mini|hochkant|Salomon Wininger (vor 1960) Salomon Wininger (geb. 13. Dezember 1877 in Gurahumora, Österreich-Ungarn; gest. 23. November 1968 in Ramat Gan, Israel; auch Schlomo oder Solomon Winninger) war ein österreichisch-israelischer Lexikograph, der mit seiner Großen Jüdischen National-Biographie das bisher umfangreichste bio-bibliographische Personen-Nachschlagewerk zum Judentum zusammenstellte.
Leben Salomon Wininger war von 1910 bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs als österreichischer Postbeamter in Czernowitz tätig. Während des Weltkriegs hielt er sich in Wien auf und kehrte dann nach Czernowitz zurück.
Ab 1907 widmete er sich – neben seiner Berufstätigkeit – der Arbeit an der „Großen Jüdischen National-Biographie“. Das von ihm ebenfalls zusammengestellte biographische Lexikon „Sefer Ishim Zionim“ (Buch der zionistischen Männer) mit rund 17.000 Einträgen wurde nie veröffentlicht. Das Manuskript befindet sich in der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem. Er gründete zahlreiche Wohlfahrtsvereine und Volksküchen sowie die Bukowiner Pensionistenvereinigung für Staatsbeamte.
Wininger überlebte die Zeit des Holocaust in Czernowitz und emigrierte 1951 nach Israel, wo er zunächst in Jerusalem ansässig war. Ab 1955 lebte er in einem Altersheim in Netanja, später in Ramat-Gan.
Große Jüdische National-Biographie mini|hochkant|Titelseite, Band 1
Wininger begann im Jahr 1907 mit der Arbeit an der Großen Jüdische National-Biographie mit mehr als 8000 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder – Ein Nachschlagewerk für das jüdische Volk und dessen Freunde in sieben Bänden (Cernăuţi 1925–1936). Er nannte sie den Versuch der Schaffung eines „Monumentum Judaici nominis, ein Denkmal des jüdischen Namens und Volkes, seines Geistes und seines Schaffens“. Sie enthält rund 13.000 mehr oder weniger ausführliche „Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder“, worin auch getaufte Juden und Jüdinnen enthalten sind. Es ist bisher eines der umfassendsten – wenn nicht das umfassendste – Werk dieser Art. Das Nachschlagewerk enthält ein Vielfaches des Materials verglichen mit Adolph Kohuts (1848–1917) Zusammenstellung „Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit. Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart“ (2 Bände, Leipzig 1900/01), die überdies häufiger ungenauer und fehlerhafter ist als Winingers Kompilation.
Von seiner grundsätzlichen Anlage und Motivation her apologetisch und in manchen Einzelheiten nicht frei von Fehlern, ist Winingers „National-Biographie“ im Allgemeinen eine immense Materialsammlung, die sonst in weiten Teilen verlorene Kenntnisse der jüdischen Kultur- und politischen Geschichte aufbewahrt.
Winingers Werk wurde, wenngleich spät, maßgeblich durch die von Carl Steininger in Dresden ab 1914 angelegte Sammlung von ca. einer Million Ausschnitten aus mehreren Hundert verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften „in den meisten lebenden Sprachen“ des In- und Auslandes vorangebracht. Der Nicht-Jude Steininger (Prokurist der Dresdner Bank, geb. 1876 in Salzburg) hatte ausschließlich Material zu jüdischen Persönlichkeiten und Themen gesammelt.Wininger listet ihn in seiner National-Biographie irrtümlich als Juden.
Die finanziellen Mittel für die Drucklegung des seit Jahren fertigen, aber unveröffentlichten Werks stellte Jakob Fallenbaum (geb. 1889 in Czernowitz), ein „Fabriksbesitzer zu Chemnitz in Sachsen“, zur Verfügung. Die Bände 1–5 wurden von der Druckerei „Orient“, die Bände 6 und 7 von der Druckerei „Tipografia ARTA“ (F. Weiner-Ernst) in Czernowitz hergestellt.
Band: „Abarbanel – Ezobi“ (richtig: „Czernowitzer“). 1925, 638 S. (Digitalisat der Goethe-Universität Frankfurt/M.) Band: „Dafiera – Harden“. 1927, 635 S. (Digitalisat der Goethe-Universität Frankfurt/M.) Band: „Harischon – Lazarus“. 1928, 639 S. (Digitalisat der Goethe-Universität Frankfurt/M.) Band: „Leavith – Péreire“. 1930, 637 S. (Digitalisat der Goethe-Universität Frankfurt/M.) Band: „Pereira – Steinhaus“. 1931, 637 S. (Digitalisat der Goethe-Universität Frankfurt/M.) Band: „Steinheim – Zweig“. Nachtrag: „Abarbanel – Van Geldern“. 1932, 639 S. (Digitalisat der Goethe-Universität Frankfurt/M.) Band: Nachtrag 1: „Ge – Schluss“. Nachtrag 2: „A – Z“. Anhang. 1936, 667 S. (Digitalisat der Goethe-Universität Frankfurt/M.)
Im Vorwort (Czernowitz 1925) schreibt Wininger unter anderem.:
Literatur Encyclopaedia Judaica. Vol. 16. Keter, Jerusalem o. J. (1971). Sp. 549. Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 3: S–Z, Register. Hrsg. von der Österreichische Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 1483. Hugo Gold: Geschichte der Juden in der Bukowina. Edition Olamenu, Tel Aviv 1962 (Band 2). Renate Heuer: Bibliographia Judaica. (Band 3, S–Z), Campus, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-593-33398-8. D. Lazar: Nachruf in Ma'ariv vom 20. Dezember 1968. Walter Tetzlaff: 2000 Kurzbiographien bedeutender deutscher Juden des 20. Jahrhunderts. Askania, Lindhorst 1982, ISBN 3-921730-10-4. Kurt Schubert (Hrsg.): Zur Geschichte der Juden in den östlichen Ländern der Habsburgermonarchie (= Studia Judaica Austriaca, Band 8). Edition Roetzer, Eisenstadt 1980, ISBN 3-85374-071-5. Evelyn Adunka: Salomon Wininger. Über den vergessenen Verfasser der "Großen Jüdischen National-Biographie". In: Mnemosyne. ZEIT-Schrift für jüdische Kultur, Heft 26/2000, Alekto, Klagenfurt 2000, , S. 109–118.
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