mini|Burg Falkenstein – Wahrzeichen des Marktes
Falkenstein ist ein Markt im Landkreis Cham im Regierungsbezirk Oberpfalz in Bayern mit Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Falkenstein.
Vom Wahrzeichen der Gemeinde, der Burg Falkenstein, einer bedeutenden Landmarke im Falkensteiner Vorwald, reicht bei guter Sicht der Blick vom Turm bis zum Großen Arber im Osten.
Bereits im Jahr 1496 besaß der Ort die Marktrechte. Seit 1961 ist Falkenstein ein staatlich anerkannter Luftkurort und bildet das Zentrum für die umliegenden Gemeinden; um 1900 war der Markt ehedem schon als Kurort bekannt.
Geografie Geografische Lage Falkenstein, der zweitgrößte Markt im Landkreis Cham, liegt im Naturpark Oberer Bayerischer Wald und ist ein zentraler Ort zwischen Regensburg, Schwandorf, Cham und Straubing. Die nächstgelegenen Städte sind Wörth an der Donau (15 Kilometer südwestlich) und Roding (16 Kilometer nordöstlich). Durch den Gemeindebereich fließt der Perlbach. Inmitten des Marktes, auf der höchsten Erhebung (), befindet sich die Burg Falkenstein.
Der Falkensteiner Vorwald bildet eine Untereinheit des Bayerischen Waldes. Er ist im Vergleich zum ebenen Gäuboden und dem Donautal eine Mittelgebirgslandschaft. In dieser Gegend sind die härtesten Gesteine wie Granite und Gneise an der Oberfläche der Landschaft. Die Bodenbeschaffenheit besteht größtenteils aus grusigem, lehmigem und teilweise steinigem Sand. Die Landschaft ist besonders ausgeprägt mit zahlreichen Wasserquellen, kleineren Gewässern und feuchten Wiesen. Die Gewässer fließen abhängig von der Wasserscheide in die Regensenke nach Norden oder nach Süden in die Donau. Im Gebiet zwischen Donautal und Cham-Further Senke gibt es eine vergleichsweise hohe Dichte an Burgen und Klöstern gegenüber den angrenzenden Gebieten.
Gemeindegliederung mini|hochkant=1.5|Gemeinde Falkenstein mit Gemeindeteilen
Es gibt 53 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Auf dem Gemeindegebiet existieren die Gemarkungen Arrach, Au und Falkenstein. Von der Gemarkung Falkenstein liegt nur der Gemarkungsteil 0 auf dem Gebiet der Marktgemeinde Falkenstein, der Gemarkungsteil 1 liegt im Gemeindegebiet von Rettenbach.
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden sind Anrainer; diese werden nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Roding im oberpfälzischen Landkreis Cham, Michelsneukirchen im Landkreis Cham, Wiesenfelden im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen, Rettenbach im Landkreis Cham, Brennberg im oberpfälzischen Landkreis Regensburg, Zell im Landkreis Cham.
Klima Im Falkensteiner Vorwald herrscht mitteleuropäisches Kontinentalklima. In den Wintermonaten von Dezember bis März herrscht besonders über 500–600 m raues Klima mit anhaltend geschlossener Schneedecke. Bei Süd- und Westwind stauen sich die vom flachen Donautal kommenden Wolken in den Hängen des Falkensteiner Vorwaldes, was teilweise zu starken Steigungsniederschlägen führt. Bei Nord- und Ostwind liegt der Falkensteiner Vorwald auf der windabgewandten Seite des über 1400 m hohen Böhmerwaldes. Niederschlag gibt es dann kaum, es stellen sich im Falkensteiner Vorwald wärmere Föhnwinde ein. Solche Ostwetterlagen gibt es deutlich seltener als die Höhenwinde aus Westen, so gibt es in Falkenstein eine durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge von 782 mm.Vorderer Bayerischer Wald – Private Wetterstation Eggerszell
Geschichte mini|rechts|Markt Falkenstein in der Oberpfalz
Namensherkunft Im Lauf der Jahrhunderte veränderte sich der Ortsname von Volkhenstain über Valckhinstain zu Falkenstein.
Der Name Falkenstein leitet sich vom damaligen Erbauer der Burg Falkenstein ab. Der Bau der Burg fand in der Zeit statt, als die mächtigen Grafen von Bogen die Domvogtei zu Regensburg innehatten. Den Bau der Burg hatten aber nicht die Grafen von Bogen geleitet, sondern ein Getreuer mit dem Namen Falko, der Gründer des Freiherrengeschlechtes der Falkensteiner wurde. Zu damaliger Zeit war es üblich, dass Schlossbesitzer den Burgen ihre Namen gaben.Geschichte von Falkenstein/Opf. Falkenstein, Peter Heigl, 1954
Vor- und Frühgeschichte Die ersten Menschen dürften sich bereits seit der Altsteinzeit in der Umgebung von Falkenstein aufgehalten haben. Dies belegen Funde wie Jagdwaffen und Opfersteine in den umliegenden Gemeindeteilen.
Erste Belege Im Jahr 914 verschenkte Konrad I. den Reichsforst, in dem Falkenstein lag, an das Hochstift Regensburg. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ließen die Regensburger Bischöfe die Gegend zwischen Regensburg, Cham und Straubing erschließen. Sie ließen Dörfer und Burgen bauen, die Burgen dienten zum Schutz gegen die nach Westen vorrückenden Slawen. 1129 wurde Falkenstein erstmals urkundlich erwähnt. Ein Rudolph von Valchenstein erscheint als Zeuge in einem Abkommen zwischen den Bischöfen von Regensburg und Bamberg. Zur gleichen Zeit geriet die Burg in die nach dem Tod des Regensburger Bischofs Hartwig I.(1105-1126) entbrannten Auseinandersetzungen zwischen Herzog Heinrich X dem Stolzen und Domvogt Friedrich II. In deren Verlauf wurde das, in den Quellen so bezeichnete „castrum fortissimum“, also die sehr starke Burg, 1129 vom Herzog belagert und 1130 erobert, aber nicht zerstört.
In mehreren Schriften ist folgendes zu lesen: "1074 wurde Falkenstein erstmals urkundlich in den Schriften des Hochstifts Regensburg als Hochstiftsvogtei erwähnt".Diese Aussage ist jedoch nicht belegbar.
Mittelalter (Zeit bis 1500) Zum Schutz der Falkensteiner Einwohner, die sich am Fuß des Berges niederließen, wurde eine Burg erbaut. Der Ort unterhalb der Burg war von einer Mauer mit vier Toren zum Schutz vor anrückenden Feinden umgeben. Die Schlossherren von Falkenstein waren auch Richter über ihre Untertanen, wobei sie sich meist von einem Pfleger vertreten ließen. So war es nicht selten, dass anstelle der Burgherren ein Pfleger regierte. In Falkenstein gab es seit 1358 einen Landrichter; dieser sprach im Recht und Namen des Herzogs. Die Herrschaft Falkenstein verfügte im Mittelalter über die niedere und höhere Gerichtsbarkeit. Erst im Spätmittelalter und in der Neuzeit ging diese richterliche Gewalt auf staatliche Gerichte über. Todesurteile wurden auf dem Galgenberg, nördlich von Völling, mit dem Strang vollzogen. Später folgte die Hinrichtung mit dem Schwert. Die Kopfstätte war in der Gegend des Schulhauses und später unterhalb des Armenhauses.
Von 1130 bis 1131 wurde die Burg Falkenstein von Herzog Heinrich dem Stolzen belagert, danach bekam der vorherige Besitzer, Friedrich II. von Bogen die Burg Falkenstein wieder zurück. Während des Hussitenkrieges um 1425 versuchte man sich gegen die böhmischen Hussiten zu verteidigen. Frauen und Männer wollten gemeinsam die Angreifer vom Burg-Zwinger herab vertreiben. Seitdem wird der Burg-Zwinger Weiberwehr genannt. Bei dem Angriff siegten aber die Hussiten und dessen Anführer Tristam Zenger belagerte 1428 die Burg und setzte den Markt in Brand. Die Burg Falkenstein konnte aber am 27. Juli 1429 von Herzog Ernst zurückerobert werden. Im Jahr 1456 brannte der neu aufgebaute Markt bis auf zwei Häuser nieder; 1524 stand die Kirche in Flammen.
Neuzeit mini|Ansicht des Markts Falkenstein von Michael Wening, 1726 mini|Rathaus Als Folge der Kämpfe um Regensburg im Dreißigjährigen Krieg wurde im Jahr 1634 Falkenstein bis auf 17 Häuser von den Schweden niedergebrannt und die Burg Falkenstein eingenommen. Ein Jahr später, im März 1635, wurden die Schweden aus Falkenstein durch das österreichisch-bayerische Heer unter der Führung des Grafen Ottavio Piccolomini vertrieben. Anschließend wütete die Pest. 1641 kamen die Schweden unter Feldmarschall Johann Baner ein zweites Mal nach Falkenstein, der Markt wurde niedergebrannt, die Burg und einige Häuser blieben jedoch der bayerischen Besatzung erhalten. 1648, zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, kamen die Schweden ein letztes Mal. Unter der Führung von General Königsmarck und Rittmeister Hans Polmann versammelten sie sich im Bürgerholz um die Burg niederzubrennen. Sie wurden auf die gute Bewaffnung der Burg aufmerksam, wandten sich von der Burg ab und verwüsteten die umliegenden Dörfer wie Rettenbach, Schergendorf und Gfäll. In den folgenden Jahren herrschte in der Gegend Armut. 1710 grassierte erneut die Pest in Falkenstein. In dieser Zeit wurde durch die Burgherren von Törring ein neues Pfleghaus errichtet, heute das Rathaus, das alte Pfleghaus (Gasthof Zur Post) wurde aufgegeben. Während des österreichischen Erbfolgekrieges, im Herbst 1742, kamen österreichische Truppen. Die gegnerischen Franzosen lagerten bei Wörth a. d. Donau und Brennberg. Im Winter 1744 quartierten in Falkenstein und Umgebung Kürassier-Husaren aus Ungarn und Böhmen, die Barthelot-Husaren (232 Männer), das Warasdiner Regiment (237 Männer), die Wurmbrandt’sche Infanterie, Karlshusaren und die Bernklau-Infanterie (428 Männer). Später folgte das Infanterie-Regiment des Generalfeldmarschalls Graf Merzi und anschließend das Regiment Gyulani. Es folgten von 1778 bis 1808 der bayerische Erbfolgekrieg und die napoleonischen Kriege. Am 11. August 1800 wurde im Markt ein Brand ausgelöst, der rasch um sich zog; 38 Häuser, die Schule und die Kirche brannten nieder. Ein weiterer Brand entfachte am 13. September 1846, nur wenige Häuser blieben verschont. Seit diesem Brand wurden die Häuser in Falkenstein aus Stein gebaut, vorher waren sie aus Holz. Im Laufe der langen Geschichte Falkensteins musste der Ort zahlreiche Belagerungen, Brände, Hungersnöte und Seuchen, aber auch die Pest über sich ergehen lassen. Dies führte zu einer Dezimierung der Bevölkerung und ließ wenig wirtschaftliche und soziale Stabilisation zu. Falkenstein wurde am 1. Oktober 1831 in die Oberpfalz eingegliedert.
1852 entstand in Falkenstein ein Landgericht für die umliegenden 12 Gemeinden. Hierzu pachtete die Gemeinde das Pfleghaus als Gerichtsgebäude. Daneben wurde für kleinere Straftaten ein Gefängnis eingerichtet. Für schwerwiegende Straftaten waren das Gericht in Mitterfels und das Gericht in Straubing zuständig. 1862 wurde in Falkenstein ein Krankenhaus erbaut, welches zugleich ein Armenhaus enthielt. Zu dieser Zeit hatte Falkenstein etwa 582 Einwohner. 1877 wurde ein größeres Krankenhaus errichtet, das 1952 vom Kreisverband Roding übernommen wurde.
Nachdem Falkenstein mit etwa 650 Einwohnern im Jahr 1879 durch die Neuorganisation des bayerischen Gerichtswesens sein Landgericht an die Amtsgerichte Roding und Wörth abgeben hatte müssen, verlor es erheblich an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Daraufhin bildeten die Falkensteiner Bürger einen Eisenbahnausschuss. Vorsitzender war Pfarrer Josef Kilger von Heilbrunn, der maßgeblich für die Erbauung der Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein verantwortlich war. Mit der Lokalbahn, die 1913 in Betrieb ging, wurden die Postlinien nach Wörth a.d. Donau und Cham eingestellt.Das Falkensteiner Bockerl, Peter Heigl, 1993
Nachkriegszeit und Moderne 1933, kurze Zeit nach dem Machtantritt der NSDAP, mussten alle Gemeinderäte und Kreistagsmitglieder, die nicht der NSDAP-Partei angehörten, ausscheiden. Auch katholische Vereine, Müttervereine, die Jungfrauenkongretation und der Burschenverein wurden aufgelöst und jede Tätigkeit außerhalb der Kirche wurde verboten. Am 23. April 1945 wurde eine Häftlingskolonne vom Konzentrationslager Flossenbürg durch Falkenstein getrieben. Auf dem Weg von Gfäll nach Falkenstein wurden etwa 30 Leichen entdeckt. Am 24. April 1945 kamen amerikanische Truppen aus Richtung Osten; auf Höhe Quirin waren Geschütze aufgestellt. Der Falkensteiner Pfarrer Josef Heigl übergab in Völling den Markt Falkenstein kampflos an die US-Armee. Als die US-Armee einrückte, beging der damalige Bürgermeister Theodor Albrecht Selbstmord.Falkensteiner Heimatheft 4, Harald Schumny, Dez. 2011, S. 7–9