Die Februarflut von 1825, in Deutschland auch Große Halligflut genannt, war eine Flutkatastrophe vom 3. bis 5. Februar 1825 an der gesamten deutschen, dänischen und niederländischen Nordseeküste sowie im unteren Weser- und Elbegebiet und deren Nebenflüssen, bei der etwa 800 Menschen ertranken und sehr schwere Schäden entstanden. An nahezu allen Orten wurden die bis dahin beobachteten Rekordwasserstände deutlich überstiegen; sie dürfte eine der schwersten Fluten der letzten Jahrhunderte gewesen sein.

Entwicklung der Wetterlage Obwohl zum Zeitpunkt der Sturmflut noch keine systematischen Wetterbeobachtungen durchgeführt wurden (diese setzen im Raum dann 1825 ein), geben zahlreiche Berichte ein recht gutes Bild über den Verlauf der Sturmwetterlage ab. Dabei werden Parallelen zur Sturmflutwetterlage vom 16./17. Februar 1962 sowie vom 24./25. November 1981 deutlich, die von einem Orkantief des Skandinavien-Typs hervorgerufen wurde. Zeitgenössische Chronisten heben unabhängig hervor, dass der die Sturmflut auslösende Orkan bei weitem nicht die Stärke des Orkans vom 15. November 1824 erreichte, dafür aber bemerkenswert lange andauerte und teilweise bei zwei Tiden hintereinander ähnlich hohe Wasserstände hervorrief.Lit. Arends: Gemählde der Sturmfluten …, S. 13 (). Die vorausgegangene Novemberflut übertraf dieses Hochwasser um etwa 2 bis 5 FußLit. Der Wanderer 1825, 1, S. 99, Sp. 2 (1 bis 1½ m).

Der Winter 1824/25 war außerordentlich milde und stürmisch gewesen. Bereits am 31. Oktober, 3. November, 15. November und 21. Dezember 1824Oesterreichischer Beobachter No. 1 (Sonnabend, 1. Jänner 1825), Verlag A. Strauss, 1825; Dänemark, S. 17, Sp. 1/2 (). war es zu Stürmen und Sturmfluten gekommen, die bereits zu zum Teil schweren Schäden an den Deichen auf den Inseln und Halligen führten. Dabei wurde mit der Sturmflut vom 15. November ein erster Höhepunkt erreicht. Die stürmische Westwindwetterlage setzte sich danach bis zum 3. Januar 1825 fort. Nach dem Sturm vom 3. Januar 1825 setzte eine deutliche Wetterberuhigung ein.A.B. Hollmann: Kurze Darstellung der Sturmfluthen des Jahres 1825 betreffend die Erbherrschaft Jever und die Herrlichkeit Kniphausen. Oldenburg 1857, S. 1 ff.Lit. Arends: Gemählde der Sturmfluten …, S. 6 ().

In den Abendstunden des 2. Februar 1825 wurde das Gebiet von einem Regengebiet erfasst. Gleichzeitig mit seinem Durchzug kam es in der Nacht zum 3. Februar zu einer starken Windzunahme. Nach Durchzug des Regengebiets erfolgte in den Nachmittagsstunden eine Winddrehung nach Westen, bevor in den frühen Abendstunden des 3. nach Durchzug der Kaltfront der Wind nach Nordwesten sprang. Mit Drehung des Windes auf nordwestliche Richtung wurde der Sturm von schweren Gewittern, Hagelschauern und Orkanböen begleitet. Der Sturm flaute erst am 4. Februar ab.A.B. Hollmann: Kurze Darstellung der Sturmfluthen des Jahres 1825 betreffend die Erbherrschaft Jever und die Herrlichkeit Kniphausen. Oldenburg 1857, S. 2 ff.Heinz Schelling: Die Sturmfluten an der Westküste von Schleswig-Holstein unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse am Pegel Husum. In: Die Küste - Archiv für Forschung und Technik an der Nord- und Ostsee. Jg. 1, H. 1., S. 69 f. Unglücklicherweise fiel die Sturmspitze aber genau auf den Märzvollmond des Jahres (3. Februar), also mit der lunaren Springflut zusammen.Lit. Der Wanderer 1825, 1, S. 100, Sp. 2.

Nachdem man von der Mitte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an der Nordsee die Deiche erheblich verstärkt hatte, war „keine erhebliche Ueberschwemmung des Landes mehr“ vorgekommen. Bis zum Eintritt der Februarflut 1825 hatten die Küstenbewohner geglaubt, „nun unter dem Schutze ihrer hohen Uferdämme ruhig und gesichert leben zu können“. Daher sowie aufgrund des über fünf Stunden anhaltenden Höchststandes vermutete man, das Hochwasser sei durch ein Erdbeben ausgelöst worden. Hierfür gibt es jedoch aus heutiger Sicht keine Anhaltspunkte. Bis zur Februarflut galt die Weihnachtsflut 1717 als die höchste bekannte Sturmflut.

Am 27. November des Jahres folgte in Dänemark eine weitere sehr schwere Flut, die teilweise höher auflief als das Februarereignis.

Verlauf der Tide Probleme bei der Betrachtung der überlieferten Wasserstände Über den Verlauf und die Höhe der Sturmflut vom 3./4. Februar 1825 geben die zahlreichen Hochwassermarken sowie die Aufzeichnungen von Augenzeugen Auskunft. Systematische Pegelaufzeichnungen mit automatischen Schreibpegeln gab es noch nicht, wohl aber an einigen Orten Lattenpegel. Die auch in amtlichen Berichten genannten Höchstwasserstände beruhen deshalb vielerorts auf Schätzungen. Ungeklärt ist auch, inwiefern die Nichtberücksichtigung des Wellenauflaufs an den Deichen und Wurten zu einer Fehleinschätzung des tatsächlichen Wasserstandes führte. Dass die überlieferten Wasserstandangaben teilweise fehlerbehaftet und kritisch zu hinterfragen sind, hat bereits Arends in seinem 1826 veröffentlichten Bericht hervorgehoben und dabei auch auf den ungewöhnlich schweren Seegang während der Sturmtide verwiesen.Lit. Arends: Gemählde der Sturmfluten …, S. 14 (). Eine weitere Schwierigkeit bei der Beurteilung der überlieferten Wasserstände stellt der Umstand dar, dass im betroffenen Gebiet noch nicht das metrische Maßsystem eingeführt worden war und die Chronisten unterschiedliche, regionale Fußmaße verwendeten.

A. B. Hollmann’ berichtet, dass aufgrund des schon seit den Nachtstunden des 3. Februar herrschenden Sturmes das Mittagshochwasser an der oldenburgischen Küste deutlich erhöht war. Der weiter anhaltende Sturm verhinderte ein deutliches Ablaufen des Wassers und bewirkte eine signifikante Verkürzung der Ebbzeit. Mit beginnender Flut wurde an allen Orten an der Nordseeküste ein sehr schnelles Ansteigen des Wasserstandes beobachtet. Bereits zwei bis drei Stunden vor Eintritt des astronomischen Tidehochwassers waren die Kronen der Hauptdeiche sowie die Häuser auf den Hauswurten der Halligen erreicht und wurden überflutet.Heinz Schelling: Die Sturmfluten an der Westküste von Schleswig-Holstein unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse am Pegel Husum. In: Die Küste - Archiv für Forschung und Technik an der Nord- und Ostsee. Jg. 1, H. 1., S. 69 f. Dabei wurden die Deiche schwer beschädigt und brachen. Am Mittag des 4. Februar folgte der nächtlichen Katastrophentide eine weitere, sehr stark erhöhte Nachtide, die in einigen Gebieten ähnliche Höhen wie das vorangegangene Abend- und Nachthochwasser erreichte und für die schwer beschädigten Deichabschnitte verheerende Folgen hatte.

Erreichte Höchstwasserstände Aufgrund verschiedener Untersuchungen und Berechnungen ist es gelungen, für einige Orte an der deutschen Nordseeküste sowie im Elbegebiet die bei der Sturmflut erreichten Höchstwasserstände zu rekonstruieren. Bezogen auf NN wurde in Emden ein Höchstwasserstand von +4,65 m,Hans Rohde: Sturmfluthöhen und säkularer Wasserstandsanstieg an der deutschen Nordseeküste. In: Die Küste, Heft 30, 1970. auf Wangerooge ein Höchstwasserstand von +4,36 m,Karl Lüders: Wangerooch hett'n hooge Toren …. In: Forschungsstelle Norderney: Jahresbericht 1976, Bd. 28, 1977. in Wilhelmshaven von +5,03 m,Karl Lüders: Über die Gültigkeitsdauer des "Bemessungswasserstandes für Seedeiche" an der deutschen Nordseeküste. Forschungsstelle Norderney, Jahresbericht 1969. Bd. 21, 1971. in Bremerhaven von +5,04 m sowie in Cuxhaven von +4,65 m erreicht. Bezogen auf die Differenz des eingetretenen Sturmflutwasserstands zum tatsächlichen mittleren Tidehochwasser lagen die bei der Sturmflut erreichten Wasserstände in Emden, Wangerooge und Wilhelmshaven mit 3,65 m (Emden), 3,33 m (Wangerooge) und 3,73 m (Wilhelmshaven) deutlich über denen, die bei der Februarsturmflut 1962 sowie der ersten Januarsturmflut 1976 erreicht wurden.Ingenieurkommission des Niedersächsischen Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Erfahrungen und Folgerungen aus den Januar-Sturmfluten 1976 für den Küstenschutz in Niedersachsen. In: Die Küste. H. 33, 1979.

Schäden Ähnlich wie bei der Weihnachtsflut 1717, der Sturmflut 1962 oder der Hollandsturmflut 1953 traf auch die Februarsturmflut 1825 die Nordseeküste unmittelbar nach einer längeren politischen und wirtschaftlichen Krisenzeit. Auf Grund der Kriegswirren infolge der französischen Revolution, der napoleonischen Besetzung, der Kontinentalsperre sowie damit einhergehenden Wirtschaftskrise waren Küstenschutz und Deichbau über Jahrzehnte vernachlässigt worden. Die Sturmflut des Jahres 1825 traf auf unzulänglich instand gehaltene und infolge der vom 31. Oktober 1824 bis 3. Januar 1825 andauernden Sturmserie bereits vorgeschädigte und durchweichte Deiche. Nur dort, wo die Deiche instand gehalten worden waren, hielten sich die Schäden in Grenzen. Als Schwachpunkte ersten Ranges erwiesen sich bei der Sturmflut neben unzureichenden Deichhöhen und zu steilen Innenböschungen Anlagen auf und am Deich wie Deichscharte und Siele sowie auf und am Deich stehende Gebäude. Auf den Halligen und in den nicht von Deichen geschützten Bereichen wie Flussinseln erwies sich die Höhe der Wurten für den Schutz der Menschen vor dem hohen Wasserstand und dem Seegang als vollkommen unzureichend.

Der Brockhaus (von 1836) berichtet, dass die Anzahl der Opfer vergleichsweise gering war, indem Sturmfluten (die). In: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände: Conversations-Lexikon, Band 10, Brockhaus, Leipzig 1836, S. 760–761 (Zitat S. 761; ).

Dänemark In der dänischen Monarchie waren die Nehrung des Limfjords an der jütländischen Westküste sowie das schleswigsche Wattenmeer und die holsteinische Elbmarsch betroffen.

Nordwestjütland An der dänischen Westküste durchbrach die Flut die Landzunge Agger Tange zum Limfjord hin und schuf so den Agger-Kanal. Seit diesem Tag bildet der Nordteil des dänischen Festlandes, bestehend aus Thy, Han Herred und Vendsyssel, die zweitgrößte dänische Insel Vendsyssel-Thy. Der Agger-Kanal ist zwar zwischenzeitlich bis auf Reste wieder versandet, jedoch hat eine weitere Sturmflut im Jahre 1862 etwas weiter südlich einen weiteren Durchbruch verursacht, der bis heute als Thyborøn-Kanal durch Ausbaggerung bewahrt wird und dafür sorgt, dass Vendsyssel-Thy eine Insel bleibt. An der südlichen Nehrung wurden im 20. Jahrhundert der Hafen und die Siedlung Thyborøn errichtet. Die beiden Nehrungen werden durch Höften und umfassende Sandvorspülung geschützt.

Nordfriesland Am schwersten betroffen waren die Halligen sowie Pellworm, das vollständig überflutet wurde. Hier war es schon bei den Sturmfluten im Herbst 1824 zu schweren Schäden gekommen. Schwere Schäden gab es auch auf Sylt, wo es nicht nur bei Rantum zu schweren Dünenabbrüchen kam, sondern das auch von der Wattseite her vollständig überflutet wurde. Ein im Jahre 1821 erbauter Seedeich bei Westerland wurde restlos zerstört. Im besonders schwer von der Flut betroffenen Rantum drang das Wasser in 100 Häuser ein, 15 davon wurden zerstört. Die Bevölkerung rettete sich in die angrenzenden Dünen.Carl Peter Hansen: Chronik der friesischen Uthlande. Altona 1856, S. 244. Ähnlich schwere Schäden entstanden auf Amrum. Auf Föhr brach der Deich an insgesamt 5 Stellen, was zu einer vollständigen Überflutung der Insel führte. Dabei kamen 2 Menschen ums Leben, es gab sehr hohe Viehverluste und schwere Sachschäden.