Die Dolaucothi-Goldminen, auch unter dem Namen Ogofau-Goldminen bekannt, sind römische Bergbaueinrichtungen über und unter Tage, die im Tal des Cothi, nahe Pumpsaint in Carmarthenshire, in Wales liegen.
Sie sind die einzigen Minen für walisisches Gold außerhalb des so genannten Dolgellau-Goldgürtels und haben den offiziellen Status eines ausgewiesenen archäologischen Denkmals (Scheduled Ancient Monument). Sie sind darüber hinaus die einzigen bekannten römischen Goldminen in Großbritannien, obwohl die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Römer auch andere Quellen ausbeuteten, beispielsweise in Devon, Nordwales und Schottland. Die Anlage ist bedeutend, da sie einen Einblick in die hoch entwickelte Technologie römischer bergbaulicher Abbaumethoden bietet.
Geschichte des Goldabbaus
Archäologische Untersuchungen legen nahe, dass Goldabbau an dieser Stelle wahrscheinlich in der Bronzezeit begonnen hat, möglicherweise durch das Waschen der goldführenden Kiese des Flusses Cothi, die grundlegendste Methode der Gold-Prospektion.
Römischer Goldabbau miniatur|Lage der Goldminen bei Dolaucothi
Sextus Iulius Frontinus wurde 74 A.D. in das römische England gesandt, um Quintus Petilius Cerialis als Gouverneur abzulösen. Er unterwarf die Silurer, Demeter und andere feindlich gesinnte Stämme im römischen Wales und errichtete eine neue Militärbasis in Caerleon für die Legio II Augusta sowie ein Netzwerk kleiner römischer Forts, die 15 bis 20 Kilometer voneinander entfernt waren und zur Unterstützung der römischen Hilfstruppen dienten. Während seiner Amtszeit ließ er wahrscheinlich in Westwales das Fort von Pumsaint errichten, vor allem um die Goldvorkommen von Dolaucothi auszubeuten. Nach seiner Amtszeit leitete er später die Wiederherstellung der Aquädukte von Rom. Die Römer haben wahrscheinlich Sklaven für viele der Arbeiten verwendet, obwohl auch das römische Heer wohl direkt an den Abbautätigkeiten beteiligt war, vor allem auf Grund der ingenieurtechnischen Kenntnisse in der Planung und dem Bau von Aquädukten, Stau- und Wasserbecken oder Zisternen.
Die Dauer der Bewohnung des Forts (Luentinum nach Einzelheiten bei Claudius Ptolemaeus) und des zugehörigen Vicus zeigen, dass die Römer die Mine während des gesamten 1. und 2. Jahrhunderts betrieben (von etwa 78 A.D. bis um 125 A.D.). Verschiedene Töpferwaren – unter anderem Terra Sigillata, die aus dem Staubecken Melin-y-Milwyr innerhalb des Minenkomplexes geborgen wurden – zeigen, dass die Mine mindestens bis zum späten 3. Jahrhundert betrieben wurde. Nach dem Ende der militärischen Besetzung könnte die Mine von römisch-britischen zivilen Auftragnehmern betrieben worden sein, obwohl die spätere Geschichte der Mine noch geklärt werden muss.
Spätere Geschichte der Minen miniatur|Entwicklungsschema der Minen in römischer Zeit
Nach dem Abzug der Römer aus England im 5. Jahrhundert lag die Mine für Jahrhunderte verlassen. Dass in dieser Gegend Gold vorkam, wurde erst im 18. Jahrhundert mit der Entdeckung eines römischen Goldschatzes wieder allgemein bekannt, der unter anderem das oben abgebildete Goldrad von Dolaucothi enthielt. Andere Gegenstände in diesem Goldschatz waren Schlangenarmbänder, die aufgrund der Weichheit des Goldes leicht um den Arm gewunden werden konnten. Diese Gegenstände sind im Britischen Museum und werden dort in der römisch-britannischen Abteilung ausgestellt. Ein Stück Golderz, das 1844 von Henry Thomas de la Bèche im Gebiet der Goldmine gefunden wurde, bewies die Existenz dortiger Goldvorkommen.
Der Abbau lebte wieder auf, und auch im frühen 20. Jahrhundert wurden Versuche unternommen, aus dem Goldabbau ein lohnendes Unternehmen zu machen, sie wurden jedoch noch vor dem Ersten Weltkrieg aufgegeben. In den 1930ern wurde ein 130 Meter tiefer Schacht abgeteuft, um neue Goldadern zu finden. Wegen Vernachlässigung und der Überflutung der tieferen Bereiche wurde die Mine 1938 endgültig geschlossen.
In diese letzte Periode fällt die Entdeckung der antiken Untertagebauwerke wie auch der Überreste der alten Entwässerungsvorrichtungen. Die ausgedehnten Reste der Anlage an der Erdoberfläche, vor allem die des Abbaus mittels Wasserkraft, wurden erst in den 1970ern durch gründliche Geländearbeit und -erfassung entdeckt. Auch wenn bisher keine andere derartige Anlage in England gefunden wurde, so ist es doch wahrscheinlich, dass andere Minen gefunden werden können, indem man den Überresten der Aquädukte und Staubecken folgt. Sie werden oft entdeckt, weil sie bei schräg auftreffendem Licht deutliche Schatten werfen. So wurde Wasserbecken A zuerst beobachtet, als Morgenlicht schräg auf den Hügel Allt Cwmhenog fiel, auf dem das Bauwerk liegt.
Römische Abbaumethoden Die Römer machten ausgiebig Gebrauch von Wasser, das mittels Aquädukten und Wassergräben herangeführt wurde (deren längster von seinem Ursprung in einer Schlucht des Flusses bis zur Mine etwa 11 Kilometer maß), um die Goldadern auszubeuten, die unter dem Erdboden auf den Abhängen über dem heutigen Dorf Pumpsaint lagen. Kleine Wasserläufe an den Hängen des Mynydd Mallaen, des Annell und des Gwenlais wurden zu Anfang genutzt, um Wasser für den Abbau bereitzustellen. Mehrere Becken zur Aufnahme des Wassers sind immer noch über einen isoliert liegenden Tagebau, der in die Seite des Hügels nördlich des Hauptabbaus gegraben wurde sichtbar. Das große, vom Fluss Cothi ableitende Aquädukt quert den Tagebau und beweist damit, dass es danach angelegt wurde.
Abbau mit Wasserkraft miniatur|Die Aquädukte von Dolaucothi Das Wasser wurde in den Wasserbecken gesammelt und dann auf einmal abgelassen, um die oberste Bodenschicht wegzuschwemmen, und damit darunter das Festgestein und die vielleicht in diesem enthaltenen Goldadern freizulegen. Plinius der Ältere beschreibt diese Methode der hydraulischen Prospektion auf dramatische Weise in seiner Naturalis historia, wahrscheinlich nach seinen Erlebnissen in Spanien. Die Methode wurde in England später als hushing, flushing oder booming bezeichnetHerbert Bucksch: Wörterbuch Geotechnik Dictionary Geotechnical Engineering. Bd. 2, Birkhäuser, 1998, ISBN 3-540-58163-4, S. 255. und überlebte als Abbaumethode bis ins 17. Jahrhundert. Eine nicht unähnliche Methode wird heute benutzt, um Seifen wie alluviale Zinnvorkommen abzubauen (Hydraulischer Abbau). Eine kleinere Version dieser Abbaumethode ist das Goldwaschen, und beide Versionen der Methoden könnten zum Abbau von Schwemmgold in der Nähe des Cothi selbst benutzt worden sein. Darauf deutet ein großes Aquädukt hin, welches den Fluss fast zwei Kilometer stromaufwärts anzapft und die Anlage auf einem im Vergleich zu den anderen Aquädukten niedrigen Höhenniveau erreicht.
Das von den Aquädukten herangebrachte Wasser wurde auch dazu benutzt, zerkleinertes Golderz zu waschen und darüber hinaus möglicherweise zum Antrieb von Stampfmühlen zum Zerkleinern des Golderzes (Lewis and Jones, 1969).
Die Aquädukte von Dolaucothi miniatur|Kleines Wasserbecken (A) beim nördlichen Tagebau
Eines der ersten Aquädukte wurde hoch am Osthang des Allt Cwmhenog erbaut und war an einen kleinen Bach in ungefähr drei Kilometern Entfernung angeschlossen. An der Stelle, wo es von der Vorderseite des Hügels zur Westseite des Hügels abschwenkt, befindet sich an seinem Ende ein großes Wasserbecken. Hier muss eine große Goldader entdeckt worden sein, denn unterhalb des Beckens befindet sich ein großer Tagebau. Später wurde das große Aquädukt, welches den Cothi etwa 11 Kilometer nordöstlich anzapft, mit einer Steigung von 1 zu 800 quer durch den Tagebau geführt und muss somit – wie oben schon erwähnt – jünger als der Tagebau sein. Die Anlage der Abbaustellen und Wasserbecken ist mit dem Aquäduktsystem verbunden und geht somit auf die Römer zurück. Radiokarbondatierungen stufen die Aquädukte als die ältesten Überreste der Bergbauaktivitäten ein.
Im Gegensatz zu diesem Tagebau fand die Goldsuche mittels mehrerer Wasserbecken, die im Gebiet der Anlage gefunden wurden, keine Goldader auf, und die Becken wurden verlassen. Das Wasserbecken A (s. Foto oben und zur Lage das Entwicklungsschema der Minen in römischer Zeit) in der Nähe des nördlichen Tagebaus war wahrscheinlich dazu gedacht, das Ende des im großen Tagebau ausgebeuteten Goldvorkommens zu erkunden. Es traf das Goldvorkommen offensichtlich nicht an und wurde verlassen. Die Wasserversorgung wurde wahrscheinlich von einem kleinen Wassergraben sichergestellt, der von einem kleinen Bach flussaufwärts im Tal des Cothi abzweigte, bevor das große Aquädukt erbaut wurde.
Der Tagebau miniatur|Wasserbecken C über dem Haupttagebau
Die Erkundung im Gebiet des Tagebaus war erfolgreich, und so sind entlang des Aquädukts verschiedene offene Grabungsstellen unterhalb der großen Wasserbecken sichtbar. Die einzige Ausnahme ist das letzte und sehr große Wasserbecken, unter dem sich zwei Staubecken befinden. Wahrscheinlich wurde dieser Komplex zum Auswaschen von fein gemahlenem Erz benutzt, um Goldstaub daraus zu gewinnen. Weitere Wassergräben und Wasserbecken befinden sich auf der Linie des großen Aquädukts, einige davon sind auf der obigen Karte der Anlage verzeichnet.
Sie umringen den Rand des sehr großen Tagebaus, und das Wasserbecken C im Foto ist eines, das auf dem Hauptaquädukt gebaut wurde. Hier gelang der Fund einer Goldader, wenn man vom Abbau darunter ausgeht. Das Becken wurde später verändert, um einen Waschtisch zu speisen, der auf seiner linken Seite aufgestellt wurde (nahe der Person im Foto) und wahrscheinlich zum Auswaschen des hier gewonnenen Erzes diente. Ähnliche Wasserbecken legten die Römer an, als sie der großen Goldader weiter hangabwärts zur Straße und zum Hauptabbau folgten. Direkt an der Straße selber wurde später der Carreg Pumsaint (s. u.) auf dem freien Platz neben einem großen Erdhügel errichtet, welcher als eine Ablagerung von taubem Gestein interpretiert wird.
Die Teiche an der Nebenstraße von Pumsaint nach Caeo waren wahrscheinlich Teil einer Kaskade zum Erzwaschen. Das obere Wasserbecken hat eine große Menge von römischen Töpferwaren geliefert, die auf die Zeit von 78 bis mindestens 300 A.D. datiert wurden (Lewis 1977; Burnham 2004). Dieser obere Teich wird als Melin-y-Milwyr (Soldatenmühle) bezeichnet, ein faszinierender Name, der den Gebrauch von Wassermühlen zu römischer Zeit andeuten könnte.
Eine große Mühlenanlage ist mit den Mühlen von Barbegal aus Südfrankreich bekannt, in der nicht weniger als 16 Mühlen (in zwei Reihen mit je acht Mühlen) in die Seite eines Hügels gebaut und mit Wasser aus einem einzelnen Aquädukt versorgt wurden. In den beiden Reihen oberschlächtiger Wasserräder führte das jeweils höher liegende Wasserrad sein Wasser dem darunter liegenden zu. Die Mühle versorgte die Region mit Mehl. Ähnliche Anlagen mit Abfolgen oberschlächtiger Wasserräder wurden von den Römer jedoch auch dazu benutzt, um Bergwerke zu entwässern. Die Abfolge der Wasserräder erlaubte den Transport von Grubenwasser über größere Höhen. Eine große Anlage zur Entwässerung aus 16 Wasserrädern wurde in den 1920ern in alten römischen Bergwerken am Río Tinto in den 1920ern entdeckt. Die Wasserräder waren paarweise angeordnet und konnten das Wasser über fast 25 Meter heben. In Dolaucothi wurden Überreste eines Wasserrades, das zu einer solchen Anlage gehören könnte, bei der Wiederaufnahme der Bergbauaktivitäten in den 1930ern entdeckt.
Melin-y-Milwyr miniatur|Querschnitt der Kaskaden von Melin-y-Milwyr
Das Wasserbecken am Kopf der schmalen Straße von Pumsaint nach Caeo wurde für neuzeitlich gehalten, da es immer noch Wasser enthält. Als der Wasserstand 1970 jedoch besonders niedrig war, wurde darin eine große Menge römischer Töpferwaren gefunden. Dieser Fund beweist den römischen Ursprung des Beckens und seinen Bau während der römischen Abbautätigkeiten in der Mine.