliche Wohnhäuser und ein Kindergarten hinzu. Die in Hanglage befindlichen drei- bis sechsstöckigen Häuser bieten Ausblicke auf den Vierwaldstättersee und sind architektonisch unterschiedlich gestaltet; es finden sich Reihenhäuser, höhere Punkthäuser sowie der Pavillon-Flachbau des ehemaligen Kindergartens. Die meisten Gebäude der Siedlung wurden zwischen 2008 und 2015 saniert. Insgesamt stehen in der Siedlung „Studhalden“ knapp 350 Wohnungen zur Verfügung.

Die 2006 fertiggestellte Wohnsiedlung „Tribschenstadt“ liegt im Tribschen-Langensand-Quartier auf dem Gelände eines ehemaligen städtischen Werkhofs. Die ABL bebaute hier ein etwa 5000 Quadratmeter grosses Grundstück mit zwei- und viergeschossigen Wohnbauten, in denen 85 in gehobenem Standard ausgebaute Wohnungen, sechs Ateliers und zwei Wohnungen für Pflegewohngruppen zur Verfügung stehen.

Siedlungen in der Agglomeration In Kriens existieren zwei grössere ABL-Siedlungen. Die 1970 fertiggestellte und 2014 renovierte Siedlung „Brunnmatt“ bietet 84 Wohnungen in sechsstöckigen Gebäuden. Die zwischen 1990 und 1995 errichtete Siedlung „Mittlerhus“ umfasst 140 Wohnungen in dreistöckigen Gebäuden in aufgelockerter Bebauung. Weiter ist die ABL Mitglied der Genossenschaft "Wohnen im Alter Kriens" (GWAK). Die GWAK realisierte 2020 die Überbauung Lindenpark. Der Lindenpark vereint 32 Alterswohnungen und 21 Pflegeplätze sowie Wohnraum für Menschen mit einer psychischen Belastung.