Das Salzbergwerk Borth in Rheinberg-Borth liegt an der Grenze zu Wesel-Büderich und Alpen-Menzelen. Durch das Salzbergwerk wird das in 500 bis fast 1000 m Teufe liegende Steinsalz der Salztonebene Niederrheinische Salzpfanne abgebaut; diese Salzschicht gehört zur Werra-Serie (Zechstein 1, z1), hat eine Mächtigkeit von etwa 200 m und erstreckt sich rund 50 km weit von Rheinberg bis in die Niederlande nach Winterswijk.
Geschichte 1897 wurde in Borth bei Probebohrungen nach Kohle die zur Niederrheinischen Bucht gehörende Salzlagerstätte entdeckt. Im April 1904 wurde eine neue Eisenbahnverbindung von Duisburg über Friemersheim, Rumeln und Trompet in Richtung Moers eröffnet; im August desselben Jahres folgte die Weiterführung der Niederrheinstrecke von Moers bis Kleve über Rheinberg, Xanten und Kalkar.
1906 errichteten die Deutschen Solvay-Werke eine Sodafabrik, die zunächst mit Salz aus anderen Abbauorten und mit geringeren Mengen Sole arbeitete. Eine großflächige Aussolung hatte die Bergbehörde nicht genehmigt, so dass für den bergmännischen Abbau zwischen Borth und Wallach die Doppelschachtanlage Wallach I+II abgeteuft wurde. Wegen des stark wasserführenden Deckgebirges wurden die Schächte im Gefrierverfahren niedergebracht.
Dieses erste Bergwerk musste nach kurzer Zeit wegen eines Wassereinbruchs, bei dem mehrere Bergleute ums Leben kamen, aufgegeben werden. Eine Erhebung zwischen den Ortsteilen Wallach und Borth und das alte Maschinenhaus zeugen noch heute davon. Die Schächte wurden 1971 (Schacht II) bzw. 1978 (Schacht I) endgültig verfüllt und die Fördergerüste demontiert.
Etwa drei Kilometer nördlich der Anlage Wallach I+II wurde an den Ortsgrenzen von Borth, Menzelen-Ost, Büderich und Wallach die Doppelschachtanlage Borth I+II errichtet. Weitere Schwierigkeiten wie Wassereinbrüche, Probleme beim Transport des gefrorenen Erdreiches, Explosionen, Blitzeinschlag und das langwierige Gefrierverfahren führten dazu, dass erst nach 16 bzw. 20 Jahren die Schachtanlage in Betrieb gehen konnte.
Das Fachwerk-Doppelbockfördergerüst über Schacht II mit viertrümiger Förderanlage wurde 2006 abgerissen und durch ein modernes Vollwandstrebengerüst mit höherer Tragkraft und nur zweitrümiger Förderung ersetzt. Der Stahlbeton-Förderturm über Schacht I von 1964 ist weiterhin in Betrieb.
Abbauverfahren Das in Borth angewandte Abbauverfahren ist der Kammerbau. Das Salz wird durch Bohren und Schießen gewonnen, mit GHH-LF-20-Fahrladern zu einem Brecher gefahren und auf Bandanlagen zum Füllort transportiert.
Die in der Regel 7 Meter tiefen Sprengbohrlöcher werden mit Bohrwagen nach einem bestimmten System im Abstand von 1,4 Metern gebohrt und danach mit Sprengstoff besetzt. Der freigesprengte Bereich ist etwa 20 Meter breit, sieben Meter hoch und sieben Meter tief. Pro Sprengung werden ca. 2000 Tonnen Steinsalz gewonnen. Die entstehenden Abbaukammern sind bis zu 600 Meter lang, 20 Meter breit und bis zu 20 Meter hoch.
Streckenauffahrungen Für Streckenauffahrungen werden Teilschnittmaschinen eingesetzt.
Grubenklima Die Temperaturen in 700–900 Metern Teufe betragen etwa 35 bis 40 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit ist durch das Salz sehr niedrig.
Wirtschaft Das Salzbergwerk Borth gehört zu K+S Minerals and Agriculture GmbH, einer Tochter der K+S-Gruppe. Auf einer Fläche von 88 km2 können bis zu 2.400.000 Tonnen pro Jahr gefördert werden. Die tatsächliche Jahresförderung wird vom Steinsalzabsatz bestimmt.
Das Bergwerk produziert neben Industrie- und Gewerbesalzen auch Speisesalze, hochreine Pharmawirkstoffe und Streusalz für den Winterdienst.https://www.kpluss.com/de-de/ueber-ks/standorte/europa/borth/#news
Siehe auch Bergbau im Kreis Borken Werra-Fulda-Kalirevier
Literatur Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. 3. Auflage, Selbstverlag des Deutschen Bergbau-Museums, Bochum 2006, ISBN 3-937203-24-9, S. 142. Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. Vergangenheit und Zukunft einer Schlüsseltechnologie. Mit einem Katalog der „Lebensgeschichten“ von 477 Zechen (Reihe Die Blauen Bücher). Verlag Langewiesche Nachfolger, Königstein im Taunus, 6., erweiterte und aktualisierte Aufl. 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9, S. 293.
Weblinks
Beschreibung aller Standorte auf dieser Themenroute als Teil der Route der Industriekultur Dokumentation über die Demontage des Fördergerüstes über Schacht II Geologischer Dienst NRW: Untergrund und Rohstoffe im Raum Xanten, Poster und Erklärungen
Einzelnachweise
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